Botryotinia fuckeliana

Botryotinia fuckeliana
Grauschimmelfäule
Grauschimmelfäule auf Tomaten

Grauschimmelfäule auf Tomaten

Systematik
Klasse: Echte Schlauchpilze (Ascomycetes)
Unterklasse: Leotiomycetidae
Ordnung: Helotiales
Familie: Sclerotiniaceae
Gattung: Botrytis
Art: Grauschimmelfäule
Wissenschaftlicher Name
Botrytis cinerea
Pers.

Die Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea, Syn.: Botryotinia fuckeliana) auch Graufäule, Grauschimmel oder Edelfäulepilz, ist ein Schimmelpilz aus der Gattung Botrytis. Er ist der einzige generalistische Parasit der Gattung, der als Pflanzenschädling über 235 Wirtspflanzen befällt. Besondere Bedeutung hat er im Weinbau, wo er die Edelfäule und die Rohfäule auslöst.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Myzel ist gräulich oder bräunlich. Die Träger der Konidien sind septiert und mehr oder weniger verzweigt. Die Sporen sitzen an den Zweigenden. Durch reichliche Bildung von Konidien wird ein grauer bis schwärzlicher, häufig staubender, Pilzrasen ausgebildet. Die Konidien werden etwa neun bis zwölf Mikrometer lang und zwischen sechs und zehn Mikrometer breit.

Sehr selten werden in oder an Pflanzenteilen schwarze, innen weiße, Sklerotien ausgebildet, aus denen dann ein gestielter, kelch-, becher- oder schüsselförmiger Apothecium genannter Fruchtkörper entspringt. Hier werden die Ascosporen ausgebildet.

Ökologie

Wie alle Botrytis-Arten lebt die Grauschimmelfäule als Parasit, dabei indiziert sie die Apoptose der befallenen Zellen im befallenen Gewebe der infizierten Pflanzen. Dies führt zum fortschreitenden Zerfall des Gewebes (Fäule). Alle anderen Arten der Gattung sind dabei auf eine oder wenige Wirte spezialisiert, nur die Grauschimmelfäule kann als Generalist mehr als 235 Wirtspflanzen befallen.

Die Art kann sich sexuell fortpflanzen, tut dieses aber nur sehr selten. Die Konidien werden über den Wind verbreitet. Die Pilze überwintern als Mycel im Boden innerhalb der faulenden Pflanze, oder bei generativer Vermehrung als Sklerotien.

Botrytis und der Mensch

Die Grauschimmelfäule ist ein bedeutender Phytopathogen, der hohen Schaden an vielen wichtigen Agrarerzeugnissen verursacht. Der Pilz wird häufig chemisch, zum Beispiel mit Fenbutatin-oxid, Pyrimethanil, Fludioxonil, Cyprodinil oder Fenhexamid bekämpft.

Für die menschliche Gesundheit stellt die Grauschimmelfäule vor allem durch sein hohes allergenes Potential eine Gefährdung dar.

Botrytis im Weinbau

Grauschimmelfäule als Edelfäule auf Riesling-Weinbeeren.
Hauptartikel : Rohfäule

Im Weinbau kann sein Auftreten große Schäden verursachen. Auf unreifen Weinbeeren ruft er die gefürchtete Rohfäule hervor. Die befallenen Trauben werden dann nicht mehr reif und sind für die Weinherstellung unbrauchbar.

Hauptartikel : Edelfäule

Wenn sich die Grauschimmelfäule jedoch bei trockenem, warmem Herbstwetter auf voll ausgereiften Traubenbeeren entwickelt, so kann er sich durchaus positiv auswirken. Der Pilz perforiert die Beerenhaut und erhöht deren Wasserdurchlässigkeit (Wasserpermeabilität), was die Verdunstung von Wasser begünstigt, während die restlichen Inhaltsstoffe der Traube zurückbleiben. In der Traube steigt dabei nicht nur die Konzentration an Zucker, sondern insbesondere auch die der charakteristischen traubeneigenen Geschmacks- bzw. Aromastoffe. Dies führt zu einer erheblichen Steigerung der Qualität des Weines, man spricht daher auch von Edelfäule.

Für die Sektherstellung wird üblicherweise Wein von Trauben verwendet, die nur in geringem Umfang von Botrytis befallen waren.

Literatur

  • Werner Rothmaler: Exkursionsflora für Deutschland. Band 1: Niedere Pflanzen, 3. Auflage. Fischer, Jena 1994. ISBN 3-334-60827-1
  • Martijn Staats, Peter van Baarlen, Jan A. L. van Kan: Molecular Phylogeny of the Plant Pathogenic Genus Botrytis and the Evolution of Host Specificity. In: Molecular Biology and Evolution. 22, Nr. 2, 2005, S. 333–346. doi:10.1093/molbev/msi020

Weblinks


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