Veranderung

Veranderung

Der Begriff Othering (von engl. other „andersartig“) bezeichnet die Differenzierung und Distanzierung der Gruppe, der man sich zugehörig fühlt (Eigengruppe), von anderen Gruppen.

Der Begriff wurde von Irit Rogoff geprägt. Er hält Einzug in Theorien der Sozialarbeit, Soziologie, Kultur und Sozialanthropologie sowie Gruppenpädagogik. Eine allgemein gebräuchliche deutsche Übersetzung existiert bislang nicht. Julia Reuter hat „othering“ als „Veranderung“ übersetzt.

Othering beschreibt den Prozess, sich selbst und sein soziales Image hervorzuheben, indem man Menschen mit anderen Merkmalen (Hautfarbe, Religions- oder Volkszugehörigkeit etc.) als andersartig, „fremd“ klassifiziert. Es findet also eine betonte Unterscheidung und Distanzierung von „den Anderen“ statt, sei es wegen des Geschlechts, der ethnischen Zugehörigkeit, der Nationalität, der sozialen Stellung innerhalb einer Gesellschaft, wie z. B. der Klassenzugehörigkeit, der Ideologie, der Spezies oder auch vermeintlicher biologischer Unterscheidungskriterien zwischen Menschen (vgl. Rasse bzw. Rassismus).

Othering bedeutet also, sich mit anderen zu vergleichen, sich von ihnen abzuheben und zu distanzieren, wobei die Vorstellung existiert, dass Menschen und Gesellschaften sich durch deren Lebensform, Kultur oder andere Merkmale von der eigenen sozialen Gruppe erheblich unterscheiden. Othering kann zu Feindbildern, insbesondere zur Fremdenfeindlichkeit und Xenophobie führen, wenn Angehörige einer kulturellen Gruppe befürchten, dass sich fremde „Einflüsse“ auf die eigene Kultur ausweiten und sie damit bedrohen würden. (Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Bezeichnet sich eine Gruppe als „von Gott auserwählt“, so grenzt sie sich damit zwangsläufig von den „nicht-Auserwählten“ ab. Verbindet sich diese Idee mit der Angst davor, von den anderen „verunreinigt“ zu werden, entsteht die − oft geradezu fanatisch vertretene − Vorstellung, es sei wertvoll bzw. notwendig, die eigene Gruppe vor Einflüssen der ausgegrenzten Gruppen „rein“ zu halten. Mischt sich diese Vorstellung von „kultureller Reinheit“ auch mit einer Vorstellung von „biologischer Reinheit“, so führt dies schließlich zum Rassismus. (siehe auch z. B. die Thematik der Rassenmischung im Nationalsozialismus und in anderen faschistischen Ideologien).

Maureen Maisha Eggers beschreibt den Prozess des Othering u. a. am Exotismus: „in dieser Form des Othering (also des Exotismus, Anm. a.) verschwindet der Andere als Subjekt und wird zur bloßen Projektionsfläche des Selbst.“

Der als Othering beschriebene sozialpsychologische Mechanismus ist eine der Grundlagen für Diskriminierung von Minderheiten und von Verfeindungsprozessen zwischen verschiedenen Gruppen allgemein (z. B. ethnische Gruppen oder Religionsgemeinschaften).

Siehe auch

Literatur

  • Thomas Baumer: Handbuch Interkulturelle Kompetenz. (2 Bände); Verlag Orell Füssli, Zürich. ISBN 3-280-02691-1 und ISBN 3-280-05081-2
  • Maureen Maisha Eggers: Rassifizierte Machtdifferenz als Deutungsperspektive in der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland. Zur Aktualität und Normativität diskursiver Vermittlungen von hierarchisch aufeinander bezogenen rassifizierten Konstruktionen. In: Maureen Maisha Eggers, Grada Kilomba, Peggy Piesche, Susan Arndt (Hrsg.): Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Weißseinsforschung in Deutschland. Münster 2005. ISBN 3-89771-440-X
  • Kerstin Gernig (Hg.): Fremde Körper. Zur Konstruktion des Anderen in europäischen Diskursen. Dahlem University Press, Berlin 2001.
  • Nelly Oudshoorn: Eine natürliche Ordnung der Dinge? Reproduktionswissenschaften und die Politik des „Othering“. In: Lenz, Ilse; Mense, Lisa, Ullrich, Charlotte (Hrsg.): Reflexive Körper? − Zur Modernisierung von Sexualität und Reproduktion. Opladen 2004.
  • Julia Reuter: Ordnungen des Anderen. Zum Problem des Eigenen in der Soziologie des Fremden. Transcript Verlag, Bielefeld 2002. ISBN 3-933127-84-X
  • Iris Marion Young: Fünf Formen der Unterdrückung. in: Christoph Horn, Nico Scarano: Philosophie der Gerechtigkeit. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 2002.

Weblinks


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