- Blended
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Unter einem Blend (für das Produkt) oder auch Blendung (für das Verfahren, engl. „blending“) versteht man das Mischen, Vermischen oder Vermengen verschiedener Zutaten. Das Wort leitet sich vom altenglischen „blandan“ und vom altnordischen „blanda“ (jeweils auf Deutsch: mischen) ab. Durch die Blendung soll eine unterschiedliche Qualität oder ein abweichender Einzel-Geschmack (z. B. durch einen speziellen Jahrgang) ausgeglichen und ein Produkt mit gleich bleibendem Geschmack und einer einheitlichen Qualität geschaffen werden.
Inhaltsverzeichnis
Tee
Eine Mischung aus verschiedensten Teesorten, die von einem tea blender (= Teemischer) zusammengestellt wird. Der größte Teil der angebotenen Tees sind Mischungen. Sie garantieren einen gleich bleibenden Geschmack und Aroma. English Blend: Mischung aus Assam-, Darjeeling- und Ceylon-Tees.
Whisky
Ein Blend ist eine Mischung, man sagt auch ein Verschnitt, von verschiedenen Whiskys. Als Grundlage für einen Blend wird oft Grain-Whisky verwendet und zum Teil bis zu 50 andere Whiskys hinzugemischt. Auf diese Weise erzielt der Masterblender einen ständig gleich bleibenden Geschmack und gleiche Qualität. Nach dem Mischen wird der Blend noch einige Zeit in einem Fass gelagert, damit die einzelnen Whiskys sich geschmacklich verbinden können. In Schottland werden die folgenden Arten von Blends unterschieden:
- Blended Malts (auch Pure Malts) sind Whiskys, die nur aus verschiedenen Single-Malt-Whiskys verschiedener Brennereien verschnitten sind (früher auch Vatted Malt genannt). Ein bekannter Blended Malt ist etwa Johnnie Walker Green Label.
- Blended Grains sind Whiskys, die nur aus Grain-Whiskys (kontinuierlich gebrannter Getreideschnaps, während Malt-Whisky nur aus gemälzter Gerste hergestellt wird) aus verschiedenen Brennereien verschnitten sind, denen aber im Gegensatz zu Blended Whiskys kein Single-Malt-Whisky zugesetzt wurde (auch Vatted Grain). Einziger Vertreter derzeit ist der Hedonism von Compass Box.
- Blended Scotchs sind Whiskys, bei denen Grain-Whisky mit einem oder mehreren Single-Malt-Whiskys verschnitten wird. Prominente Vertreter dieser Sorte sind Ballantine’s und Johnnie Walker Red Label.
Die Erfindung des Whisky-Blendings wird Andrew Usher sen. (1782–1855) und Andrew Usher jun. (1826–1898) zugeschrieben. 1853 kreierte Andrew Usher sen. seinen ersten Blend („Old Vatted Glenlivet“) aus einzelnen Single-Malt-Whiskys. Andrew Usher jun. mischte ab 1856 auch Grain (also aus ungemälzten Getreide hergestellter) Whisky bei, der so entstandene „Usher’s Green Stripe“ ist auch heute noch erhältlich.
Tabak
Eine Tabakmischung ist ebenfalls ein Blend. Zum Beispiel ist ein American Blend eine Mischung aus Burley- und Virginiatabak sowie Tabaken aus dem Orient (Türkei), die dann für Filterzigaretten verwendet werden.
