Sumatra-Andamanen-Beben

Sumatra-Andamanen-Beben
Epizentren und betroffene Küsten
Auftreffen des Tsunamis an der Küste Thailands

Das Seebeben im Indischen Ozean – auch Sumatra-Andamanen-Beben genannt – am 26. Dezember 2004 um 01:58 Uhr MEZ (07:58 Uhr Ortszeit in West-Indonesien und Thailand) hatte eine Stärke von 9,1 auf der Richterskala mit Hypozentrum vor der Nordwestküste Sumatras und verursachte durch mehrere Flutwellen verheerende Schäden in Küstenregionen am Golf von Bengalen, der Andamanensee und Südasien. Auch in Ostafrika kamen Menschen ums Leben. Durch die Verbreitung von Videokameras und den Umstand, dass die Flutwelle in touristisch gut besuchten Gebieten hereinbrach, wo viele Urlauber eine Kamera zur Hand hatten, ist das Ereignis ungewöhnlich gut dokumentiert worden. Insgesamt sind durch das Beben und seine Folgen etwa 230.000 Menschen gestorben. Allein in Indonesien waren nach offiziellen Schätzungen rund 165.000 Todesopfer zu beklagen. Über 110.000 Menschen wurden verletzt, über 1,7 Millionen Einheimische rund um den Indischen Ozean wurden obdachlos.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Stärke

Ablauf

Animation: Epizentrum und Ausbreitung

Nachdem in vielen Gebieten zuerst ein Wellental die Küste erreichte, trafen mindestens zwei, an einigen Orten bis zu sechs Flutwellen mit steigender Wellenhöhe die Küsten und drangen unter teilweise großer Zerstörungswirkung ins Landesinnere vor. Zwischen den Einzelwellen flutete das Wasser zum Meer zurück und entfaltete auch dabei typische Wirkungen durch das Schieben: Mitnehmen von schwimmfähigen Gegenständen und Personen. Die meisten groben Zerstörungen an Häusern wurden allerdings von den vorrückenden Wellen verursacht. Die Straßen in bebauten Gebieten wurden regelrecht zu Kanälen, in denen ein Konglomerat aus Wasser und Autos und Gebäudetrümmern erst landein-, und dann wieder meerwärts floss.

In den nächsten Tagen folgten täglich etwa 25 Nachbeben mit Stärken um 5,5. Bei den Nikobaren ereignete sich drei Stunden nach dem Hauptbeben ein Nachbeben der Stärke 7,1. Ein großes Nachbeben in der Region ereignete sich am 28. März 2005 um 17:09 MEZ mit einer Stärke von 8,7 auf Sumatra (siehe Seebeben vor Sumatra 2005), wenig später auch auf Nias.

Stärke

Das Erdbeben vor Sumatra ist mit einer Stärke von 9,1[1] und einer Energie von rund 32 Gigatonnen TNT das drittstärkste aufgezeichnete Beben in der Geschichte.[2] Die bei dem Beben freigesetzte Energie entsprach damit der Hälfte des Jahresenergieverbrauches der USA. Im Februar 2005 sprachen sich Geologen der Northwestern University nach Analyse von weltweiten Seismografen-Aufzeichnungen für eine Korrektur der Bebenstärke von 9,0 auf 9,3 aus. Damit wäre das Beben dreimal stärker als bisher angenommen und das zweitstärkste seit Beginn seismischer Messungen. Von offiziellen Behörden, wie etwa der USGS, wurde diese Korrektur jedoch nicht bestätigt.

Ursache

Vor Sumatra, den Nikobaren und den Andamanen schiebt sich die indisch-australische Platte, die einen großen Teil des Indischen Ozeans umfasst, in einer circa 1.000 Kilometer langen Bruchzone mit etwa sieben Zentimetern pro Jahr in Richtung Nordosten unter die eurasische Platte.[3][4]

Auf Grund des Unterwanderns der Plattengrenzen baute sich in der Subduktionszone ein sehr hoher Druck der indo-australischen auf die eurasische Platte auf, der sich schlagartig entladen hat.

Direkter Auslöser dieses Erdbebens war möglicherweise ein Beben zwei Tage zuvor am anderen Ende der indo-australischen Platte. Dieses „seit 1924 stärkste Beben in der Region“ hatte die Stärke 8,1; das Epizentrum lag zwischen Australien und der Antarktis, rund 500 Kilometer nördlich von der Macquarieinsel. „Man kann vermuten, dass das Beben auf der einen Seite der Platte eine unausgeglichene Situation auf der anderen Seite verursacht hat, was zu diesem riesigen Seebeben in Asien geführt hat“, sagte Cvetan Sinadinovski vom Institut Geoscience Australia in Canberra. [5] Darüber sind sich die Experten immer noch nicht ganz einig.

Geophysikalische Folgen

Forscher des Jet Propulsion Laboratory der NASA vermuten, dass sich durch die Verlagerung der tektonischen Platten die Erdrotation beschleunigt haben könnte. Aufgrund der bei dem Beben bewegten Erdmasse komme man rechnerisch darauf, dass die Länge eines Tages um drei Mikrosekunden kürzer geworden sei. Außerdem habe die Erdachse bei dem Beben einen Schlag um rund 2,5 Zentimeter bekommen. Die Veränderungen werden von den Experten aber als nicht bedeutsam eingestuft. Da die Erdpole ohnehin eine variable Kreisbahn von rund zehn Metern zögen, fielen diese 2,5 Zentimeter auch nicht weiter ins Gewicht. Ferner wurde die eurasische Platte um einen Zentimeter emporgehoben und um zwei Zentimeter nach Norden verschoben, rutschte aber nach wenigen Minuten wieder in ihre Ausgangslage zurück.

