Fute

Fute

Fotze (oder auch Votze) ist eine vulgäre Bezeichnung für die äußerlichen, primären weiblichen Geschlechtsmerkmale. Das Wort wird gegenüber Frauen, gelegentlich auch gegenüber Männern als Schimpfwort verwendet.

Siehe Hauptartikel Vulva

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Erwähnt wurde es erstmals bereits im 7. Jahrhundert bei Kilian in folgenden Eintragungen: fotte 'cunnus' und fotse 'villus'.

Im Altnordischen findet es sich als fuð „Scheide“ (auch in den Wortzusammensetzungen fuðflogi „Brautflüchtling“ und fuðhundr „(Schimpfwort)“, vgl. „Hundsfott“). Im schwed. lautet das Wort fitta, im dän. fitte, daraus auch entlehnt finn. vittu.

Möglicherweise ist das Wort mit der idg. Wurzel *pū- „faulen“ in Verbindung zu bringen und bezöge sich damit auf unangenehmen Geruch.

Ein plausiblerer Anschluss wäre jedoch der an den idg. Stamm *pu(ə)- „dick, aufgeblasen“, der sich in verschiedenen Wörtern für das Hinterteil findet (z.B. ai. pūtau „Hinterbacken“, gr. pȳgē „Steiß“ und pynnos „Hinterteil“, lat. pōdex). Auch das Mittelhochdeutsche Wort vut bezeichnet nicht nur die Vulva, sondern auch das Hinterteil. In germanischen Sprachen finden sich außerdem noch diverse homonyme Reimwörter der Gestalt *put(t)- (schwed. puta und puso, ostfränk. put(e), mittelniederdt. pute, rotwelsch Potz, kärntner. Putze, altisl. púss, franz. puss, niederdt. puse) und *kut(t)- (niederdt. kutte, niederl. kut, mittelengl. cutte, engl. cut, schwed. kuta und kusa). Einige dieser Wörter haben die Nebenbedeutung „Kuss, Kussmund, Schmollmund“ (vgl. Kuss, Bussi usw.), was die Entstehung des bayrischen Sprachgebrauchs erklären könnte.

Ein anderer möglicher Anschluss ist an die idg. Verbalwurzel *peuk- „stechen, stecken“, die wohl auch die etymologische Grundlage für das ebenfalls vulgäre Wort „ficken“ bildet. Hierbei wäre an eine zotenhafte Metapher im Sinne von „das, wo man etwas hineinsteckt“ zu denken. Gestützt wird diese These auch durch das Vorliegen von einigen auf diesen Verbalstamm zurückgehenden Worten für eine Kleidertasche in den skandinavischen Sprachen (z.B. schwed. ficka) und in einigen niederdeutschen Dialekten (z.B. Futsche, Fuppe, Fupp und Ficke). Im Pennsilfaanischen ist die Bezeichnung für die Scheide ebenfalls Dasche (neben Bix). (Zum Lautwechsel -ck-/-pp- vgl. außerdem die Koinzidenzen in der Bedeutungsverschiebung zwischen den Worten für „koitieren“ und „necken“ im Deutschen und Niederländischen: dt. ficken, necken, neppen, foppen, kölsch poppen und ndl. neuken „ficken“).

Schließlich bezeichnet auch die Scheide (engl. sheath) eine spezielle Tasche für Schwerter. Daneben existiert das Wort Futteral (mittellat. fotrale, frz. fourreau, russ. футляр) zur Bezeichnung einer speziellen Tasche. Diese Wörter haben einen gemeinsamen Ursprung mit Futter (im Sinne von Kleiderfutter, Unterfutter, nicht von Futter als Nahrung), welches auf idg. *pah- „schützen“ (altind. pā-, heth. pahs-) zurückgeführt wird. (vgl. ahd. fuotar, mhd. vuoter, mittelniederdt. voder, vōr, got. fodr „Scheide“, altnord. fóðr „Scheide, Futteral, Kleiderfutter“, altengl. fōdder, altfries. fōder, altind. pātra- „Behälter, Gefäß“, heth. pattar, pattur „Korb“, gr. poma „Deckel“).

Welchem etymologischen Anschluss hier der Vorzug zu geben ist, ist schwer zu entscheiden, da sich Wörter der Vulgärsprache durch einen sehr spielerisch-ironischen Wortgebrauch auszeichnen, der in der etymologischen Entwicklungen häufig zu Überkreuzungen und Volksetymologien führt.

