Wieselfell

Wieselfell
Hermelin in der Heraldik

Das auch im übertragenen Sinn „reine Weiß“ des Hermelin-Winterfells hat dazu geführt, dass es durch Jahrhunderte als Symbol der Reinheit und Makellosigkeit ein Kennzeichen fürstlicher oder richterlicher Gewalt war. Hermelin findet sich, als eine damals dem ritterlichen Stand und den Doktoren vorbehaltene Kleidung, seit dem frühesten Mittelalter. Bis heute ist der weiße Pelz mit den charakteristischen schwarzen Schwanztupfen Bestandteil manchen Krönungsornats.[1]

In der Heraldik spielt das Hermelin eine wesentliche Rolle, siehe Hermelin (Heraldik).

Das Fell des Mauswiesels ist kleiner, das Wiesel hat keine schwarze Schwanzspitze.

Aus Asien kommen gelegentlich Tafeln aus Gelbbauchwieselfellen als „Pineweasel“ (engl., wörtlich „Pinienwiesel“) in den Handel.

Chinesisches Wiesel und Japanisches Wiesel sind zulässige Handelsnamen für das Fell des Kolinsky, siehe dazu Kolinskyfell.

Inhaltsverzeichnis

Hermelin

2 Zunftwappen der Kürschner aus Schässburg/Siebenbürgen (18. Jhdt.)
Papst Benedikt XVI. mit hermelinverbrämter Mozetta
Königin Wilhelmine der Niederlande im Krönungsornat (1898)

Das Hermelin oder Große Wiesel ist die verbreitetste Wieselart. Es lebt in großen Teilen Eurasiens und in Nordamerika.

Der schlanke Körper ist 25 bis 32 cm lang, der Schweif 8 bis 10 cm, die Schweifspitze ist im Gegensatz zum Kleinen Wiesel immer schwarz. Die Sommerfelle haben einen bräunlichen bis graurötlichen Rücken, die Seiten und der Kopf haben eine gelbliche bis reinweiße Unterwolle. Die Winterfelle sind weiß mit Schattierungen zwischen bläulichweiß und elfenbeinweiß. In den gemäßigten Zonen bleibt das Hermelin allerdings das ganze Jahr braun (Südengland, Irland, Südeuropa, südl. USA). Im Hohen Norden und im Hochgebirge behalten sie ihr Weiß, im Sommer ist es jedoch mehr grauweiß bis gelblichweiß.

In der Haarlänge und der Haarstärke sind die Unterschiede vom Sommer- zum Winterfell erheblich. Im Winter ist das Deckhaar 13 mm lang, im Sommer erreicht es dagegen nur eine Länge von 10 mm; die Schweifspitze ist immer schwarz. Bei den europäisch-asiatischen Arten umfasst sie etwa ein Drittel der Schweiflänge, bei den nordamerikanischen Fellen ist sie erheblich kürzer.

Der Haltbarkeitskoeffizient des Hermelinfells beträgt 30-40 % [2][Anmerkung 1]

Im Rauchwarenhandel werden unterschieden:

  • Sommerfelle mit bräunlich- bis graurötlichem Rücken, Seiten und Kopf mit gelblich- bis reinweißer Unterwolle.
  • Übergangsfelle, bei denen das braune Sommerhaar von mehr oder weniger weißen Flecken des Winterhaars unterbrochen wird (geflecktes oder getüpfeltes Wiesel).
  • Winterfelle weiß mit Schattierungen zwischen bläulichweiß und elfenbeinweiß.

Die als „Grauspitzen“ gehandelten Felle fallen im Herbst an, sie haben ein weißes, mit graubraunen Grannen durchsetztes Unterhaar.

Europäische Hermelinfelle

sind nicht so weiß wie die sibirischen und gröber im Haar. Als beste sibirische Sorten, weil besonders groß, silbrigweiß, rauch und seidig, gelten Ishimsker, Barabinsker, Beresowsker, Petropawlowsker, Petschorer.

Hermelinfelle aus Nordschweden und Nordfinnland, u. a. die aus Karelien und Enari sind besonders gut, stammen sie aus dem gleichen Breitengrad, entspricht die Qualität den russischen. Die Rohware war immer sehr sorgfältig im Leder behandelt.

