Bierhumpen

Bierhumpen
typischer Halbliter-Humpen
rheinisches Steinzeug

Ein Humpen (auch Bierkrug, Steinkrug, Bierseidel, Schnellen, Henkel (Berlin), Halber (Norddeutschland), ist ein Trinkgefäß, das seinen Ursprung im 16. Jahrhundert in der abendländischen Kultur hat.

Der Humpen hat im allgemeinen einen zylindrischen oder konischen Körper, zumeist mit Henkel, häufig mit Scharnierdeckel, Daumenruhe und abgesetztem Fußring. Der Humpen wird überwiegend aus Glas oder Steinzeug, aber auch aus Zinn und Messing oder Porzellan (v.a. teurere Sammlerstücke) hergestellt. Humpen sind oft mit einem Relief, Medaillon oder Malerei, zu deren beliebten Themen wie Wappen, historische, allegorische (insbesondere Jagdszenen) und biblische Szenen gehören, verziert. Besondere Humpen sind die Innungs- und Zunfthumpen, auch Studentenverbindungen (→ Besentopf) nutzen den Humpen als gemeinschaftliches Identifikationsmerkmal. Aus dem Humpen wird vorzugsweise Bier getrunken, aber auch andere alkoholische Getränke wie Met oder Wein. Es gibt Humpen, die bis zu 5 Liter Inhalt fassen.

Die Lederhose und der Humpen (engl. Stein genannt) werden beispielsweise in Japan und auch in Amerika als "typisch deutsch" verstanden.

Andere Trinkgefäße für Bier sind Bierglas, Bierflasche, Keferloher und Maßkrug. Ein spezieller Humpen ist der Bartmannskrug.

Inhaltsverzeichnis

Hohlmaß

  • In Luxemburg ist ein "Humpen" die Maßeinheit für eine Standard Bierglasform mit 0,33 Liter Inhalt.
  • Im bayrisch-fränkischen Raum ist ein Seidel oder eine Halbe eine Biermenge von genau 0,5 l, früher 0,535 l. Es kann also auch eine Flasche von entsprechendem Inhalt bezeichnen. Das „Seidel“, in dialektaler Umprägung „Seidla“, mit Halblitervolumen ist im fränkischen Raum die gängige Einheit des Bierausschanks. In Bayern ist es die Mass (gesprochen mit kurzem "a") mit 1 Liter Inhalt, die in Biergärten und auf dem Oktoberfest hauptsächlich in Glaskrügen, teilweise auch in Tonkrügen ausgeschänkt wird. Siehe auch: Schoppen. Um dem Schankbetrug vorzubeugen, werden auf Großveranstaltungen zunehmend Glaskrüge verwendet, da der Gast hier die Füllmenge anhand des Eichstrichs kontrollieren kann.
  • In Österreich war ein Seidel etwa ein drittel Liter (0,354 l) und ist im ostösterreichischen Sprachgebrauch weiterhin verbreitet (als 0,3 l). In der Regel ist ein Seidel Bier gemeint, es kann sich aber auch auf Weine beziehen (wenn auch in diesem Zusammenhang selten benutzt). Der halbe Liter Bier ist das Krügerl oder die „Halbe“.

Siehe auch: Hohlmaße in Alte Maße und Gewichte

Sammlerkrüge

Altdeutscher Soldatenkrug (1895): Der scheidende Soldat verabschiedet sich von der Wirtin (Behüt' dich Gott /Es wär so schön gewesen)
Der Kuß - Wasserzeichen im obigen Krug

Eine Sonderform der Humpen/Krüge sind die spezifisch zum Sammeln gestalteten und hergestellten Sammlerkrüge. Ähnlich Gedenkmünzen oder Sondermarken werden zu Veranstaltungen, Jubiläen oder Orten spezifische Motive entweder auf den Krug aufgedruckt, auf den Deckel geprägt oder in Form eines Bodenbildes dargestellt. Letzteres stellt eine Wasserzeichen-ähnliche Prägung am Boden des Kruges dar, die im leeren Krug gegen das Licht ein Motiv darstellt.

Es war früher üblich dem scheidenden Soldaten am Ende seiner Dienstzeit einen Souvenir-Krug mit Namen und Angabe des Regiments (Fotos: Johann Müller, Kgl. 7. Inftr. Reg., 5. Comp. Bayreuth) zu schenken.

Auf dem Weltmarkt führend war dabei die Firma Villeroy & Boch, die die Krüge unter dem Markennamen Mettlach, dem Ort ihres Stammsitzes, vertrieb.

Moderne kitschige Sammlerkrüge sind v.a. im bayerischen Raum Motive zu Sehenswürdigkeiten wie Neuschwanstein, der Königssee oder dem Münchner Rathaus. [1]Eine langjährige Sammler-Tradition hat außerdem der 1-Liter-Maßkrug zum Münchner Oktoberfest, der jedes Jahr das aktuelle Plakatmotiv zeigt.

Literatur

  • Gary Kirsner: The Mettlach Book – das Mettlach Buch. Illustrated Catalog. Coral Springs, 2005.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Krugherstellung Sammlerkrug

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