Mineralölprodukte
Etliche Mineralölprodukte wie Dieselkraftstoff, Heizöl (EL und S) sowie Motorenbenzine sind ebenfalls Blends. Diese Produkte werden aus verschiedenen Komponenten zusammengemischt, wobei die Qualitäten der Komponenten – u. a. bedingt durch die Rohölauswahl – stark variieren können. Da ein spezifikationsgerechtes Produkt hergestellt werden muss, wird die Zusammensetzung so verändert, dass die Spezifikationen erfüllt werden. Der Blend lässt sich vorausberechnen, wobei zwischen einer Qualität der Komponenten (z. B. ROZ) und der Qualität des Produktes (z. B. Eurosuper mit Spec: ROZ>95) – in Abhängigkeit vom Mischungsverhältnis – ein funktionaler Zusammenhang existieren muss. Meist ist ein linearer Zusammenhang gegeben (z. B. – trivialerweise – bei Dichte, Benzolgehalt). Qualitäten, die ein nichtlineares Verhalten zeigen, lassen sich oft durch Einführung einer Indexfunktion (bijektive Funktion der Qualität) linearisieren. Weiterhin muss unterschieden werden, ob sich die Qualität volumenproportional („linear on volume“, LOV) oder gewichtsproportional („linear on weight“, LOW) blendet. Bedingt durch die gegebenenfalls große Anzahl von Spezifikationen ergibt sich ein System mit etlichen linearen Ungleichungen, das zusammen mit den Massen- und Volumenerhaltungsgleichungen sowie einer geeigneten Zielfunktion mit Hilfe der linearen Programmierung gelöst werden kann[1][2]. Als Zielfunktion wird häufig die Blending-Marge verwendet. Als Lösung ergibt sich das Mischungsverhältnis, sowie die hierdurch resultierenden Qualitäten des Blends, die dann alle innerhalb der Spezifikationen liegen sollten.
Mischungen in der Mineralölindustrie, die von festen Mischungsverhältnissen ausgehen, werden nicht als Blend, sondern als Rezept (engl.: recipe) bezeichnet.Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Qualitäten diverser Kraft- und Heizstoffe sowie die Methoden, den Blend aus den Komponentenqualitäten zu berechnen.
Einheit LOV LOW Index Anmerkungen Motorenbenzin Dichte kg/L x DVPE (RVP) kPa x =DVPE1,25 Chevron-Index[3] Olefingehalt %vol x Benzolgehalt %vol x Aromatengehalt %vol x Schwefelgehalt mg/kg x Sauerstoffgehalt %mass x E70 %vol x 1) E100 %vol x 1) E150 %vol x Siedeende °C 3) Vapour Lock Index (dimensionslos) 3), aber aus dem Ergebnis berechenbar ROZ (dimensionslos) x 1) MOZ (dimensionslos) x 1) Diesel/Heizöl EL Dichte kg/L x Heizwert MJ/kg x Brennwert MJ/kg x Cloud Point °C x nur mit Index 2) Cold Filter Plugging Point °C x nur mit Index 2) Schwefelgehalt mg/kg x Viskosität mm2/sec x nur mit Index 2) E250 %vol x E350 %vol x E360 %vol x zur Spezifikation des 95% Punktes Flammpunkt °C x nur mit Index 2) Cetanzahl (dimensionslos) x Cetanindex (dimensionslos) 3) Polyaromaten %mass x Marine Fuel Öle, Heizöl schwer Dichte kg/L x Heizwert MJ/kg x Pourpoint °C x nur mit Index 2) CCT (MCR) %mass x Schwefelgehalt %mass x Flammpunkt °C x nur mit Index 2) Metalle etc mg/kg x Viskosität mm2/sec x =14,534 +ln(ln(v+0,8)) +10,975[4] 1)4) 1) Es werden auch häufig proprietäre Indices verwendet
2) Es werden proprietäre Indices angewandt
3) Blendberechnung nicht möglich
4) Viskositäten aller Komponenten müssen bei der gleichen Temperatur ermittelt worden sein.Weitere Verwendung des Wortes
- Kunststofftechnik: Dry-Blend
- Linguistik: englisch für Amalgamierung
- Pädagogik: Blended Learning
Quellenangaben
- ↑ [1] Beispiel eines MoGas-Blends
- ↑ [2] Beispiel eines Fueloil-Blends
- ↑ Chevron Blending Index
- ↑ Viskositätsblend
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