Der russische Handels-Standard unterscheidet 18 Provenienzen:[3]

Beresowsky-Ischimsky Petschorsky Jenisseisky Baschkirien Zentral-Russland
Petropawlowsky-Barabinsky Altaisky Lensky Ural Westliche
Tobolsky Turuchansky Sabajkalski Kasachstan
Tomsky Nördliche (Sewernij) Jakutsky Nord-Russland

Als beste sibirische Sorten gelten:

Ischimsker, Barabinsker, Beresowsker, Petropawlowsker, Petschorer.
Sie sind groß, silbrigweiß, rauch und seidig. Die Ishimsker, Petropawlowsker und Nordpetschorer sind besonders schön im Leder, dünn und geschmeidig.
Die Nördlichen sind weniger seidig.
Jakutski sind teilweise gelblich, sie werden rund abgezogen, unten geschlossen, mit dem Leder nach außen, lang und schmal, angeliefert.
Jennisseisky und Daschkirien werden teilweise unten offen angeliefert, sie werden hauptsächlich zum Einfärben verwendet.

Der Einkäufer von Rohware muss beachten: Für alle Provenienzen gilt, wenn sie mit der Lederseite nach außen angeliefert werden, dass man die in der Übergangszeit angefallenen Felle am glasigen Leder erkennt. Weist das Fell an der Schwanzwurzel bräunliche Spitzen auf, ist das Fell auf dem Rücken auch braunspitzig. Kahle und beschädigte Stellen kann man von der Lederseite aus deutlich erkennen. Hält man die Felle gegen das Tageslicht, schimmern die Kahlstellen wie Fettflecken durch das Leder.

Um 1900 kamen rund eine Million Hermelinfelle aus Russland (ungefähr 525.000 lt. Larisch)[4], für das Jahr vor dem Zweiten Weltkrieg schätzte man ein Aufkommen von 500.000.[5] 1986 wurden auf den Leningrader Auktionen 120.000, im Jahr darauf 92.000 Hermelinfelle angeboten.[3]

Amerikanische Provenienzen

sind oft größer, meist aber flacher und gröber im Haar als sibirische. Gelegentlich sind sie auch kurzhaariger (engl. Bezeichnung short-tailed weasel).[3]

Die Ursprungsgebiete sind:

YF (York Fort), NW (Nordwest), Alaska, FG (Fort George (Kanada)), EB (Eskimo-Bai), MR (Moose River), LS (Oberer See), CANA (Kanada) und NF (Neufundland).[3]

Max Bachrach beschreibt die Qualitäten im Jahr 1950:

Alaska Wiesel ragen in der Qualität von Struktur und Fülle der Haare über die anderen Provenienzen hinaus.
Nordwest Kanada sind vom gleichen Typ und kommen der Qualität am nächsten, die Felle sind groß, haben aber nicht ganz die gleiche Haardichte und Haarlänge. In den Nachbarstaaten der Hudson Bay herrscht das Kleine Wiesel vor; es ist durchschnittlich kleiner, die Qualität ähnelt jedoch denen aus Alaska.
West Kanada, Nordwestliche USA und Westliche USA sind die drei Sektionen, aus denen hauptsächlich das Long-tailed Weasel kommt. Es ist, verglichen mit den anderen Hermelinen, sehr groß, der besonders lange Schwanz hat nur eine kurze schwarze Spitze. Das Grannenhaar ist gröber, insbesondere bei den Fellen aus den westlichen Gebieten.
Östliches Kanada liefert die größten Mengen des Kurzschwanzwiesels in besten Qualitäten; sie rangieren zwischen denen aus Kanada und den Randgebieten der USA gleicher Breitengrade. Sie sind seidiger, aber sehr viel schmaler als die langschwänzigen Arten und nur ungefähr zwei Drittel so groß.
Östliche USA. Die Bezeichnung rührt daher, dass die ersten der Art im Staat New York gefunden wurden. Es gleicht dem östlichen Typ, ist aber nicht so gut behaart, die durchschnittlichen Sortimente beider Gebiete entsprechen sich jedoch nahezu in der Fellgröße. Das Fell weist den größten Unterschied aller Arten zwischen dem weißen Winterfell und dem braunen Sommerfell auf.
Süd und Südöstliche USA gleichen den vorgenannten, meist behalten sie jedoch ihr braunes Fell das ganze Jahr.
Bridled Weasel aus Süd-Texas und Nord-Mexiko, der Name rührt von der schwarz/weißen Zeichnung in Gesicht und am Kopf her. Es kommen nur ganz geringe Mengen an den Markt; sie sind von geringer Qualität.[6]

