Glorenza

Glorenza
Glurns
(ital.: Glorenza)
Wappen von Glurns Lage von Glurns
Bezirksgemeinschaft Vinschgau
Provinz: Bozen (Südtirol)
Region: Trentino-Südtirol
Staat: Italien
Einwohner (VZ 2001 / 31. Dez. 2004): 883 / 882
Sprachgruppen
laut Volkszählung 2001:
96,51 % deutsch
3,37 % italienisch
0,12 % ladinisch
Koordinaten 46° 40′ N, 10° 33′ O46.66666666666710.557Koordinaten: 46° 40′ N, 10° 33′ O
Meereshöhe: 894 - 2.534 m (Zentrum 907 m)
Fläche /
Dauersiedlungsraum:
13,0 / 4,2 km²
Fraktionen: Glurns
Nachbargemeinden: Mals, Prad am Stilfserjoch, Schluderns, Taufers im Münstertal
Partnerschaft mit:
Postleitzahl: 39020
Vorwahl: 0473
ISTAT-Nummer: 021036
Steuernummer: 00432110211
Politik
Bürgermeister (2005): Erich Wallnöfer (SVP)

Glurns (ital. Glorenza) ist eine der kleinsten Städte der Alpen (kleiner ist nur noch die Stadt Rattenberg in Nordtirol). Sie liegt im Vinschgau in der Autonomen Provinz Bozen (Südtirol). Ein besonderes Merkmal der Stadt sind ihre vollständig erhaltenen Stadtmauern. Diese trennen die Stadt in eine so genannte Inner- und eine Außerstadt. Glurns ist eine der acht Städte Südtirols und die einzige Stadt im Vinschgau.

Blick auf Glurns von St. Martin aus

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Türme der Stadtmauer

Glurns war schon in der Römerzeit ein Verkehrsknotenpunkt, die Via Claudia Augusta verlief hier, ebenso ein Handelsweg in die nahe Schweiz.

Die erste Ansiedlung, das Dorf Glurns, befand sich im westlichen Teil der heutigen Stadt zwischen Etschbrücke und Malser Tor. Die erste urkundliche Erwähnung datiert von 1163. Der Name Glurnis, Clurne, Clorno oder Glurens ist vorrömischen oder rätoromanischen Ursprungs und bedeutet so viel wie Hasel- oder Erlenau. Der italienische Name Glorenza ist eine Neuschöpfung des 20. Jahrhunderts - siehe Prontuario dei nomi locali dell'Alto Adige.

1227 erhielt Glurns eine eigene Pfarre. Während das Dorf Glurns dem Bischof von Chur unterstand, förderten die Tiroler Landesfürsten eine benachbarte Ansiedlung (um die heutige Laubengasse, siehe Abbildung), die schon 1294 als „burgum“ (befestigter Ort) bezeichnet wurde. 1291 verlieh Meinhard II. Glurns das Marktrecht, 1294 verlegte er den Bartholomäusmarkt von Münster nach Glurns. Erstmals als Stadt wurde Glurns um 1304 schriftlich erwähnt. Durch ihre günstige Lage an der Grenze Tirols zur Schweiz wurde sie schnell sehr reich und durch ihren Markt bekannt. Die Landesfürsten förderten die Ansiedlung durch zehnjährige Steuerbefreiung und die Stadt profitierte von Weggebühren und Niederlagsgebühren (das Niederlagsrecht verpflichtete durchreisende Kaufleute dazu umzupacken und ihre Waren anzubieten). Vor allem wurde mit Salz gehandelt, das aus den Salinen von Hall in Tirol kam, aber auch mit Südfrüchten aus Oberitalien, Wein, Eisen- und Metallwaren sowie Gewürzen.

Die Laubengasse
In den Lauben

1233 wurde Glurns Sitz eines landesfürstlichen Gerichts, das für den gesamten oberen Vinschgau zuständig war. Ein Kuriosum ist zur Gerichtsbarkeit überliefert: Für die zum Tode durch das Beil Verurteilten wurde ein Kissen (im Süddeutschen/Österreichischen „Polster“ genannt) bereitgehalten. Die Aufgabe, dieses Kissen zu liefern, lag bei den Bewohnern eines kleinen Berghofes westlich von Glurns. Dieser Hof trägt heute noch den Beinamen „Polsterhof“.

1423 wurde Glurns an siebenter Stelle unter 18 Tiroler Städten genannt. Am 22. Mai 1499 wurde nahe Glurns in der Schlacht an der Calven ein überlegenes kaiserliches Herr von einem Heer der Drei Bünde nach einem Umgehungsmanöver vernichtend geschlagen. Im Anschluss daran plünderten die siegreichen Truppen die Stadt, steckten sie in Brand und verübten Gräueltaten an der Zivilbevölkerung. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde rund um beide Teile der Stadt nach Plänen des Hofmalers und Festungsbaumeisters Jörg Kolderer die heute noch bestehende Stadtbefestigung errichtet. 1528 verlieh Kaiser Ferdinand I. der Stadt das Stadtwappen. Die Befestigungen wurden bis etwa 1580 fertiggestellt.

