Hangeul

Hangeul
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Hangeul / Chosŏn’gŭl
Schrifttyp Alphabet
Sprachen Koreanisch
Erfinder König Sejong
Entstehung 1446
Offiziell in Südkorea
Nordkorea
Volksrepublik China
Republik China
Abstammung synthetische Schrift
Hangeul / Chosŏn’gŭl
Unicode-Block U+AC00..U+D7AF
U+1100..U+11FF
ISO 15924 Hang
Kore (Hangeul, Hanja)
Das Wort Hangeul in Hangeul/Chosŏn’gŭl
Koreanische Schreibweise
Hangeul: 한글
Revidiert: Hangeul
McCune-R.: Han’gŭl

Hangeul (oft auch Hangul geschrieben; 한글) bzw. Chosŏn’gŭl ist heutzutage das meistverwendete Alphabet in Korea. Im Gegensatz zur chinesischen Schrift handelt es sich hierbei um eine Alphabetschrift. Ihr Aufbau folgt bestimmten Prinzipien und kann als logisch bezeichnet werden. Sie umfasst heute 51 Zeichen – 14 Konsonanten, 10 Vokale sowie 27 aus den Grundzeichen zusammengesetzte Zeichen. In der ursprünglichen Version waren viele andere Zeichen vorgesehen, die hauptsächlich der Transkription chinesischer Wörter oder der Bezeichnung heute im Koreanischen nicht mehr vorhandener Laute – beispielsweise dem F – dienten. Die Jamo genannten Grapheme („Buchstaben“) werden silbenweise zusammengefasst, so dass jede Silbe in einem unsichtbaren Quadrat steht (siehe Bild rechts).

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Die koreanische Schrift knüpft insofern an die chinesische Schrift an, als jede Silbe in einem quadratischen Block dargestellt wird. Anders als dort setzt sich aber jeder dieser Blöcke aus Zeichen für Konsonanten und Vokale zusammen. Eine Silbe besteht mindestens aus einem initialen Konsonanten (Anlaut) und einem Vokal, ein finaler Konsonant (Auslaut) kann folgen. Eine besondere Rolle nimmt der Konsonant ieung () ein, welcher als Anlaut stumm ist. Mit ihm werden Worte geschrieben, die ausgesprochen mit einem Vokal beginnen. In seltenen Fällen gibt es auch zwei Auslaute. Folgt dann im selben Wort eine Silbe mit dem stummen Konsonanten, wird der erste Auslaut als Auslaut der aktuellen Silbe gesprochen und der zweite als Anlaut der nächsten. In anderen Fällen wird nach bestimmten Regeln nur der erste oder seltener auch nur der zweite Auslaut ausgesprochen.

Vokale und Konsonanten können schon anhand ihrer Form unterschieden werden. Während Vokale aus senkrechten (a, ya, eo, yeo, i) oder waagrechten (o, yo, u, yu, eu) Strichen bestehen, haben die Konsonanten andere Formen wie Kreise oder Vierecke. Vokale werden durch kleinere anhängende, senkrecht zu ihnen stehende Striche differenziert. Der führende Konsonant ist zwingend erforderlich und wird bei Vokalen mit senkrechtem Grundstrich vor den Vokal, bei waagrechtem Grundstrich über den Vokal gesetzt. Ein abschließender Konsonant kommt gegebenenfalls unter die beiden vorhergehenden Zeichen.

Die zusammengesetzten Vokale werden in der heutigen Standardsprache nicht einfach wie ihre Einzelteile ausgesprochen, mit Ausnahme von , das im Wortanlaut als Diphthong + ausgesprochen wird. Beim ae () und e (), welche aus den Buchstaben a () und i () beziehungsweise o (, wie in offen) und i () zusammengesetzt sind, unterscheidet sich die Aussprache aber; sie entspricht praktisch dem deutschen Ä beziehungsweise E. Abgesehen von ㅡ und ㅣ existieren von allen Grundvokalen und von den zusammengesetzten Vokalen ae und e Varianten, die um einen zweiten kleinen Strich erweitert sind. Diese werden wie der Vokal mit vorgestelltem J ausgesprochen. Die Variante von o () wäre zum Beispiel yo (), ausgesprochen wie im deutschen Wort Jodeln. Bei der Umschrift koreanischer Wörter ins lateinische Alphabet (etwa nach den Regeln der revidierten Romanisierung) wird hier der Buchstabe Y vorangestellt.