Noch 1859 wurden von der Hudson’s Bay Company nur 809 Hermelinfelle exportiert, bis Ende 1900 hielt sich die jährliche Zahl auf etwa 2000 bis 3000. 1903 stieg sie dann sehr schnell auf 33.883 Felle.[7]

Die Anlieferungen amerikanischer Hermelinfelle sind zuletzt erheblich zurückgegangen. Um 1960 kamen aus Kanada rund 250.000 Stück, aus den USA etwa 20.000. 1970 gab die USA-Statistik nur noch circa 6500 Felle an, die kanadische Statistik von 1971/72 etwa 40.000. Vor 1988 schwankte der jährliche Anfall (inklusive der Langschwanzwiesel) zwischen 80.000 und 125.000 Fellen, jeweils zur Hälfte aus Kanada und den USA.[3]

Hermelin - der Pelz der Kaiser und Könige

Erzherzogskrone Österreichs, die ranghöchste Krone mit Hermelinbesatz
Zum garnieren von Hermelin oder mit Hermelin besetzten Sachen, lassen sich gefällige Motife aus Hermelin herstellen. Fig. I zeigt eine Frange als Abschluss einer Etole. Es werden Streifen aus Hermelin der Länge nach geschnitten und rund, ungefähr eine Schweifstärke, über eine Schnur verzogen. Dann werden diese Schnüre nach einem Muster auf ein Brett gesteckt, mit Knoten aus Seiden oder Genillenpassementerie befestigt und als Abschluss Schweife angenäth. Diese Knoten aus schwarzer oder weisser Passementerie dienen um die zusammengehefteten Stellen zu bedecken und gleichzeitig als Zierde. Fig. 2 + 3 sind als Garnitur für die Brust von Etolen oder Mänteln gedacht. Die Herstellung ist dieselbe. Fig. 4 + 5 sind als Besätze für Kleider (Brautkleider, Ball u. s. w.) bestimmt. Die Einfasstreifen sind einfach Pelz, die Vergitterung rund verzogen gedacht.[4] (ca. 1905)

Bereits im Altertum war das Hermelinfell bekannt und begehrt. Die Griechen hielten es für eine weiße Ratte und nannten es Armenische Ratte, woraus sich der Name Hermelin entwickelt haben soll. Im Thierlein Hermelingten sah man das Sinnbild der Keuschheit und des unbefleckten Gewissens. Man sagte ihm solche „Reinigkeit“ nach, dass es „lieber durch Feuer laufet als in etwas unreines“. Diese Vorstellungen haben wohl bewirkt, dass es jahrhundertelang nur zu Kleidung allerhöchster Würdenträger verwendet werden durfte, obwohl es viele weit kostbarere Felle gab und gibt; Hermelin gilt allgemein als Pelz der Kaiser und Könige.

Seit etwa dem 12. Jahrhundert war der Besitz und Gebrauch ausschließlich der Krone vorbehalten. Der Fürstenmantel aus purpurrotem Samt ist ein mit Hermelin verbrämter und gefütterter Umhang, eine Form, die aus dem damals gebräuchlichen Mantel gehobener Stände hervorgegangen ist. Im frühen 14. Jahrhundert kommt der schulterbreie Pelzkragen hinzu, ebenfalls mit Hermelin besetzt ist er künftig bezeichnend für den Fürstenmantel, insbesondere als die breite Kragenform im 15. Jahrhundert aus der allgemeinen Mode wieder verschwunden ist. Komplettiert wird der Ornat durch eine ebenfalls mit Hermelin verbrämte, oft an eine Krone erinnernde, Kopfbedeckung. Beim fürstlichen Frauenmantel fehlt der große Hermelinkragen. Ähnlich dem Fürstenmantel ist der prächtige, pelzverbrämte Umhang, der einem Mitglied des geistlichen oder weltlichen Ritterordens zukommt, in erster Linie dem Großmeister.[8]

