Schnur (Alarmierungssystem)

Schnur (Alarmierungssystem)

Das Alarmierungssystem „Schnur“, auch als Gerätesystem P 161 bezeichnet, war ein komplexes, in sich geschlossenes Gerätesystem zur Übermittlung von Signalzuständen an unterstellte Truppen. In der Nationalen Volksarmee wurde es für die zentrale Überführung in höhere Stufen der Gefechtsbereitschaft eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

System

Das Kommando- und Adresspult des Alarmierungssystems

Der Gerätesatz Schnur (P161) wurde als Musteranlage Mitte der 1980er Jahre aus der UdSSR eingeführt. Ursprünglich sollte mit diesen Gerätesätzen das Alarmierungs- und Benachrichtigungssystem der NVA umgerüstet werden. Davon wurde aus verschiedenen Gründen Abstand genommen. Die Musteranlage wurde als Gerätesatz im Operativen Führungszentrum des MfNV installiert. Der Bedienplatz war in Pultbauweise ausgefertigt und wurde vom Operativen Diensthabenden des Ministeriums für Nationale Verteidigung bedient. Das System gewährleistete die automatisierte Alarmierung der angeschlossenen Teilnehmer über mehrere Führungsebenen unter Nutzung bestehender direkter Draht-, Richtfunk- oder Funkverbindungen. Vorrangig wurden Drahtverbindungen genutzt, die als 2-Draht oder 4-Draht-Telegrafiekanäle angeschaltet waren. In den Richtungen ohne direkte Verbindungen wurden die Kommandos über bestehende Verbindungen übertragen. Für die Zeit der Übertragung von Kommandos waren diese Verbindungen für den operativen Informationsaustausch blockiert. Die Nachrichtenkanäle für die Anschaltung an das Alarmierungssystem „Schnur“ stellte in aller Regel die Deutsche Post bereit.

Hauptgeräte des Systems

Hauptsatz

Örtliches Benachrichtigungspult

Der Hauptsatz war bestimmt für:

  • die Bildung der Kommandos der Warnung/Alarmierung und ihre Übertragung an nachgeordnete Führungsebenen,
  • die Steuerung des Zusatzsatzes, wenn dieser ebenfalls aufgebaut wurde,
  • das Abzweigen von Übertragungskanälen für die Zeit der Übertragung der Kommandos,
  • den Empfang und die Fixierung der Kommandos von der übergeordneten Führungsebene,
  • das Erzeugen und Übertragen der Bestätigungssignale (automatisch, Handbestätigung) auf ein empfangenes Kommando,
  • das Übertragen der Signale „TREWOGA“ (deutsch: Alarm) und „PROWERKA“ (deutsch: Kontrolle) im Satz der örtlichen Benachrichtigung.

Die nebenstehenden Bilder des Gerätesystems aus dem ehemaligen Operativen Führungszentrum des Ministeriums für Nationale Verteidigung zeigen das Kommando- und Adresspult mit den möglichen Stufen der Gefechtsbereitschaft in der NVA und die am System angeschlossenen militärischen Einrichtungen. Dabei bedeutet:

  • - „EG“ - erhöhte Gefechtsbereitschaft,
  • - „KG“ - Gefechtsbereitschaft bei Kriegsgefahr und
  • - „VG“ - volle Gefechtsbereitschaft.

Das Adresspult trägt die Beschriftungen:

  • - „LaSK“- für Kommando Landstreitkräfte,
  • - „ZGS“- für den zentralen Gefechtsstand der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung,
  • - „TGS VM“- für den territorialen Gefechtsstand der Volksmarine der DDR,
  • - „MA“- für Militärakademie „Friedrich Engels“,
  • - „2.NBr.“- für die 2. Nachrichtenbrigade,
  • _ „RfuR-2“- für das Richtfunkregiment 2 und
  • - „WE“ für die dem Ministerium direkt unterstellten Wartungseinheiten der Hilfsnachrichtenzentralen.

Zusatzsatz

Der Zusatzsatz wurde zum Übertragen der Kommandos in bis zu 10 Richtungen, in Verbindung mit dem Hauptsatz, sowie zum Empfang der entsprechenden Bestätigungssignale verwendet

Satz der örtlichen Benachrichtigung

Der Satz der örtlichen Benachrichtigung war bestimmt für die Überführung der am Standort des Systems dislozierten Truppen, Einrichtungen und Dienststellen der NVA in höhere Stufen der Gefechtsbereitschaft. Dazu waren diese über direkte Stromwege (Leitungen) an das System angeschlossen. Die Beschriftung im nebenstehenden Bild vom Satz der örtlichen Benachrichtigung für den Standort Strausberg weist u.a. auf folgende angeschlossenen Dienststellen und Diensthabenden:

  • - „OvD MfNV“- Offizier vom Dienst des MfNV,
  • - „KFZ-R–2“- für das Kfz-Regiment 2,
  • - „Hpt-NZ“- für HptNZ (Hauptnachrichtenzentrale) und
  • - „BCHA-2“- für das Bataillon Chemische Abwehr 2.

Literatur

  • Joachim Kampe: Wostok- die Nachrichtenzentrale im Zentrum der militärischen Macht der DDR, ISBN 3-932566-60-2
  • Hans-Werner Deim, Hans-Georg Kampe, Joachim Kampe, Wolfgang Schubert: Die militärische Sicherheit der DDR im Kalten Krieg, ISBN 978-3-932566-80-6

Weblinks


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