Bakkalor

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Der Bachelor ([ˈbætʃə.lɚ] oder [ˈbætʃlɚ], aus dem Engl., von lat. baccalaureus für „junger Geselle“, „Junggeselle“) oder seltener auch Bakkalaureus ist an Hochschulen der erste akademische Grad, der nach Abschluss einer wissenschaftlichen Ausbildung vergeben wird. Von Berufsakademien wird der Bachelor als staatliche Abschlussbezeichnung verliehen.

In vielen Ländern Europas ist diese Bezeichnung im Rahmen des Bologna-Prozesses eingeführt worden, dessen Ziel die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums ist. Ein Bachelor-Studiengang hat meist eine Regelstudienzeit von sechs Semestern, kann aber auch sieben oder acht Semester (also drei bis vier Jahre) dauern. Daran anschließen kann ein vertiefender Master-Studiengang, in Ausnahmefällen bereits die Promotion. Zum gleichnamigen Abschluss in den Vereinigten Staaten (USA) bestehen Unterschiede sowohl im Aufbau des Studiums als auch bei der Anerkennung der Abschlüsse.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

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Die englische Bezeichnung Bachelor leitet sich von der lateinischen Bezeichnung Bakkalaureus (oder Baccalaureus) ab. Neben diesen Bezeichnungen werden im deutschen Sprachraum zusätzlich vereinzelt noch Bakkalor oder Baccalar als Alternativen verwendet.

Der Bakkalaureus lässt sich aus der mittelalterlichen Bezeichnung Baccalaria herleiten, im späten Mittelalter ein „kleines Lehngrundstück“. Im Folgenden wurde ein junger Vasall ohne Lehen, Edelknecht, auch niederer Kleriker darunter verstanden. Das französische bachelier leitet sich möglicherweise her von bas chevalier, niederer Ritter. Die englische Form lautet bachelor. Der Bakkalaureus ist seit dem 13. Jahrhundert der niedrigste akademische Grad, der zuerst an der Pariser Sorbonne verliehen wurde. Die Form Bakkalaureus aus Baccalar und lateinischem laureus („Lorbeer“) ist eine falsche Wortschöpfung aus späterer Zeit, die sich jedoch durchgesetzt hat. Dies gilt beispielsweise für das französische baccalauréat (Abitur bzw. Matura).

Der Bakkalaureus der mittelalterlichen Universität hatte ursprünglich diesen Grad nach Abschluss des Triviums (Grammatik, Dialektik, Rhetorik) der Artistenfakultät erworben. Danach wurde der Absolvent gleichzeitig Hilfslehrer, nachdem der ins Quadrivium übergewechselt war. Später hat der Bakkalaureus die Fakultät der Artisten abgeschlossen und wollte in eine höhere Fakultät eintreten.

Im deutschen Sprachraum verschwand der akademische Grad des Bakkalaureus um 1820, da die Matura bzw. das sogenannte Abitur nun dessen Zweck erfüllte. Es gab um 1930 noch an einigen Universitäten den baccalaureus juris (bacc. jur.) als Vorstufe für den Doktorgrad.

Die Gestalt eines Bakkalaureus erscheint auch in der Literatur, so in Johann Wolfgang von Goethes Faust II (Vers 6689 ff.). Der Bakkalaureus ist offensichtlich identisch mit dem Schüler aus Faust I (Vers 1868 ff.); er hat nun sein Examen gemacht und tritt Mephistopheles abermals gegenüber. Er symbolisiert einerseits die Originalgenies des Sturm und Drangs, andererseits die in Burschenschaft und Wartburgfest hervorgetretene Studentenbewegung nach den Befreiungskriegen, in der Goethe in mancher Hinsicht eine Wiederholung des Sturm und Drangs erblickte. Goethe sieht die jungen Studenten mit einer Mischung aus Sympathie und Geringschätzung.

Der Bachelor-Abschluss in Europa

Aufbau, Umfang und Einordnung

Grundkonzept

Der Bachelor ist der niedrigste akademische Grad und der erste berufsqualifizierende Abschluss eines mehrstufigen Studienmodells. Die Regelstudienzeit beträgt sechs bis acht Semester.

