Myzeqe

Myzeqe
Blick von Apollonia über die Ebene (Nord)
Blick von Apollonia über die Ebene (West)
Ebene westlich von Lushnja mit parallel zur Küste verlaufendem Hügelzug

Die Myzeqeja (albanisch auch Myzeqe, Aromunisch Muzachia) ist eine große Ebene, die weite Teile Zentralalbaniens einnimmt. Das an der Adria gelegene Küstenland war bis vor wenigen Jahrzehnten hauptsächlich Sumpfland. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Melioration. Heute wird das Gebiet vor allem von der Landwirtschaft geprägt.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft des Namens

Vom 13. bis zum 15. Jahrhundert gehörte die Ebene der Feudalfamilie der Muzakaj, die ihr auch den Namen verlieh. Zuvor wurde die Myzeqe Savra genannt.

Geographie

Die Myseqeja bildet ein Dreieck von ungefähr 1350 km² zwischen den Städten Vlora im Süden und Elbasan im Osten sowie der Mündung des Flusses Shkumbin im Nordwesten. Der Fluss bildet auch die nördliche Grenze. Im Westen wird die Ebene durch die Adria begrenzt. Im Osten geht die Landschaft in die Hügel von Mallakastra und die südalbanischen Berge über.

Die Myzeqeja ist zum guten Teil Schwemmland. Neben dem Shkumbin durchziehen noch die Flüsse Seman und Vjosa die Ebene. An der Küste bildeten sich mehrere Lagunen wie die Lagune von Karavasta und diejenige von Narta bei Vlora (rund 100 km² des gesamten Gebiets). Über weite Strecken liegt die Oberfläche weniger als 20 m über dem Meeresspiegel. Eine Kette von Hügeln durchzieht die Ebene von Süd nach Nord im Abstand von rund zehn bis 20 km zum Meer, deren höchster Punkt liegt auf 235 m. Die Hügel der Myzeqe dehnen sich über rund 300 km² aus.

Der südlichste Teil zwischen Vlora und Vjosa wird Myzeqeja e Vlorës genannt. Nördlich davon bis zum Seman erstreckt sich die Kleine Myzeqeja, auch Myzeqeja e Fierit. Die Gebiete nördlich des Seman gelten als Große Myzeqeja oder Myzeqeja e Lushnjës.

Geschichte

Antike

Die Gründer der Stadt Apollonia nannten die große Ebene Gylakion pedion, nach Gylax, der die ersten Siedler in dieses Gebiet geführt hatte.

In der Antike war das Gebiet nicht versumpft und gut für die Landwirtschaft geeignet. Die Region galt als eine der Kornkammern des Römischen Reiches. Über die griechischen Kolonien Apollonia und Dyrrhachion wurde das Getreide exportiert.

Die Via Egnatia, die bedeutende römische Heeresstraße, die die Adria mit Konstantinopel verband, führte durch die Myzeqeja-Ebene. Die nördliche Route von Durrës folgte dem Shkumbin, während die südliche Route von Apollonia quer durch die Ebene verlief.

In der Spätantike änderten die Flüsse der Myseqeja ihren Lauf, was unter anderem zur Verlandung des Hafens von Apollonia führte. Die Versumpfung der Region begann.

Mittelalter und Neuzeit

Mit dem Verfall der byzantinischen Herrschaft konnten sich im Spätmittelalter einheimische Adelige zu Lokalherrschern in der Myseqeja aufschwingen. Nach der Besetzung Albaniens durch die Osmanen war das Land im Besitz muslimischer Großgrundbesitzer. Die Bauern mussten hohe Abgaben zahlen. Die Landbevölkerung lebte sehr primitiv in einfachsten Lehmhütten. Die Menschen litten unter großer Armut und unter der Malaria, da rund drei Viertel der Region Sumpfland und Morastig war.

Nur wenige kleine Ansiedlungen und Verkehrswege waren an den Rändern der Ebene zu finden: die heutige Stadt Lushnja entwickelte sich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Kleinstädte Peqin und Rrogozhina lagen am nördlichen Rand bereits auf der anderen Seite des Shkumbin, die Klöster von Ardenica und Apollonia befanden sich auf den höchsten Punkten der Hügel. Der Marktflecken Fier war der einzige größere Ort in der Ebene. Aber auch dort lebten vor der Trockenlegung der Sümpfe weniger als 2.000 Menschen.

Die wandernden Aromunen nutzten die Region als Winterweide. Noch heute sind sie in einigen Dörfern der Gegend ansässig.

20. Jahrhundert und Gegenwart

Während die Italiener schon vor dem Zweiten Weltkrieg gewisse Sümpfe in Albanien trocken gelegt hatten, wurden diese Arbeiten in der Myzeqe erst in den 1950ern forciert. In gewissen Gebieten dauerte die Vollendung der Melioration bis in die 1970er Jahre. Das kommunistische Albanien hatte mit zahlreichen Entwässerungskanälen und Pumpstationen eine der fruchtbarsten Gegenden des Landes geschaffen. Möglich wurde dies dank der Unterstützung der Sowjetunion, aber auch durch den Einsatz von Zwangsarbeitern. Auf dem neuen Land wurden unter anderem Flüchtlinge aus Kosovo und Griechenland angesiedelt. Es wurden aber auch viele Familien von politische Gegnern hierher verbannt.

Die Myzeqe ist heute dicht besiedelt. Neben den Bauern der Kornkammer Albaniens wuchsen Orte wie Fier, Lushnja, Patos und Kuçova zu Städten, wo auch Industrie angesiedelt wurde. Im Südosten der Myzeqe werden Erdöl und Erdgas gefördert; Patos und Kuçova sind Zentren der albanischen Ölindustrie. Auch Straßen und Eisenbahnlinien wurden in kommunistischer Zeit gebaut.

Seit der Trockenlegung der Sümpfe ist die Malaria in Albanien ausgerottet.

Literatur

  • Eric Fouache, Gjovalin Gruda, Skender Mucaj und Pal Nikolli: Recent geomorphological evolution of the deltas of the rivers Seman and Vjosa, Albania. In: Earth Surface Processes and Landforms. 26(2001), S. 793-802. Abstract hier.

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