Wüstung Warnsdorf

Wüstung Warnsdorf

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Warnsdorf
Entstehungszeit: 12.Jh.
Erhaltungszustand: Wüstung
Ort: Tharandt
Geographische Lage 50° 57′ 51,4″ N, 13° 32′ 9,9″ O50.96428713.5360747Koordinaten: 50° 57′ 51,4″ N, 13° 32′ 9,9″ O


Warnsdorf ist eine Wüstung im Tharandter Wald auf dem Gebiet des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen.

Sagen berichten, dass nahe Grillenburg im Tharandter Walde das Dorf Warnsdorf lag. Es soll im Jahre 1007 wegen gottlosen Lebens seiner Bewohner in der Erde versunken sein. Des Weiteren berichten die Sagen, dass auf den Warnsdorfer Wiesen, wo einst der Ort versank, von Wildschweinen eine Glocke ausgegraben wurde, die hernach in die Kirche Fördergersdorf und später an den Glockenstuhl in Kurort Hartha gelangte.

Durch Ausgrabungen wurden durch das Archäologische Landesamt Sachsen 1981/83 am Warnsdorfer Flügel Reste von Brunnen, einer Kirche sowie von Hausstellen gefunden, welche dem 12. Jahrhundert zuzuordnen sind. Schon vorher waren Reste von historischen Brücken und eine Felszeichnung mit Galgen nahe der Ausgrabungsstätte gefunden worden. Außerdem erfolgte der wissenschaftliche Siedlungsnachweis durch die Pollenanalyse von Prof. Dr. Martin Schretzenmayr (Technische Universität Dresden, Fachrichtung Forstwissenschaften Tharandt).

Die Einwohner dürften die Wachmannschaft für die zur markmeißnischen Grenzburg Tharandt gehörenden Vorposten Markgrafenstein und Burgstadl (Borschelberg) gestellt haben, die dem Schutz von Pilger- und Handelswegen (z.B. Heiliger Weg) und der Grenze zum Burggrafentum Dohna, mit Grenzburgen in Rabenau und Ruppendorf, dienten.

Eine nicht mehr nachweisbare Urkunde, die in der Ortschronik von Fördergersdorf genannt wird, besagte sogar, dass Warnsdorf, zusammen mit Pohrsdorf, Granaten (Tharandt) und Hintergersdorf, 1307 in der Kirche Fördergersdorf eingepfarrt war.

Die Aufgabe des Siedlungsplatzes kann im Zusammenhang mit dem allgemeinen Rückschlag der Besiedlungstätigkeit im Spätmittelalter gesehen werden, deren Ursachen im einzelnen sehr mannigfaltig sein können und für den konkreten Fall nur schwer rekonstruierbar sind.

An die Siedlung erinnern heute noch die Warnsdorfer Quelle (369 m), der Warnsdorfer Bach (Zufluss der Triebisch), der Warnsdorfer Flügel und der Warnsdorfer Weg sowie die Warnsdorfer Wiesen im Tharandter Wald. Die Warnsdorfer Quelle ist ein beliebtes Ziel für Wanderer und Ausflügler im Naherholungsgebiet Tharandter Wald. Sie befindet sich an der Kreuzung von Dorfhainer Weg und C-Flügel. Es gibt dort einen Rastplatz und eine Schutzhütte. Die Quelle gibt als stärkste Trinkwasserquelle im Tharandter Wald in der Sekunde bis zu vier Liter Wasser und diente bis 1991 der Wasserversorgung von Tharandt und zum Teil von Kurort Hartha. Heute liefert sie das Brauchwasser für den ForstPark Tharandt.

Literatur

  • Kulturbund der DDR, Ortsgruppe Tharandt (Hrsg.): Der Tharandter Wald, Forststadt Tharandt, Beiträge zur Heimatgeschichte, Heft 7, Tharandt 1982
  • André Kaiser: Was der Forstmann abends am Kamin erzählte, Hrsg. Sächsische Zeitung, Freital
  • André Kaiser: Die Harthaer Glocke, ihr Lebenslauf und die Sagen um Warnsdorf in: Harthaer Gemeindeblätt´l, Amtsblatt von Kurort Hartha, Dezember 1992
  • Heinrich Magirius, Norbert Oelsner, Reinhard Spehr: Grillenburg, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Arbeitsheft 10, Dresden 2006, ISBN 978-3-937602-85-2
  • André Kaiser: Die Fördergersdorfer Kirche und ihre Glocken, Hrsg. Kirchgemeinde Fördergersdorf, Fördergersdorf 2007

Weblinks


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