Iwan IV.

Iwan IV.
Porträt Iwans IV., Holzschnitt aus dem 17. Jahrhundert

Iwan (Ioann) IV. Wassiljewitsch, der Schreckliche, (russisch Ива́н (Иоа́нн) Васи́льевич Гро́зный  Aussprache?/i, Groznyj wörtlich der Strenge, der Bedrohliche), in Europa der Schreckliche genannt (* 25. August 1530 in Kolomenskoje; † 18. Märzjul./ 28. März 1584greg. in Moskau), war der erste gekrönte russische Zar. Durch Reformen von Verwaltung, Rechtswesen und Armee stärkte er die Zentralgewalt des Zaren und förderte den niederen Dienstadel auf Kosten der mächtigen Bojaren.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend

Iwan (Johann), Enkel Iwans III. des Großen, verlor im Alter von drei Jahren seinen Vater Wassili III. Seine Mutter war Helena Glinskaja. Anfangs übernahm Helena die Regentschaft für ihren Sohn, starb aber wenig später im Jahre 1538, vermutlich an Gift. Nach dem Tod der Mutter entwickelte sich ein Machtkampf zwischen den Bojaren, wobei vor allem die Schuiski und Belski hervorstachen, um die Beherrschung des Throns und des jungen Zaren. Er wurde von ihnen mit Grausamkeit behandelt und von der Außenwelt abgeschottet. Als sich Iwan 1543 im Alter von dreizehn Jahren seiner Macht bewusst wurde, schlug er zurück. Er ließ am 29. Dezember 1543 den Bojaren Andrei Schuiski von der Kremlwache ergreifen und von ausgehungerten Jagdhunden zerreißen.[1]

Er ließ sich 16-jährig durch den Metropoliten von Moskau am 16. Januar 1547 zum Zaren krönen und heiratete in selben Jahr die Tochter des Bojaren Roman Jurjewitsch Sacharjin-Jurjew (russ. Рома́н Ю́рьевич Заха́рьин-Ю́рьев), Anastasia Romanowna Sacharjina (russ. Анастаси́я Рома́новна Заха́рьина), die Tante des Patriarchen Filaret, des Stammvaters des Hauses Romanow. Bei seiner Krönung wurden Zeremonien verwendet, die auf byzantinische Kaiserkrönungen beruhten und die seine Macht und „Erwähltheit“ betonen sollten (z. B. das Überschütten mit Goldmünzen). Die Macht des Zaren war zu diesem Zeitpunkt umstritten. Viele Bojaren waren faktisch unabhängig vom Zaren, unterhielten Privatarmeen und sprachen Recht. Iwan begann damit, diese Macht zu beschneiden. Er begann zu seinen Gunsten mit der Umgestaltung des Staates, die darin bestand, große Teile der fruchtbarsten und reichsten Regionen des Landes, Bojareneigentum, durch Enteignung in Staatseigentum – die Opritschnina – zu überführen, die ihm direkt unterstand. Der Begriff steht auch für Terrorherrschaft und die Truppe der Opritschniki, seiner eigens geschaffenen Eingreiftruppe. Die Bojaren erhielten zum Ausgleich lediglich minderwertiges Land an den Staatsgrenzen oder wurden gänzlich enteignet und in Klöster verbannt.

Herrschaft

Thron aus Elfenbein von Iwan IV. Er stammt aus Byzanz von Zoë, der Tochter von Kaiser Konstantin IX. u. Großmutter Wladimir Monomachs