Die Form der Konsonanten soll die jeweilige Stellung der Sprechwerkzeuge darstellen. So sieht das n des koreanischen Alphabets etwa wie das lateinische L aus () und symbolisiert die nach (links) oben zeigende Zunge, wie sie an die Zahnreihe anstößt. Komplementär dazu entspricht das Zeichen für g/k dem Winkel, mit dem man das obige L zu einem Quadrat ergänzen müsste (). Hier stößt die nach oben gerundete Zunge mit ihrem Rücken gegen den Gaumen. Damit ist das koreanische Alphabet ein seltenes Beispiel für eine landesweit benutzte feature-basierte Schrift.

Viele der Konsonanten existieren in drei Varianten: normal, verdoppelt und aspiriert. So wird beispielsweise das etwas weicher als das T in toll ausgesprochen, das mit deutlicher Aspiration und das wie das T in Stern, komplett ohne Aspiration. Alle aspirierten Konsonanten entsprechen grafisch dem jeweiligen Grundlaut, der um einen kleinen Strich erweitert wurde: Aus wird , aus wird , aus wird ; in ähnlicher Weise wird aus dem stummen nach Zusatz eines Strichs das früh wieder aufgegebene , mit noch einem Strich h. Schlechter passt in dieses Schema die Erweiterung des zum , das mit Wegfall des mittigen waagrechten Strichs oder aber mit einer Verlängerung der vertikalen Striche mit anschließender Drehung des Zeichens um 90° erklärt werden könnte. Vom s () existiert keine aspirierte Form, und n (), r/l (), m (), stumm/ng () und h () haben heute weder eine aspirierte noch eine verdoppelte Variante.

Heutzutage gelangen immer mehr amerikanische und sonstige westliche Ausdrücke in die koreanische Sprache und werden dann mit dem koreanischen Alphabet umschrieben. Da dabei gewisse phonetische Regeln und Abkürzungsgewohnheiten der koreanischen Sprache berücksichtigt werden, ist eine korrekte phonetische Darstellung des Wortes nicht immer gegeben, wenn man bei der Lesung des Geschriebenes die Ausspracheregeln koreanischer Wörter anwendet.

Geschichte

Text des Hunmin Jeongeum

Das koreanische Alphabet wurde im Zuge anderer Reformen 1446 von König Sejong entwickelt. Ob er die Schrift selbst erschuf oder ob Gelehrte dies in seinem Auftrag taten, ist umstritten. König Sejong erkannte, dass eine annehmbare Alphabetisierung der Bevölkerung mit den chinesischen Zeichen nicht zu erreichen war. Deren Erlernen setzte jahrelange Studien voraus. Das koreanische Alphabet war daher vor allem als bequeme und zuverlässige Schrift für die niedere Beamtenschaft gedacht, der König und der Hof schrieben freilich weiterhin auf chinesisch. Die neue Schrift wurde wohl um den 9. Oktober 1446 in einem Dokument, dem Hunmin Jeongeum, veröffentlicht – der genaue Tag ist unbekannt. Dies wird heute in Südkorea am 9. Oktober mit dem gesetzlichen Feiertag Hangeul-Tag gefeiert. In Nordkorea findet ein entsprechender Feiertag am 15. Januar statt.

