Expressschlinge

Expressschlinge
Expressset
Verschiedene Expresssets

Ein Expressset (kurz Exe genannt, manchmal auch nicht ganz korrekt Expressschlinge) ist ein Sicherungsmittel, das beim Klettern eingesetzt wird. Sie besteht aus zwei Karabinerhaken, die durch eine vernähte Bandschlinge, die Expressschlinge, miteinander verbunden sind.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Ein Expressset dient dazu, das Seil an einem Kletterstand oder einer Zwischensicherung flexibel mit einem festen Sicherungspunkt (z. B. einem Bohrhaken oder einem Klemmkeil) zu verbinden. Dabei wird der Karabiner mit dem geraden Schnapper in den Haken (oder andere Fixpunkte) eingehängt und das Seil durch den Karabiner mit dem gebogenen Schnapper geführt.

Ein Expressset ist flexibel, so dass es im Falle eines Sturzes mit geringerer Wahrscheinlichkeit zu einer ungünstigen Querbelastung der Karabiner kommt. Bewegungen des Seiles werden durch die Schlinge und das Gewicht der Karabiner gedämpft und weniger auf den Sicherungspunkt übertragen. Das ist bei einem sensibel gelegten Klemmkeil oder einer Zackenschlinge besonders wichtig, da diese nicht in nicht vorgesehenen Richtungen belastet werden dürfen und oder durch Bewegung herausgehebelt werden können. Das Seil hat auch einen größeren Abstand zur Wand, wodurch es weniger Reibung erfährt, der Kletterer weniger Seilzug verspürt und der Verschleiß vermindert wird.

Durch die "lockere" Seilführung wird außerdem die Sicherungskette dynamischer, d.h. im Falle eines Sturzes wird der Fangstoß vermindert.

Sicherheit

Um die Sturzhöhe möglichst gering zu halten, werden zwischen den Karabinern möglichst kurze Expressschlingen verwendet, die dann je nach Bedarf durch weitere dazugehängte Expresssets verlängert werden können. Wenn der Kletterer nicht in gerade Linie über die Zwischensicherung weiterklettert, kann sich das Seil während des Sturzes je nach Richtung der Schnapperöffnung im Extremfall selbst aushängen. Deshalb werden im Vorstieg, also wenn der Kletterer von unten gesichert wird, die Expresssets immer so eingehängt, dass die Schnapperöffnung des Karabiners, in dem das Seil läuft, entgegen der Kletterfortbewegungsrichtung liegt. An wichtigen Sicherungspunkten können, falls dies möglich ist, zwei Expresssets gegenläufig eingehängt werden.

Jede Sicherungskette ist nur so gut wie das Schwächste ihrer Glieder. Beim Klettern hat sich eine Reißfestigkeit für die Expressschlinge und eine Bruchfestigkeit für die Karabinerhaken von 22 kN bewährt. Die für Expressschlingen gültige Norm heißt EN 566. Sie schreibt vor, dass die Schlingen der Expresssets mindestens 22 kN Bruchkraft aufweisen (bei normierter Testausführung) und dass sich die Nähte farblich vom Bandmaterial abheben müssen.[1].

Die Reißfestigkeit der Schlingen von Expresssets sinkt mit zunehmendem Alter, dabei konnte aber bei einer Untersuchung[1] kein genereller, signifikanter Zusammenhang zwischen dem Alter und der Reißfestigkeit gefunden werden. Auch das Material (Polyamid versus Mischgewebe) hat keinen signifikanten Einfluss auf die Reißfestigkeit älterer Schlingen. Allerdings zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen dem Aussehen und der Reißfestigkeit. Zerfledderte, ausgefranste oder gar angerissene Expresssetschlingen halten weniger. Insgesamt kommt die genannte Untersuchung zum Schluss, dass die vorgefundene, alterungsbedingte Reißkraftabnahme bis auf 9 kN sicherheitsmäßig noch akzeptabel ist.

Expressets sollten bei wöchentlichem oder häufigerem Gebrauch ungefähr alle fünf Jahre und bei seltenerem Gebrauch alle sieben bis zehn Jahre ausgewechselt werden.[1] Neben dem Alter sollten die Schlingen der Expressets gemäß Albert ausgewechselt werden,

  • wenn die Nähte stark verschlissen sind,
  • wenn die Schlinge Kontakt mit Säuren, insbesondere mit Schwefelsäure (aus Batterien) hatte,
  • wenn die Schlinge angerissen ist,
  • oder wenn die Schlinge nicht CE-zertifiziert ist.

Expresschlingen können auch aus Bandmaterial mit einem Bandschlingenknoten selbst hergestellt werden. Zu beachten ist dabei, dass der Knoten die Zerreißfestigkeit im Vergleich zu vernähten Schlingen verkleinert, siehe auch Knotenfestigkeit.

"Longe" in der Höhlenforschung

Kurze Schlingen zur Selbstsicherung werden von den Höhlenforschern "Longe" genannt. Sie werden aus einem kurzen Seilstück, zwei Karabinern und dem Höhlenknoten selbst gefertigt. Französische Untersuchungen zeigen, dass diese Eigenbauten wesentlich bessere Fangstoß-Eigenschaften haben als genähte Bandschlingen. [2][3]

Literatur

  • Peter Albert: Zerreissprobe. Im Test: Schlingen der Exen. In: Climb!. Nr. 9, 2008, S. 34-39. 

Weblinks

Quellen

  1. a b c Peter Albert: Zerreissprobe. Im Test: Schlingen der Exen. In: Climb!. Nr. 9, 2008, S. 36. 
  2. Zusammenfassung im Höhlenkataster Hessen S. 14 f.
  3. Untersuchungsbericht (französisch)

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