Iwan galt als fromm und in der Heiligen Schrift belesen, dazu intelligent, aber auch gerissen, verschlagen und nachtragend. Er konnte strategisch vorausdenken und spielte oft Schach, auch gegen sich selbst. Nachdem er sich im Jahr 1549 zum Selbstherrscher (Autokrat, „Gossudar“, russ. государ) von ganz Russland ernannt hatte, residierte er im Zarenpalast des Moskauer Kremls, den er bereits seit Kindertagen kannte. Hier führte er in den 1550er Jahren bedeutende Gesellschafts- und Staatsreformen durch. Unterstützt wurde er dabei von einem Kreis bedeutender Berater, dem „Auserwählten Rat“ („Izbrannaja Rada“). Hierzu gehören die Neufassung der Gesetzgebung durch den „Sudebnik“ (Gesetzbuch) von 1550 und die Neuordnung des russischen Heeres. Zar Iwan IV. gründete das erste russische Parlament, in dem die feudalen Stände repräsentiert waren (Semskij Sobor, 1549). Das neue Gesetzbuch und die Regierungsverordnungen (Ustavnije Gramoty) dehnten die Rechte der gewählten Vertreter bäuerlicher Gemeinden im Gericht und in der lokalen Selbstverwaltung aus.[2] Weiterhin begründete er 1550 die mit Musketen und russischen Glefen, den Berdyschen (russ. берды́ш), ausgestattete Palastgarde der Strelizen (= Bogenschützen). Die Reformen festigten den zentralen Staatsapparat, erhöhten die militärische Schlagkraft Russlands und schufen die Voraussetzung für außenpolitische Erfolge. 1555 wurde die „Moskauer Kompanie“, eine englisch-russische Handelsgesellschaft gegründet.

Die Eroberungen der Khanate Kasan 1552 und Astrachan 1558 begründeten das russische Imperium. Durch die Siege über die Tataren stoppte der Zar die Raubzüge der Khanate Kasan im Nord-Osten Russlands, erschwerte die Angriffe von aggressiven Völkern aus Asien nach Europa über die Wolga [3], der russische Staat erhielt neue Ländereien, konnte den Handel nach dem Süden und Südwesten erweitern und dadurch einen Ausgangspunkt für den Vorstoß nach Sibirien schaffen. Im Westen versuchte er einen Zugang zur Ostsee zu schaffen und griff Livland an. Der hierdurch ausgelöste lange Krieg von 1558 bis 1583 mit Polen-Litauen und Schweden ruinierte die Wirtschaft Russlands. Die Krimtatarische Kavallerie verwüstete die südlichen Grenzgebiete Russlands [4]. 1571 brannten die Krimtataren Moskau nieder. Das eigentliche Ziel, einen direkten Zugang zur Ostsee zu schaffen, konnte durch die Auseinandersetzungen nicht erreicht werden. In dieser Zeit verlegte Iwan IV. im Jahre 1564 für siebzehn Jahre seine Residenz nach Alexandrow.

Wassili Surikow „Jermaks Eroberung von Sibirien“

Iwan war der erste Zar, der nach Osten blickte, jenseits des Urals nach Sibirien, dem „schlafenden Land“. Kostbare Schätze (Gold, Kristalle, prächtige Zobelfelle) wurden ihm von einem Mitglied der Familie Stroganow gezeigt. Auf Iwans Befehl hin und mit seiner Urkunde versehen wurde die erste Sibirienexpedition unter Leitung der Familie Stroganow begonnen. Der Kosakenführer Jermak Timofejewitsch erreichte entlang der Flüsse das Tatarenkhanat Sibir. Die entscheidende Schlacht der Kosaken gegen die sibirischen Tataren fand 1582 nahe dem späteren Tobolsk statt, das bald darauf als Festung (Kreml) gegründet wurde. Von den besiegten Tataren gelangten unzählige Zobelpelze in Iwans Besitz – ein unvorstellbares Vermögen. Iwan IV. nannte sich von nun an auch „Zar von Sibirien“.

Unter Iwan IV. begann der internationale Aufstieg Russlands und dessen Mitgestaltung der Belange der europäischen Staaten.