Zwar wurden in Korea schon vor diesem Alphabet mehrere Schriftsysteme auf Basis der chinesischen Schrift entwickelt – Hyangchal (향찰/鄕札), Gukyeol (구결/口訣) und Idu (이두/吏讀), doch anders als das koreanische Alphabet konnte sich keine dieser Schriften durchsetzen. Auch das koreanische Alphabet wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein als „Frauenschrift“ oder als Schrift für Leute niederen Standes von vielen Gelehrten verachtet. Gerade das Potenzial zur Alphabetisierung der einfachen Bevölkerung führte jedoch dazu, dass das koreanische Alphabet bei der Elite auf starken Widerstand stieß, welche die einheimische Schrift als minderwertig betrachtete. Das koreanische Alphabet galt als Schrift der Ungebildeten; seine Verwendung wurde zeitweise sogar verboten. Erst im 19. und 20. Jahrhundert erlebte es als Symbol eines sich gegen chinesische und vor allem japanische Einflussnahme richtenden koreanischen Nationalismus eine Aufwertung und wurde schließlich zum dominierenden Schriftsystem der koreanischen Sprache. Bis in die 1970er Jahre hinein, und in einigen Textsorten noch heute, wurde bzw. wird allerdings meist in einer Mischform geschrieben, in der sowohl das koreanische Alphabet als auch chinesische Schriftzeichen verwendet werden.

Die genaue Aussprache alter Schreibweisen mit dem koreanischen Alphabet ist nicht mehr zweifelsfrei rekonstruierbar. Man geht davon aus, dass Konsonantencluster vorkamen – im Schriftbild sind sie vorhanden.

Eine Seite aus dem Hong-gil Jeon aus dem 17. Jh. wurde von oben nach unten geschrieben

Früher wurden die zusammengesetzten Silbenzeichen analog zur Chinesischen Schrift in Spalten von oben nach unten geschrieben, wobei die Spalten von rechts nach links gelesen wurden. Heute wird fast ausschließlich wie im Westen in Zeilen von links nach rechts geschrieben. Lediglich in kalligraphischen Texten oder Zeitungen bedient man sich der senkrechten Schreibweise.

Der US-amerikanische Koreanologe Gari Keith Ledyard entwickelte die These, dass die Grundsymbole des koreanischen Alphabets von der ’Pags-pa-Schrift abgeleitet sind, die wiederum eine Weiterentwicklung der tibetischen Schrift ist.[1]

Legende

König Sejong der Große

Der Legende zufolge kam König Sejong zu der Überzeugung, dass sein Land mächtig sein werde, wenn nur mehr seiner Untertanen lesen und schreiben könnten. Dazu war aber eine einfachere Schrift als die chinesische nötig. Sejong arbeitete eine solche Schrift aus, aber er wusste, dass er das Volk überzeugen musste, dass diese neue Schrift ein Geschenk des Himmels sei. So ging er mit einem Schreibpinsel und einem Topf voll Honig in den Palastgarten und malte auf die von den Platanenbäumen herabgefallenen Blätter mit Honig die neuen Zeichen.

Am nächsten Morgen lud Sejong seinen Wahrsager zu einem Spaziergang im Garten ein. Während der Nacht hatten Insekten die mit Honig bestrichenen Teile der Blätter weggefressen. Da lagen nun vierundzwanzig Blätter mit den neuen Buchstaben. Der Wahrsager bemerkte sie und hob sie auf und sagte zum König: „Vielleicht wollen uns die Götter etwas mitteilen.“ Er nahm die Blätter und grübelte einige Wochen darüber, bis er eines Tages in den Thronsaal stürzte und begeistert ausrief: „Die Götter haben uns eine Schrift gesandt, damit wir unsere Sprache schreiben können.“ König Sejong zeigte seine Bewunderung für den Scharfsinn und befahl, das Alphabet zu veröffentlichen. Und das Volk nahm diese einzigartige Schrift mit Begeisterung an.

Technische Entwicklung

Die Schaffung der koreanischen Alphabetschrift fällt in eine Zeit, zu der in Korea und China bereits seit mehreren Generationen mit beweglichen Metalllettern gedruckt wurde, siehe hierzu Geschichte des Buchdrucks. Die ältesten erhaltenen Texte sind Drucke; der älteste handschriftliche Text[2] stammt aus der Regierungszeit König Sejos (1455–1468).