Eine weitere Folge der Verschiebung der tektonischen Platten ist das Versinken von 15 kleineren der 572 Inseln der Andamanen und Nikobaren unter den Meeresspiegel. Darüber hinaus wurden die Nikobaren und die vor der Nordwestküste Sumatras, und damit dem Epizentrum, am nächsten gelegene Simeuluë-Insel messbar etwa 15 Meter in südwestliche Richtung verschoben.

Todesopfer und Zerstörungen

Die genaue Zahl der Toten lässt sich nicht feststellen. Aus Furcht vor Seuchen wurden viele Opfer ohne genaue Zählung rasch in Massengräbern beerdigt. Sowohl der direkten Einwirkung der Flutwellen, als auch ihren Folgeerscheinungen, fielen Menschen zum Opfer. So wurden fast alle Trinkwasserquellen der betroffenen Gebiete durch das Unglück verunreinigt.

Land Tote Verletzte Vermisste Obdachlose
Bestätigt Geschätzt
Indonesien 131.029 168.029 76.712 ~37.000 514.150
Sri Lanka 31.229–38.940 35.322–38.940 23.189 4.093 516.150
Indien 12.407 16.281 k.A. 3.874 647.599
Thailand 5.395 7.876 8.457 2.481 8.500
Somalia 298 298 k.p k.p 4.000
Myanmar 61 90 43 2.592
Malediven [6] 82 108 1.113 26 11.568
Malaysia 69 74 767 5 4.296
Tansania 10 10
Seychellen 3 3
Bangladesch 2 2
Kenia 1 1
Gesamt 180.886–188.297 228.094–231.714 110.281+ 47.479 1.708.855+
Opfer aus Anrainerstaaten (Stand: 30. September 2005)

Diese Tabelle umfasst nur diejenigen Länder, die direkt betroffen waren. Bürger anderer Nationalitäten, die sich zur Zeit des Seebebens in betroffenen Ländern befanden und verstarben, sind nicht einbegriffen.

Asiatische Staaten

Bangladesch

In Bangladesch ertranken zwei Kinder, nachdem ein Boot in stürmischer See gekentert war. Nach Berichten des Roten Halbmondes wurden nur relativ geringe Schäden gemeldet, allerdings seien die Telekommunikationsverbindungen abgeschnitten worden.

Indische Ostküste, MODIS
Im rechten Bild sind die blauen Überschwemmungsgebiete an der Küste zu erkennen
Indische Ostküste, MODIS Echtzeitbilder

Indien

Indien war neben Sri Lanka und Indonesien mit 16.389 Toten und Vermissten am schwersten betroffen, 647.599 Menschen wurden obdachlos.

Auf den Andamanen und Nikobaren gab es 3.500 Tote, mehr als 25.000 Personen wurden obdachlos.

Es gab keine bestätigten Berichte über Tote von Ausländern oder Touristen („The Hindu“, 29. Dezember 2004). Im Gegensatz zu ersten Spekulationen von Nachrichtenagenturen, dass möglicherweise ganze Stämme auf den Inseln ausgelöscht wurden, berichteten die Teams der Anthropological Survey of India (ASI), die mit Booten zu den Andamanen gefahren waren, dass die Ureinwohner dort die Zeichen der Natur richtig gedeutet hätten und in die höher gelegenen Gebiete geflohen wären. Nach den Angaben der Forscher soll es unter den Ureinwohnern nur einige Tote geben.

Andere Quellen [7] berichteten bezüglich der Ureinwohner der Nikobaren jedoch, dass viele der auf diesen Inseln beheimateten Stämme durch das Beben fast alle Alten und Kinder verloren haben, da diese sich während der Flutwelle in den Dörfern am Strand aufhielten, während alle arbeitsfähigen Männer und Frauen im höheren Inselinneren die Felder der Dörfer bestellten. Dadurch soll ein Großteil ihrer Kultur verloren gegangen sein, da mit den Dorfältesten auch ihr kulturelles Wissen starb.

Allein 7.793 Tote (Stand: 4. Juni 2005) soll es im Bundesstaat Tamil Nadu gegeben haben.

In Chennai (ehemals Madras) kamen 206 Menschen um. Es wurden die Hütten von etwa 1.500 Fischern und deren Angehörigen zerstört.

In Cuddalore ertranken fast 600 Menschen,

Am schlimmsten betroffen war jedoch der Distrikt Nagapattinam, wo die Wellen eine Höhe von etwa sechs Metern erreichten. Allein hier kamen etwa 5.500 Menschen um.

Luftbilder, Bilder, Texte und Hilfsmaßnahmen zum Bereich Tharangambadi (Tranquebar), welcher mit fast 1000 Toten schwer betroffen war.

Die indische Regierung kündigte ein Hilfspaket von umgerechnet 482 Millionen Euro für die betroffenen Küsten an [8].

Indien lehnte ausländische Hilfe ab, da es laut offizieller Stelle allein mit den Problemen fertig werde. Vermutet wurde aber, dass die Hilfe auf Grund der militärischen Sperrgebiete auf den Inselgruppen nicht angenommen wurde.

Indonesien

Durch die Regierung in Indonesien offiziell bestätigt sind ca. 131.029 Opfer. Allein in der Provinzhauptstadt Banda Aceh kamen über 30.000 Menschen um.

In Meulaboh, einer weiteren Stadt mit etwa 120.000 Einwohnern, kamen durch sechs Meter hohe Fluten mehr als 40.000 Menschen um.

Indonesien ist damit das am stärksten betroffene Land des Seebebens. Lange Zeit ging man von mehr als 220.000 Opfern aus, allerdings wurden die Vermisstenzahlen stark nach unten korrigiert.

