Defensor Fidei

Defensor Fidei

Fidei defensor („Verteidiger des Glaubens“) ist die lateinische Ursprungsbezeichnung des englischen Titels Defender of the Faith und des französischen Titels Défenseur de la Foi.

Inhaltsverzeichnis

Defender of the Faith

Heinrich VIII., zunächst Verteidiger des katholischen Glaubens

Fidei defensor beziehungsweise Defender of the Faith ist ein untergeordneter Titel der englischen (und später britischen, kanadischen und neuseeländischen) Monarchen, seit er König Heinrich VIII. aus dem Hause Tudor am 17. Oktober 1521 von Papst Leo X. verliehen wurde. Andere große katholische Königreiche bekamen ähnliche fromme Titel verliehen, zum Beispiel Apostolischer König.

Der Titel wurde damals in Anerkennung des Buches Assertio Septem Sacramentorum („Verteidigung der Sieben Sakramente“) verliehen, geschrieben von Heinrich und dem dabei ungenannten Thomas Morus zur Verteidigung des sakramentalen Charakters der Ehe und der Vorrangstellung des Papstes. Dies wurde als wichtige Gegenmaßnahme zu den Anfängen der Reformation und besonders den Vorstellungen Martin Luthers gesehen.

Als der Tudorkönig mit Rom brach und sich selbst zum Oberhaupt der Church of England machte, wurde Heinrich der Titel von Papst Paul III. wieder aberkannt.

Das Parlament von England verlieh jedoch 1544 König Eduard VI. und seinen Nachfolgern den Titel „defender of the faith“, nun in ihrer Eigenschaft als Verteidiger des anglikanischen Glaubens, dessen Oberster Gouverneur (Supreme Governor) sie seitdem (mit Ausnahme der katholischen „Abtrünnigen“ Maria Tudor) sind. Sie stehen dabei formell über dem Erzbischof von Canterbury als Primas. Vor allem geschah diese Verleihung gegen den Katholizismus und damit in genauer Umkehrung der ursprünglichen Zuerkennung durch den Papst. Obwohl die beiden Cromwells, die zwischen 1653 und 1659 Lordprotektoren des republikanischen Englands waren, klar strenger protestantisch waren als die Monarchie, nahmen sie nicht den Titel Fidei Defensor an, der daher bis zur Stuart-Restauration ruhte.

Die lateinische Version des Titels, Fidei Defensor, abgekürzt als FD oder FID DEF, ist immer noch auf allen britischen Münzen zu finden. Sie wurde zum ersten Mal im Jahre 1714 während der Herrschaft Georgs I. auf Münzen geprägt.

Die meisten anderen Commonwealth Realms, die denselben Monarchen als Staatsoberhaupt haben, lassen den Titel „Defender of the Faith“ aus dem offiziellen Titel, den der Monarch im jeweiligen Land trägt, weg, während sie das einleitende Von Gottes Gnaden beibehalten, z. B. Australien seit 19. Oktober 1973.

Die Worte sind jedoch in einigen Commonwealth Realms noch als Teil des vollen Titels des Königs/der Königin in Gebrauch:

  • Im Vereinigten Königreich, dem Heimatreich, per 29. Mai 1953: „Von Gottes Gnaden Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland und ihrer anderen Reiche und Gebiete, Oberhaupt des Commonwealths, Verteidigerin des Glaubens“. (Auf Englisch: „By the Grace of God, of the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland and of her other Realms and Territories Queen, Head of the Commonwealth, Defender of the Faith.“)
  • In Kanada, ebenso per 29. Mai 1953: „Von Gottes Gnaden Königin des Vereinigten Königreiches, Kanadas und ihrer anderen Reiche und Gebiete, Oberhaupt des Commonwealth, Verteidigerin des Glaubens“. (Auf Englisch: „By the Grace of God, of the United Kingdom, Canada and Her other Realms and Territories Queen, Head of the Commonwealth, Defender of the Faith“; auf Französisch: „Par la Grâce de Dieu, Reine du Royaume-Uni, du Canada et de ses autres Royaumes et Territoires, Chef du Commonwealth, Défenseur de la Foi“)
  • In Neuseeland und denjenigen Gebieten, in denen die Königin als Königin von Neuseeland ebenfalls Staatsoberhaupt ist (Cookinseln, Niue, Tokelau und das Ross-Nebengebiet): „Von Gottes Gnaden Königin Neuseelands und ihrer anderen Reiche und Gebiete, Oberhaupt des Commonwealth, Verteidigerin des Glaubens“. (Auf Englisch: „By the Grace of God, Queen of New Zealand and Her other Realms and Territories, Head of the Commonwealth, Defender of the Faith.“)

