Commodore PET 2001

Commodore PET 2001
Commodore PET 2001
Commodore PET 2001 mit offener Haube

Der PET 2001 war der erste PC bzw. Heimcomputer der Firma Commodore, die auch als CBM (Commodore Business Machines, in Anspielung auf IBM) firmierte. Zusammen mit dem Apple II und dem Tandy TRS-80 war er einer der ersten in Serie als Fertiggerät gebauten Microcomputer überhaupt. PET steht für Personal Electronic Transactor.

Das englische Wort pet bedeutet auch „Haustier“ oder „Liebling“. Wie Chuck Peddle um 1990 in einem Interview erklärte, wurde der Name durch einen seinerzeit in den USA mit großem Erfolg verkauften Scherzartikel inspiriert: Pet Rock, ein Stein als Haustier. Das pflegeleichte Tierchen war in einer gepolsterten Schachtel erhältlich, inklusive einer Dressuranleitung. Man hoffte wohl, der PET möge sich ebenso gut verkaufen.

Der PET 2001 wurde vor allem von Chuck Peddle entwickelt und Anfang 1977 auf der Consumer Electronics Show vorgestellt. Peddle hatte auch den Vorläufer KIM-1 entwickelt und war zuvor führend bei der Entwicklung des MOS-6502-Mikroprozessors gewesen, auf dem alle diese Geräte basieren.

Zur Vorgeschichte des PET 2001 gibt es in der Biographie „iWoz“ von Apple-Mitbegründer Steve Wozniak ein paar zusätzliche Details: Demnach hatte Wozniak den Apple II fertig konstruiert und bot ihn diversen Firmen zur Produktion an. Unter anderem geschah das mit Commodore in Gestalt von Chuck Peddle, dem Wozniak die Konstruktion detailliert erläuterte. Peddle habe aber abgelehnt und gemeint, dass sie ein viel preiswerteres Design in nur wenigen Wochen entwickeln könnten. Das Ergebnis, der PET 2001, fand überhaupt keinen Gefallen bei Wozniak. Wozniak hegt sogar den Verdacht, Peddle habe wesentliche Ideen für den PET 2001 aus der Apple-Präsentation bezogen. Andererseits hatte Peddle mit dem KIM-1 schon einen direkten Vorläufer selbst konstruiert, auf dem er aufbauen konnte. Auch wenn Wozniak den PET 2001 nicht mochte, gab es aus Kundensicht durchaus Vorteile: verglichen mit dem Apple II hatte der PET 2001 zwar keine Farbe, keine Einzelpunktgrafik und keine Erweiterungsslots, dafür konnte er aber Kleinbuchstaben darstellen, war (zumindest in Europa) nur ein Viertel so teuer und hatte in der Benutzeroberfläche einen intuitiv benutzbaren Screen-Editor (statt des eher gewöhnungsbedürftigen Zeileneditors beim Apple), der seinesgleichen suchte.

Zum Anschluss von Peripheriegeräten verfügte der PET über einen „parallelen IEC-Bus“ (IEEE-488-Anschluss). An diesen konnte man neben Druckern und Diskettenlaufwerken auch Messgeräte und andere Steuerungsanlagen anschließen. Dies führte dazu, dass der PET (und etwas später vor allem seine direkten Nachfolgemodelle) vor allem an Universitäten und Forschungseinrichtungen, aber auch in Fabriken zur Produktionssteuerung eingesetzt wurde.

Der PET 2001 war der erste Computer, der im deutschen Versandhandel (u. a. bei Quelle) erhältlich war. Der Preis betrug 2.999 DM, später rund 2.000 DM. Nach Entdeckung von Fehlern im BASIC — Arrays konnten eine maximale Größe von 256 Elementen erreichen — wurde der Preis noch einmal erheblich gesenkt.

Auszug aus einem Prospekt der Firma Vero (Vorläufer von Vobis) von 1979: Sehen Sie sich um: Überall noch Rechner, die zum 10-fachen Preis weniger leisten als er: Commodore PET 2001, der Computer, über den die Experten reden.