In der Provinz Aceh herrscht seit Jahren ein Bürgerkrieg, wenn auch von beiden Parteien angesichts der Katastrophe sofort ein Waffenstillstand vereinbart wurde. Die Region ist von der indonesischen Regierung vollkommen isoliert worden, was die Hilfsarbeiten enorm erschwerte. Zwar wurde die Region für Hilfsaktionen geöffnet, doch auch ein Jahr nach dem Beben waren noch über 180.000 Menschen obdachlos.

Inzwischen wurde vor der indonesischen Küste ein deutsches Frühwarnsystem installiert. Dieses System liefert Daten in Echtzeit und sichert deswegen schnellstmögliche Vorwarnzeiten. Das System wurde in der Region des Sunda-Bogens installiert, der geologisch sensibelsten Region, in der auch das Seebeben von Weihnachten 2004 seinen Ursprung hatte.

Malaysia

Es war auch die malaysische Urlaubsinsel Penang betroffen, an den Stränden wurden 68 Menschen von den Flutwellen ins Meer gerissen. Unter den Toten waren auch Ausländer.

Auf der Inselgruppe Langkawi gab es laut Channel News Asia lediglich einen Toten.

Malediven

Zwei Drittel der Hauptinsel Malé wurde überflutet, der internationale Flughafen der Malediven war vorübergehend geschlossen. Einige Atolle wurden vollständig überflutet, Gebäude wurden ins Meer gespült. Der Notstand wurde ausgerufen. Auf den Malediven gibt es nach Behördenangaben mindestens 80 Todesopfer [9], mehrere Menschen werden noch vermisst [10]. Nach Informationen vom 30. Dezember 2004 wurde die gesamte Infrastruktur auf 13 der 202 Einheimischeninseln zerstört [11]. Insgesamt 29 von 87 Resortinseln trugen Schäden davon, 23 sind vorübergehend geschlossen, von denen 6 erhebliche Zerstörungen erlitten [12]. Nach Informationen vom 10. Januar 2005 [13] waren 9 Inseln der Malediven nicht mehr bewohnbar.

Myanmar

In Myanmar, ehemals Birma oder Burma, sind einem UN-Bericht zufolge bisher 61 Menschen ums Leben gekommen. Betroffen ist die südöstliche Küste des Landes, am stärksten betroffen waren die Tenasserim-Division sowie das Irrawaddy-Delta. Es gibt jedoch nur wenige Nachrichten aus Myanmar, da das herrschende Militärregime alle Nachrichtenströme zensiert. Das WFP befürchtete, dass von der Militärjunta nur ein Bruchteil der Toten angegeben wurde und dass viel mehr Todesopfer zu beklagen sind. Hunderte Fischer sollen umgekommen sein.

Singapur

In Singapur selbst gab es keine Verletzten und die Insel wurde vom Seebeben nur leicht betroffen. Jedoch wurden neun Todesopfer singapurischer Nationalität in Sri Lanka und Phuket bestätigt.

Sri Lanka

Sri Lanka, ehem. Ceylon, war von der Naturkatastrophe sehr stark betroffen.

Verwüsteter Küstenabschnitt in Sri Lanka
Zerstörtes Haus bei Mount Lavinia

Die Behörden gehen von etwa 31.000 bis 38.000 Opfern aus. Besonders betroffen waren der Osten und der Süden der Insel:

Jaffna (2.900 Opfer), Puttalam (4 Opfer), Vavuniya (109 Opfer), Gampaha (7 Opfer), Colombo (65 Opfer), Kalutara (170 Opfer), Trincomalee (947 Opfer), Matara (1.061 Opfer), Batticaloa (2.254 Opfer), Mullativu (2.000 Opfer), Hambantota (4.500 Opfer), Galle (3.941 Opfer), Ampara (10.436 Opfer), Killinochchi (560 Opfer).

Ein besonderes Problem ergab sich aus den 2.000.000 Antipersonenminen, die im Bürgerkrieg zwischen der Regierung und der nach Autonomie strebenden Tamilen-Bewegung am Strand vergraben und nun aus dem Boden herausgespült wurden. Bereits als minenfrei markierte Gebiete stellten nun potenziell wieder eine Gefahr dar.

Thailand

In Thailand war besonders die touristisch erschlossene Küste um Phuket und Phi Phi von den Flutwellen betroffen. Die offizielle Opferzahl liegt bei 5.395, davon 2.436 Ausländer und 1.175 Opfer mit unbekannter Nationalität. Von den 2.481 Vermissten sind mindestens 1.924 Thais (Quelle: UNO). Ein norwegischer Diplomat gab an, alleine in Khao Lak seien 4.000 Tote zu beklagen. Einem neuseeländischen DVI-Mitarbeiter wurde bei der Distriktshauptstadt Thai Muang ein völlig zerstörtes Fischerdorf mit 2.000 Toten gezeigt. In der Distriktshauptstadt Takua Pa sprechen die Einheimischen von über 10.000 Toten allein in den Dörfern der Umgebung: i.b. Ban Nam Khem, Ban Bang Muang, Ban Bang Sak. Die Toten in den nördlich von Takua Pa vollständig zerstörten Dörfern wurden noch nicht gezählt, z.B. im Fischerdorf am Ende der Ban Thalee Nok Road (Abzweig beim Kilometerstein 691 des Highway 4), dessen 30 Häuser vollständig verschwunden sind. Die „offizielle“ Zahl von ca. 5.300 Toten für ganz Thailand wurde Anfang Januar 2005 vom damaligen Premierminister Thaksin festgeschrieben. Die später gezählten Toten wurden nicht mehr hinzuaddiert, da niemand ein Interesse an der wirklichen Zahl zu haben scheint. Die häufig verbreitete Meinung, das Urvolk der Moken habe die Katastrophe komplett überlebt, ist nicht richtig. Im Dorf Thung Wa des Tambons (Gemeinde) Khuk Khak kamen laut Aussage der Dorfältesten 44 Moken ums Leben. Auch in anderen Moken-Ansiedlungen entlang der nördlichen Küste der Provinz Phang Nga gab es viele Tote.