  • 1900 baut I Won-ik (이원익) aus einer westlichen Schreibmaschine eine Schreibmaschine für das koreanische Alphabet, die häufigen Gebrauch der Umstelltaste verlangt und mit der sich nur langsam tippen lässt.
  • 1910 entwickelt I Won-ik in Hawaii eine neue Schreibmaschine.
  • 1914 setzt der Pastor I Dae-wi (이대위) in San Francisco erstmals das koreanische Alphabet mit der Satzmaschine Linotype.
  • Im November 1949 erfindet Gong Byeong-u (공병우) nach zweieinhalb Jahren Forschung eine effiziente Schreibmaschine, wobei er weniger auf das Aussehen der Schrift achtet als auf die Möglichkeit schnellen Tippens.
  • Am 3. März 1950 ist seine 3[se]-beolsik-Schreibmaschine fertig.
  • 1982 wird in Südkorea die bisherige Standard-Tastaturbelegung für Fernschreiber 2[du]-beolsik auch zum Standard für Computertastaturen KS X 5003 sowie
  • 1985 für Schreibmaschinen. Im selben Jahr automatisiert Gong Byeong-u in Philadelphia den 1980 von An Ma-tae (안마태) in Hollywood entwickelten, bis dahin von Hand betriebenen Lichtsatz.
  • 1991 ist Hangul in der ersten Version des Unicode-Standards vertreten. Hangul befindet sich dort in drei verschiedenen Unicode-Blöcken.

Weitere Informationen zu koreanischen Tastaturen unter Jamo.

Schreibweise

Aufbau der Silbenblöcke

Mit Ausnahme von archaischen Texten steht kein Buchstabe allein, sondern immer in Silbenblöcken, die optisch an die chinesische Schrift angelehnt sind. Die Versuche, das koreanische Alphabet linear zu schreiben, waren kurzlebig und hatten keine Chance, sich durchzusetzen, weil die Lesbarkeit in dieser Form stark beeinträchtigt war.


Initial Medial
Initial
Medial
Initial 2.
Medial
1. Medial

Der Final wird immer unten am Ende geschrieben. Auf Koreanisch heißt das 받침 batchim unterstützender Boden.


Initial Medial
Final
Initial
Medial
Final
Initial 2.
Medial
1. Medial
Final

Lautsystem

Siehe Jamo

Tabelle der Zeichen

Die Laute der koreanischen Sprache werden folgendermaßen unterschieden:

  • 아음; 牙音 a-eum; „Backenzahnlaute“: Das Zeichen (g) zeigt die Zunge von der Seite, wie sie das Velum (den weichen Gaumen) berührt.
  • 설음; 舌音 seol-eum; „Zungenlaute“: Die Zeichen (n), ㄷ (d), ㅌ (t) und ㄹ (l) zeigen – ebenfalls von der Seite – wie die Zungenspitze den Alveolarrand berührt.
  • 순음; 唇音 sun-eum; „Lippenlaute“: Die Zeichen (m), ㅂ (b) und ㅍ (p) geben den Umriss der Lippen von vorne wieder.
  • 치음; 齒音 chieum; „Zahnlaute“: Das Zeichen (s), ㅈ (j), ㅊ (ch) – ursprünglich geformt wie ein Keil (etwa /\) – zeigt die seitliche Ansicht der Schneidezähne.
  • 후음; 喉音 hueum; „Kehllaute“: Das runde Zeichen , ㅎ (h) symbolisiert einen Querschnitt durch die Kehle.

Anlaute

g n d r m b s - j ch k t p h
gg dd bb ss jj

Auslaute

g n d l m b s ng j ch k t p h
gg nj lg bs ss
gs nh lm
lb
ls
lt
lp
lh

Buchstabennamen

Konsonanten
Buchstabe Name
giyeok (기역 – „giyeok“ steht im Anlaut für g, im Auslaut für k )
nieun (니은)
digeut (디귿)
rieul (리을 – „rieul“ steht im Anlaut für r, im Auslaut für l )
mieum (미음)
bieup (비읍)
shiot (시옷)
ieung (이응)
jieut (지읒)
chieut (치읓)
kieuk (키읔)
tieut (티읕)
pieup (피읖)
hieut (히읗) (Zu beachten ist die unregelmäßige Aussprache des Endlautes ㅎ)
Doppelschreibweise
Buchstabe Name
ssang giyeok (쌍 기역 – „ssang“ bedeutet „doppelt“)
ssang digeut (쌍 디귿)
ssang bieup (쌍 비읍)
ssang shiot (쌍 시옷)
ssang jieut (쌍 지읒)
Vokale
Buchstabe Name
a (아)
ae (애)
ya (야)
yae (얘)
eo (어)
e (에)
yeo (여)
ye (예)
o (오)
wa (와)
wae (왜)
oe (외)
yo (요)
u (우)
wo (워)
we (웨)
wi (위)
yu (유)
eu (으)
ui (의)
i (이)