Etwa zu dieser Zeit begann der wirtschaftliche Niedergang der Stadt. Die Handelsrouten änderten sich, vor allem seit das Eisacktal bei Bozen passierbar gemacht worden war, die alten Handelsbeziehungen versiegten. Zudem war die neue Stadtbefestigung schon Anfang des 17. Jahrhunderts durch die Entwicklung des Kriegswesens militärtechnisch überholt und galt als wertlos. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt durch herumstreifende Söldner heimgesucht. Es wird vermutet, dass diese auch den 1635 grassierenden Ungarischen Flecktyphus eingeschleppt hatten.

Das Tauferer Tor im Westen der Stadt. Im Hintergrund die Kirche St. Pankratius
Blick durch das Stadttor
Die Kirche St. Pankratius am Tauferer Tor

Glurns brannte mehrmals nieder und wurde neu errichtet, so etwa 1664 und ganz verheerend am 5. Januar 1732, als 89 Häuser und Scheunen samt Vieh niederbrannten, fünf Todesopfer waren zu beklagen. Auch wurde die Stadt immer wieder Opfer von Hochwassern der Etsch.

Am 25. und 26. März 1799 drangen Französische Truppen in die unbewachte Stadt ein. Es kam zu Plünderungen, mutwilligen Zerstörungen und Übergriffen an der Bevölkerung, die acht Todesopfer forderten.

Im 19. Jahrhundert herrschten in der ehemaligen Handelsstadt überwiegend bäuerliche Wirtschaftsstrukturen. Durch Erbteilungen in Form der Realteilung waren Grundstücke entstanden, die zu klein waren als dass sie das Überleben der Besitzer gewährleisten konnten. Etliche Bewohner mussten ihren Lebensunterhalt als Karrner suchen, d.h. als Wanderhändler, die ihre Ware (Südfrüchte, Kastanien aus dem Süden, Haushaltsgeräte aus dem Norden) auf einem Karren mit sich führten. Schon seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wanderten unzählige Kinder als Schwabenkinder Ende Februar oder Anfang März nach Deutschland und in die Schweiz, um dort für ein neues Gewand und geringe Entlohnung zu arbeiten; erst der Erste Weltkrieg setzte dem ein Ende.

Am 16. Juni 1855 verwüstete eine Überschwemmung, die vom Haider See im Oberen Vinschgau ausging, die Stadt. Auch die 1906 eröffnete Vinschgerbahn berührte Glurns nicht direkt, sondern endete im benachbarten Mals und brachte dadurch ebenfalls keine unmittelbaren wirtschaftlichen Impulse. Als Glurns nach dem Ersten Weltkrieg mit Südtirol an Italien fiel, änderte sich abermals nichts an der wirtschaftlichen Situation. Als Folge der verlorenen Bedeutung wurde 1931 auch das Gericht nach Schlanders verlegt.

Erst ab den 1970er-Jahren begann unter Mitwirkung mehrerer Universitäten und Hochschulen eine umfassende Sanierung und Revitalisierung der Stadt, die nun die Vorteile des intakten malerischen Stadtbildes als Fremdenverkehrsattraktion nutzen kann. Beim Großteil der Besucher handelt es sich um Tagestouristen, verglichen mit den größeren Nachbargemeinden sind nur verhältnismäßig wenige Gästezimmer vorhanden.

Kirchen

Wenige Meter außerhalb der Stadtmauern liegt südlich der Etsch die katholische Kirche St. Pankratius. Der spätgotische Bau hat einen barocken Zwiebelturm. Die Kirche wurde um das Jahr 1481 an der Stelle eines älteren Gotteshauses aus dem 13. Jahrhundert erbaut. Ein Fresko, das auf das Jahr 1496 datiert ist, zeigt ein Motiv des Jüngsten Gerichtes. 1965 wurde der ursprünglich spätgotisch ausgestattete Innenraum restauriert. Aus der Zeit um 1495 ist neben dem Seitenaltar ein Fresko von Anna selbdritt erhalten geblieben. Eine Pietàgruppe, datiert um 1440, wird an Festtagen auf der linken Seitenaltarmensa aufgestellt. Die Glasfenster des Chores (um 1893) stellen Geburt, Auferstehung und Kreuzigung Christi dar. Ein Sandsteinrelief im Chorraum weist auf Jörg von Lichtenstein, den Stifter der Kirche, hin. [1]

Verkehr

Glurns liegt am Knotenpunkt mehrerer wichtiger Alpenpässe: dem Reschenpass nach Nordtirol, dem Ofenpass ins Schweizer Engadin und dem Stilfserjoch. Die Stadt liegt ca. einen Kilometer vom Bahnhof Mals der im Mai 2005 wiedereröffneten Vinschgerbahn entfernt. Damit verfügt Glurns auch wieder über einen Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Veranstaltungen

Söhne und Töchter der Stadt

  • Paul Flora (* 29. Juni 1922 in Glurns) ist ein österreichischer Zeichner, Karikaturist, Grafiker und Illustrator

Einzelnachweise

  1. deus3.com: Stadtgemeinde Glurns, St. Pankratius, abgerufen am 29. Juli 2007

Weblinks

Literatur

  • Sebastian Marseiler: Glurns. Südtirols kleinste Stadt - Geschichte und Geschichten. Tappeiner-Verlag, ISBN 88-7073-246-0
  • Franz-Heinz Hye: Geschichte der Stadt Glurns. Eine Tiroler Kleinstadt an der obersten Etsch. Hrsg. Gemeinde Glurns (keine ISBN-Nummer angegeben)

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