Inhaltsverzeichnis

Technische Daten

Startbildschirm eines Commodore PET 2001 mit 4KB RAM
  • Metallgehäuse, nach oben aufklappbar und mit einer Stange fixierbar (ähnlich der Motorhaube eines Autos)
  • Tastatur mit Buchstaben- und Zahlenfeld, kleine Kunststofftasten (mit Metallauflage), die im Prinzip von den Tischrechnern stammten, die Commodore damals produziert hat. Anders als sonst üblich, standen die Tasten direkt senkrecht in Spalten untereinander statt mit seitlichem Versatz. Diese Tastatur erhielt von Anwendern den scherzhaften Namen „Mickymaus-Tastatur“. Die spätere Variante ohne eingebaute Datasette hatte eine 'richtige' Tastatur.
  • Eingebaute Datasette (Cassettenrecorder) zur Speicherung von Daten und Programmen
  • CPU: MOS Technology 6502, 8 Bit
  • Takt: 1 MHz
  • 4 oder 8 KB RAM (je nach Modell, in Europa wurde nur die größere Version verkauft) (Standard, statisch, zunächst mit eigenen Chips von MOS Technology, nach vielen Hitze-Problemen damit in einer späteren Version mit Fremdchips), ausbaubar auf 32 KB (Kosten dafür 1979: 2.500 DM); das unterste Kilobyte ist vom System (inkl. Basic) belegt, darüber frei für den Benutzer verfügbar, gilt so auch für Nachfolgemodelle
  • Microsoft/Commodore ROM-BASIC, zugleich Betriebssystem, in 14 KB ROM, Betriebssystemerweiterungen sind in 3 freien ROM-Sockeln à 4 KB nachrüstbar
  • Speicherbelegung: $0000-$1FFF 8 KB RAM (bei 4-KB-Modell nur bis $0FFF); $8xxx Video-RAM (mehrfach gespiegelt); $9xxx, $Axxx, $Bxxx: 3 freie Sockel; $Cxxx, $Dxxx: 2 × 4 KB ROM; $E000-$E7FF: 2 KB ROM (Editor); $E800-$EFFF: 2 KB memory mapped I/O; $Fxxx: 4 KB ROM, an dessen Ende eine Sprungtabelle mit den wichtigsten Betriebssystemaufrufen, die bis zum C128 hin kompatibel gehalten wurde
  • IEEE-488-Anschluss („paralleler IEC-Bus“), u. a. für Diskettenlaufwerke und Drucker nutzbar
  • Userport (ähnlich wie später beim C64, 8 Bit parallel, Handshake-Bits (per Zusatzsoftware damit Centronics-Ausgang realisierbar) und TTL-Monitorausgang)
  • Eingebautes Netzteil
  • Das Videoteil ist in diskreter TTL-Technik auf der Hauptplatine ausgeführt, die Ausgabe erfolgt in TTL-Pegel (auch auf den Userport herausgeführt) und mit fernsehkompatiblem (RS-170A)-Timing.
  • Integrierter 9-Zoll-Schwarz-Weiß-Monitor (später auch Schwarz-Grün) mit 25 Zeilen zu 40 Zeichen, Nachfolgemodelle ab 1979 auch mit 12-Zoll-Monitor (Modellreihen CBM 4000 und CBM 8000).

Programmierung und Software

Programme für den PET 2001 werden primär in der Programmiersprache BASIC erstellt. Bereits wenige Sekunden nach dem Einschalten ist ein PET 2001 betriebsbereit und kann BASIC-Befehle entgegennehmen. Auch die Programmierung in Maschinensprache ist möglich, geschieht entweder direkt über einen Assembler oder von BASIC aus mit Hilfe der BASIC-Befehle SYS, USR, PEEK und POKE.

Bei der Programmierung in BASIC dient der Bildschirm sowohl als Ausgabegerät als auch als Puffer für Benutzereingaben. Alle auf dem Bildschirm sichtbaren Ausgaben können jederzeit modifiziert und durch Betätigen der ENTER-Taste dem Rechner wieder als Benutzereingabe übergeben werden. Dieses Bedienungs- und Eingabekonzept wird als Bildschirm-Editor (engl. screen editor) bezeichnet. Konkurrierende Rechner boten zu dieser Zeit lediglich wesentlich komplizierter zu bedienende Zeilen-Editoren.

