Timar

Timar

Das Tımar-System war eine Form der Landverteilung im Osmanischen Reich. Ein Tımar war ein Lehnsgut, das höheren Staatsbediensteten (im militärischen, später auch im zivilen Dienst) anstatt eines Gehalts zugewiesen wurde. Das Land ging nicht in deren Besitz über, sondern die Nutzungsrechte für die Grundstücke wurden auf Lebenszeit übertragen. Nach dem Tod des Nutzungsberechtigten fiel das Tımar wieder an den Staat zurück.

Im Regelfall verpachtete der Tımariot (der Tımar-Inhaber) das ihm zur Verfügung gestellte Land an Bauern und lebte von den an ihn zu zahlenden Abgaben. Grundlage dieser Landververpachtung war das Cift-Hane-System (türkisch Çift-Hane oder Çifthane), das nicht nur das Verhältnis zwischen Tımarioten und Bauern regelte, sondern auch die Berechnungsgrundlage für die zu leistenden Abgaben darstellte.

Das Tımar-System wurde von Osman I. (reg. 1281–1326) eingeführt, der seine Anhänger mit der Vergabe von Ländereien an sich band. Später wurde das System von Murad I. (reg. 1359–1389) um die gesetzliche Zusicherung von Tımaren an jeden Sipahis (Reitersoldaten) erweitert. Mit Mehmet II. (reg. 1451–1481) wurde das Tımar-System zur einzig erlaubten Form der Landvergabe im Osmanischen Reich. Im 17. Jahrhundert ging die Zahl der Tımare rapide zurück, 1831 schließlich wurde das System per Gesetz abgeschafft. Ab diesem Zeitpunkt waren alle Ländereien in Staats- oder Privatbesitz.

Çift-Hane

Das Çift-Hane war die Besteuerungseinheit der Bauernfamilie, auf der das ländliche Steuersystem beruhte. Die Einheit bestand aus drei Teilen: Dem besteuerbaren verheirateten Bauern (Hane) mitsamt seiner Familie (der Arbeitskraft), das an ihn verpachtete Land (çiftlik), das mit einem Ochsenpaar (çift) bearbeitet werden konnte. Dabei musste das Land groß genug sein, um zum einen den Bauern mit seiner Familie zu ernähren, zum anderen mussten auch die Betriebskosten und Abgaben (z. B. Steuern) daraus gedeckt werden können. Die drei genannten Elemente bildeten zusammen eine unauflösliche Einheit sowohl für steuerliche Zwecke als auch zur Bemessung der Landgröße. Dieses Land war durch gesetzliche Bestimmung in männlicher Linie erblich und durfte nicht geteilt werden. Den Sepahis war es verboten, das für Çift-Hane für die Besiedlung mit Bauern vorgesehene Land zu besetzen oder zu bearbeiten.

Die Größe der mit einer Çift-Hane Einheit verbundenen Landfläche variierte je nach Bodenqualität und Anbaubedingungen in den verschiedenen Landesteilen und lag zwischen 5 und 15 Hektar für jeden Bauern mit seiner Familie und dem Ochsengespann.

Das Çift-Hane-System wurde auch in den von den Osmanen eroberten Gebieten als Methode der Landkolonialisiation eingesetzt.

Literatur

  • Halil İnalcık: The Ottoman Empire: Conquest, Organization and Economy, London 1978

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужен реферат?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Timar — Timar: Land granted by the Ottoman Sultans between the fourteenth and sixteenth centuries, with an annual value of less than 20 000 akces. The revenues produced on this land acted as compensation for military service. A Timar holder was known as… …   Wikipedia

  • timar — ● timar nom masculin (mot turc) Dans l Empire ottoman, fief militaire d importance secondaire. ⇒TIMAR, subst. masc. HIST. TURQUE. Fief militaire d importance secondaire dans l empire ottoman, accordé par un grand seigneur à un vassal à condition… …   Encyclopédie Universelle

  • Timár — Administration …   Wikipédia en Français

  • timar — Se conjuga como: amar Infinitivo: Gerundio: Participio: timar timando timado     Indicativo   presente imperfecto pretérito futuro condicional yo tú él, ella, Ud. nosotros vosotros ellos, ellas, Uds. timo timas tima timamos timáis timan timaba… …   Wordreference Spanish Conjugations Dictionary

  • timar — tìmār m <G timára> DEFINICIJA 1. pov. posjed dobiven kao nadarbina vezana uz osobu i zasluge u Osmanskom Carstvu; u načelu se nije mogao naslijediti 2. reg. a. njegovanje, čišćenje i uredno hranjenje konja b. nastojanje oko čega; briga,… …   Hrvatski jezični portal

  • Timar — Timar, vor Zeiten ein größeres od. kleineres Lehen, das der Sultan in einem eroberten Lande einem Türken gab, wofür dieser zu Pferde in den Krieg ziehen mußte; der Sohn eines solchen Belehnten (Timarli) war nicht unmittelbarer Erbe, sondern mußte …   Herders Conversations-Lexikon

  • tìmār — m 〈G timára〉 1. {{001f}}pov. posjed dobiven kao nadarbina vezana uz osobu i zasluge u Osmanskom Carstvu; u načelu se nije mogao naslijediti 2. {{001f}}reg. a. {{001f}}njegovanje, čišćenje i uredno hranjenje konja b. {{001f}}nastojanje oko čega;… …   Veliki rječnik hrvatskoga jezika

  • timar — verbo transitivo 1. Quitar (una persona) [una cosa] a [otra persona] con engaño: Me han timado la cartera en el mercado. 2. Engañar ( …   Diccionario Salamanca de la Lengua Española

  • timar — 1. tr. Quitar o hurtar con engaño. 2. Engañar a alguien con promesas o esperanzas. 3. prnl. coloq. Dicho de los enamorados: Entenderse con la mirada, hacerse guiños …   Diccionario de la lengua española

  • Tímar — No debe confundirse con Güímar (Santa Cruz de Tenerife). Tímar …   Wikipedia Español

  • timar — TIMÁR1, timari, s.m. (reg.) Tăbăcar. – Din magh. timár. Trimis de ana zecheru, 13.09.2007. Sursa: DEX 98  TIMÁR2, timaruri, s.n. (Mai ales la pl.) Denumire dată, în evul mediu, în Imperiul Otoman, loturilor de pământ conferite, temporar,… …   Dicționar Român

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”