Schlisselburg

Schlisselburg
Stadt
Schlüsselburg
Шлиссельбург
Wappen
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Leningrad
Rajon Kirowsk
Erste Erwähnung 13. Jahrhundert
Stadt seit 1780
Fläche 16 km²
Höhe des Zentrums 15 m
Bevölkerung 12.500 Einw. (Stand: 2007)
Bevölkerungsdichte 781 Ew./km²
Zeitzone UTC+3 (Sommerzeit: UTC+4)
Telefonvorwahl (+7)81362
Postleitzahl 187320
Kfz-Kennzeichen 47
OKATO 41475
Geographische Lage
Koordinaten: 59° 57′ N, 31° 2′ O59.9531.03333333333315Koordinaten: 59° 57′ 0″ N, 31° 2′ 0″ O
Schlüsselburg (Russland)
DEC
Schlüsselburg (Oblast Leningrad)
DEC
Oblast Leningrad
Liste der Städte in Russland

Schlüsselburg (russisch Шлиссельбург / Schlisselburg; 1944–92 Петрокрепость / Petrokrepost; im Mittelalter Орешек / Oreschek; schwedisch historisch Nöteborg, finnisch Pähkinälinna) ist der Name einer russischen Festung auf einer Insel im Zufluss der Newa aus dem Ladogasee sowie einer Stadt am linken Ufer der Newa. Die Stadt hatte im Jahr 2007 rund 12.500 Einwohner und zählt verwaltungstechnisch zur Oblast Leningrad.

Die Festung Schlüsselburg sowie die historische Altstadt wurden 1990 von der UNESCO in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

13. und 14. Jahrhundert

Festung Schlüsselburg
Ansicht der Festung

Die Festung wurde laut der russischen Geschichtsschreibung im 13. Jahrhundert von Prinz Juri von Nowgorod angelegt. Nach dem russischen Wort für die auf der Insel wachsenden Haseln (nach einer anderen Version nach der Form der Insel, einer weiteren nach im Sinne von harte Nuss) nannte er sie Orechowez (Ореховец), die Festung Oreschek' (Орешек). Nach der schwedischen Version wurde die Insel erstmals 1299 vom Schweden Torgils Knutsson befestigt. Auch der schwedische Name hat etwas mit Nuss zu tun: nöt heißt auf schwedisch Nuss, borg übrigens Burg.

1323 wurden in der Festung Verhandlungen um den russisch-schwedischen Grenzverlauf in Karelien geführt, der Abschluss wird in der deutschsprachigen Geschichtsschreibung meist als Vertrag von Nöteborg benannt. Die Festung selbst verblieb bei Nowgorod bzw. Russland und wurde 1352 mit steinernen Mauern sowie in den folgenden Jahrhunderten zudem mit mehreren Türmen verstärkt.

Großer Nordischer Krieg

Im Inneren

Im Mai 1612 fiel die Festung nach neunmonatiger Belagerung an Schweden. Erst während des Großen Nordischen Krieges konnte im Jahr 1702 Peter der Große die Festung nach einem zehntägigen Beschuss für Russland zurückerobern. Er gab der Festung daraufhin den deutschen Namen „Schlüsselburg“, wohl weil er sie als „Schlüssel“ zur Eroberung Finnlands ansah. Am linken Ufer der Newa entwickelte sich in dieser Zeit auch die Siedlung Schlüsselburg. Sie erhielt im Jahre 1780 Stadtstatus. Ihre Anlage wurde durch die Kanal- und Schleusenanlagen des seit 1719 entstandenen, für die Newa-Schifffahrt wichtigen Ladogakanals geprägt.

Mit dem Sieg Russlands im Nordischen Krieg und der Gründung Sankt Petersburgs verlor die Festung Schlüsselburg an strategischer Bedeutung und wurde in der Folge vornehmlich als politisches Gefängnis genutzt. Berühmtester Gefangener war Zar Iwan VI., der nach seiner Absetzung im Jahr 1741 von 1756 bis zu seiner Ermordung 1764 in der Festung gefangen gehalten wurde.

Neuzeit

Ein Verlies in der Festung

Nach der Oktoberrevolution wurden die Gefängnisbauten niedergebrannt. Von 1928 bis 1940 befand sich in der Festung ein Revolutionsmuseum. Am 8. September 1941 wurde die Stadt Schlüsselburg nach schweren Kämpfen von der deutschen Wehrmacht erobert. Die Festung Schlüsselburg auf der Insel Orechowy („Nussinsel“) wurde von den Deutschen durch Artilleriebeschuss stark zerstört, allerdings nie eingenommen. Am 18. Januar 1943 wurde die Stadt Schlüsselburg von der Roten Armee zurückerobert. [1]

Im Jahr 1944 wurde die Stadt im Zuge der Tilgung deutscher Ortsnamen nach Peter dem Großen in Petrokrepost (Петрокрепость, wörtlich „Petersfestung“) umbenannt. Diese Umbenennung wurde 1992 wieder rückgängig gemacht.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Harrison E. Salisbury, 900 Tage Belagerung von Leningrad, S. 319/320

Weblinks


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