In den Flutwellen starb auch der Enkel des thailändischen Königs Poom Jensen.

Der damalige Premierminister Thaksin lehnte ausländische Hilfe ab, da Thailand reich genug sei, um allein mit den Problemen fertig zu werden. Er wolle die Kreditwürdigkeit Thailands nicht gefährden. Tatsächlich erreichte die Hilfe der Regierung aber die betroffenen Menschen völlig unzureichend. Jeder Betroffene bekam nur 2.000 Baht, ca. 40 Euro, für jedes verlorene Haus wurden 20.000 Baht, ca. 400 Euro, bezahlt sowie ein neues Haus von 40 m² Wohnfläche für 120.000 Baht gebaut, das wegen der minderwertigen Qualität von der Bevölkerung abgelehnt wird. Einige aus dem Ausland finanzierte Hilfsorganisationen bauten weitaus bessere Häuser, z.B. die Mercy Foundation und Habitat for Humanity. Die von einer Tochter des Königs finanzierten Häuser gelten als die besten, die doppelstöckigen Häuser des Rotary Club mit nur 16 m² Wohnfläche als die schlechtesten permanenten Häuser. Im Vorort Phru Tiaw der Distriktshauptstadt Takua Pa bauten auch die deutschen Firmen Porsche und Siemens kleine Häuser für Opfer des Tsunamis. Ein EU-Projekt unter Leitung von Professor Hogeforster baut ab 2006 innerhalb von 3 Jahren weitere 45 umweltfreundliche Häuser für ein Projektbudget von 750.000 Euro (ca. 36 Millionen Baht) beim Fischerdorf Ban Nam Khem.

Afrikanische Staaten

Kenia

An der ostafrikanischen Küste Kenias gab es ein Todesopfer, ein Schwimmer des kenianischen Ferienressorts Malindi.

Nach Aussagen von Augenzeugen soll der Meeresspiegel plötzlich um mindestens zwei Meter angestiegen sein, die Welle überschwemmte die Strände. Zum Glück für die vielen Strandurlauber aus den kenianischen Städten konnten die Sicherheitskräfte noch rechtzeitig für die Evakuierung der meisten Strände sorgen.

Seychellen

Auf den Seychellen kam es zu drei Todesopfern. Ein Fischerboot kenterte. Nach Aussagen soll der Meeresspiegel plötzlich um mindestens zwei Meter angestiegen sein, die Welle überschwemmte die Strände und Küsten. Da die Seychellen allergrößten Wert auf die Erhaltung der Natur legen und überwiegend von intakten Korallenriffen umgeben sind, richtete die Flutwelle hier nur geringe Sachschäden an. Auf der Hauptinsel Mahé gab es minimale Überschwemmungen, da der Wasserpegel im Bereich des Hafens von Victoria kurzfristig um einen Meter anstieg. Des Weiteren wurden Straßen und Brücken in einigen Gebieten von Praslin und La Digue durch die Flutwelle zerstört.

Der Tourismus, eine wichtige Einnahmequelle in diesem Gebiet, soll durch den Tsunami nicht betroffen sein.

Somalia

Der Sprecher des Präsidenten bestätigte die Bergung von über 200 Leichen; mindestens 150 Menschen wurden vermisst. Zudem wurde die Küstenstadt Hafun vollständig zerstört und ferner sollen Boote gekentert sein. Nach Angaben des U.N. World Food Programme (WFP) unter Berufung auf somalische Regierungsstellen benötigten 30.000 bis 50.000 Somalis in den küstennahen Städten der Region Puntland dringende Hilfe.

Tansania

Der Polizeisprecher von Daressalam bestätigte zehn Tote. Die meisten der Opfer seien zum Zeitpunkt des Unglücks am Strand der Hafenstadt im Wasser gewesen. Ihr Boot sei gekentert. Eine unbekannte Zahl weiterer Menschen werde auf See vermisst.

Abhängige Gebiete

Réunion

Auf der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion (östlich von Madagaskar) kam es zu Sachschäden. Britische Journalisten berichten, dass mindestens elf Todesopfer zu beklagen sind. Den Bewohnern selbst sind jedoch nur Materialschäden, aber keine Todesfälle bekannt geworden.

Chagos-Archipel (Diego Garcia)

Auf dem Chagos-Archipel (südlich der Malediven), einem Britischen Territorium im Indischen Ozean, auf dessen größter Insel Diego Garcia eine Militärbasis der USA und Großbritanniens liegt, kam es laut Aussagen von Sprechern des Militärs zu keinerlei relevanten Schäden.

Weihnachtsinsel und Cocos (Keeling) Islands

Die zu Australien gehörenden Kokosinseln (südlich des Bebens liegend) erreichte nur eine ca. 50 cm hohe Welle (Quelle: Australian Broadcasting Corporation). Von der, ebenfalls australischen, Weihnachtsinsel lagen keine Informationen vor.

Opfer aus Nicht-Anrainer-Staaten

Bei dem Tsunami starben ca. 2.240 Personen aus Nicht-Anrainer-Staaten. Dabei handelte es sich überwiegend um Urlauber aus Industriestaaten. Besonders betroffen waren Schweden und Deutschland. 537 Opfer aus Deutschland sind bislang identifiziert. 15 Personen werden nach wie vor vermisst.

Seuchen

Als Folge der vielen Todesopfern in Verbindung mit dem heißen Klima und vielen Pfützen, in denen Mücken heranwachsen, wurde der Ausbruch von Seuchen wie Typhus oder Cholera befürchtet. Daher wurden vielerorts Massengräber ausgehoben und Leichen verbrannt.