Namen

Früher war die Schrift in Korea unter verschiedenen, teilweise abschätzigen Namen bekannt. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurde der neutrale Name eonmun (언문, 言文 – etwa „Volkssprachen-Schrift“) benutzt, der nach und nach von hangeul abgelöst wurde. Zwischenzeitlich wurde auch die Bezeichnung gungmun (국문, 國文 – etwa „einheimische Schrift“) verwendet, die heute noch in Zusammensetzungen zu finden ist. Eonmun und gungmun sind wohl analog zu ihrem Gegenstück hanmun (한문, 漢文 – etwa „chinesische Schrift(sprache)“) gebildet.

Der Linguist Ju Si-gyeong hat die heute in Nordkorea nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung hangeul wahrscheinlich zwischen 1910 und 1912 geprägt. Schriftlich ist sie ab 1913 belegt, als sie in einer Ausgabe der Jugendzeitschrift „Idle Boy“ auftauchte.

Geul – „Schrift“ ist aus dem chinesischen entstanden (gyeolgeolgeul), wird aber nicht mehr als sinokoreanisches Wort behandelt, also niemals mit dem Hanja , sondern immer mit hangeul geschrieben.

Han kann als Partizipialform des mittelkoreanischen Adjektivs ha- – „viel“ interpretiert werden; han geul ließe sich in diesem Fall mit „große Schrift“ oder „Großschrift“ übersetzen.

Alternativ kann man das han als „koreanisch“ verstehen. Han-geul könnte man dann als „Koreaner-Schrift“ verstehen, analog zum südkoreanischen Wort han-guk – „Korea“ („Koreaner-Land“). Das Ethnonym han ist zwar nicht chinesischen Ursprungs; da die Chinesen es aber früh von Stämmen der koreanischen Halbinsel zu deren Bezeichnung übernahmen, wird es jetzt als sinokoreanisches Wort behandelt (Hanja: ). Es war jedoch nie üblich, das Wort hangeul in koreanischen Texten mit Hanja zu schreiben.

In Nordkorea heißt die Schrift chosŏn'gŭl (조선글) oder uri kŭl (우리 글).

Chosŏn ist wie han ein altes Ethnonym, zu dessen Schreibung mit Sinographemen, der damals in Ostasien meistverwendeten Schrift, die Zeichen cho und sŏn verwendet wurden, den Laut des Wortes in der Sprache derer nachahmend, die es bezeichnete. Chosŏn wird oft mit „Morgenstille“ übersetzt, was aber nicht die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist, sondern nur auf der sonstigen Bedeutung der Grapheme im Chinesischen beruht, mit denen das Ethnonym geschrieben wurde.

우리 글 heißt wörtlich übersetzt „unsere Schrift“ und ist analog zu dem nordkoreanischen 우리 말 – „Koreanisch“ (wörtlich „unsere Sprache“) gebildet.

Andere Schriften in Korea

Die chinesischen Schriftzeichen, in Korea als Hanja (한자, koreanische Lesung für den chinesischen Begriff Hanzi) bezeichnet, werden nur noch selten verwendet. Viele aus dem Chinesischen stammende Begriffe sind aber in ihrer Aussprache und damit in ihrer Schreibung im koreanischen Alphabet identisch und können nur durch den Kontext unterschieden werden. Hanja haben hingegen eine einzige Bedeutung, daher werden gelegentlich die Hanja-Zeichen bei wichtigen Worten in Klammern hinter das jeweilige Wort in koreanischen Buchstaben gesetzt, oder der Text besteht aus einer Mischung aus koreanischen Buchstaben und Hanja. Auf Visitenkarten findet man fast immer den Namen in koreanischen Buchstaben und Hanja, um die Bedeutung des Namens klarzustellen. Offiziell werden Hanja in Nordkorea nicht mehr verwendet, in der Praxis kommt es jedoch noch vor.