Nach dem verbreiteten European Credit Transfer System (ECTS) sind bei sechs Semestern 180 Leistungspunkte (credit points) zu erwerben (210 bei sieben Semestern bzw. 240 bei acht Semestern), wobei ein Semester 30 Punkte umfasst und ein Punkt eine Arbeitsbelastung des jeweiligen Studenten von 25 bis 30 Stunden bedeutet. Dies ergibt rechnerisch eine durchschnittliche Arbeitsbelastung von 40 Stunden in der Woche bei sechs Wochen Urlaub im Jahr. Zu der Arbeitsbelastung zählt die gesamte Zeit, die vom Studenten für das Studium aufgewendet werden muss (also z. B. die Zeit für Vorlesungen, Seminare und Prüfungen, sowie die Zeit für deren Vor- und Nachbereitung).

Die meisten Bachelorstudiengänge beschränken sich auf ein einzelnes Fach. Einige Hochschulen bieten jedoch zusätzlich besondere Bachelorstudiengänge an, bei denen gleichzeitig mehrere Studienfächer belegt werden können. So besteht etwa an der WWU Münster die Möglichkeit ein so genanntes 2-Fach-Bachelor-Studium zu absolvieren. Sollten die Absolventen schon vor oder während des Bachelor-Studiums einen Master of Education für Gymnasien und Gesamtschulen bzw. Berufskollegs anvisieren (ehemals Lehramt Sek. II), bildet diese Art des Bachelors die Grundvoraussetzung. Jedoch kann auch ein fachwissenschaftlich ausgerichteter Master in beiden Fächern angeschlossen werden.

Modulstruktur

Die Lehrveranstaltungen in Bachelor-Studiengängen sind durch Module strukturiert. Ein Modul fasst eine oder mehrere Lehrveranstaltungen mit einem Lernziel zusammen und ist die Einheit, für die Leistungspunkte vergeben werden. Durch den Bachelor-Abschluss wird die Vereinheitlichung der Studienabschlüsse in Europa und damit eine bessere internationale Vergleichbarkeit angestrebt.

Dazu gibt es detaillierte Vorgaben der Länder im Rahmen des Bologna-Prozesses, die insbesondere durch die Akkreditierung der Studiengänge gewährleistet werden, die durch Akkreditierungsagenturen durchgeführt wird. Durch diese externe Prüfung der Studiengänge soll sowohl die formale Kompatibilität zum Bachelor-System, als auch die Qualität der Lehre, des Lehrkörpers und der Studieninhalte geprüft werden. Bei den Akkreditierungsagenturen handelt es sich um Vereine, die wiederum vom zentralen Akkreditierungsrat akkreditiert werden. Die Akkreditierung, die meist optional, in Hamburg aber gesetzlich vorgeschrieben ist, wird meist erst nach Einführung eines neuen Studiengangs begonnen. Dies führt häufig zu der Kritik, dass die ersten Jahrgänge eines Bachelors Versuchskaninchen seien, da der Ausgang des Akkreditierungsverfahrens ungewiss ist.

Abschluss und mögliche Umorientierung

Mit dem Bachelor erwirbt der Student einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss. Der Bachelorabschluss ist aber auch Qualifikationsnachweis für ein anschließendes Masterstudium. Durch ein Masterstudium kann entweder das Studienfach fortgeführt und vertieft bzw. im fachlichen Zusammenhang fachübergreifend erweitert werden („konsekutiv“) oder eine fachliche Umorientierung erfolgen mit dem Wechsel in einen Masterstudiengang, der nicht auf das bisherige Studium aufbaut („nicht-konsekutiv“).

Studium und Beruf

Ziel der Einführung eines Bachelor-Abschlusses in Europa war neben der Vereinheitlichung innerhalb der EU und einer kürzeren Studiendauer auch ein stärkerer Praxisbezug des Studiums. Da in den Geistes- und Sozialwissenschaften die möglichen Berufsfelder oft nicht klar eingegrenzt werden können, werden in der Regel zwei oder drei Fächer studiert sowie Inhalte aus dem Bereich General Studies ergänzt. In den natur-, ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern wird meist schon zu Beginn ein einzelnes Fach gewählt.

Bachelor-Abschluss in Deutschland

Abschlussbezeichnungen

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat in den Strukturvorgaben aus dem Jahr 2003[1] festgelegt, dass in Deutschland folgende Abschlussbezeichnungen zu verwenden sind (Abkürzungen ohne Leerzeichen):

  • Bachelor of Arts (B.A.)
  • Bachelor of Science (B.Sc.)
  • Bachelor of Engineering (B.Eng.)
  • Bachelor of Laws (LL.B.)
  • Bachelor of Education (B.Ed.)