Da der PET nur Zeichen darstellen kann, beschränken sich seine grafischen Fähigkeiten auf die Darstellung so genannter Blockgrafik. Hierzu enthält der Standard-Zeichensatz neben Großbuchstaben und Spielkartensymbolen alle Kombinationen von 2×2-Teilquadraten, mit denen eine Pseudo-Auflösung von 80×50 Punkten dargestellt werden kann. Ein alternativ verwendbarer Zeichensatz bietet Groß- und Kleinbuchstaben ohne Grafiksymbole.

Fertige Software gab es kaum. Man behalf sich durch Selbstprogrammierung oder das Abtippen von Programmen aus der Funkschau, der ELO, der MC (Computerzeitschrift MicroComputer) oder der Chip, wobei die beiden Letzteren 1979 neben den amerikanischen Zeitschriften Creative Computing und Byte die einzigen deutschen Zeitschriften für Computer waren. Zu dieser Zeit etablierte sich auch die erste Computersendung des deutschen Fernsehens: der WDR Computerclub mit Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph. Dort wurden auch Programme in Form akustischer Signale gesendet, die – mit dem Mikrofon oder einem Verbindungskabel auf Musikkassette aufgenommen − später über eine Datasette in den PET eingelesen und ausgeführt werden konnten.

Bei der Programmierung des PET stieß man bereits bei den damaligen Anforderungen rasch an Grenzen. Nach dem Einschalten meldet ein PET 2001 mit einem Speicherausbau von 8 KB „7167 Bytes free“. Da Programm und Daten sich diesen Speicher teilen müssen, scheiterten oft schon − aus heutiger Sicht − kleine Vorhaben an den begrenzten Speicherkapazitäten des PET. Nicht selten wurden zwei Versionen eines Programmes hergestellt: eine übersichtliche und dokumentierte Version (ein Befehl je Zeile, viele Kommentare) und eine Arbeitsversion, in der durch mehrere Befehle pro Zeile sowie Verzicht auf Kommentare Bytes eingespart wurden, wo es nur ging.

Die Betriebssoftware des PET 2001 unterteilt sich in den BASIC-Interpreter und den so genannten Kernal, der zur damaligen Zeit Commodore-intern noch Kernel genannt wurde und erst später (zu Zeiten des VC-20) den Namen Kernal bekam. Der Kernal stellt sozusagen das Betriebssystem des PET dar. Er beinhaltet die Software zur Systeminitialisierung und zur Hardware-nahen Ein- und Ausgabe. Darüber hinaus zeichnet der Kernal auch für den Bildschirm-Editor verantwortlich.

Der BASIC-Interpreter des PET stammt ursprünglich von Microsoft und wurde von Commodore an den Kernal angepasst. Er belegt 8 KB des 14 KB großen ROMs und weist in seiner ersten Version noch einige ungewöhnliche Verhaltensweisen auf. So führt beispielsweise die Eingabe der Zeile:

20 IF F OR I=8 GOTO 80  Return

zur Meldung Syntax Error, da sie vom BASIC-Interpreter als:

20 IF FOR I=8 GOTO 80

interpretiert wird. Umstritten ist, ob man bei diesem Verhalten von einem Fehler sprechen kann: Die einen sagen, die eingegebene Zeile sei syntaktisch korrekt und dürfe nicht zu einer Fehlermeldung führen, andere behaupten, dieses Verhalten sei wohldokumentiert und könne nicht als Fehler angesehen werden.

Die Arbeitsgeschwindigkeit des BASIC-Interpreters des PET ist mit etwa einer Millisekunde pro BASIC-Befehl aus heutiger Sicht langsam, ebenso das Laden von Programmen mit zwei Minuten für 8 KB. So lief beispielsweise die in BASIC nachprogrammierte Version des Spiels Space Invaders sehr langsam. In Maschinensprache programmierte Anwendungen hingegen erlauben deutlich höhere Ausführungsgeschwindigkeiten. So gibt es beispielsweise ein Schachprogramm, das mit seiner Spielstärke manchen Akademiker blamieren kann.

Um die Kompatibilität von Maschinenprogrammen auf 8-Bit-Rechnern von Commodore über mehrere Kernal-Versionen und Rechner-Generationen zu ermöglichen, existiert am Ende des ROM-Bereichs (also unmittelbar vor der Adresse $FFFF) eine Sprungtabelle, über die die wichtigsten Kernal-Routinen aufgerufen werden können. Commodore hat diese Sprungtabelle bis zum C128 hin beibehalten. So gibt zum Beispiel der Maschinenbefehl JSR $FFD2 auf jedem 8-Bit-Rechner von Commodore den Inhalt des Akkumulators als ASCII-Zeichen auf den Bildschirm aus. Leider hat das die Kompatibilität von Anwendungssoftware nicht sehr gesteigert, weil viele Programmierer − vor allem aus Geschwindigkeitsgründen − diese kompatible Methode des Aufrufs schlichtweg ignoriert haben.

