Sirenen

Sirenen
Odysseus und die Sirenen (Vasenbild, ca. 475-450 v. Chr.)

Eine Sirene (griechisch Σειρήν Seirēn) ist in der griechischen Mythologie ein weibliches Fabelwesen (Mischwesen aus ursprünglich Frau und Vogel, später auch Frau und Fisch), das durch seinen betörenden Gesang die vorbeifahrenden Schiffer anlockt, um sie zu töten.

Inhaltsverzeichnis

Namen

Es gab zwei, drei oder vier Sirenen (Seirenes, auch Acheloides oder Acheloiades genannt):

  • Himeropa ("sanfte Stimme") und Thelxiope ("bezauberndes Aussehen")
  • Leukosia ("die Weiße"), Ligeia ("die Laute, laut") und Parthenope ("Mädchenstimme")
  • Aglaopheme ("süße Rede"), Molpe ("Lied"), Peisinoe ("die Überredende").

Thelxiope wird auch Thelxiepia genannt.

Einzelzüge des Mythos

Griechische Sirene (340–300 v. Chr.).

Als Mischwesen von Mädchen und Vogel waren die Sirenen der Gestalt nach den Harpyien ähnlich, wobei nur der Kopf menschlich war. Als Eltern werden der Flussgott Acheloos und eine der neun Musen Terpsichore oder aber der Meeresgott Phorkys und das Meeresungeheuer Keto angegeben.

Sie traten zusammen auf, was den Liebreiz ihres Gesanges wohl verstärkte. Ob sie "böse Dämoninnen" waren, ist fraglich. Möglicherweise führt nur der Umstand der Verführung zu einer entsprechenden Wertung. Gegen eine Interpretation als böse Dämoninnen spricht die Erzählung, wie sie (nach Ovid) ihre Gestalt bekommen haben sollen: Als Gespielinnen der Göttin Persephone machten sie sich auf die Suche nach ihr, als sie von Hades entführt worden war, und baten um ihre Verwandlung, damit sie diese auch auf dem Meer suchen könnten. Nach einer anderen Erzählung ließen sie zu, dass Hades die Persephone entführte, und wurden von Demeter zur Strafe verwandelt. Erzählt wurde auch, dass sie in einem Wettstreit mit den Musen, wer schöner singen könne, unterlagen und dabei "Federn lassen" mussten, aus denen sich die Musen Kränze flochten.

Einer Prophezeiung zufolge hätten sie sich ins Meer stürzen und ertränken müssen, falls es einem Seemann gelänge, sie zu passieren ohne der Verlockung ihres Gesangs zu unterliegen. Allerdings gelang dies sowohl Orpheus als auch Odysseus. Der erste konnte ihren Gesang mit dem eigenen übertönen, der letztere ließ auf Kirkes Rat hin seinen Gefährten die Ohren mit Wachs verschließen und sich selbst an den Mast des Schiffes binden. So konnte Odysseus den Gesang zwar hören, aber er konnte nicht verführt werden.

In späteren (literarischen sowie bildnerischen) Bearbeitungen der Sirenen wurde der Bezug zum Meer dadurch verdeutlicht, dass sie immer häufiger als Mischwesen zwischen Menschen und Fischen dargestellt und als Meerjungfrauen bezeichnet wurden. In einigen moderneren Adaptionen des Themas werden Sirenen mit Nixen gleichgesetzt.

Siehe auch

Literatur

  • Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen - Die Götter- und Menschheitsgeschichten. dtv, ISBN 3-423-30030-2
  • Michael Grant und John Hazel: Lexikon der antiken Mythen und Gestalten. dtv, ISBN 3-423-32508-9
  • Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie - Quellen und Deutung. rororo, ISBN 3-499-55404-6

Weblinks

http://www.mythentor.de/griechen/odyssee5.htm

Andere Wortbedeutungen

Siehe Sirene.


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  • Sirenen — Sirenen, Seirenes Vögel mit Menschenköpfen, die durch ihren wunderbaren Gesang Seefahrer auf ihre Insel lockten und dort töteten. Odysseus* entging, von Kirke* beraten, der Gefahr, weil er seinen Gefährten die Ohren mit Wachs verstopfte und sich… …   Who's who in der antiken Mythologie

  • Sirēnen [1] — Sirēnen (Seirenes), Töchter des Phorkys (s. d.) oder des Acheloos und einer Muse. bei Homer zwei, in späterer Sage drei Jungfrauen, die auf einem Eiland zwischen der Insel der Kirke und der Skylla, auf einer Strandwiese, umgeben von bleichenden… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Sirenen — (Sirenia), Familie der Wall od. Flossensäugethiere; Vorderfüße in einem Hautsäcke steckend, zu Flossen umgewandelt, Hutersüße fehlen od. sind mit dem Schwanze verwachsen, Vorderfüße fehlen od. sind nur im Oberkiefer; leben am Meeresuser, fressen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Sirēnen — Sirēnen, 1) (Sirēnes), nach Homer liebreizende Mädchen auf einer Insel bei Sicilien od. an der Küste von Campanien (s. Sirenusá), welche auf einer blumigen Wiese, umgeben von verwesenden Menschengebeinen, saßen, durch süßen Gesang (Sirenengesang) …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Sirēnen [2] — Sirēnen, soviel wie Seekühe, s. Wale …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Sirenen — Sirēnen (grch. Seirēnes), in der altgriech. Religion ursprünglich Totengeister, nach der Odyssee Jungfrauen, die vom Gestade ihrer Insel im fernen Westen die Vorüberfahrenden durch zauberischen Gesang anlockten, um sie dann zu töten; dargestellt… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Sirenen [2] — Sirēnen (Sirenĭa), s. Seekühe …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Sirenen — Sirenen, myth. Wesen, bei Homer auf einer Insel des Westmeeres zwischen der Insel der Circe u. der Scylla hausend, 3 Jungfrauen, welche die Vorüberschiffenden durch ihren zauberischen Gesang an ihre Insel lockten, wo sie durch Schiffbruch den Tod …   Herders Conversations-Lexikon

  • Sirenen — I Sirenen   [nach den Sirenen des griechischen Mythos], die Seekühe.   II Sirenen,   griechisch Seirenes, griechischer Mythos: mit betörendem Gesang begabte Vogeldämonen. Nach der »Odyssee« lockten sie auf einer sagenhaften Insel im Westen die… …   Universal-Lexikon

  • Sirenen (Mythologie) — Sirenen (Mythologie), Töchter der Melpomene oder Terpsichore, holden Gesanges kundige Meerjungfrauen, deren wonnig schöne Gestalt sich in einen Fischleib endete. Mit unwiderstehlichem Gesang lockten sie die Schifffahrer an, die, Alles vergessend …   Damen Conversations Lexikon

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