Donnerbart-Wasserfenchel

Donnerbart-Wasserfenchel
Krebsschere
Krebsschere (Stratiotes aloides)

Krebsschere (Stratiotes aloides)

Systematik
Klasse: Einkeimblättrige (Liliopsida)
Unterklasse: Froschlöffelähnliche (Alismatidae)
Ordnung: Froschlöffelartige (Alismatales)
Familie: Froschbissgewächse (Hydrocharitaceae)
Gattung: Stratiotes
Art: Krebsschere
Wissenschaftlicher Name
Stratiotes aloides
L.
Stratiotes aloides (Blüte)

Die Krebsschere (Stratiotes aloides; alt: Str. potamios, Str. aquatica, Militaris aizoides, Sedum aquatile, Aloe palustris) ist eine Wasserpflanzenart aus der Familie der Froschbissgewächse (Hydrocharitaceae). Sie ist die einzige rezente Vertreterin der Gattung Stratiotes, die im Tertiär noch andere damals in Mitteleuropa vorkommende Arten umfasste.

Inhaltsverzeichnis

Namen

Weitere, zum Teil nur noch selten anzutreffende deutsche Namen sind: Agel, Wassersegen oder -säge, Säckel, Wassersichel, Sichelkraut oder Säbelkraut (nach der spitzigen Form der Blätter), Wasserscheer oder -schere, Krabbenklau, (wie Krebsschere wohl wegen der „scherenähnlichen Hüllen der Blütenstände“), Hechtkraut (Name verschiedener Wasserpflanzen, zwischen denen sich gern Hechte aufhalten sollen), Wasser-, Sumpf- oder Afteraloe (äußere Ähnlichkeit mit manchen Aloe-Arten, ebendaher auch der botanische Artname aloides), Reiterskraut (vielleicht an griech. στρατιώτης (stratiṓtes) ‚Soldat, Krieger‘ angelehnt); ganz von andern Pflanzen übernommen sind die Bezeichnungen Wasserfeder (sonst Hottonia palustris) und Wasserfenchel (sonst Oenanthe; für die hier behandelte Pflanze auch Falscher oder Donnerbart-Wasserfenchel). Der Name Stratiotes (potamios) selbst ist übertragen von einer am Nil vorkommenden Pflanze (wohl Pistia stratiotes), die Plinius der Ältere[1] und der Militärarzt Dioskurides[2] als Wundheilmittel beschreiben. [3]

Merkmale

Die Pflanze bildet bis zu 40 Zentimeter große, rosettenförmig angeordnete Blätter, die in der Vegetationsperiode teilweise aus dem Wasser ragen. Die trichterförmige Wuchsform erinnert an eine Aloe, wobei die Blätter bis zu vier Zentimeter breit, dreikantig und hakig vorwärtsgerichtet gesägt sind. Die Hochblätter ihrer Stiele sehen den Scheren von Krebsen ähnlich. Durch intensive Bildung von Ausläufern in den Blattachseln sind die einzelnen Rosetten submers miteinander zu großen Einheiten verbunden. Nach unten treibt die Pflanze dichte Büschel langer, unverzweigter Wasserwurzeln, die Nährstoffe aus dem freien Wasser aufnehmen. Die Blüten erreichen einen Durchmesser von drei bis vier Zentimetern und bestehen aus je drei weißen Kron- und drei grünen Kelchblättern; das Zentrum mit den Vermehrungsorganen ist gelb. Die Art ist zweihäusig; es gibt also männliche und weibliche Pflanzen. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Die eiförmige, sechskantige Frucht wird bis zu 3,5 Zentimeter lang. Wichtiger als die Verbreitung über Samen ist aber die vegetative Vermehrung über Ausläufer.

Vorkommen und Gefährdung

Massenvorkommen in einem Altwassersee

Krebsscheren wachsen in Schwimmblattgesellschaften warmer, windgeschützter, schlammiger, meso- bis eutropher, basenreicher, nicht verschmutzter und meist stehender Gewässer der Talauen, beispielsweise in Altwässern, Gräben, Tümpeln und Kanälen. Die Art ist eurasisch-kontinental von Europa (ausgenommen den Südteil/Mittelmeerraum) bis nach Westsibirien verbreitet. Im norddeutschen Tiefland kommt sie zerstreut vor, mit Häufungen in den Auen der Unterläufe größerer Flüsse. Ein solcher Verbreitungsschwerpunkt ist beispielsweise der Raum Bremen/Wesermarsch. Im Hügel- und Bergland ist die Krebsschere selten und fehlt über weite Strecken. Sie steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten und ist im Sinne des Gesetzes „besonders geschützt“ (BArtSchV, Bundesartenschutzverordnung). Die Pflanze ist empfindlich gegenüber starken Schwankungen des Wasserstandes und gegenüber Verunreinigungen. Ihre Bestände werden auch durch Maßnahmen zur Gewässerunterhaltung (Grabenräumung, Teichwirtschaft) dezimiert. Manche Angler entfernen illegalerweise die für sie störenden Schwimmteppiche.