Schreibweise

Das Wort ist belegt in einer Zeit, als es noch keine orthographische Festlegung in Bezug auf eine Schreibung mit v oder f gab. Der neueren Orthographie folgend wäre es mit F zu schreiben. Daneben findet es sich auch häufig bewusst mit V geschrieben, was zum einen den Charakter des Vulgären, außerhalb des vornehmen Sprachgebrauchs und seiner Regeln Befindlichen unterstreichen soll und andererseits von einigen Autoren erotischer Literatur dezidiert als optische Anspielung auf die Form des weiblichen Organs eingesetzt wird.

Schimpfwort

Der Ausdruck wird heute als äußerst beleidigendes Schimpfwort für Frauen verwendet. Unter Strafgefangenen dient der Begriff als Beleidigung für einen besonders effeminierten oder verweichlichten Mitgefangenen.

Der verwandte Begriff Fotzenstecher wird heute irrtümlich als Schmähung für einen promiskuitiven Mann gebraucht, rührt jedoch von Futzen- oder Futtenstecher, einer Art mittelalterlichem Veterinär, der Hengste zu Wallachen kastrierte, ihnen also – bildlich ausgedrückt – eine Futze stach.

Das veraltete Schimpfwort Hundsfott oder -vott für „gemeiner Mensch“, „Schuft“ bedeutet wörtlich „Geschlechtsteil der Hündin“ und bezeichnete vielleicht ursprünglich einen Kynophilen, bezieht sich aber eher an die Schamlosigkeit der läufigen Hündin.

Regionaler Gebrauch

In der Schweiz lautet die entsprechende Bezeichnung Futz.

Der österreichische Begriff ist die oder das Fut, während Fotze in vielen Teilen Österreichs wie im Bairischen gleichbedeutend mit „Ohrfeige“ verwendet wird (siehe weiter unten). Hier besteht wiederum teilweise Verwechslungsgefahr mit dem Schweizer Begriff „Füdli“, was dort einen umgangssprachlichen Begriff für das Gesäß darstellt.

Im Öcher Platt, am linken Niederrhein sowie in Teilen des Rheinlandes (vor allem im Kölner Raum) wird das Wort Fott (mit geschlossenem o), Futt oder Fut (westfälisch auch Furt) nach wie vor als (teilweise verniedlichende) Bezeichnung für das Gesäß gebraucht.

Bairisch

Im Bairischen bedeutet das Wort „Mund“, „Schnauze“ (bei Tieren) oder „Ohrfeige“, Fotzhobel (oder Fotzenhobel) steht für Mundharmonika; auch für die Maultrommel. Ein Kieferorthopäde wird als „Fotzenspangler“ bezeichnet. Ein Zusammenhang mit dem oben genannten Begriff für „Vulva“ besteht vermutlich nicht. Man sagt jedoch nicht die Fotze, sondern die Fotz(e)n (Das „e“ ist meistens stumm)

Somit ist fotzen, jemandem eine Fotzen geben ein Synonym für „Ohrfeigen“. Dieser Ausdruck wird auch im moselfränkischen Dialekt verwendet.

Aus dieser Bedeutung leitet sich auch hinterfotzig ab, dies steht für „hinterhältig“, „hinterrücks“, „link“. Allerdings ergibt die Kombination von „hinter“ (wie hinterrücks) und Fotze im Sinne von „Mund“ oder derber ausgedrückt - „Maul“ - ebenfalls einen Sinn, wenn es um falsches Geschwätz hinter dem Rücken anderer geht.

Literatur

  • Artikel ficken, in: Friedrich Kluge (Hg.), Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, bearbeitet von Elmar Seebold, 23. Auflage, de Gruyter, Berlin/New York 1999 ISBN 3-11-016392-6
  • Artikel Fotze, in: Friedrich Kluge (Hg.), Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, bearbeitet von Elmar Seebold, 23. Auflage, de Gruyter, Berlin/New York 1999 ISBN 3-11-016392-6
  • Artikel Futter² und Futteral, in: Friedrich Kluge (Hg.), Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, bearbeitet von Elmar Seebold, 23. Auflage, de Gruyter, Berlin/New York 1999 ISBN 3-11-016392-6

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