Skadar

Skadar
Shkodra
Shkodra (Albanien)
DEC

42.067519.51305555555613Koordinaten: 42° 4′ N, 19° 31′ O

Basisdaten
Staat: Albanien
Qark: Shkodra
Kreis: Shkodra
Höhe: 13 m ü. A.
Fläche: 16,46 km²
Einwohner: 109.632 (2003)
Bevölkerungsdichte: 6.661 Einwohner je km²
Zeitzone: MEZ (UTC+1)
Telefonvorwahl: (+355) 022
Postleitzahl: 4001-4007
Kfz-Kennzeichen: SH
Struktur und Verwaltung (Stand: 2008)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Lorenc Luka (PD)
Webpräsenz:
Sonstiges
Stadtfest: Karnavali i Shkodrës (Karneval von Shkodra)
Alter Stadtteil
Innenstadt mit Hotel Rozafa
Blick von der Burg aufs Stadtzentrum
Migjeni-Theater
Neue Moschee im Zentrum
Denkmal von Luigj Gurakuqi

Shkodra (albanisch auch Shkodër, deutsch früher auch Skutari, italienisch Scutari, serbisch Skadar, lateinisch Scodra, türkisch İşkodra) ist die wichtigste Stadt Nordalbaniens und Hauptort des gleichnamigen Qarks und des gleichnamigen Kreises am Shkodrasee, nahe der Grenze zu Montenegro gelegen. Die Stadt hat 113.350 registrierte Einwohner.[1]

Inhaltsverzeichnis

Stadtbild

Shkodra liegt in einer Engstelle in der weiten Ebene, die sich entlang der Küste des Adriatischen Meers und des Shkodrasees entlangzieht, zwischen dem Bergzug des Tarabosh und den Ausläufern der Albanischen Alpen. Ein kleiner Hügelzug als Fortsetzung des Tarabosh durchzieht am südlichen Stadtrand von Shkodra die Ebene und teilt diese in die Abschnitte Mbishkodra am Seeufer und Nënshkodra gegen die Adria und Lezha. Mehrere Flüsse prägen die Gegend rund um Shkodra. Die Buna entwässert den See und zieht durch einen Engpass zwischen Tarabosh und der Hügelkette zur Adria nach Süden. Von Südosten strömt der Drin heran und mündet wenig südlich des Einschnittes in die Buna. Der Kir mündet nur kurz vor dem Zusammenfluss von Drin und Buna in den Drin. Er kommt aus den Alpen, passiert den südöstlichen Stadtrand der Stadt und durchbricht den Hügelzug etwas südlich.

Auf einem Hügel steil über der Buna zwischen den Flüssen Buna und Drin liegt die Burgruine Rozafa. Ihre Ursprünge gehen auf die vorrömische Zeit der Illyrer zurück. Die Burg hat bis in die Neuzeit die Geschicke der Stadt bestimmt. Ihre Lage erlaubte, wichtige Verkehrswege auf dem Fluss und an Land sowie später die Brücken zu kontrollieren, und bot über Jahrtausende Sicherheit. Mit Ausnahme der Befestigungsmauer sind die meisten Gebäude der Burg zerstört. Bis zur Niederlage der türkischen Truppen im Jahr 1913 wurde sie noch militärisch genutzt. Am nördlichen Fusse des Burgbergs lag über Jahrhunderte auf einem schmalen Uferstreifen das Basarviertel Shkodras. Hier befindet sich auch die Buna-Brücke und eine Anlegestelle für die Buna hochkommende sowie den See querende Schiffe.

Ab ca. 1770 setzte eine Verlagerung des Stadtzentrums weg vom Basar rund zwei Kilometer nach Osten in die Ebene am Seeufer ein, so dass die Stadt bald über zwei komplett voneinander getrennte Teile verfügte. Ein drittes Viertel lag südöstlich des Burghügels am Ufer des Kir. Nach den Erdbeben von 1815 und 1837 veränderte sich aber der Lauf des Drins, der zuvor nicht in die Buna, sondern direkt ins Meer mündete, und das Tabak-Viertel wurde in der Folge regelmäßig überflutet. Die Bleimoschee, das bedeutendste Gebäude im heute sehr ländlich geprägten Viertel, war schon nach dem Ersten Weltkrieg ungenutzt. Die Bedeutung des Basarviertels nahm spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls ab, so dass von der historischen Substanz in den 1980ern Jahren nichts mehr zu sehen war.[2]