In Indien impfte man die Bevölkerung in den Küstenregionen gegen Typhus und Cholera .

Zu den anderen häufig auftretenden Problemen zählten Lungeninfektionen, weil verschmutztes Wasser in die Atemwege eindrang, und Sepsis („Blutvergiftung“), weil Wunden in einem feuchtwarmen Klima infektionsgefährdeter sind.

Zusammenbruch der medizinischen Infrastruktur

Bei der Vielzahl von Verletzten, die die Zahl der sofort Getöteten überstiegen haben dürfte, war in den hauptsächlich betroffenen Gebieten die medizinisch mögliche Versorgung inadäquat (Katastrophenbedingungen). Wer von den Touristen nur irgendwie transportfähig war, suchte mit meist unversorgten Verletzungen, darunter auch dislozierten Frakturen und Luxationen einen Heimflug. Im Flugzeug konnte die erste Behandlung nur mit den normalen Bordmitteln (am wichtigsten waren Schmerzmittel) durchgeführt werden. Erst nach Landung im Heimatland begann eine reguläre Behandlung.

Ökologische Schäden

Neben den Todesopfern und Schäden an der Infrastruktur hat der Tsunami auch langfristige ökologische Schäden verursacht. So scheint es bei den Korallenriffen, die als natürliche Wellenbrecher fungieren, vor der thailändischen Küste schwere Schäden zu geben. Vor Thailand sind etwa 10 % der untersuchten Riffe durch den Wasserdruck und mitgeführte Trümmerstücke geschädigt. Problematisch ist auch der aufgewirbelte Schlamm, der die Korallen bedeckt. Mit einer möglichen Erholung ist, wenn überhaupt, erst nach Jahren zu rechnen. Auch die ebenfalls schützenden Mangrovenwälder an einigen Küsten wurden geschädigt. Sie sind jedoch zu einer weit schnelleren Regeneration fähig. Betroffen sind daneben Nistgebiete von Meeresschildkröten wie der Lederschildkröte.

Großer Tsunami von 2004 beim Auftreffen auf die maledivische Küste

Der schwerwiegendste Langzeitschaden entstand durch das weitgehende Abtragen des Humus in den überfluteten Gebieten. Betroffen sind 250 bis 3.000 Meter breite Küstenstreifen, deren oft nur 30 Zentimeter dicke Humusschicht mitsamt vielen nicht tief wurzelnden Pflanzen fortgerissen wurde. Zurück bleibt meist nährstoffarmer, rötlicher Lateritboden aus Ton, Aluminium- und Eisenoxid. Da der Kreislauf aus Pflanzen, abgestorbenen Pflanzenteilen und Humusbildung zunächst unterbrochen ist, wird es vermutlich Jahrzehnte dauern, bis sich ähnliche Artengemeinschaften eingestellt haben, wie sie vor der Katastrophe vorhanden waren. Die Landwirtschaft ist durch den Oberbodenabtrag ebenfalls stark betroffen, von mittelfristig geringeren Ernten muss ausgegangen werden; bodenverbessernde Maßnahmen wie Eintrag organischen Materials und von Nährstoffen können die Situation verbessern, bedürfen aber teilweise finanzieller Hilfe.

Kulturelle Schäden

In einigen betroffenen Regionen sind historische Bauwerke, Schulhäuser, Museen, Archive und andere Kulturgüter zerstört oder beschädigt worden. Nach den Not- und Rettungsmaßnahmen, und parallel zu den allgemeinen Wiederaufbauarbeiten suchen nationale und regionale Behörden mit der Unterstützung externer Fachorganisationen, zum Beispiel der UNESCO, die kulturellen Verluste zu erfassen.

Kritik am Fehlen eines Vorwarnsystems

Experten kritisierten nach dem Beben, dass es im Indischen Ozean kein Tsunami-Warnsystem gab, wie es im Pazifischen Ozean zu diesem Zeitpunkt bereits existierte. Ihren Angaben zu Folge hätten mit einem solchen Warnsystem einige tausend Menschen gerettet werden können. Die Tatsache, dass das pazifische Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii bereits Minuten nach dem Beben eine Flutwelle voraussagte, half niemandem. In den Ländern fehlten sowohl mögliche Ansprechpartner als auch Kommunikationsinfrastrukturen. Außerdem wurden – Berichten aus Thailand zufolge – Warnungen mit Rücksicht auf den Tourismus nicht weitergeleitet, so dass viele Menschen keine Chance mehr hatten, zu fliehen. Bei weiteren Nachbeben in der Region konnten die Behörden dank der verstärkten Aufmerksamkeit jedoch Warnungen schneller verbreiten.

Die Regierungen von Australien und Indien entschieden, ein Tsunami-Vorwarnsystem im Indischen Ozean aufzubauen, wie es auch im Pazifischen Ozean existiert. Dieses System (genannt TEWS - Tsunami Early Warning System) soll unter anderem von einem deutschen Entwicklerteam aufgebaut werden und bis Mitte 2008 vollständig installiert sein.

Hilfen

Kommunikation

Vielerorts waren sämtliche Kommunikationsverbindungen mehrere Tage unterbrochen. Funkamateure nahmen unmittelbar nach der Katastrophe den Notfunkbetrieb auf und leiteten Notrufe sowie Lagemeldungen und später auch Nachrichten von Überlebenden an Angehörige weiter.