An Kunst- und Musikhochschulen kommen außer B.A. folgende Abschlussbezeichnungen hinzu[1]:

  • Bachelor of Fine Arts (B.F.A.)
  • Bachelor of Music (B.Mus.)

Die Hochschule kann die Abschlussbezeichnungen auch in zulässigen Formen deutscher Sprache verleihen (z. B.: Bakkalaureus der Wissenschaften). Gemischtsprachige Bezeichnungen sind jedoch ausgeschlossen. Der Absolvent muss die Abschlussbezeichnung so führen, wie sie verliehen wurde, und darf nicht eigenmächtig eine andere Sprache wählen. Die Bezeichnung wird meist im angloamerikanischen Stil nach dem Namen geschrieben, beispielsweise Erika Mustermann, B.A.

Der Bachelorgrad darf nicht um einen fachlichen Zusatz oder einen Hinweis auf die Art der Bildungseinrichtung ergänzt werden, die den Bachelor-Grad verliehen hat (z. B.: (FH) oder (Univ.)). Der Grund dafür ist, dass es keine für die Hochschulart spezifisch unterschiedlichen Vorgaben (z. B.: Dauer des Studiums) gibt und alle Hochschulen denselben Akkreditierungsanforderungen unterliegen [1]. Detaillierte Information zum jeweiligen Studiengang gehen aus der Bachelorurkunde, dem Bachelorzeugnis und dem Diploma Supplement hervor.

In ihren Strukturvorgaben von 1999 hatte die KMK noch eine Unterscheidung zwischen stärker forschungs- und stärker anwendungsorientierten Gradbezeichnungen festgelegt, die jetzt nicht mehr zulässig ist. Fachliche Zusätze sind in Folge dessen ebenfalls nicht mehr erlaubt (z. B. Bachelor of Computer Science oder Bachelor of Arts in Economics). Die Umstellung der Gradbezeichnungen in bereits bestehenden Studiengängen erfolgt im Rahmen der Akkreditierung und Reakkreditierung.

Durchlässigkeit des Hochschulbereichs

In der Bundesrepublik Deutschland kann der Bachelor-Abschluss auch an Berufsakademien erworben werden. Die Absolventen erhalten eine staatliche Abschlussbezeichnung anstelle eines akademischen Grades. Bei einem Weiterstudium entscheidet die jeweilige Hochschule anhand zusätzlicher Prüfungskriterien, ob der Berufsakademie-Absolvent zu einem Masterstudiengang zugelassen werden kann. Mit einem Bachelor-Abschluss an einer Hochschule (Universität oder Fachhochschule) kann dagegen auf jeden Fall ein Master-Studium angeschlossen werden.

Vergleich mit traditionellen Abschlüssen

Bachelorabschlüsse verleihen grundsätzlich dieselben Berechtigungen wie Diplomabschlüsse an Fachhochschulen. Die KMK hat im Jahr 1999 noch explizit festgehalten, dass das Diplom (FH) dem im Ausland verbreiteten vierjährigen Bachelor honours (vgl. unten) entspricht (zu trennen von anderen Bachelorvarianten). Während generell der Bachelor als erster berufsqualifizierender Abschluss gelten soll, reicht er in Studiengängen, an deren Ende bislang Staatsexamina standen, allein nicht aus. Mit dem notwendigen anschließenden Master zusammen ergibt sich eine ähnliche Studiendauer wie bisher.

Da jedoch grundsätzlich ein essenzieller Teil des Bologna-Prozesses die Einführung eines mehrstufigen Abschlusssystems ist, das sich grundlegend von der bisherigen Einteilung in Grund- und Hauptstudium unterscheidet, beinhaltet jeder Vergleich mit den bisherigen Abschlüssen eine Pauschalisierung. Die strukturellen Unterschiede zum bisherigen System können nicht erfasst werden, so dass die in der Öffentlichkeit wahrgenommene Wertigkeit des neuen Abschlusses stark variiert und von einer Gleichsetzung mit dem Bestehen des Vordiploms bis hin zum Diplom reicht. Bis 2010 soll ein europaweit einheitliches und im Vergleich zu bisherigen Abschlüssen leichteres Verfahren zur Anerkennung des Bachelors geschaffen werden.[2]

Promotion ohne Master

Einem Vorschlag der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) folgend soll besonders guten Bachelorabsolventen eine Promotion ohne vorherigen Masterabschluss ermöglicht werden. Der Deutsche Hochschulverband als Vertretung der Hochschullehrer steht dieser Möglichkeit aber ablehnend gegenüber. Die letztliche Entscheidung liegt bei den Hochschulen mit Promotionsrecht, die jeweils eine eigene Promotionsordnung verfassen. In den Ländern Bayern, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland können laut Studienordnungen besonders qualifizierte Absolventen von Bachelor-Studiengängen im Rahmen eines Eignungsfeststellungsverfahrens ausnahmsweise zur Promotion zugelassen werden. Die Zulassung erfolgt dabei möglicherweise unter dem Vorbehalt zusätzlicher zu absolvierender Studien- und Prüfungsleistungen.