Die Unterscheidung von koreanischen Buchstaben und den Hanja ist auch ohne Kenntnisse der Sprache möglich, da das koreanische Alphabet der beschriebenen, festen Form folgt, chinesische Zeichen aber aus Radikalen bestehen, die auch in der Zusammensetzung unterschiedlich sind.

Die Schrift kann mittels der Revidierten Romanisierung oder der McCune-Reischauer in die lateinische Schrift übertragen werden. Die Revidierte Romanisierung ist seit 2000 in Südkorea üblich, McCune-Reischauer ist außerhalb von Korea noch sehr verbreitet und wird in einer Variante in Nordkorea verwendet. Die McCune-Reischauer-Romanisierung verwendet einige Sonderzeichen und gilt als komplizierter. Die Umschriften geben die koreanische Sprache aber ungenauer wieder, außerdem werden koreanische Worte meist recht lang. Daher werden sie meist nur bei westlichen Bezeichnungen eingesetzt oder bei koreanischen Begriffen in westlichen Texten.

Die meisten Südkoreaner können das koreanische Alphabet, die ab der Grundschule gelehrte lateinische Schrift sowie eine große Zahl die erst nach der Lateinschrift gelehrter Hanja fließend lesen und schreiben. Viele Koreaner können Hanja deutlich besser lesen als schreiben. Anders als beispielsweise in Japan, wo sich das Hepburn-System etablieren konnte, beherrschen nur wenige Koreaner eins der Systeme zur Romanisierung; viele tendieren zu spontaner Romanisierung ohne ersichtliche Systematik; auch wird oft eine der wissenschaftlichen Romanisierungen zugrundegelegt, an der dann aber starke Änderungen vorgenommen werden, um sie den Bedürfnissen oder technischen Gegebenheiten des Benutzers anzupassen; siehe hierzu McCune-Reischauer#Sonderzeichen.

Siehe auch

Fußnoten

  1. The Korean Language Reform of 1446: The Origin, Background, and Early History of the Korean Alphabet (PhD-Disstertation an der University of California; Ann Arbor, University Microfilms 1966); leicht revidierte Version der Dissertation: The Korean Language Reform of 1446 (Seoul, Shin’gu Munhwasa 1998). Siehe auch: The International Linguistic Background of the Correct Sounds for the Instruction of the People. In: Young-Key Kim-Renaud (Hg.): The Korean Alphabet. Its History and Structure (Honolulu, University of Hawaii Press 1997), ISBN 0-8248-1989-6 / ISBN 0-8248-1723-0, S. 31–87. Vgl. Keith L. Pratt, Richard Rutt: Korea: A Historical and Cultural Dictionary (Richmond, Curzon 1999), ISBN 0-7007-0464-7 / ISBN 0-7007-0463-9, S. 349.
  2. Anja Katharina Haftmann (Bearb.): Das Odaesan-Sangwŏnsa-chungch'ang-kwŏnsŏnmun. Die älteste Handschrift in der koreanischen Buchstabenschrift. LIT, Hamburg 1998, ISBN 3-8258-3461-1.

Literatur

  • Ik-sop Lee, Sang-oak Lee, Wan Chae: Die koreanische Sprache (Hetzer Verlag/Hollym Publishers 2006); Deutsche Erstausgabe; ISBN 3-9811287-0-2. ISBN 978-3-9811287-0-3.
  • Young-Key Kim-Renaud (Ed.): The Korean Alphabet. Its History and Structure. Honolulu, University of Hawai'i Press, 1997. ISBN 0-8248-1723-0
  • Young-Ja Beckers-Kim: Koreanisch für Anfänger. Göttingen, Edition Peperkorn, 2005. ISBN 3-929181-58-4
  • Florian Coulmas: The Blackwell Encyclopedia of Writing Systems. Oxford, Blackwell Publishers, 1999. ISBN 0-631-21481-X
  • Ross King, Jae-Hoon Yeon: Elementary Korean. Boston, Tuttle Publishing, 2000. ISBN 0-8048-3614-0

Weblinks

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