Familie

Ilja J. Repin: Iwan der Schreckliche und sein [erschlagener] Sohn am 16. November 1581, 1885

Im November 1581 erschlug er seinen Sohn Iwan Iwanowitsch mit der Stahlspitze (oder dem Eisenknauf) seines Herrscherstabes im Streit, da er seine schwangere Schwiegertochter in deren eigenen Gemächern zu leicht bekleidet vorfand und deshalb gegen sie vorging. Sein Sohn Iwan versuchte, seiner Frau beizustehen, und verlor den Kampf gegen den jähzornigen Vater auf tragische Weise: Der Schlag ließ ihn ins Koma fallen, in dem er bald darauf verstarb.

Iwan IV. war achtmal verheiratet. Mit seiner ersten Frau Anastasia Romanowna Sacharjina hatte er folgende Kinder:

  • Anna (1548–1550)
  • Maria (17. März 1551–1551)
  • Dmitri (1552–1553)
  • Iwan (* 28. März 1554, erschlagen am 16. November 1581)
  • Eudokia (1556–1558)
  • Fjodor I. (1557–1598)

Mit seiner zweiten Frau Maria Temrukowna (Temrinkowna) von Tscherkessien (russ. Мари́я Темрюко́вна, † 1. September 1569), der Tochter des Fürsten Temrink (Temrjuk) Tscherkasski, die er am 21. August 1561 ehelichte, hatte er den Sohn.

  • Wassili (russ. Васи́лий * 21. März 1563, † 3. Mai 1563, ertrunken, da sein Kindermädchen ihn versehentlich fallen ließ)

Seine dritte Frau Marta Wassiljewna Sobakina (russ. Ма́рфа Василье́вна Собаки́на, † 13. November 1571) starb zwei Wochen nach der Eheschließung am 28. Oktober 1571, möglicherweise an Gift.

Von seiner vierten Frau Anna Iwanowna Koltowskaja (russ. А́нна Ивано́вна Колто́вская, † 5. April 1626), die er am 28. April 1572 ehelichte, ließ er sich 1573 scheiden und sie in ein Kloster bringen.

Anna Grigorjewna Wassiltschikowa (russ. А́нна Григорье́вна Васильчико́ва, † 7. Januar 1579) war seine fünfte Frau seit 1575. Er verstieß sie nach nicht einmal einem Jahr mit Verbannung in ein Kloster und heiratete

1579 seine sechste Frau Wassilissa Melentiewa (russ. Васили́са Меле́нтьева) im selben Jahr. Da sie sich einen Liebhaber zulegte, wurde sie ebenfalls in ein Kloster verbannt, der Geliebte gepfählt.

Wassilissa Melentjewa und Iwan, Gemälde von Nikolai Wassiljewitsch Newrew (1830-1904)

Maria Dolgorukaja (Мари́я Долгору́кая) war seine siebte Frau. Da sie keine Jungfrau mehr war, ließ Iwan sie anderntags ertränken.

In achter und letzter Ehe vermählte er sich im September 1580 mit Maria Fjodorowna Nagaja (russ. Мари́я Фёдоро́вна Нага́я, † 20. Juli 1612), Tochter des Fjodor Nagai. Sie wurde die Mutter seines letzten Kindes, des Prinzen

  • Dmitri (russ. Дми́трий, * 19. Oktober 1583, vermutlich ermordet am 15. Mai 1591)

Als dieser gaben sich später die sogenannten Pseudodimitris (Pseudodimitri I., Pseudodimitri II.) aus. Mutter und Sohn wurden nach Iwans Tod von Boris Godunow nach Uglitsch verbannt.

