Raumschiff Venus antwortet nicht

Raumschiff Venus antwortet nicht
Filmdaten
Deutscher Titel: Der schweigende Stern (DDR),
Raumschiff Venus antwortet nicht (Bundesrepublik Deutschland)
Originaltitel: Der schweigende Stern,
Milcząca Gwiazda
Produktionsland: DDR, Polen
Erscheinungsjahr: 1960
Länge: 90 Minuten
Originalsprache: Deutsch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Kurt Maetzig
Drehbuch: Jan Fethke,
Wolfgang Kohlhaase,
Günter Reisch,
Günther Rücker,
Alexander Graf Stenbock-Fermor
Produktion: Hans Mahlich,
Edward Zajicek
Musik: Andrzej Markowski
Kamera: Joachim Hasler
Schnitt: Lena Neumann
Besetzung
  • Yoko Tani: Sumiko Ogimura
  • Oldřich Lukeš: Hawling
  • Ignacy Machowski: Sołtyk
  • Julius Ongewe: Talua
  • Michaił Postnikow: Arsenjew
  • Kurt Rackelmann: Sikarna
  • Günther Simon: Brinkmann
  • Tang Hua-Ta: Lao Tsu
  • Ruth Maria Kubitschek: Frau Arsenjew
  • Lucyna Winnicka: Joan Moran

Der schweigende Stern ist der erste Science-Fiction-Film des DEFA-Studios für Spielfilme (Gruppe „Roter Kreis“) aus dem Jahr 1960, der in Co-Produktion zwischen der DDR und Polen entstand. Der Film, der nach Stanisław Lems erstem Roman „Die Astronauten“ (bzw. „Der Planet des Todes“) gedreht wurde, wurde genau zu jener Zeit realisiert, als der erste künstliche Flugkörper überhaupt im Rahmen der russischen Lunik-Mission gezielt auf der Mondoberfläche aufschlug. Der Streifen kam am 26. Februar 1960 in die Kinos der DDR. In die Lichtspielhäuser der Bundesrepublik Deutschland kam der Film am 9. September 1960 unter dem Titel Raumschiff Venus antwortet nicht. Heute ist der Film wieder unter dem Originaltitel erhältlich.

Hauptthema des Films ist die Warnung vor einer nuklearen Katastrophe, einer Gefahr, die angesichts des sich verschärfenden Kalten Krieges und der Atombombentests in den USA und der Sowjetunion in den 1950er Jahren sehr real war. Dargestellt wird es im Film am Beispiel der Bewohner des Planeten Venus, die die Erdbevölkerung mit Nuklearstrahlen ausrotten wollten, stattdessen aber durch ihre eigenen Waffen umkamen.

Zudem wird im Film an mehreren Stellen ausdrücklich auf den Atombombenabwurf auf Hiroshima Bezug genommen: Sumiko Ogimura hat als elfjähriges Mädchen den Bombenabwurf miterlebt und ist deshalb unfruchtbar, und Hawling hat am Manhattan-Projekt mitgearbeitet.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Im Jahr 1970 finden Wissenschaftler in der Wüste Gobi eine Kapsel, in der sich ein Datenträger mit einer verschlüsselten Botschaft befindet. Die Nachricht kann zunächst nicht entschlüsselt werden, es deutet aber vieles darauf hin, dass die Kapsel vom Planeten Venus stammt. Nachdem alle Versuche, mit dem Planeten bzw. dessen Bewohnern Kontakt aufzunehmen, gescheitert sind, wird beschlossen, eine Expedition zur Venus zu senden. Die acht Mitglieder der Mannschaft sind unterschiedlicher Nationalität. Zu ihr zählen die japanische Ärztin Dr. Sumiko Ogimura, der deutsche Pilot Brinkmann, der sowjetische Astronaut Arsenjew, ein afrikanischer Techniker namens Talua und der US-amerikanische Atomphysiker Hawling. Ebenfalls zur Crew gehören der indische Mathematiker Sikarna und der chinesische Linguist Lao Tsu sowie der polnische Chefingenieur Soltyk. Die Besatzung startet mit dem Raumschiff Kosmokrator zur Venus.