Bachelor-Abschluss an „Business Schools“

Bereits vor dem Bologna-Prozess etablierten sich auch in Deutschland einige, meist private „Business-Schools“, also Wirtschafts-(Hoch-)Schulen, die einen Bachelorabschluss nach angelsächsischem Vorbild anboten. Die fehlende staatliche Anerkennung dieser Abschlüsse nach dem deutschen Hochschulrecht umgingen die „Business-Schools“ durch Partnerschaften mit US-amerikanischen und englischen Universitäten, die es den Absolventen ermöglichten, mit integrierten Auslandsstudien, den nach dem jeweiligen Hochschulrecht anerkannten Hochschulabschluss der Partneruniversität zu erlangen. Einige dieser früheren „Business-Schools“ sind heute auch in Deutschland als Hochschule staatlich anerkannt.

Hohe Abbrecherquote

Nach einer Studie des Hochschul-Informations-Systems soll in Universitäten jeder vierte Bachelorstudent abbrechen, in Fachhochschulen sogar jeder dritte.[3] Die Abbrecherquote in den Ingenieurwissenschaften ist bei den neuen Bachelorstudiengängen erheblich höher als in den früheren Diplom-Studiengängen, was daher insbesondere bei den Fachhochschulen spürbar wird, die diese Studiengänge verstärkt anbieten.[4] Dies wird darauf zurückgeführt, dass die Umstellung der ingenieurwissenschaftlichen Diplomstudiengänge zu den Bachelorstudiengängen häufig zwar mit einer zeitlichen Straffung, nicht jedoch mit einer entsprechenden Kürzung des Lernstoffes verbunden ist, woraus eine zusätzliche Stoffverdichtung resultiert.[3] Bei Bachelor-Studiengängen in Sozialwissenschaften, Sprach- und Kulturwissenschaften sowie in Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften ist die Abbrecherquote weiter auf hohem Niveau, jedoch niedriger als bei vorherigen Diplom- und Magisterstudiengängen, so dass die Einführung hier als erfolgreich angesehen werden kann.[4] Insgesamt ergeben sich Probleme insbesondere daraus, dass bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses in Deutschland zwar der angelsächsische Studienaufbau, nicht aber das im angelsächsischen Raum sehr starke Tutorensystem übernommen worden ist.[5]

Bachelor-Abschluss in Österreich

In Österreich wurde der Bachelor-Abschluss bis Mai 2007 „Bakkalaureat“ genannt, der Absolvent war der Bakkalaureus bzw. die Bakkalaurea.

Die Bakkalaureatsgrade in Österreich waren:

  • Bakkalaureus/-a der Künste (Bakk. art.)
  • Bakkalaureus/-a der Naturwissenschaften (Bakk. rer. nat.)
  • Bakkalaureus/-a der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (Bakk. rer. soc. oec.)
  • Bakkalaureus/-a der Philosophie (Bakk. phil.)
  • Bakkalaureus/-a der Rechtswissenschaften (Bakk. iur.)
  • Bakkalaureus/-a der technischen Wissenschaften (Bakk. techn.)
  • Bakkalaureus/-a der Kommunikationswissenschaft (Bakk. Komm.)

In gestuften Studiengängen, die ab Beginn des Wintersemesters 2006/2007 eingerichtet werden, wird künftig der Bachelor anstelle des Bakkalaureus verliehen (Novelle des Universitäts-Studiengesetzes 2002, BGBl. I Nr. 74/2006). Die bisherigen Bakkalaureat-Studiengänge können allerdings auch weiterhin mit dem Bakkalaureusgrad abgeschlossen werden.

Abschlussbezeichnungen

In Österreich werden folgende Abschlussbezeichnungen verwendet:

  • Bachelor of Arts (B. A. oder BA)
  • Bachelor of Science (B. Sc.)
  • Bachelor of Education (B. Ed.)