Iwans Ende

Iwan litt zeitlebens unter Stimmungsschwankungen und Depressionen. Er starb am 18. März 1584. In seinen letzten Lebensjahren soll er Trost bei Hexen und Zauberern gesucht haben und heulend durch sein Schloss gelaufen sein. Es gibt die Theorie, dass Iwan möglicherweise einem Mordkomplott zum Opfer fiel. Danach sollen sich Boris Godunow, Bogdan Belski und der in Belskis Diensten stehende englische Arzt Johann Eiloff gegen den Zaren verschworen haben. Den Grund sehen russische Historiker darin, dass Godunow vehement gegen die von seinem damaligen englischen Leibarzt Robert Jacob vorgeschlagene Heiratsabsicht Iwans gewesen sein soll, die Nichte Elisabeth I., Mary Hastings, zu ehelichen[5]. Diese Verbindung, so die Sorge der Verschwörer, hätte den Einfluss der englischen Krone auf das russische Reich bedeutend verstärkt und die Rechte des schwachsinnigen Fjodor I., der mit einer Schwester Godunows verheiratet war, beschneiden können. Belski, dem der Zar die Aufsicht über die Ärzte bei Hofe überantwortet hatte, soll sich vor Iwans Jähzorn gefürchtet haben. Da Iwans Tod bereits gewahrsagt worden war und die Mediziner dieser Prognose zuzustimmen schienen, hatte Belski Angst, Iwan diese Nachricht zu vermitteln. Iwan jedoch erfuhr von der Prophezeiung und rächte sich an den Wahrsagern durch den Tod auf dem Scheiterhaufen. Auch Belski wäre streng zur Rechenschaft gezogen worden.

Einige Historiker bezweifeln jedoch, ob es tatsächlich zu den Hinrichtungen kam, oder ob Iwan nur mit ihnen drohte. Andere hingegen erklären Iwans Drohung damit, dass er sich an seinem gewahrsagten Todesdatum wieder kräftiger fühlte und so die „lügenhaften“ Sterndeuter überführt zu haben glaubte. Die Statuierung eines Exempels erschien ihm angebracht.[6] Nach in Moskau aufgefundenen Dokumenten soll sich Iwan mit dem Schwiegersohn des Hofdiakons, Rodion Barkin, zum Schachspiel niedergelassen haben (Grey nennt Belski als Schachpartner[6]), Godunow und Belski waren in einem Nebenzimmer anwesend. Als dem Zaren übel wurde und er hinfiel, sollen Godunow und Belski das Durcheinander ausgenutzt haben, um Iwan zu erwürgen. Ein vorher durch Eiloff auf Belskis Geheiß Iwan beigebrachtes Gift habe, so die Moskauer Historiker, den Schwächeanfall ausgelöst. Eine 1963 in der Erzengel-Michael-Kathedrale des Moskauer Kreml durchgeführte Analyse der sterblichen Überreste Iwans wies übereinstimmend mit dieser Theorie erhöhte Quecksilbermengen auf. Es könnte daher sein, dass Iwan längere Zeit schon schleichend vergiftet wurde, bis man ihm die einmalig hohe Dosis beibrachte.[7]

Iwan ließ sich in der Erzengel-Michael-Kathedrale, der Begräbniskirche der Moskauer Fürsten, als Mönch Jona neben zweien seiner Söhne (Wassili und Iwan) beisetzen, hinter einer Wand verborgen. Er hinterließ neben seinem fürchterlichen Ruf und prunkvollen Kathedralen wie der Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale (Dreifaltigkeitskloster) in Sergijew Possad oder der Basilius-Kathedrale am Moskauer Roten Platz seinen geistesgestörten Sohn und Nachfolger Fjodor, der nie allein regierte, eine gefüllte Schatzkammer, das Buch seiner guten Taten und Schätze und die Zeit der Wirren – einen fast 30 Jahre währenden Bürgerkrieg.

Der Schreckliche

Der deutsche Beiname „der Schreckliche“ ist nicht die adäquate Übersetzung der russischen Bezeichnung. Iwans Beiname lautet im Russischen groznyj, was der „Dräuende“, der „Strenge“, „der Furchteinflößende“ bedeutet. Doch schon zu Lebzeiten Iwans verbreitete sich an westeuropäischen Höfen sein furchtbarer Ruf, der zu der Bezeichnung „der Schreckliche“ führte. Seit einer aufgedeckten Bojarenverschwörung gegen seine Mutter war Iwan mit einem krankhaften Misstrauen gegen fast jedermann erfüllt. Schon als Kind zeigte sich bei Iwan der Hang zum Choleriker und Sadismus gegenüber Tieren, gefördert durch die grausame und unmenschliche Behandlung seitens der Bojaren nach seiner Mutter Tod.