Direkte Katastrophenhilfe und Rückholung von Touristen

Das deutsche Verteidigungsministerium entsandte den Einsatzgruppenversorger (EGV) „Berlin“, mit einem Marine-Einsatz-Rettungszentrum (MERZ), das wie ein kleines Krankenhaus ausgerüstet ist und 45 Patienten aufnehmen kann. Beamte des BKA und Sanitätsoffiziere der Bundeswehr waren vor Ort, um bei der Identifizierung der Opfer zu helfen. [14]. Die Bundeswehr entsandte am 29. Dezember einen MedEvac-Airbus A310 zur intensivmedizinischen Versorgung und Rückholung deutscher Touristen in das betroffene thailändische Phuket. Insgesamt wurden auf 3 Flügen 130 vornehmlich deutsche Personen aus dem Katastrophengebiet ausgeflogen. Ein weiterer Airbus A310 MRT wurde mit der MedEvac-Konfiguration ausgestattet und war Mitte der ersten Januarwoche einsatzbereit. Darüber hinaus wurde durch das Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst (Kdo SES) in Banda Aceh ein Rettungszentrum leicht aufgebaut und in Betrieb genommen. Dort versahen 120 deutsche Bundeswehrsoldaten ihren Dienst, die eng mit dem EGV „Berlin“ zusammenarbeiteten. In dem Rettungszentrum leicht (RZ le) gab es neben einer Notaufnahme auch einen OP und Möglichkeiten zur Intensivpflege. In einer Pressekonferenz am 29. Dezember 2004 kündigte Bundeskanzler Schröder an, dass bei Bedarf weitere Einheiten der Bundeswehr – nötigenfalls auch für längere Zeit – im Katastrophengebiet eingesetzt werden sollen. Insbesondere der Aufbau und Betrieb von Trinkwasseraufbereitungsanlagen soll von Soldaten übernommen werden, um die Arbeit ziviler Hilfsorganisationen zu ergänzen und den großen Bedarf zu decken. Diese Zusage wurde realisiert und in Anspruch genommen.

Das Technische Hilfswerk (THW) war seit dem 27. Dezember 2004 mit einem dreiköpfigen Erkundungsteam in Sri Lanka. Die SEEBA ist seit dem 28. Dezember 2004 mit 19 Helfern in Phuket, Thailand um dort die Bergungsarbeiten zu unterstützen. 16 Helfer der SEEWA waren seit dem 29. Dezember 2004 in Sri Lanka und haben ihr Ziel im Distrikt Galle, um dort zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen zu betreiben. 23 Helfer wurden am 31. Dezember 2004 auf die Malediven gesandt, um dort die Trinkwasserversorgung mit mobilen Geräten sicherzustellen und zerstörte Infrastruktur wieder in Gang zu setzen. [15]

Mitarbeiter von Caritas, der Diakonie Katastrophenhilfe und Malteser-Hilfsdienst organisierten erste Hilfen wie Nahrungsmittel, Trinkwasser, Hygieneartikel und Notunterkünfte für 50.000 Opfer in den südindischen Bundesstaaten Tamil Nadu und Andhra Pradesh. Auch auf Sri Lanka und in Thailand sind die lokalen Partner vor Ort, jetzt allerdings um Wiederaufbau zu leisten.

Großbritannien entsandte Identifikationsexperten von Scotland Yard sowie mehrere hundert Soldaten in die Region, insbesondere nach Sri Lanka. Die Royal Air Force begann am 27. Dezember 2004 mit dem Ausfliegen von Touristen, unter anderem mit vier Aeromed (MedEvac) Lockheed-Tristar Flugzeugen sowie gecharterten russischen Transportflugzeugen. Zudem traf am 2. Januar ein Flottenverband der Royal Navy mit Hilfsgütern, technischem Gerät und Hubschraubern vor der Küste Sri Lankas ein.

Die Republik Österreich entsandte Polizisten und Rettungsleute nach Thailand und Sri Lanka, die bei der Vermisstensuche und Heimholung der Verletzten helfen sollten, sowie Cobra-Leute und Gerichtsmediziner zur Hilfe bei der Identifizierung von Personen. Ebenfalls schickte das Bundesheer ein AFDRU Kontingent nach Sri Lanka, das mit Trinkwasseraufbereitungsanlagen und Sanitätern die dortige Bevölkerung unterstützte. Das Österreichische Rote Kreuz sowie der ASB schickten am 27. und 28. Dezember 2004 eine Fact Finding Mission in das Katastrophengebiet, um vorerst den österreichischen Touristen zu helfen und in der Folge weitere Hilfsmöglichkeiten auszuloten. Speziell auf dem Gebiet der Trinkwasseraufbereitung war das Rote Kreuz tätig. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf lieferte eine Datenbank, in der alle Vermissten namentlich gelistet werden mussten, ehe nach ihnen gesucht werden konnte.

Die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega hat in Zusammenarbeit mit diversen Versicherungen über 60 Patienten aus Thailand und Sri Lanka repatriiert. Das Schweizerisches Korps für Humanitäre Hilfe (früher Schweizer Katastrophenhilfekorps genannt) hat unter der Leitung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) der Schweizer Regierung am 28. Dezember 2004 Expertenteams und medizinisches Material nach Indien, Sri Lanka und Thailand geschickt. [16] Die Expertenteams sollten abklären, welche weiteren Spezialisten (Ärzte, Psychologen, Hundestaffeln, Bauspezialisten etc.) vor Ort benötigt wurden.

Die USA beorderten die Flugzeugträgergruppe um die „USS Abraham Lincoln“ von Hong Kong aus nach Sumatra, wo ab dem 2. Januar 2005 die Soldaten und die Hubschrauber bei der Versorgung der Bevölkerung halfen. Ein weiterer Schiffsverband wurde in die Umgebung von Sri Lanka beordert. Die medizinischen Einrichtungen auf den Schiffen (OPs auf Flugzeugträger etc.) konnten die Spitäler in der Gegend entlasten.

Japan entsandte verschiedene Einheiten der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte in die Krisenregion. Das bisher 20-köpfige Erkundungsteam könnte laut Regierung auf bis zu 800 Mitglieder erhöht werden, so die Zusage des Staatschefs. Diese Kräfte wurden vollständig abbeordert und leisteten ihren Dienst.