Das heutige Stadtbild ist noch immer von trostlosen Wohnblöcken aus kommunistischer Zeit, weiten Strassen, aber auch verwinkelten Gassen mit hohen Hofmauern geprägt. Im Zentrum sind in jüngster Zeit einige neue Hochhäuser und Gotteshäuser entstanden. Einige Strassenzüge mit historischen, städtischen Häusern wurden wiederhergestellt und sollen demnächst zu einer Fussgängerzone gestaltet werden. Im Jahr 2007 bestanden auch Pläne zum Bau neuer Einkaufspassagen am Ort des alten Basarviertels. Das Niemandsland zwischen Burg und heutiger Stadt ist in seit dem Ende der 1990er allmählich mit neuen Dienstleistungs- und Handelsgeschäften überbaut worden.

Geschichte

Das antike Scodra wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. gegründet und war das städtische Zentrum der illyrischen Labeaten. Hier residierte im 3. Jahrhundert v. Chr. die bekannte illyrische Königin Teuta, früher auch Agron und später auch Genthios. Ihre Truppen wurden im Ersten Illyrischen Krieg vor Scodra von den Römern entscheidend geschlagen und Teuta musste ihre Hauptstadt für immer verlassen. Genthios, der letzte illyrische Herrscher Scodras wurde 168 v. Chr. von den Römern besiegt und Scodra wurde Teil des römischen Imperiums. Seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. Teil der Provinz Dalmatia, wurde sie im Zuge der Verwaltungsreform Kaiser Diokletians Metropole der neu geschaffenen Provinz Praevalitana. Seit dem 4. Jahrhundert ist die Stadt auch Sitz eines Erzbischofs gewesen. Dieser wurde aber 535 von Kaiser Justinian der neu geschaffenen Metropolie Justiniana Prima unterstellt und Shkodra somit zum Bistum zurückgestuft.

In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts drangen die Slawen bis in die Gegend von Shkodra vor und eroberten die Stadt.

Ab 1040 gehörte Shkodra zum Fürstentum Duklija. Nach wechselnden Herrschaften war die Stadt im 14. Jahrhundert bis 1355 Teil des Serbischen Reichs. Danach regierten die Ballsha in Shkodra. 1393 besetzen die Türken zum ersten Mal für kurze Zeit die Stadt. 1396 übernahmen dann die Venezianer die Macht in Shkodra. 1403 kam es zu einem Aufstand der Shkodraner gegen die venezianische Herrschaft.

1479 wurde Shkodra von den Osmanen nach langer Belagerung der Burg erobert, und Shkodra wurde Hauptstadt des gleichnamigen Vilayets. Es dauerte jedoch längere Zeit bis sich die Stadt von den Zerstörungen und der Entvölkerung infolge der türkischen Eroberung erholen konnte und zu einem bedeutenden Handelsort wurde, der vom Austausch zwischen dem Osmanischen Reich und dem übrigen Europa profitieren konnte. Noch 1614 wurde Shkodra von einem französischen Reisenden als kleine Stadt mit kaum 300 Häusern beschrieben. Der türkische Reisende Evliya Çelebi dagegen schildert sie etwa 50 Jahre später als blühende Handelsstadt mit 1800 Häusern (das entspricht etwa 9000 Einwohnern, etwas mehr als Berlin in jener Zeit hatte) – bis zu dieser Zeit hatte die Burg Rozafa auch als Wohnviertel gedient.

In den Wirren der Balkankriege 1912/13 beanspruchten Montenegriner und Serben die Stadt für ihre Staaten (immerhin gab es wirklich eine kleine Minderheit von Slawen in der Region, welche aber heute völlig assimiliert sind). Die montenegrinische Armee hielt Shkodra einige Zeit besetzt. Auf Druck der europäischen Großmächte musste diese 1914 wieder abziehen, und Shkodra wurde dem gerade unabhängig gewordenen Albanien zugerechnet. Im Ersten Weltkrieg von 1916 bis 1918 stand die Stadt unter österreichischer Besatzung. Nach dem Krieg folgten die Franzosen, die Shkodra 1920 an den jungen Staat Albanien übergaben.