Während des Fluges kann die Nachricht entschlüsselt werden. Sie sagt aus, dass die Venusbewohner einen nuklearen Angriff auf die Erde vorbereiten. Dennoch entschließt sich die Crew, weiterzufliegen, denn da der Angriff bisher nicht stattgefunden hat, besteht vielleicht noch eine Chance zur friedlichen Kontaktaufnahme.

Nach der Landung stellt sich heraus, das die Venus radioaktiv verstrahlt ist. Die Expedition findet auf dem Planeten merkwürdige technische Anlagen und Maschinen, deren Funktion zunächst nicht geklärt werden kann, jedoch keine lebenden Wesen. Als die Menschen eine verlassene Stadt finden und in sie eindringen, werden sie von automatischen Abwehranlagen beschossen. Sie finden ein Gebäude, das offenbar eine Art Kommandozentrale war. Aus Unachtsamkeit setzen sie dort einen Mechanismus in Gang, der die Strahlenkanonen aktiviert.

Mit knapper Not gelingt es, den Mechanismus wieder anzuhalten. Drei Besatzungsmitglieder verlieren dabei ihr Leben, die übrigen werden mit dem Kosmokrator ins All geschleudert und können zur Erde zurückkehren.

Kritiken

„Der in Co-Produktion zwischen der DDR und Polen entstandene Science-Fiction-Film kleidet seine warnende politische Botschaft in ein utopisches Gewand. Ein ehrgeiziges Projekt der frühen DEFA, die hier mit Geschick und Improvisationskunst die aufwendigen ‚westlichen‘ Kinofilme zu kopieren versuchte.“

Lexikon des internationalen Films [1]

Anmerkungen

  • Unter dem Titel First Spaceship on Venus gelangte eine auf 82 Minuten gekürzte Version in die USA und nach Großbritannien. Diese Version bekam eine neue Filmmusik von Gordon Zahler und ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil in dieser Version aus dem Leiter der Mission, dem Russen Arsenjew der Amerikaner Heddingway wurde und aus dem Polen Soltyk der Franzose Durand. Der ursprüngliche Amerikaner im Film, Hawling, der sich dieser internationalen Mannschaft anschloss, wurde zu einem Professor Orloff. An Dialogen wurde alles entfernt, was sich um Hiroshima drehte, der Tod von Sumikos Mutter durch die Atombombe und ihre eigene Unfruchtbarkeit durch die Strahlung. In einer Szene zeigt der Amerikaner Hawling dem Russen Arsenjew ein Bild, gemalt von seinem Sohn, was beide Wissenschafter zusammen in einem „Raumschiff zu den Sternen“ zeigt. Diese Szene wurde ebenfalls entfernt.
  • Der amerikanische Verleih des Films, Crown International Pictures, schreckte nicht einmal davor zurück, aus dem in Agfacolor gedrehten Film eine „Totalvision in Technicolor“ zu machen.
  • Die Bearbeitungen dieses Filmes für den amerikanischen und westeuropäischen Markt können als Beispiel für Zensur und Manipulation in Zeiten des kalten Krieges gesehen werden.
  • Es ist klar, dass in der Zeit des Kalten Krieges die im Film an mehreren Stellen enthaltenen Aussagen zur Überlegenheit des sowjetischen Systems von der westlichen Zensur entfernt wurden.
  • Die Handlung wurde nur 10 Jahre in die Zukunft verlegt, was für einen Science-Fiction-Film an sich ungewöhnlich ist. Die Drehbuchautoren steckten hier in einem Dilemma: Natürlich war klar, dass es noch einige Jahrzehnte dauern würde, bis Reisen zu einem anderen Planeten möglich sind. Andererseits durfte sich aber der Zeitrahmen nicht so weit vom Bombenabwurf auf Hiroshima entfernen, wollte man nicht auf ein wichtiges Element der Story verzichten.
  • Die technischen und visuellen Effekte sind bemerkenswert. Interessant anzusehen sind auch die Computer und Steuertafeln im Raumschiff, sie erlauben einen Blick in eine „vergangene Zukunft“.

Auszeichnungen

  • 1964: Goldenes Raumschiff beim Filmfest von Triest.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. vgl. http://www.filmevona-z.de/filmsuche.cfm?wert=44849&sucheNach=titel

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