Der Bachelor-Abschluss in anderen europäischen Staaten

In Frankreich wird der Abschluss als licence bezeichnet. Der englische Name birgt dort eine Verwechslungsgefahr mit dem baccalauréat, das dem Abitur oder der Matura entspricht; außerdem ist licence der eingebürgerte Begriff für einen universitären Abschluss mit „bac+3“-Niveau (ein Abschluss, der drei Jahre nach dem Abitur erworben wird, also nach dreijähriger Studienzeit). In Belgien ist mit Bechelier wiederum der akademische Bachelorgrad bezeichnet (dieser Titel löst das alte Baccalauréat ab). In Italien heißt der Abschluss Laurea di 1° livello, in Polen licencjat und in Schweden, wo Studiengänge auf Bachelor-Ebene bereits vor Beginn des Bologna-Prozesses bestanden, Kandidatexamen. Das Pendant des Bachelor in Spanien nennt sich Título de grado, da auch hier ähnlich wie in Frankreich das Bakkalaureat (Bachillerato) bereits als Name für den Abschluss der weiterführenden Schule existierte. Der Bachelor of Divinity (Hons) der schottischen Universitäten St. Andrews, Aberdeen, Glasgow und Edinburgh, entspricht einem Masters-Abschluss.

Der Bachelor-Abschluss außerhalb Europas

In den USA erreicht man den Bachelor-Abschluss nach einer Studiendauer von vier Jahren an einem College oder einer University. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Schulmodellen ist, dass Universities auch graduierte und Ph.-D.-Studiengänge anbieten. Traditionell wurden dabei die Grade Bachelor of Arts (B. A.) und Bachelor of Sciences (B. Sc.) verliehen, die gegebenenfalls um die jeweilige Fachrichtung ergänzt wurden. Inzwischen existieren jedoch auch viele Bachelor-Bezeichnungen, die das Fach konkret nennen, wie etwa Bachelor of Education (B. Ed.), Bachelor of Civil Law (B. C. L.) in der juristischen Fakultät, oder bei Theologen der Bachelor of Divinity (B. D.).[6] In den ersten ein bis zwei Jahren werden typischerweise allgemeinbildende Fächer absolviert, bevor die Studierenden ein Hauptfach und eventuelle Nebenfächer wählen. Bei erfolgreichem Abschluss von Fortgeschrittenenkursen an der High School besteht die Möglichkeit, den allgemeinbildenden Teil zu überspringen und damit die Studiendauer entsprechend zu verkürzen.

Die Bedeutung eines solchen Abschlusses – und damit die Möglichkeiten für ein Anschlussstudium an dieser oder einer anderen Universität – hängt, neben den Noten und den Ergebnissen der jeweiligen Studieneingangstests, sehr stark vom Ruf des gewählten Colleges ab, da sehr große Qualitätsunterschiede in der Lehre bestehen. Es kommt zwischen den Universitäten auch immer wieder zu Problemen bei der Anrechnung oder Anerkennung von Studienleistungen.

Bezüglich der praktischen Berufstätigkeit besteht ebenfalls eine deutliche Abhängigkeit vom Ruf des Colleges. Dennoch existiert ein enormer Druck, überhaupt einen College-Abschluss zu erwerben, da ohne diesen die berufliche Zukunft in der Regel viel problematischer bis äußerst prekär ist. Insofern ist es besser, wenigstens irgendeinen Bachelor – und sei es von einem „schlechten“ College – zu haben als gar keinen. Dies rührt schlicht daher, dass es in den USA kein duales System der Berufsausbildung gibt. Es bleibt nur die Möglichkeit, entweder einen Bachelor oder einen Associate Degree an einem zweijährigen Community College zu erwerben. Letzterer ist zwar aufgrund der sehr viel niedrigeren Kosten besonders bei Studenten aus sozial schwächeren Schichten beliebt, bietet aber nur schlechte Karrieremöglichkeiten, so dass viele Absolventen eines solchen Associate Degree dann später doch noch ein Zusatzstudium absolvieren, um einen Bachelor-Abschluss zu erreichen.

Die Studiengebühren der einzelnen Colleges variieren sehr stark, liegen jedoch generell deutlich über europäischem Niveau.