Bis zum Aufschwung der neuen Hauptstadt Tirana in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts war Shkodra die wichtigste Stadt des Landes (zeitweise in Konkurrenz mit der Hafenstadt Durrës). Im 19. Jahrhundert lebten hier mehr als 40.000 Menschen. Die vielen katholischen Bewohner hatten starke Beziehungen nach Italien und Österreich, was der Entwicklung förderlich war. Katholische Mönche eröffneten verschiedene Schulen. 1879 wurde hier erstmals in Albanien eine Zeitung publiziert und 1901 fanden wichtige Treffen der albanischen Nationalbewegung statt.

1990 war die Stadt ein Zentrum des Aufstandes gegen die kommunistische Diktatur. Bei Demonstrationen kamen vier Personen ums Leben. Der katholische Priester Simon Jubani zelebrierte auf dem sogenannten Alten Katholischen Friedhof der Stadt den ersten Gottesdienst nach über 30 Jahren Religionsverbot und läutete damit das Ende dieser Bestimmung ein.

Gesellschaftliches

Das nordalbanische Zentrum hat viel von seinem alten Glanz verloren. Während des Kommunismus war Shkodra noch eine wichtige Industriestadt. Seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes leidet die Stadt unter einer relativ schlechten wirtschaftlichen Lage, die sich jedoch zunehmend bessert. Das Stadtbild hat sich in den letzten Jahren aufgrund starken Zuzugs aus den umliegenden Dörfern beträchtlich verändert. Es wird jedoch ohne Kriterium und ohne einen langfristigen Plan gebaut. Viele alte Häuser in der Altstadt müssen den neuen Hochbauten weichen.

In und um Shkodra ist seit Beginn der 90er Jahre das albanische Gewohnheitsrecht wieder aufgelebt. Ohne dieses genau zu kennen, glauben viele, Blutrache ausüben zu müssen. Hunderte von Familien in der Region können ihr Haus nicht mehr verlassen, weil sie von der Blutrache bedroht sind. Inzwischen sind unabhängige Organisationen und Privatpersonen in der Versöhnung der verfeindeten Parteien engagiert. Dank dieser Vermittlung hat sich die Lage in den letzten Jahren merklich entspannt. So wurden in den Jahren 2004 bis 2006 im Qark Shkodra nur noch ein oder zwei Blutrache-Morde pro Jahr registriert.[3]

Shkodra ist das Zentrum der Katholiken Albaniens, die primär im Norden leben. Die Stadt ist Sitz einer Erzdiözese und beherbergt ein theologisches Seminar des Jesuitenordens. Die Kathedrale (1898 fertig gestellt) war während des Kommunismus zu einer Turnhalle umfunktioniert worden.

Der lokale Fußballklub Vllaznia Shkodër spielt in der Ersten Liga.

Söhne und Töchter der Stadt

Quellen

Literatur

  • Marinus Barletius: De obsidione Scodrensi. Venedig 1504.
  • Lulëzim Lajçi: Shkodra në shekullin XV. Prishtina 1997.
  • Jasa Tomic: Rat u Albaniji i oko Skadra 1912 i 1913 godine. Der Krieg in Albanien und um Skutari. Novi Sad 1913.
  • Carlov Villavicenzo: Im belagerten Skutari. Wien 1913.
  • Hortense von Zambaur: Die Belagerung von Skutari (10.10.1912 bis 22. 4. 1913). Ein Tagebuch. Berlin 1914.
  • Lucia Nadin (Hrsg.): Statuti di Scutari. Della prima metà del secolo XIV con le addizioni fino al 1469. (= Corpus statutario delle Venezie. 15). Venezia 2002 ISBN 88-8334-042-6.
  • Skënder Luzati: Bauten und Architektur in Shkodra: Niedergang einer nordalbanischen Metropole, in: Werner Daum (Herausgeber): Albanien – zwischen Kreuz und Halbmond, Pinguin Verlag, Innsbruck 1998, ISBN 3-7016-2461-5.

Einzelnachweise

  1. Qarku Shkodër: Statistikat e pergjithshme. Abgerufen am 13. Januar 2009. (ohne Jahreszahl) – http://www.shkodra.gov.al verzeichnete für 2003 noch 109.632 Einwohner
  2. Cay Lienau, Günter Prinzing: Albanien - Beiträge zur Geographie und Geschichte, Verlag Dr. Cay Lienau, Münster 1986, ISBN 3-9801245-0-9
  3. Klementin Mile/Albanian Institute for International Studies: Gjakmarrja: Mes Kanunit dhe Shtetit, Tirana 2007 – gestützt auf Auskünfte der Polizei des Qarks Shkodra

Weblinks


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