Spiele

Der PET, wie auch die spätere CBM-Baureihe besaß lediglich Zeichensatz- und keine Pixelgrafik, daher mussten grafische Elemente durch geschicktes Kombinieren von Sonderzeichen realisiert werden. Audioausgabe war nicht vorgesehen, aber relativ früh etablierte sich ein Standard-Digital-Analog-Wandler mit dem sich ein einfacher Beeper wie in späteren PCs ansteuern ließ. Die theoretisch mögliche Ausgabe von Audiosamples mit bis zu 8 Bit bzw. 1 bis 20 kHz kamen aufgrund des geringen Speichers kaum über das Demo-Stadium hinaus.

Obwohl der PET kein klassischer Spiel-Computer war, wurden einige Dutzend Spiele entwickelt und auf Kassette und teilweise Diskette ausgeliefert, hauptsächlich von Scott Adams und Avalon Hill.

Herausragende in Assembler realisierte Projekte sind ein Schachprogramm oder eine Weltraumkampfsimulation in Pseudo-3D mit Starwars-Motiven.

Viele damalige Spielhallen-, Konsolen- sowie Brett- und Kartenspielklassiker wurden unter Abstrichen von Privatanwendern portiert, darunter zahlreiche Adventures, Programme aus der Unixwelt (Startrek, Space War), kleine Animationsfilme und Reaktionsspiele (Cowboy-Duell, Clown-Quest) sowie eine gelungene Umsetzung von Space Invaders (dessen BASIC-Version systembedingt sehr langsam war).

Emulation

Es gibt wenige Emulatoren, mit denen man den PET 2001 auf aktuellen Computern wieder reaktivieren kann. Erwähnenswert sind VICE und M.E.S.S..

Nachfolgemodelle

Aufgrund der guten Verkäufe in den USA und Kanada wurde die PET-Serie auch in Europa eingeführt. Allerdings kam es dort zu einem Konflikt mit Philips, da diese Firma sich bereits die Rechte am Namen „PET“ (dort Abkürzung für Programm-Entwicklungs-Terminal) gesichert hatte. So wurden die Modelle in „CBM“ umbenannt.

Aufwärtskompatibler Nachfolger des PET 2001 war der CBM 3001. Mit Blick auf Büroanwendungen entwickelte Commodore den PET 2002 zur Büroserie CBM 4016/4032 und 8016/8032 weiter, an die Diskettenlaufwerke (5¼ Zoll, auch 8 Zoll) angeschlossen werden konnten und die über eine professionelle Schreibmaschinentastatur verfügten. Ab der 4000er-Serie gab es auch ein verbessertes Commodore BASIC mit diversen Befehlen zur Diskettenbenutzung.

Im Jahr 1982 wurde die PET-Serie eingestellt. Als Nachfolger war die CBM-II-Serie vorgesehen, die aber wegen des beginnenden Sterbens nicht IBM-PC-kompatibler Businessrechner nur noch geringen Erfolg hatte. Bald darauf setzte dann auch Commodore im Business-Segment auf IBM-kompatible Modelle.

Mit Blick auf den Heimcomputermarkt, insbesondere die Fähigkeit, auf dem PET 2001 Computerspiele zu spielen, wurden ab 1981 der VC20 und der C64 herausgebracht, die beide auf der Architektur des PET 2001 basierten, allerdings, außer für einfachste Programme, nicht mit dem PET (oder untereinander) kompatibel sind.

Literatur

  • Brian Bagnall: On the Edge: the Spectacular Rise and Fall of Commodore. Variant Press, 2005, ISBN 0-9738649-0-7; Beschäftigt sich eingehend mit der Entwicklung und dem Erfolg des PET 2001.
  • Boris Kretzinger: Commodore - Aufstieg und Fall eines Computerriesen; Skriptorium-Verlag, 2005, ISBN 3-938199-04-0

Weblinks


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