Nach dem Verlust seiner ersten Frau Anastasia Romanowna Sacharjina im Jahre 1560, des einzigen Menschen nach seiner Mutter, den er wirklich liebte, schlug er vor versammeltem Hofstaat seinen Kopf gegen die Wand bis er blutete, schrie und tobte wie ein Rasender. Seine Gemütsschwankungen, seine Launenhaftigkeit und sein Jähzorn, auch gegen sich selbst, traten damit deutlicher und extremer denn je zu Tage. Iwan heiratete nach seiner zweiten Frau fünf (sechs) Frauen innerhalb von neun Jahren (1571–1580). Sie starben entweder eines ungeklärten Todes oder wurden von ihm verstoßen und in ein Kloster verbannt. Aus seinem tiefen Misstrauen heraus, das auch vor seinen Gemahlinnen nicht halt machte, belauschte er diese im Schlaf in der Hoffnung, dass sie reden und ihre wahre Meinung über ihn verraten.

Zwischen 1563 und 1575 suchten neun Massenexekutionen Russland heim, zu deren Durchführung (und für andere Vorhaben) er eine eigene Spezialtruppe, die „Opritschniki“, gründete. Es war eine berittene „Bande“ mit Besen (Reinigung) und Hundekopf (Unterwürfigkeit und Spürsinn) als Abzeichen, deren Mitglieder sowohl Leibwächter wie Spitzel, Häscher wie Henker waren – vergleichbar mit manchen Geheimdiensten der Diktaturen des 20. Jahrhundert. Die Opritschniki verbreiteten eine wahre Schreckenswelle im ganzen Land und waren seine Handlanger bei der Ermordung der Bevölkerung zu Tausenden. Sie unterstanden ihm unmittelbar und wurden zu einem Staat im Staat.

Berichtet werden diverse Beispiele seiner kaum überbietbaren Grausamkeit, speziell in der zweiten Hälfte seiner Herrschaft. So ließ er am 25. Juli 1570 auf dem Hauptplatz in Moskau (dem Vorgänger des heutigen Roten Platzes) eine Massenhinrichtung der grausamsten Art vornehmen. Große Teile der Bevölkerung haben aus Angst das Weite gesucht, so dass die Straßen wie ausgestorben wirkten. Seinen getreuen Kanzler Iwan Michailowitsch Wiskowaty (russ. Ива́н Михай́лович Вискова́тый) ließ er bei lebendigem Leibe von den Opritschniki unter ihrem Anführer Maljuta Skuratow (russ. Малю́та Ску́ратов) zentimeterweise zerstückeln. Die Anklage lautete auf dreifachen Hochverrat, im Zuge dessen der Angeklagte den polnischen König Sigismund II., den türkischen Sultan Selim II. und einen weiteren Herrscher, Devlet I. Giray, den Khan der Krim, um Hilfe gebeten und ersterem den Besitz von Nowgorod und den anderen Zutritt in das Land gewährt haben soll, was der ehemalige Kanzler als Verleumdung zurückwies. Sein Freund, Iwans Schatzmeister Nikita Funikow (Ники́та Фу́ников), wurde solange mit kochendem und eiskaltem Wasser begossen, bis dessen Fleisch sich von den Knochen löste. Nach vier Stunden waren 200 Menschen auf ähnlich grausame Art und Weise vor den Augen der verbliebenen Moskauer, die den Zaren aus Angst hochleben ließen, abgeschlachtet.[8]

Im Juli 1564 legte er selbst Hand an, als der junge Fürst Dmitri Obolenski einige tadelnde Worte sprach und Iwan ihm darauf ein Messer ins Herz stieß.[9] Peter Petrejus, ein deutsch-schwedischer Reisender und Russlandhistoriker des 17. Jahrhunderts, überlieferte: „Einmal ließ er einen Fürsten in ein Bärenfell einnähen und auf das Eis bringen. Als seine großen Hunde den vermeintlichen Bären in Stücke rissen, belustigte der Zar sich so sehr, dass er vor Freude nicht wusste, auf welchem Bein er stehen sollte.“[10] Einen Bojaren, der sich vor ihm in ein Kloster geflüchtet hatte, ließ er fesseln, auf ein Pulverfass setzen und in die Luft sprengen: „So kommt er dem Himmel und den Engeln näher!“ sagte Iwan.