In Australien, Neuseeland und Südafrika kann nach dem regulären Bachelor bei guten bis sehr guten Leistungen (upper second and first class) das Studium des Bachelor with Honours (Abk.: Hons.) aufgenommen werden. Dieses meist zweisemestrige Studium vermittelt vertiefende wissenschaftliche Kenntnisse und kann auch als erstes Jahr des Masters anerkannt werden. Ein guter Abschluss (second class) ermöglicht das Master-Studium. Ein sehr guter Abschluss (first class) dagegen kann direkt eine Promotion gestatten. Zwischen den hier aufgeführten Ländern können Unterschiede im zeitlichen und Leistungsumfang auftreten. So dauert der B. Hons. in Australien zwischen ein und zwei Jahre und beinhaltet eine längere schriftliche Forschungsarbeit; in Neuseeland dagegen kann die Erstellung einer weniger umfangreichen Forschungsarbeit innerhalb des einjährigen B. Hons. innerhalb der Kursarbeit freiwillig erfolgen. Inhaltlich erfolgt im Honours-Jahr auch hier eine vor allem wissenschaftlich ausgerichtete Vertiefung der bisherigen Studieninhalte. Beide können als erstes Master-Jahr anerkannt werden. In Südafrika gilt der Grundsatz, dass ein Masterstudium erst nach einem vierjährigen Studium begonnen werden kann. Daher wird ein einjähriges Honours-Jahr bei den dreijährigen Studiengängen eingefügt, um die geforderte Studienzeit zu gewährleisten. Für Absolventen deutscher Hochschulen ist das vierjährige Studium beim universitären Bachelor nicht zwingend, weil Abitur in Kombination mit 3-jährigem Bachelor-Abschluss in Südafrika als dem vierjährigen Bachelor äquivalent anerkannt werden.

In Kanada unterscheidet man zwischen einem Bachelor, welcher normalerweise in einer Studienzeit von drei Jahren abgeschlossen wird, und einem Bachelor with Honours welcher vier Jahre dauert. Letzterer ist notwendig um zu einem Master’s zugelassen zu werden. Die Qualität der Abschlüsse ist von viel gleichmäßigerem Niveau als in den USA; in den Provinzen British Columbia, Alberta, Ontario, Québec, Nova Scotia, New Brunswick und Prince Edward Island gibt es ein staatliches Kontrollsystem. Einige Studienrichtungen wie die der Ingenieurwissenschaften werden zusätzlich von deren professionellen Organisationen akkreditiert. Praktisch alle Universitäten sind außerdem Mitglied in der Association of Universities and Colleges of Canada (AUCC), welche eine Qualitätsprüfung voraussetzt. [7]

Literatur

  • Alexandra Kertz-Welzel: Motivation zur Weiterbildung: Master- und Bachelor-Abschlüsse in den USA. Diskussion Musikpädagogik. Nr. 29. 2006. S. 33–35.
  • Tobias Bröning: Dein Weg zum Bachelor. Vom Studienwunsch zur Abschlussarbeit. Uni-Edition, Berlin 2005. ISBN 3-937151-27-3. 154 Seiten.
  • Bologna-Reader I und II: Texte und Hilfestellungen zur Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses an deutschen Hochschulen. Herausgegeben von der Hochschulrektorenkonferenz. (PDF-Dateien: B.-R. I, 3,73 MB; B.-R. II, 3,16 MB)

Referenzen

  1. a b c Ländergemeinsame Strukturvorgaben / Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.10.2003 i. d. F. vom 07.02.2008 (PDF-Datei, 37 kB), KMK
  2. Bologna-Prozess: „Bachelor und Master“, Bundesministerium für Forschung und Bildung
  3. a b tagesschau.de, 14.02.2008: Studie des Hochschul-Informationssystems. Mehr als jeder vierte Bachelorstudent bricht ab., tagesschau.de
  4. a b Ulrich Heublein, Robert Schmelzer, Dieter Sommer, Johanna Wank: Die Entwicklung der Schwund- und Studienabbruchquoten an den deutschen Hochschulen. Statistische Berechnungen auf der Basis des Absolventenjahrgangs 2006. (PDF-Datei, 2,32 MB), Hochschul-Informations-System, S. 2
  5. Heike Schmoll: Reise in ein unbekanntes Land: Die Bildungsrepublik Deutschland. Sendung im Deutschlandradio, Reihe Hintergrund Politik. Sonntag, 28. Dezember 2008
  6. Der Abschluss eines Bachelor of Divinity with Honours (B. D. (Hons)) ist allerdings ein Master-Abschluss, der in seinen beiden oberen Stufen zur Promotion berechtigt. Siehe beispielsweise die Bestimmungen der Universität Edinburgh.
  7. Information for Students, AUCC

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