Besonderheiten

Krebsschere zusammen mit Dreifurchiger Wasserlinse

Die Pflanzen, die bei Vorkommen gerne sehr gesellig wachsen, treiben nur während des Sommerhalbjahrs an der Wasseroberfläche. Im Herbst sinken die Rosetten auf den Gewässergrund ab und bilden Winterknospen (Turionen); die äußeren Blätter sterben ab. Im kommenden Frühling steigen die Winterknospen an die Oberfläche und bilden dort neue Pflanzen. Aber auch das Herz alter Rosetten schwimmt nach der Überwinterung am Grund wieder auf und wächst weiter. Die starke Biomasseproduktion großer Vorkommen wirkt verlandungsfördernd (schlammbildend) in Gewässern. Durch Hochwasser wird die Art verbreitet. Wo sie häufig vorkam, wurde sie früher als Schweinefutter und wegen ihres hohen Phosphor- und Kaliumgehalts zur Gründüngung genutzt.

Die Großlibellenart Grüne Mosaikjungfer hat sich bei ihrer Eiablage ganz auf die Krebsschere spezialisiert und ist daher an ihr Vorkommen gebunden.

Im Jahr 1998 wurde die Krebsschere zur Blume des Jahres gekürt. Sie ist auch eine beliebte Zierpflanze für Gartenteiche.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Plinius, Naturalis historia XXIV, 169.
  2. Dioskurides, De materia medica IV, 100 (102), deutsche Übersetzung mit Anmerkungen: Prof. Dr. J. Berendes, Stuttgart 1902, p. 424.
  3. Heinrich Marzell/Heinz Paul, Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen IV, Stuttgart/Wiesbaden 1979 (Köln 2000, Nachdruck), p. 516ff.; siehe dort auch weitere, mundartliche und ältere Bezeichnungen. Quellen Marzells: Agel  C. Schumann, Der Wortschatz von Lübeck, Straßburg 1907 = Zeitschr. f. deutsche Wortforsch., Beiheft zum Band 9, p. 5; Wassersegen  Joh. Gottsched, Flora Prussica, sive plantae in regno Prussiae sponte nascentes, quarum catalogum et nomina Johannes Loeselius ... olim disseruit, Regiomonti 1703, p. 11; Wassersäge, Wassersichel, Afteraloe  P. A. Nemnich, Allgemeines Polyglotten-Lexikon der Naturgeschichte II, Hamburg/Halle (Leipzig) 1794, p. 1374f.; Säckel  Ernst Boll, Flora von Mecklenburg, Neubrandenburg 1860, p. 29; Sichelkraut  Joan. Sigism. Elsholtius, Flora Marchica, Berolini 1663, p. 17 &c.; Säbelkraut  H. Frischbier, Preußisches Wörterbuch. Ost- und westpreußische Provinzialismen II, Berlin 1882/’83, p. 459; Wasserscheer  Joh. Christoph Mößler, Gemeinnütziges Handbuch der Gewächskunde, Altona 1815, p. 1406 &c.; Krabbenklau  P. Noel Chomel, Die wahren Mittel, Länder und Staaten glücklich ... zu machen oder Großes und Vollständiges Oeconomisch- u. Physicalisches Lexikon VIII, Leipzig 1750–’57, p. 1704; Krebsschere  (Joh. Jak. Planer), Versuch einer teutschen Nomenclatur der Linnéischen Gattungen zur Übersetzung der Generum Plantarum Linnei, Erfurt 1771, p. 129 &c.; Hechtkraut  Johannes Franke, Hortus Lusatiae, Bautzen 1594 (1930), p. 228; Wasseraloe, Wasserfenchel  (Georg Christian Oeder), Nomenclator Botanicus zum Gebrauche bey der Flora Danica, Copenhagen 1769, p. 83 &c.; Sumpfaloe  Friedrich Holl, Wörterbuch deutscher Pflanzennamen, Erfurt 1833, p. 401; Wasserfeder  Heinr. Gottfr. Graf v. Mattuschka, Flora Silesiaca oder Verzeichnis der in Schlesien wildwachsenden Pflanzen I, Breslau/Leipzig 1776/’77, p. 496; Reiterskraut  Karl Gottfried Hagen, Preußens Pflanzen II, Königsberg 1818, p. 314.

Literatur

  • Eckhard Garve: Atlas der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen. In: Naturschutz Landschaftspflege Niedersachsen. 30. 1994, ISBN 3-922321-68-2.
  • Henning Haeupler und Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Ulmer-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Elfrune Wendelberger: Pflanzen der Feuchtgebiete. – BLV-Intensivführer, München 1986, ISBN 3-405-12967-2.

Weblinks


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