Er soll Gefallen daran gefunden haben, sich besondere Foltermethoden auszudenken und dem Todeskampf seiner Opfer zuzusehen. Hierbei machte er auch vor seinen Bediensteten nicht halt, die er nach Laune dem Tod überantwortete. Pervertierter Großmut zeigte sich darin, dass er Wünsche seiner Untertanen in einem Korb sammeln ließ, um sie dann nicht zu erfüllen; ein zeitgenössisches Sprichwort lautet daher „Leg deinen Wunsch in Iwans Korb“. 1569 ließ er Nowgorod und Pskow von den Opritschniki einschließen und alle Bürger von Ruf niedermetzeln, öffentlich rösten oder verbrennen. Frauen und Kinder wurden gefesselt in den Wolchow geworfen, die nicht ertranken von Iwans Schergen mit Äxten erschlagen oder unter die Eisdecke gedrückt. Seit diesem Ereignis begannen seine Untertanen, ihn „Grosny“ (den „Strengen“) zu nennen, möglicherweise ein Euphemismus. Nach anderen Quellen sei der Name bereits während seiner einzigen militärischen Erfolge, der Eroberung der Khanate Kazan und Astrachan, aufgekommen, in der Form des „Furchteinflößenden“ gegenüber seinen Feinden – nicht als „Schrecklicher“ gegen sein eigenes Volk.[11]

Sein Totschlag an seinem Sohn Iwan, dem Zarewitsch, während eines von ihm selbst angestifteten Streites im Jähzorn, den er sofort zutiefst bereute, ist ein klares Beispiel für seine zerrüttete Wesensart. Aber er war nicht der letzte Zar, der seinen eigenen Sohn und Nachfolger tötete (Peter I.). Iwan hatte nach dieser Tat vermerkt: „Von Adam an bis zu diesem Tag habe ich sämtliche Sünder übertroffen. Bestialisch und verdorben habe ich meine Seele besudelt.“

Auch rühmte er sich, angeblich über 1.000 Jungfrauen vergewaltigt und anschließend die daraus entstandenen Kinder abgeschlachtet zu haben, so lautet zumindest ein Mythos der katholischen Propaganda aus dem 16. Jahrhundert. Eine reale Grundlage dieses Mythos ist die Wahl der zaristischen Braut.

Werke über Iwan

Wiktor M. Wasnezow: Zar Iwan der Schreckliche

Die Figur Iwans des Schrecklichen bot reichen Stoff für Künstler. Die Historienmaler des ausgehenden 19. Jahrhunderts wie Wiktor M. Wasnezow und Ilja J. Repin präsentierten ihn in opulenten Ölgemälden. Rimski-Korsakows Opern spielen in Iwans IV.

Epoche:

  • Das Mädchen von Pskow und
  • Die Zarenbraut

Alexei Konstantinowitsch Tolstoi schuf das 1867 uraufgeführte Drama

  • Der Tod Iwans des Schrecklichen.

Alexei Nikolajewitsch Graf Tolstoi schrieb unter Stalin einen Roman unter dem Titel

  • Zar Iwan der Schreckliche.

Im deutschsprachigen Raum dürfte Sergei Eisensteins Film

am bekanntesten sein, zu diesem komponierte Sergei S. Prokofjew die Filmmusik

Denkmäler

Der Bildhauer Markus Antokolski schuf nach um 1870 eine Bronzestatue des Zaren Iwan des Schrecklichen, die im Museum Alexanders III. ausgestellt wurde. Eine erste Wiederholung des Standbildes in Marmor wurde 1871 in der Eremitage in St. Petersburg aufgestellt. Eine zweite Kopie gelangte in das Kensington-Museum in London.