König Eduard III. proklamierte in England etwa in der Mitte des 14. Jahrhunderts das Hermelin zum königlichen Pelz. Seitdem ist seine Verwendung als wesentliches Teil des englischen Krönungsornats bis in die Gegenwart beibehalten worden. Elisabeth II. trug zu ihrer Krönung im Jahr 1953 einen mit 500 Hermelinfellen verbrämten und mit 650 Hermelinschwänzen besetzten Umhang; auch die Krone des Empire lag auf einer mit Hermelin besetzten Samtdecke. 1892 schreibt Henry Poland in „Fur Bearing Animals“, „Dieser Pelz wird von der Queen, einigen Richtern und hohen Stabsoffizieren getragen und außerdem für die Festkleider der Peers verwendet. Einst, und zwar fast 600 Jahre lang, war er ausschließlich zum Gebrauch für die Krone bestimmt, doch wird das jetzt viel nachlässiger gehandhabt.“[9]

Paul Larisch vermerkt 1928, dass die „Staatsmäntel“ der englischen Könige wie die der Monarchen anderer Länder mit Schweifen besetzt, die bei der Krönung verwendeten „Krönungsmäntel“ dagegen getupft sind. Diese werden während der Krönungsfeier von allen hervorragenden Personen getragen. Je nach Rang des Trägers weist der breite Hermelinkragen eine genau bestimmte Reihe dieser Tupfen auf. Lediglich der König und die Königin haben das Recht auf eine unbestimmte Anzahl von Tupfen. Die Kragen von Prinzen und Prinzessinnen und von Herzögen und Herzoginnen weisen vier Reihen von Tupfen auf. Als Nächstes kommen die Marquisen, Earls, Grafen und Gräfinnen mit dem Recht auf dreieinhalb Reihen von Tupfen, wohingegen Barone, Lords und Ladys nur zweieinhalb Reihen beanspruchen dürfen.[1]

Auch die geistlichen Würdenträger schätzten den Hermelinpelz, vom Papst bis hinunter zu den, hauptsächlich französischen, Nonnen. Dort trugen die Karmeliterinnen bei Festen einen weißen, mit Hermelin gefütterten Tuchmantel, ebenso wie die „Gottestöchter“ genannten, schwarz gekleideten Ordensfrauen der Hospitäler von Rouen. Eine Hermelinverbrämung hatte auch der halblange, offene schwarze Abendmantel der Dominikanerinnen von Montfleuron, den diese im Winter über ihr weißes Ordensgewand zogen.[8] Als im 12. Jahrhundert die Geistlichkeit von Chartres die älteste Muttergottesstatue Frankreichs, die aus dem 1. Jahrhundert stammenden „druidische Jungfrau“, schmücken wollte, tat sie das mit einem Mantel aus kostbarem, golddurchwirkten Seidenstoff orientalischer Fabrikation. Am unteren Saum war der Mantel mit Hermelin besetzt. Zuletzt befand er sich im Besitz des Karmeliterordens, vom Pelz existierte jedoch nur noch das Leder.[1]

Eduard VIII. in Krönungsrobe

Nachdem es um 1900 breiteren Bevölkerungskreisen zugänglich wurde, spielte das Hermelinfell je nach Mode im Rauchwarenhandel eine unterschiedlich große Rolle. Wohl nur bei wenigen Pelzarten schwankte der Preis so wie beim Hermelin. Eine zeitlang war der Preis so niedrig, dass man damit die Damenpelzmuffs ausfütterte.[10] Emil Brass berichtet 1911: „Bei niedrigem Preis werden wenig Hermeline gefangen, während der hohe Preis lockt. Vor 25 Jahren kostete das Zimmer (= 40 Stück) bestes Ischimer zugerichtet 40 Mk. Ich kaufte damals sogar einen grossen Posten von etwa 700 Zimmer zugerichtete Jakutski für 7 Mk. per Zimmer. Seit der Krönung König Eduards von England (siehe Bild) kam Hermelin mit einmal wieder in Mode, und im Jahre 1906 war der Preis für Ischimer der höchst je bezahlte und betrug über 400 Mk. im Durchschnitt, um im Jahre 1907 etwas zu fallen, augenblicklich etwa 280 Mk.“

Für manchen war auch ein Hermelinschal noch zu kostspielig, Kürschnermeister August Dietsch aus Leipzig erinnert sich 1987: „Als Pferde- und Straßenbahnen immer stärker als Verkehrsmittel ausgebaut wurden, erwiesen sich die damals üblichen Hutnadeln der hochmodischen, meist recht überdimensionalen Damenhüte als gesundheitliche Gefährdung der Fahrgäste. Deshalb konnte man dann in diesen Transportmittel lesen: „Personen mit ungeschützten Hutnadeln werden nicht befördert.“ Und aus diesem Grund fertigten wir Hutnadelschützer aus Hermelinköpfen. So trug manche Frau auch Hermelin, ohne daß sie es sich eigentlich leisten konnte.“[11]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Hermelinpelz, der hauptsächlich in angelsächsischen Ländern zu Tafeln vorgefertigt wurde, weitgehend vom relativ preisgünstigeren und strapazierfähigen weißen Nerz verdrängt. Das mittlerweile nur noch in geringer Stückzahl anfallende Hermelinfell erzielt heute auf dem internationalen Rauchwarenmarkt wieder einen hohen Preis.