Kanada schloss den Titel nicht deswegen ein, weil der Souverän Schutzherr der Staatsreligion wäre (Kanada hat keine), sondern weil er als Verteidiger des Glaubens allgemein angesehen wird. In einer Rede an das kanadische Unterhaus sagte Premierminister Louis Saint-Laurent im Jahre 1953:

„... Eine etwas heiklere Frage ergab sich zur Beibehaltung der Worte „Verteidigerin des Glaubens“. In England gibt es eine Staatskirche. In unseren Ländern [den anderen Monarchien des Commonwealth] gibt es keine Staatskirchen, aber in unseren Ländern gibt es Menschen, die Vertrauen in die Lenkung menschlicher Geschicke durch eine allwissende Vorsehung haben; und wir glaubten, dass es eine gute Sache wäre, wenn die staatliche Obrigkeit verlautbarte, dass ihr Gemeinwesen eines ist, das den fortlebenden Glauben an eine höhere Macht, die die Geschicke der gewöhnlichen Menschen lenkt, verteidigt, und dass es keinen vernünftigen Einspruch von jemanden, der an dieses höchste Wesen glaubt, dagegen geben kann, dass der Souverän als Haupt dieser staatlichen Obrigkeit Glaubender an einen höchsten Lenker und Verteidiger des Glaubens an ihn genannt wird.“

Andere Länder im Commonwealth ließen den Titel bereits wegfallen, bevor sie ein eigenes Staatsoberhaupt wählten, wie zum Beispiel Pakistan (das ohnehin ein muslimisches Land ist) zwischen 29. Mai 1953 (als es noch ein Dominion war) bis 23. März 1956 (als es eine Republik wurde): „Königin des Vereinigen Königreiches und ihrer anderen Reiche und Gebiete, Oberhaupt des Commonwealth“. Andere Länder behielten sie bis zur Schaffung eines eigenen Amts für das Staatsoberhaupt bei, zum Beispiel Irland.

Prinz Charles, Fürst von Wales, erwägt eine Umdeutung der Formel. Im Jahre 1994 merkte er an: „Ich persönlich sähe sie [seine künftige Aufgabe] eher als der Glaubensverteidiger, nicht [Verteidiger] des Glaubens“. Um den Titel formell zu ändern, bedürfte es jedoch der Änderung des Coronation Act aus dem Jahre 1688 und der Zustimmung aller Parlamente der Commonwealth-Nationen, wie es die Präambel des Statuts von Westminster aus dem Jahre 1931 vorsieht. Obzwar das Fehlen von Artikeln im Lateinischen die alternative Übersetzung erlaubt, würfe diese die Frage auf, ob sie immer noch die Rolle des Monarchen als Oberhaupt der Staatskirche von England wiedergibt, oder andererseits Stellung gegen Ungläubige, die gleichsam Glaubensfreiheit genießen, bezieht.

Défenseur de la Foi

Das französische wörtliche Gegenstück findet oder fand Verwendung als

  • offizielle Version in französischer Sprache in Kanada (vor allem in der französischsprachigen Provinz Québec), siehe oben;
  • selbstverliehener Nebentitel von Heinrich I., dem von Sklaven abstammenden König (des Nordens) von Haiti (1811–1820) als Bestandteil seines langen und für ein solch armes Land pompösen Titels, der aus dem (grammatikalisch zweifelhaften) Französisch übersetzt lautete: „Von Gottes Gnaden und dem verfassungsmäßigen Gesetz des Staates König von Haiti, Souverän von Tortuga, Gonâve und anderen benachbarten Inseln, Zerstörer der Tyrannei, Erneuerer und Wohltäter der haitianischen Nation, Schöpfer ihrer moralischen, politischen und kriegerischen Einrichtungen, erster gekrönter Monarch der Neuen Welt, Verteidiger des Glaubens, Gründer des Königlichen und Militärischen Ordens des Heiligen Heinrich.“

Quellen und Referenzen


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