Claytonie

Claytonie
Gewöhnliches Tellerkraut
Gewöhnliches Tellerkraut (Claytonia perfoliata)

Gewöhnliches Tellerkraut (Claytonia perfoliata)

Systematik
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Nelkenähnliche (Caryophyllidae)
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Montiaceae
Gattung: Tellerkräuter (Claytonia)
Art: Gewöhnliches Tellerkraut
Wissenschaftlicher Name
Claytonia perfoliata
Donn ex Willd.
Blüten

Das Gewöhnliche Tellerkraut (Claytonia perfoliata; Syn.: Montia perfoliata (Donn ex Willd.) Howell), auch Kuba-Spinat, Winterportulak oder Postelein (bzw. Winterpostelein) genannt (im englischen Sprachraum Miner's lettuce, Spring Beauty, oder Indian lettuce), ist eine Pflanzenart aus der Familie der Montiaceae. Die Art ist ursprünglich im Westen Nordamerikas beheimat und ist in Mitteleuropa ein Neophyt. Sie wird erst seit wenigen Jahren in Mitteleuropa angebaut. Sie ist winterhart und wird darum gelegentlich als Wintergemüse verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Namensgebung

Die Artbezeichnung perfoliata (= mit durchwachsenen Blättern) und die deutsche Bezeichnung Tellerkraut beziehen sich auf die Hochblätter der Pflanze, die den Stängel flächig umschließen. Kubaspinat heißt die Pflanze, weil Siedler sie von Nordwestamerika in die Karibik mitbrachten, von wo sie über Australien im Jahr 1749 nach Westeuropa kam. Die Namen 'miner's lettuce' und 'indian lettuce' erhielt das Gewöhnliche Tellerkraut schließlich, weil Indianer und Minenarbeiter sie als Salatpflanze nutzten.

Vorkommen

Blüten und Hochblätter des Kubaspinats.

Die Heimat des Gewöhnlichen Tellerkrauts ist in den Berg- und Küstenregionen im Westen Nordamerikas, und zwar vom südlichen Alaska und zentralen British Columbia bis nach Mittelamerika. Am häufigsten kommt es in Kalifornien im Sacramento Valley und nördlichen San Joaquin Valley vor. Aufgrund der Einfuhr nach Australien ist es nun auch in Neuseeland zu finden.

In Europa gibt es das Gewöhnliche Tellerkraut in Gegenden nahe der niederländischen Grenze. Es gedeiht auf Äckern und kurzlebigen Unkrautfluren und erscheint nach dem ersten heftigen Frühlingsregen.

Nach Ellenberg ist Gewöhnliches Tellerkraut eine Halbschatten- bis Halblichtpflanze, es zeigt Mäßigwärme bis Wärme, Frische, Schwachbasen und Stickstoffreichtum an und verträgt weder Salz noch Schwermetalle[1].

Beschreibung und Ökologie

Illustration

Es ist eine fleischige einjährige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 30 cm erreicht und eine Rosette bildet. Die ersten Grundblätter sind rhombisch eiförmig, lang gestielt fleischig. Spätere Blätter wachsen unterhalb des Blütenstands paarweise zu Blättern zusammen, die so aussehen, als würde ein einziges kreisrundes Blatt vom Stängel durchstoßen werden. Diese Hochblätter können bis zu 30 cm im Durchmesser werden. Oberhalb dieser Blätter erscheinen von Februar bis Mai oder Juni die Blüten in Gruppen von fünf bis 40. Die kleinen weißen oder rosafarbenen Blüten sind zwittrig, die Kronblätter sind 2 bis 4 mm lang. Die Fortpflanzung erfolgt durch Selbstbestäubung. Die Chromosomenanzahl beträgt 2n = 36 [1].

Diese Pflanzenart bietet Lebensraum für Schmetterlingsraupen der Arten Annaphila abdita, A. arvalis, A. diva und Hyles lineata[2]. Die Pflanze kann aufgrund der ungewöhnlichen Blätterformen nicht mit anderen Arten verwechselt werden[3].