Im Juni 2001 gab es ein Anfrage im Österreichischen Parlament, die Dr. Dieter Böhmdorfer, Regierungsmitglied, Bundesministerium für Justiz wie folgt beantwortete:

„Der derzeitige Präsident des Oberlandesgerichtes Wien besitzt keinen Talar mit Hermelinverbrämung. Es stehen daher derzeit ein Amtskleid mit einer 12 cm breiten Hermelinverbrämung (für den Präsidenten des Obersten Gerichtshofes) und 19 Amtskleider mit einer 6 cm breiten Hermelinverbrämung (für die zwei Vizepräsidenten sowie die 13 Senatspräsidenten des Obersten Gerichtshofes, für den Leiter der Generalprokuratur und für drei Präsidenten der Oberlandesgerichte) in Verwendung.
Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre wurden pro Jahr drei Talare mit Hermelinverbrämung für den Obersten Gerichtshof angeschafft. Die Auftragsvergabe erfolgt durch den Obersten Gerichtshof nach Einholung mehrerer Angebote an den jeweiligen Bestbieter. Woher die Hermeline stammen beziehungsweise wie viele Hermeline für ein Amtskleid benötigt werden, ist mir nicht bekannt.
Auch ich bin der Auffassung, dass Distinktionen an Amtskleidern durch Pelzverbrämungen nicht mehr zeitgemäß sind. Da ich das Tragen eines der jeweiligen Amtsstellung des Richters entsprechenden Amtskleides nach wie vor für sinnvoll und wichtig erachte, habe ich die zuständige Fachabteilung ersucht, die Verwendung geeigneter Ersatzstoffe für den Hermelin, die der Würde des jeweiligen Amtes Rechnung tragen, zu prüfen.“[12]

Papst Benedikt XVI. trägt nicht nur zur Osteroktav eine mit Hermelin verbrämte Samtmozetta. Im Dezember 2005 verblüffte der Papst bei eisiger Kälte mit einer hermelinbesetzten und gefütterten, warmen roten Mütze, dem traditionellen aber ungewohnten Camauro. Aber auch Modezar Karl Lagerfeld erklärte der Zeitschrift Stern, „Im Sommer schlafe ich unter einer weißen Hermelindecke, im Winter unter Zobel“.

Siehe auch:Weitere Bilder von Hermelinkleidung auf Wikipedia Commons

Verarbeitung

Hermelinschals „getupft“
Verarbeitungsbeispiel Mantel, rechts Muff und Schärpe in Flechtarbeit

Hermelinfelle kommen meist als vorgefertigte Tafeln (ca. 60 x 120 cm) in den Großhandel, Wieselfelle praktisch ausschließlich. Wie bei allen weißen Fellarten gestaltet sich das Sortieren sehr einfach, gutfarbige Felle werden im Wesentlichen nach Fellgröße und Haarlänge zusammengefügt. Unnötige Schnitte sind zu vermeiden, da sie leicht vom Haar aus markieren.