Frankreich entsandte am 2. Januar 2005 den Hubschrauberträger Jeanne d’Arc ins Krisengebiet.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen e.V. (MSF) schickte einen Charterflieger mit 32 Tonnen Hilfsgütern von Ostende nach Sumatra. Die Lieferung beinhaltete medizinische und sanitäre Hilfsgüter, die für 30.000 bis 40.000 Menschen reichen mussten. Zudem reiste ein Notfallteam, bestehend aus sechs Personen, in die Region. Darunter sind Wasserexperten, Logistiker und Mediziner (Quelle: Kurier).

Am 28. Dezember 2004 brach bereits die griechische Hilfsorganisation ESEPA nach Colombo auf, um gemeinsam mit weiteren Hilfsorganisationen Hilfsmaterial und Spendengüter zu überführen. [17], [18]

Ferner war das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior zur Unterstützung von Ärzte ohne Grenzen seit dem 4. Januar 2005 unterwegs an der Westküste von Sumatra, um deren Einsatz im Katastrophen-Gebiet auf Aceh logistisch zu unterstützen. Es brachte Nahrungsmittel, Helikopter-Treibstoff, medizinische Geräte, Medikamente, und medizinisches Fachpersonal in die schwer erreichbare Krisenregion.

Finanzielle Großspenden von Firmen, Konzernen, Prominenten, u. a.

Viele Firmen oder Konzerne spendeten, so etwa Pfizer Corp. 35 Millionen US-Dollar oder die Deutsche Bank 10 Millionen Euro. Verschiedene vermögende Privatpersonen spendeten hohe Beiträge, so zum Beispiel Michael Schumacher 10 Millionen Dollar, Bill Gates 3 Millionen Dollar, der Filmregisseur Steven Spielberg 2 Millionen Dollar. Acht Millionen Dollar überwies die saudische Herrscherfamilie, der saudische Prinz al-Walid ibn Talal, der die Finanzgeschäfte der Familie kontrolliert, spendete 18,5 Millionen Dollar. Der saudische König Fahd ibn Abd al-Aziz selbst stellte 5,3 Millionen zur Verfügung, Kronprinz Abdullah spendete 2,8 Millionen Dollar.

Finanzielle Unterstützung durch Geberstaaten und Institutionen

Land/Institution Beträge in Millionen Euro
staatlich privat insgesamt Anteil am BIP
Deutschland 500 502,5 1002,5 0,04%
IWF 735 - 735
Australien 600 45 645
EU-Kommission 500 - 500
Kanada 324,08 (425 USD) 93,61 (123 USD) 447 0,05%
USA 260 (350 USD) 152,30 (200 USD) 412
Japan 370 k. A. 370
Niederlande 230 115 345
Großbritannien 73,06 (96 USD) 143,84 (189 USD) 216
Weltbank 190,26 (250 USD) - 190
Italien 112 (146 USD) 69,05 181
Norwegen 135 41 175 0,085%
Schweiz 17,3 143 (224 CHF) 160
Asian Development Bank 133,18 (175 USD) - 133
Schweden 59 40 99
Frankreich 49 45 94
Vereinigte Arabische Emirate 30 62,36 92
Kuwait 76,05 (100 USD) k. A. 76
Österreich 8,8 (urspr. zugesagt: 50)[19] 20 28,8
Und weitere Länder
Gesamt ~4,8 Mrd. >> 1,5 Mrd. 6,3 Mrd.

[20]

Katastrophenbewältigung

Die Internationale Föderation de Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften des ICRC leitet „Hilfseinsätze bei nicht-kriegerischen Einsätzen, zum Beispiel bei Naturkatastrophen“ internationalen Ausmaßes, koordinierte die Hilfe und übernahm die Aufgabe eine Datenbank zur Registrierung aller Vermissten zu verwalten. Es wurde unterstützt von der halbamtlichen Organisation THAICAREYOU, über die anhand von Kleidung und Detailzusammenführung die mögliche Identität der Opfer zusammengepuzzelt wurde. Das wurde dann an die aus Polizeikräften bestehenden Identifizierungskommissionen (IDKO's) vor Ort weitergegeben. Über DNA und den Abgleich des Zahnstatus (angefordert beim Zahnarzt der Opfer über die Angehörigen / Suchpaten) konnte die Identität oft zweifelsfrei bestätigt werden. Dann wurde dies an das ICRC zurückgemeldet, welche dann über Regierungsstellen oder direkt die Verständigung der Angehörigen / Freunde übernahm. Viele angeschlossene Hilfsdienste unterstützten privat und ehrenamtlich die Ermittlungsbehörden vor Ort.

Seriöse Listen von Opfern, die bereits gefunden wurden, gab es kaum. Insgesamt waren die Mitarbeiter vor Ort mit der Situation überfordert und haben mehrere gravierende Fehler gemacht. Listen der Gefundenen wurden von Regierungsseite nur in Lautschrift und völlig unzureichend geführt (Doppelregistrierungen), andere von KH-Verlegungen der Opfer wurden nicht geführt oder verschwanden, so dass man keine Info hatte, wohin die Vermissten verlegt worden waren oder ob sie entlassen wurden bzw. verstarben (z. B. Sepsis). Auch die Listen über Personen, die von den MedEvacs oder sonstigen Flügen ausgeflogen wurden, erreichten die Suchforen nicht. Letztere schossen wie Pilze aus dem Boden, allerdings teilweise ohne jeden Erfolg. Mittlerweile sind die meisten von ihnen wieder eingestellt - wurden geschlossen, nur wenige Betreiber lassen Ihr Forum als Mahnmal stehen.