Unterarten

Vom Gewöhnlichen Tellerkraut gibt es vier geografisch definierte Unterarten, die sich in Nordamerika voneinander getrennt haben:

  • Claytonia perfoliata ssp. perfoliata. Von dieser Unterart sind weitere Varianten bekannt.
  • Claytonia perfoliata ssp. intermontana.
  • Claytonia perfoliata ssp. mexicana.
  • Claytonia perfoliata ssp. utahensis.

Inhaltsstoffe

Die Blätter enthalten Vitamin C, Magnesium, Kalzium und Eisen, aber wenig von dem unerwünschten Nitrat, das bei anderen Salatpflanzen oft ein Problem ist.

Kultivierung, Küche, Rezepte

Die Samen des Kubaspinats keimen erst bei einer Temperatur unter 12°C und werden darum in der Zeit von September bis März ausgesät (daher Winterportulak). Der im Handel angebotene Kubaspinat stammt fast ausschließlich aus Gewächshäusern. Die Ernte wird schon in einem frühen Stadium des Wachstums vorgenommen. Wenn die zarten Blätter nicht zu tief abgeschnitten werden, sind mehrere Ernten in der Saison von November bis April möglich. Zur Lagerung legt man die fleischigen Blätter des Gewöhnlichen Tellerkrauts locker in eine mit einem feuchten Tuch abgedeckte Schüssel. So bleiben die Blätter im Kühlschrank bei 2 bis 4°C maximal sechs bis acht Tage haltbar[4].

Das Gewöhnliche Tellerkraut ist fast in seiner Gesamtheit genießbar: junge Blätter, Stängel und auch Blüten können roh, ältere Blätter eher nur gekocht verzehrt werden. Rohe Blätter sind im Geschmack dem Feldsalat sehr ähnlich, jedoch mit weniger Aroma. Gekocht schmecken sie ähnlich dem Spinat.

  • Roh: Ideal sind junge Blätter, Stängel und Blüten, wenn vorhanden. Alles zusammen als Salat mit hartgekochten Eierhälften sowie Essig und Öl.
  • Gekocht: Koche Blätter und Stängel in wenig Wasser bis sie zart werden, junge Teile höchstens 3 bis 4 Minuten, die gewaschenen Wurzeln ebenso kurz. Mit Butter und wenig Würze entwickelt sich ein Geschmack ähnlich Wasserkastanien[3].

Ethnobotanik

Das Gewöhnliche Tellerkraut wurde nicht nur von kalifornischen Minenarbeitern während des Goldrauschs verzehrt. Belege gibt es auch über die Verwendung als Nahrungsmittel und Heilkraut durch Indianer. So sollen die Shoshonen die Pflanze in Breiumschlägen gegen rheumatische Schmerzen verwendet haben. Die Thompson benutzten sie bei Augenschmerzen und die Mahuna tranken den Saft bei Appetitlosigkeit. Über die Verwendung als Nahrungsmittel gibt es Nachweise bei mehreren anderen Indianerstämmen[5].

Quellen

  1. a b Bundesamt für Naturschutz, FloraWeb. Auf http://www.floraweb.de/datenservice/artenhome.xsql?suchnr=1585&
  2. G. S. Robinson u.a.: HOSTS - a database of the hostplants of the world's Lepidoptera. Auf http://www.nhm.ac.uk/research-curation/projects/hostplants/
  3. a b T. S. Elias: Edible Wild Plants: A North American Field Guide. ISBN 0806974885. Sterling Publishing Company Inc. 1990. S. 95.
  4. F. Massholder: lebensmittellexikon.de.
  5. D. E. Moerman: Native American Ethnobotany. ISBN 0881924539. Timber Press. 1998. S. 167. Online-Datenbank auf http://herb.umd.umich.edu/

Siehe auch

Weblinks


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