Bis nach 1900 war die Hermelinverarbeitung noch wesentlich aufwändiger. Gewöhnlich wurden die Hermelinsachen „geschwänzt“, indem man die natürlichen Schweife verwendet, oder weil dieselben oft zu gelb sind zu diesem Zwecke künstliche Schweife hergestellt. Die beste derartige Imitation wird erreicht, indem man die obere Hälfte aus dem Fell schneidet und die schwarze Spitze aus Fehschweif oder Iltisschweif nimmt. - Neben dem „Schwänzen“ des Hermelines ist in letzter Zeit das „Tupfen“ desselben, in der Manier des Mittelalters, mit Erfolg angewendet worden. Als „Tupfen“ werden kleine Stückchen andersfarbigen flachen Pelzwerks verwendet. In getupfter Verarbeitung hieß Hermelin gewöhnlich „Minniver“ (von dem altfranzösischen Menu-vair, die Bezeichnung für die verschiedenen Formen der Fehwammen im Mittelalter). War ein Teil vollständig aus „Minniver“ geabeitet, nahm man zum Tupfen gewöhnlich Stücken von Sealfellen. War das Hermelin jedoch Bestandteil eines Pelzes aus anderem Fellmaterial, z. B. als Kragen, Manschetten oder Verbrämung, so fertigte man die Tupfen meist aus diesem Fell.[4] Werden die Schweife im Kleidungsstück als „Aufputz“ belassen, so „schneidet man die Felle in waagerechter Richtung zart ein, schiebt das kleine Schweifchen durch den Schnitt und näht die Schweifwurzel zu“,[10] oder man setzt sie alternativ neu so ein, dass sie die nicht so ordentlich aussehenden Stellen verdecken, an denen die Vorderpfoten herausgeschnitten wurden.[13]

Es wurden auch erfolgreich Versuche gemacht, Hermelinfelle in der für Nerz üblichen Auslasstechnik zu verarbeiten. Arthur Samet beschreibt, wie aus jeweils drei, möglichst großen Fellen durch „Einschneiden“ zweieinhalb mal so großes Felle hergestellt werden, die anschließend auf die benötigte Mantellänge ausgelassen werden. Er erwähnt, dass zum Glattspannen und Richten der Nähte exakt 6412 Stecknadeln benötigt wurden, dass das Ergebnis entsprechend dem hohen Aufwand „perfekt“ war, jeder Streifen sah aus wie aus einem Fell gearbeitet.[14]

Nach einer gewissen Zeit vergilben die weißen Felle wie alle hellen Haare oder sie sind bereits naturell gelbstichig. In beiden Fällen müssen sie gebleicht werden, früher mit einer Schwefelbeize, heute mehr mit Blankitbleiche mit optischem Aufheller u. a. Nach dem Ersten Weltkrieg begann man, die Felle zusätzlich auch auf verschieden Farbtöne wie beige, braun und blassgrau zu färben.[9]

Mildhaarige (haarlässige) Felle wurden meist gerupft und zu Kindergarnituren verarbeitet.[4] Heutzutage werden Hermelinfelle hauptsächlich zu Abendpelzen, kleinen Capes oder leichten Sommerpelzen gearbeitet.

Wiesel (Mauswiesel)

Wieselmantel naturfarbig mit Druck (Punkte), 2004

Das Fell des Mauswiesels oder Kleinen Wiesels unterscheidet sich vom Hermelin durch die gezackte Linie zwischen der braunen Oberseite und der weißen Unterseite sowie durch braune Füße und einen braunen Schweif (ohne die schwarze Spitze). In nördlichen Ländern und im Hochgebirge ist es im Winter ebenfalls weiß. Das Kleine Wiesel hat eine Körperlänge von 15 bis 20 cm und eine Schweiflänge von 4 bis 5 cm. Das Vorkommen ist das Gleiche wie beim Hermelin, nur fehlt es in Irland.

Gehandelt werden meist nur die kleinen (weißen) Wiesel aus Russland-Sibirien, die Laska (Plural Laski) genannt werden. Als Wiesel haben sie keine schwarze Schwanzspitze, wohl deshalb kamen sie etwa vor 1900 ohne Schweife in den Handel.[7] Veraltete Handelsbezeichnungen sind „Laschitzen“ oder auch fälschlich Junghermeline.[15]

Die Provenienzen nach dem russischen Standard sind:

Jakutsky, Westsibirer und Russische.

Die Nachfrage ist jedoch gering, da die Kosten für das Veredeln und Verarbeiten wegen der kleinen Fellchen höher ist als beim Hermelin. Auch sind sie meist flacher im Haar.

Haltbarkeitskoeffizient: 40-50 % [Anmerkung 1][2]

Langschwanzwiesel

Mit einer Felllänge von 37 bis 45 cm ist das amerikanische Langschwanzwiesel größer als das Hermelin. Hinzu kommt der längere buschigere Schweif, noch einmal fast halb so lang wie des Fell, die Spitze (etwa ein Viertel) ist schwarz.

Im Winter ist es reinweiß, im Sommer zimtbraun. Die südlich lebenden Tiere bleiben das ganze Jahr braun. Gegenüber dem Hermelin ist das Fell schütterer und flacher; das Fell ist nicht ganz so silbrigweiß und wird deshalb meist gebleicht.

