Dudelsack

Dudelsack
Sackpfeife, einfache Bauform, mundgeblasen
Blasebalg für Sackpfeifen mit geringem bis mäßigem Luftdurchsatz
Pieter Bruegel d. Ä., Sackpfeife beim Bauerntanz

Die Sackpfeife oder der Dudelsack ist ein selbstklingendes Unterbrechungs-Aerophon (Rohrblattinstrument), dessen Luftzufuhr aus einem Luftsack über eine Windkapsel erfolgt. Sie wird von einem Sackpfeifer (Dudelsackspieler) gespielt.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau und Klang

Das Instrument hat eine Spielpfeife (manche Typen auch mehrere), mit der die Melodie gespielt wird und meist ein oder mehrere Bordunpfeifen (auch Brummer), die je einen andauernden Ton spielen. Die Töne in den Pfeifen werden durch je ein Rohrblatt (einfach oder doppelt) erzeugt. Dieses wird normalerweise aus der Schilfart „Arundo donax“, in neuerer Zeit auch aus Kunststoff oder Metall hergestellt.

Die Luftzufuhr zu allen Pfeifen erfolgt aus einem Luftsack aus abgedichtetem Leder oder Synthetik-Material, der vom Spieler durch einen Blasebalg oder mit dem Mund durch ein Anblasrohr aufgeblasen wird. Der Luftvorrat im Sack ermöglicht die Erzeugung eines vom Atem unabhängigen Dauertons und die Aufrechterhaltung eines näherungsweise konstanten Luftdrucks. Da sich Änderungen des Blasdrucks auf alle Pfeifen des Instruments auswirken, ist eine Intonation durch Änderung des Blasdrucks gar nicht oder nur in sehr geringem Maße möglich. Sackpfeifen mit konisch gebohrter Spielpfeife klingen recht laut, einige Sackpfeifentypen mit einer derartigen Spielpfeife erreichen extreme Lautstärken. Sackpfeifen mit zylindrisch gebohrter Spielpfeife sind deutlich leiser.

Sackpfeifenbordune werden häufig auf oder nahe an den Bordunpunkt gestimmt und verhalten sich akustisch daher wie eine „Lingualpfeife mit zylindrischem Becher mit natürlicher Becherlänge“, das heißt, die Mensur des Rohrblatts passt akustisch zur Länge der Bordunröhre. Der daraus resultierende, sehr grundtönige Klang ist für Sackpfeifenbordune charakteristisch.

Besonderheiten

Sackpfeifen werden meist nur in den durch die Borduntöne vorgegebenen Tonarten gespielt, Abweichungen hiervon sind selten. Häufig können daher die Bordunpfeifen auf mehrere Borduntöne gestimmt werden oder einzeln stumm geschaltet werden. Die Spielpfeife ist oft nicht vollchromatisch spielbar, wodurch sich die Zahl der spielbaren Tonarten weiter reduziert.

Ein spezifisches Problem liegt darin, aufeinanderfolgendes Wiederholen derselben Note von einem längeren Notenwert zu unterscheiden. Da eine Sackpfeifenspielpfeife ständig einen Ton erzeugt, wird zur Trennung von zwei gleichen Tönen mindestens ein anderer Ton kurz dazwischen gespielt. Aus dieser Notwendigkeit haben sich sackpfeifenspezifische Verzierungen entwickelt, bei denen oft mehrere kurze Zwischentöne zur Trennung von zwei gleichen Tönen eingeschoben werden.

Herkunft und Verbreitung

Gesichertes Wissen über die Sackpfeife vor der Zeit um 1000 gibt es nicht. Einige Wissenschaftler vermuten, die Sackpfeife stamme aus der Balkanhalbinsel/Kleinasien und habe ihren Ursprung bei den Thrakern. In Übersetzungen eines Textes des römischen Historikers Sueton, der überliefert, dass Kaiser Nero die tibia utricularis gespielt hat, wird tibia utricularis als ein Rohrblattinstrument mit Ledersack übersetzt und als Sackpfeife gedeutet. In der Bibel werden Sackpfeifen im Buch Daniel erwähnt (Daniel Kapitel 3 Verse 5,7,10 und 15), und zwar im Zusammenhang mit dem Babylonischen Reich.

Im Mittelalter verbreitete sich die Bordunmusik und damit auch die Sackpfeife in ganz Europa und Teilen Asiens. Die ältesten Belege in Deutschland finden sich in zwei Urkunden aus dem Kloster St. Blasien aus dem 8. oder 9. Jahrhundert.

Wasserspeier in Form eines Sackpfeifers, Claustro de San Juan de los Reyes, Toledo

Die mittelalterlichen Sackpfeifen sind nicht im Original überliefert, aber durch viele Beispiele in der Kunst erschließbar. Bis ins 15. Jahrhundert waren es überwiegend einbordunige, mundgeblasene Sackpfeifen.

Im Frankreich des 18. Jahrhunderts war die Sackpfeife in Form der Musette de Cour wichtiges Instrument der höfischen Musik, viele Originalkompositionen für das Instrument sind in dieser Zeit entstanden. In Schottland hat die Sackpfeife eine besondere Tradition als Instrument am Hof. Im britischen „Disarming Act“ nach der Schlacht bei Culloden wurde die schottische Tradition großteils untersagt. Dies betraf die Hochland-Kleidung, aber nicht die Sackpfeife selbst. Die Sackpfeife lebte auch als Militärinstrument weiter und wird oft als schottisches Nationalinstrument bezeichnet. Auch in Südosteuropa wird das Instrument verbreitet gespielt, eine ungebrochene Tradition hat auch die Zampognia in Süditalien.