Liste der Beben in der Region

Hauptbeben und Nachbeben bei Sumatra. 26. Dezember 2004 ab Stärke 5,0, ab 27. Dezember 2004 ab Stärke 6,0. Dabei ist für eine korrekte Einschätzung der Zerstörungskraft der einzelnen Beben zu beachten, dass die Erhöhung um einen Magnituden-Punkt etwa die 32-fache Energiefreisetzung bedeutet. Ein Erdbeben der Stärke 9,0 setzt also ca. 32 mal mehr Energie frei als ein Erdbeben der Stärke 8,0 (s. Richterskala [21]). Daraus folgt wiederum, dass ein Erdbeben der Stärke 9,0 etwa 32768 (= 32³) mal so energiereich ist wie ein Beben der Stärke 6,0.

Am 28. März 2005 gab es ein weiteres schweres Beben an der Westküste von Nordsumatra (Indonesien) mit einer Stärke von 8,7 auf der Richterskala. Hauptsächlich betroffen waren die Banyak-Inseln, außerdem Nias und Simeuluë. Nach Angaben von US-Geologen handelte es sich hierbei um ein Nachbeben des Seebebens vom 26. Dezember 2004. Auf der Insel Nias stürzten 80 % der Häuser ein, es gab 600 Tote, 3.000 wurden obdachlos. Deutsche Touristen waren nicht betroffen.

Am 17. Juli 2006 ereignete sich ein weiteres direktes Nachbeben des Seebebens vom 26. Dezember 2004, bei dem auf Java bislang 660 Todesopfer zu verzeichnen sind und noch ca. 300 vor allem Einheimische vermisst werden. Deutsche Touristen waren auch hier nicht betroffen.

Zeitlicher Verlauf der Nachbeben im Indischen Ozean 2004

Im pazifischen Feuerring kommt es immer wieder zu Nachbeben. [22] [23] [24] [25]

Das Beben in Relation zu früheren Naturkatastrophen

Das Beben ereignete sich fast exakt (nur eine Stunde früher) ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Bam (Südiran). Es erinnert auch an den Ausbruch des Krakatau 1883, der aufgrund einer Flutwelle 36.000 Menschen das Leben kostete. Bei keinem anderen Ereignis seit dem 29. April 1991, als vor der Küste Bangladeschs ein verheerender Wirbelsturm tobte und eine anschließende 6 Meter hohe Flutwelle hervorrief, der die Küstenregionen verwüstete und etwa 200.000 Todesopfer insgesamt forderte, sind so viele Menschen ums Leben gekommen.

In den Medien aufgestellte Superlative („Schwerste Katastrophe aller Zeiten“, „Jahrtausendkatastrophe“) sind dennoch, selbst wenn man sich auf Naturkatastrophen oder Erdbeben beschränkt, deutlich übertrieben. Regelmäßig wiederkehrende Überschwemmungen in China bleiben im Westen weitgehend unbeachtet. 1887 beispielsweise forderten Überschwemmungen in Henan 900.000 Opfer, eine Dürreperiode in Indien 1965-1967 1,5 Mio. Allerdings ist die Größe des 2004 betroffenen Gebietes bisher einmalig.

Daten zu großen historischen Erdbeben:

  • 893: Iran, 150.000 Tote
  • 1201: Ägypten/Syrien, weit über 1 Mio. Tote
  • 1556: Nordchina, 830.000 Tote
  • 1737: Kalkutta, Indien, 300.000 Tote
  • 1755: Lissabon, Portugal ca. 100.000 Tote allein in Lissabon (Seebeben, Tsunami)
  • 1851: Sichuan, China, 300.000 Tote
  • 1908: Italien, Seebeben, sehr hoher Tsunami, ca. 80.000 Tote
  • 1920/1927: China, jeweils mehr als 200.000 Tote
  • 1976: Tangshan (China), offiziell ca. 255.000 Tote (Schätzungen gehen von einem Vielfachen aus)

Siehe auch

Literatur

  • Thomas Knieper: Die Flut im Wohnzimmer: Die Tsunami-Berichterstattung als traumatischer Stressor für die bundesdeutsche Bevölkerung. In: Publizistik: Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung. 2006, 51. Jahrgang, Heft 1. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 52–66.

Weblinks

Quellen

  1. Zur Stärke des Bebens (eng)
  2. Die stärksten Beben der Geschichte (eng.)
  3. Zur Geschichte der Beben in der Region (eng.)
  4. Zur Geschichte der Beben in der Region (eng.)
  5. taz, 28. Dezember 2004, nach: AP, Sydney
  6. http://www.tsunamimaldives.mv/?action=situationAssesment Opfer auf den Malediven
  7. („Der Spiegel“, 10. Oktober 2005, „Fenster in die Vergangenheit“)
  8. (HAZ 20. Januar 2005)
  9. (AP, 3. Januar 2005)
  10. (tagesschau.de, 2. Januar 2005)
  11. (chennaionline.com)
  12. (visitmaldives.com.mv, 1. Januar 2005)
  13. Tagesschaumeldung zu den Malediven
  14. BKA-Mitarbeiter vor Ort
  15. THW vor Ort (Suchbegriff: „Malediven“)
  16. Schweizer Rettungswacht vor Ort
  17. ESEPA Newsletter-Archiv Griechische Kräfte vor Ort
  18. Griech. Zivilschutz
  19. Der Standard: Revisionsbericht zu Tsunami-Hilfe: Drei Viertel der Gelder nicht ausbezahlt, 15. Dezember 2007
  20. Humanitäre Unterstützung (englisch)
  21. Übersicht zur Bebenenergie
  22. Erdbeben der letzten sieben Tage (englische ISO-Datumsangaben: Jahr, Monat, Tag)
  23. Erdbeben der letzten 30 Tage
  24. USGS
  25. IRIS-Landkarte mit Seismic-Monitor und Erdbebenangaben unterhalb der Karte

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