Offenbar kommen die Felle des Amerikanischen Langschwanzwiesels meist zusammensortiert mit den Hermelinfellen in den Handel.

Die Rohfelle werden rund abgezogen, mit dem Haar nach innen, angeliefert.[3]

  • Fast ausschließlich werden bei uns derzeit bereits in China zu Tafeln zusammengesetzte Wieselfelle verarbeitet. Die nur schlecht zu färbende Granne wird fast immer entfernt. Als Samtwiesel werden sie, meist gefärbt, zu besonders leichten Mänteln, Jacken und Innenfuttern verarbeitet. Die Felle von weiblichen Tieren sind kleiner und dünnledriger und damit noch leichter als die männlichen.

Gelbbauchwiesel

Pine-Weasel-Tafeln

Um 1999 kamen aus China als „Pineweasel“ gehandelte Tafeln aus Fellen von Gelbbauchwieseln auf den Markt, mit dem Vermerk, sie würden üblicherweise als „Sommerhermelin“ gehandelt.

Gelbbauchwiesel unterscheiden sich von anderen Wieseln durch den relativ langen Schwanz. Das Fell ist an der Oberseite dunkelbraun gefärbt, die Unterseite ist gelb. Die Felle haben eine Kopfrumpflänge von 25 bis 27 Zentimeter und eine Schwanzlänge von 13 bis 15 Zentimeter. Das Leder war bei vielen Tafeln pergamentartig glasig.

Gelbbauchwiesel sind häufig und zählen nicht zu den bedrohten Arten.

Anmerkung

  1. a b Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Gerbung und Veredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden.

    Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent, nur die schwächsten Arten bekamen die Wertklasse von 5 bis 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.

Literatur, Einzelnachweise

  1. a b c Paul Larisch: Hermelin: Reinheit und Gerechtigkeit in Die Kürschner und ihre Zeichen, 1928. Selbstverlag, Berlin
  2. a b Dr. Paul Schöps; Dr. H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle in Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56-58
  3. a b c d e f Christian Franke/Johanna Kroll: Jury Fränkel’s Rauchwaren-Handbuch 1988/89, 10. überarbeitete und ergänzte Neuauflage, Rifra-Verlag Murrhardt
  4. a b c d Paul Larisch und Josef Schmid: Hermelin in Das Kürschner-Handwerk, Eigenverlag, Paris, III. Teil - III. Kapitel, Mai 1903, S. 38-39
  5. Alexander Tuma: Pelzlexikon, XVIII. Band der Pelz- und Rauchwarenkunde, Hermelin, S. 101-102, Verlag Alexander Tuma, 1949
  6. Max Bachrach: Fur. A Practical Treatise. F Verlag Prentice-Hall, Inc., New York, 1936. S.358-362 (engl.)
  7. a b Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze, 1911, Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin
  8. a b Dr. Eva Nienholdt, Berlin: Pelz am Herrscherornat, an weltlichen sowie geistlichen Ordens- und Amtstrachten. In: Das Pelzgewerbe, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Ffm., Leipzig, Wien. Jahrgang IX/Neue Folge, Nr. 3, 1958, S. 132-138
  9. a b Dr. Fritz Schmid: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen, F. C. Mayer Verlag, München, 1970, S. 271-279
  10. a b Alexander Tuma jun: Die Praxis des Kürschners, Verlag von Julius Springer, Wien, 1928, Seite 150-151, 206-208
  11. Gisela Unrein, Leipzig: Ein Kürschnermeister vom Brühl erinnert sich. Im Gespräch mit August Dietsch (III), aus Brühl, 28. Jg, Heft 1, 1987, VEB Fachbuchverlag Leipzig, S. 29
  12. http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXI/AB/AB_02086/pmh.shtml www.parlament.gv.at (abgerufen 23.12.2008)
  13. Heinrich Hanicke: Handbuch für Kürschner, Verlag von Alexander Duncker, Leipzig, 1895, Seite 46-48 und Tafel 43
  14. Arthur Samet: Pictorial Encyclopedia of Furs, Arthur Samet (Book Division), New York, 1950, S. 180-181 (engl.)
  15. Hans Werner, Gera: Die Kürschnerkunst, Verlag Bernh. Friedr. Voigt, Leipzig, 1914, S. 112-113

Siehe auch


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