Hüseyin Nihal Atsız

Hüseyin Nihal Atsız

Hüseyin Nihal Atsız (* 12. Januar 1905 in Istanbul; † 11. Dezember 1975) war ein rassistisch-nationalistischer Autor und Vordenker der ülkücü-Bewegung in der Türkei.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Atsız wurde 1905 im Istanbuler Stadtteil Kadıköy geboren. Nach seiner schulischen Ausbildung schrieb er sich als Student der militärisch-medizinischen Fakultät ein, wurde aber 1925 ausgeschlossen. Er arbeitete anschließend als Hilfslehrer an einer Schule und als Hilfsschreiber auf einer Fähre. 1926 schrieb er sich an der Literarischen Fakultät Istanbul ein und arbeitete nach Abschluss seines Studiums als Assistent. 1931 heiratete er zum ersten Mal. 1935 erfolgte die Scheidung.

Atsız wurde 1933 wegen seiner Beiträge in einer selbst herausgegebenen Zeitschrift von der Universität ausgeschlossen. Anschließend arbeitete er als Türkischlehrer in Malatya. Später unterrichtete er das Fach Literatur an einem Gymnasium in Edirne. Dort gab er die Zeitschrift Orhun heraus, die später verboten wurde. 1934 arbeitete er als Türkischlehrer im Istanbuler Stadtteil Kasımpaşa. 1936 heiratete er ein zweites Mal. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor. Im Jahre 1975, neun Monate vor seinem Tod, trennte Atsız sich auch von seiner zweiten Ehefrau.

1944 wurde Atsız aus dem Schuldienst entlassen. Er hatte in einer Wiederauflage der Zeitschrift Orhun, den Erziehungsminister zum Rücktritt aufgefordert und u.a. den sozialkritischen Schriftsteller Sabahattin Ali als „Landesverräter“ bezeichnet. 1945 wurde Atsız im "Rassismus- und Turanismusverfahren" zu 6,5 Jahren Haft verurteilt. Er gewann aber das Revisionsverfahren und kam noch im selben Jahr frei.

In der Folgezeit veröffentlichte Atsız seine Bücher unter fremden Namen. Auf Betreiben des Erziehungsministers, eines ehemaligen Mitschülers, erhielt er eine Stelle als „Experte“ in einer Bücherei. Nach der Machtübernahme durch die Demokratische Partei durfte Atsız wieder als Gymnasiallehrer arbeiten.

In den nächsten Jahrzehnten machte Atsız immer wieder durch Artikel in den Zeitschriften Orkun und Ötüken von sich reden. Nach der Intervention der Militärs am 12. März 1971 wurde der mittlerweile schwerkranke Atsız eine weiteres Mal zu einer Haftstrafe verurteilt. Er wurde aber nach nur 2,5 Monaten Haft von Staatspräsident Fahri Korutürk begnadigt. Am 11. Dezember 1975 starb Atsız an den Folgen eines Herzinfarkts.

Ideologie

Hüseyin Nihal Atsız hatte mit seinen Schriften großen Einfluss auf die ülkücü-Bewegung in der Türkei. Er glaubte an die Überlegenheit der türkischen Rasse. Der Türkismus war seiner Ansicht nach das Ideal der Überlegenheit des Türkentums über alle anderen Nationen. Er bezeichnete sich dabei offen als Rassisten. In seiner Verteidigungsrede beim sog. "Rassismus- und Turanismusverfahren" im Jahre 1945 äußerte er sich folgendermaßen zum Vorwurf des Rassismus:

"Ich sage es zum Schluss ganz offen: Türkismus ist Nationalismus. Rassismus und Turanismus gehören dazu. Entweder wird das Land sich auf diesen beiden Termini erheben oder untergehen. Rassismus und Turanismus widersprechen nicht der Verfassung. Da ich Rassist und Turanist bin, wird eine mögliche Verurteilung wegen Rassismus und Turanismus die größte Ehre meines Lebens darstellen."
(Übersetzung aus dem Türkischen nach Cenk Saraçoğlu: Nihal Atsız's World-View and Its Influences on the Shared Symbols, Rituals, Myths and Practices of the Ülkücü Movement, Leiden 2004)

An die Kurden gewandt schrieb Atsız:

Wenn Ihr Kurden weiter Eure primitive Sprache sprecht [...], werdet Ihr von den Türken auf dieselbe Weise ausgerottet, wie man schon die Georgier, die Armenier und die Griechen bis auf die Wurzeln ausgerottet hat.[1]

In dem „Testament“ an seinen Sohn Yağmur benennt Nihal Atsız 1941 seine Feinde:

"Sohn,
Die Juden sind der heimliche Feind aller Völker. Die Russen, Chinesen, Perser und Griechen sind unsere historischen Feinde. Die Bulgaren, Deutschen, Italiener, Engländer, Franzosen, Araber, Serben, Kroaten, Spanier, Portugiesen und Rumänen sind unsere neuen Feinde. Die Japaner, Afghanen und Amerikaner sind unsere künftigen Feinde. Die Armenier, Kurden, Tscherkessen, Abchasen, Bosniaken, Pomaken, Lasen, Lesghier, Georgier und Tschetschenen sind unsere inneren Feinde. Man muss sich gut vorbereiten, um so viele Feinde zu bekämpfen. Möge Tanri (Tengri) dir helfen." [2]

Die Ideologie Atsız’ war antiislamisch ausgerichtet. Nihal Atsız berief sich auf den alttürkischen Tengrismus/ Schamanismus. Parteipolitisch war Atsız kaum aktiv. Zu einem offenen Bruch mit dem 1945 mitangeklagten rechtsextremen Politiker Alparslan Türkeş kam es, als dieser das islamische Element der Partei der Nationalistischen Bewegung stärker betonte. Nihal Atsız genießt aber immer noch hohes Ansehen innerhalb der Partei. Sein Andenken wird auch in Rundschreiben der heutigen Parteiführung geehrt.

Werke

Zu den bekanntesten Werken von Atsız gehören die drei Romane

  • Bozkurtların Ölümü. Istanbul 1946 („Der Tod der Grauen Wölfe“)
  • Bozkurtlar diriliyor. Istanbul 1949 („Die Wiedererweckung der Grauen Wölfe“)
  • Deli Kurt. İstanbul 1958. („Der verrückte Wolf“)

Nihal Atsız schrieb mit Z Vitamini.(„Vitamin Z“) ebenfalls ein politische Satire auf Ismet Inönü über ein Vitamin, das einem Diktator Unsterblichkeit verleiht. Ferner war er Autor zahlreicher Gedichte.

Literatur

  • Güven Bakırezer: „Nihal Atsız“ Tanıl Bora (Hg.): Milliyetçilik, İstanbul: 2002 (Modern Türkiye’de siyasi düşünce; 4) 352-357.
  • Mehmet Doğan: Alparslan Türkeş ve Gölgedeki Adam. Ankara 2002 („Alparslan Türkeş und der Mann im Schatten“)
  • Umut Uzer: “Racism in Turkey. The case of Huseyin Nihal Atsiz” Journal of Muslim Minority Affairs 22 (2002) 119 – 130.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ötüken Nr. 42, Juni 1967 Übersetzung nach Jürgen Roth/Kamil Taylan: Die Türkei. Republik unter Wölfen, Bonn 1983, S. 123
  2. Übersetzung von der Website

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