Literatur

  • Dumschat, Sabine: Ausländische Mediziner im Moskauer Russland. Franz Steiner Verlag GmbH, Stuttgart 2006, ISBN 3-515-08512-2
  • Grey, Ian: Iwan der Schreckliche – Die Biographie. Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek 1988; Patmos Verlag GmbH & Co. KG Albatros Verlag, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96064-9 (Originalausgabe: Ivan The Terrible. Hodder & Stoughton Ltd., London 1965)
  • Jena, Detlef: Ivan IV. Wassiljewitsch – der Schreckliche 1547–1584 in: Die russischen Zaren in Lebensbildern Verlag Styria, Graz, Wien, Köln 1996, ISBN 3-222-12375-6
  • Kämpfer, Frank: Ivan (IV.) der Schreckliche 1533–1584 in: Torke, H.-J. (Hrsg.): Die russischen Zaren: 1547–1917 Beck Verlag, München 1995, S. 27-49, ISBN 3-406-38110-3
  • Kappeler, Andreas: Ivan Groznyj im Spiegel der ausländischen Druckschriften seiner Zeit. Ein Beitrag zur Geschichte des westlichen Russlandbildes. Zürich 1972
  • Mortimer, John (Hrsg.): Mirror or Literature, Amusement, and Instruction. London, 1843 (Eine Sammlung hist. Erzähler, biographischer Memoiren, Sitten und Gebräuche, topographischer Beschreibungen, Kurzgeschichten und Erzählungen, Anekdoten)
  • Neumann-Hoditz, Reinhold: Iwan der Schreckliche. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1990, ISBN 3-499-50435-9
  • Petrejus de Erlesund, Peter: Historien und Bericht im Großfürstenthumb Muschkow. Leipzig 1620
  • Skrynnikow, Ruslan G.: Iwan der Schreckliche und seine Zeit. C. H. Beck Verlag, München 1992, ISBN 3-406-36492-6
  • Torke, Hans-Joachim: Die russischen Zaren 1547–1917. C. H. Beck-Verlag, 3. Aufl., München 2005, ISBN 3-406-42105-9

Zur Quellenlage bei Iwan dem Schrecklichen

  • Graham, Hugh: How do we know what we know about Ivan the Terrible? (A paradigm) in: Russian History 14 (1987), S. 179–198.

Weblinks

Quellen

  1. Ivan IV „the Terrible“ of Russia, zuletzt aufgerufen 2009-04-19
  2. Die Enzyklopädie Brockhaus, die russische Ausgabe, St.-Petersburg, 1890–1897
  3. Russische Annalen berichten über 40 Angriffe der Khanate Kazan auf den Nord-Osten Russlands in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts. Vollständige Sammlung der russischen Annalen. St. Petersburg, 1908 und Moskau, 2001, vol.13
  4. Соловьев, С. М. История России с древнейших времен, книга III,1463–1584, М. 2001
  5. Sabine Dumschat: Ausländische Mediziner im Moskauer Russland
  6. a b Ian Grey, Iwan der Schreckliche – die Biographie (bibliographische Angaben s. Quellen), S. 304
  7. Urania, Populärwissenschaftliche Monatsschrift, hrsg. vom Präsidium der URANIA und vom Kulturbund der DDR, ISSN 0049-562X, Ausgabe 7/80; S. 71 f., unter Berufung auf Наука и Жизнь, Москва, 1/80,
  8. John Mortimer (Hrsgg.): Mirror or Literature, Amusement, and Instruction. London, 1843; S. 360 ff
  9. Ian Grey: Ivan der Schreckliche – Die Biographie
  10. Peter Petrejus: Historien und Bericht im Großfürstenthumb Muschkow. Leipzig 1620
  11. Hans-Joachim Torke: Die russischen Zaren 1547–1917


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