Junge Gaiteros in Galicien

In Nordwestspanien sind in den lokalen Escuelas de Gaitas, Musikschulen mit Sackpfeifenunterricht, zehntausende Sackpfeifenschüler registriert.

In der tschechischen Volksmusik steht der Böhmische Bock in ungebrochener Tradition. Auch in Deutschland und Österreich gewinnt die Sackpfeife durch zahlreiche mittelalterliche / schottische Feste und Märkte wieder an Bedeutung. Besonders die Great Highland Bagpipe findet in Deutschland wie auch in anderen Ländern in jüngerer Zeit viele Anhänger. In der Schweiz geriet das Instrument im 19. Jahrhundert in Vergessenheit, nachdem es bis in das 16. Jahrhundert noch bei Militärmärschen verwendet wurde. Auch in der Schweiz erfreut sich die Sackpfeife in jüngster Zeit wieder an Beliebtheit, wobei in der Schweiz leicht modifizierte Modelle aus dem 16. Jahrhundert hergestellt werden.

Arten

Dudelsackspieler im albanischen Elbasan

Sackpfeifen, die heute in der traditionellen Musik, in der Alten Musik und im Folk verwendet werden, sind unter anderem:

  • Schäferpfeife, Praetorius-Bock, Hümmelchen, Dudey und Marktsackpfeife (Deutschland)
  • Askomantoura (Kreta, Griechenland)
  • Binioù kozh (Bretagne)
  • Cimpoi (Rumänien)
  • Cornemuse du Centre, Musette Bechonnet, Cornemuse Bourbonnaise (Region Centre in Frankreich)
  • Pijpzak/Doedelzak (Flandern und die Niederlande)
  • Parkapzuk (Armenien)
  • Cabrette (Auvergne in Frankreich)
  • Chabrette (Limousin in Frankreich)
  • Veuze (Poitou in Frankreich)
  • Musette de Cour (Frankreich)
  • Mizwed (Tunesien)
  • Baghèt (lmo:) (Norditalien)
  • Piva (Italien)
  • Zampogna (Süditalien)
  • Bock
  • Dudy, Kozioł, Koza (Polen)
  • Kozoł (in Es) - großer sorbischer Bock, Měchawa (in F) - sog. kleiner sorbischer Dudelsack, Měchawka (in A, Am) - sog. Dreibrümmchen
  • Dudy, Gajdy (Böhmen, Mähren - Tschechien)
  • Torupill (Estland)
  • Dudas (Lettland)
  • Duda (Weißrussland)
  • Kaba Gajda (Bulgarien)
  • Kaba Gajda und Tzampouna (Griechenland)
  • Guda, Tulum (türkische Provinzen Rize und Artvin)
  • Tschiboni (georgische Provinz Adscharien)
  • Gudastviri (Ost-Georgien)
  • Gaita (Spanische Provinzen Galicia und Asturias)
  • Northumbrian Smallpipe (Norden Englands)
  • Säckpipa (Schweden)
  • Sackpfiff, Sackpfyf oder Sackphiffen (Schweiz)
  • Uilleann Pipes (Irland)
  • Great Highland Bagpipes, Scottish Smallpipe, Border Pipe (Schottland)
  • Tibhae, Pibacwd (Wales)
  • Gajde, in Slawonien, der Vojvodina und in Serbien, Makedonien und Albanien (südmoravisch-makedonischer Typ)
  • Pwyannwn und Gwenloitheg (Kornwales)

Es gibt europaweit nach Schätzungen von Experten heute etwa 180 verschiedene regionale Sackpfeifenformen.

Mittlerweile sind auch elektrische Sackpfeifen (E-Pipe), die Midi-gesteuert an einen Verstärker bzw. an einen Computer angeschlossen werden können, auf dem Markt. Erfinder war der asturische Musiker José Ángel Hevia zusammen mit dem Computerprogrammierer Alberto Arias und dem Techniker Miguel Dopico.

Weitere Windkapselinstrumente sind Krummhorn, Platerspiel, Rauschpfeife und auch der als Übungsgerät für die Great Highland Bagpipe verwendete Practice Chanter.

Literatur

  • Baines, Anthony: Bagpipes. Oxford University Press, 1960
  • Boulanger, Bernard: Dudelsack spielen. Vlg. der Spielleute, ISBN 3-927240-59-1
  • Der Dudelsack in Europa - mit besonderer Berücksichtigung Bayerns. (Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung). München, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege, 1996. ISBN 3-931754-02-2
  • Ege, Reinhold: MacEges Handbuch für den schottischen Dudelsack. Vlg. der Spielleute, ISBN 3-927240-68-0
  • Ege, Reinhold: Tonarten und Stimmung des schottischen Dudelsacks. Selbstverlag MacEge's
  • Režný, Josef: Der sorbische Dudelsack. Bautzen 1993 und 1997 (Notenanhang, Spiel- und Bauanleitung)
  • Číp, Pavel; Klapka, Rudolf: Dudelsäcke in Böhmen, Mähren und Schlesien. Verlag der Spielleute und Musikverlag Salve Regina Brno/Tschechische Republik 2006 (Historie, Typologie, kleine Schule des Spielens, Anleitungen zum Selbstbau und alle technischen Dokumentationen; CD mit Interpreten und Bauplänen in PDF-Format), ISBN 3-927240-81-8, ISBN 978-3-927240-81-0, ISBN 80-902332-5-2

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