Jose Artigas

Jose Artigas

José Gervasio Artigas (* 19. Juni 1764 in Montevideo; † 23. September 1850 in Ibiray bei Asuncion (Paraguay) war ein uruguayischer General, Freiheitskämpfer und Politiker. Er ist in Uruguay ein Nationalheld und wird auch als „Vater der Unabhängigkeit Uruguays“ bezeichnet. Die Titel „Jefe de los Orientales“ (Führer der Östlichen) und „Protector de los Pueblos Libres“ (Beschützer der Freien Völker) erhielt er wegen seiner Verdienste an der Revolution am Rio de la Plata gegen die Kolonialherrschaft und der Bildung der Bundesstaaten.

José Gervasio Artigas

Inhaltsverzeichnis

Von der Kindheit bis zur Militärzeit

Artigas wurde in Montevideo geboren als Sohn des Polizeioffiziers Martin José Artigas und seiner Frau Antonia Arnal Rodrígez. Die Artigas waren Nachkommen der Inka-Herrscherfamilie Pachacuti. Sein Großvater war einer der ersten Siedler Montevideos. José Gervasio erhielt die Grundschulausbildung im Franziskanerkloster von St. Bernardino. Mit 12 Jahren ging er auf die familieneigenen Ländereien in die Banda Oriental. Er bekam dort engen Kontakt zu den Gauchos und lernte das Reiten und den Umgang mit Waffen. Auch beteiligte er sich an illegalen Tätigkeiten, wie dem Schmuggel an der Grenze zu Brasilien und dem Viehdiebstahl. Er lebte im Norden des Landes mit Frau und Sohn am Río Negro in engem Kontakt zu den Ureinwohnern, den Charrúas. Mit dreiunddreißig Jahren, 1797, nahm er eine Amnestie in Anspruch und trat in das Korps von Blandengues, eine besondere Miliz des Vicekönigtums Río de la Plata, ein, um die Grenze zu Brasilien zu schützen. Er traf dort auf einen aus Montevideo stammenden Afrikaner, Joaquín Lenzina, der in portugiesische Gefangenschaft geraten war. Artigas kaufte ihn aus der Sklaverei frei. Lenzina, bekannt als „der schwarze Ansina“, begleitete ihn sein Leben lang als sein bester Freund, Kriegskamerad und Chronist.

Teilnahme am Freiheitskampf

Satellitenbild vom Rio de la Plata

Artigas hatte wesentlichen Anteil an der Gründung der Stadt Batovy im Gebiet Misiones Orientales. Von 1806-1807 beteiligte er sich am spanischen Widerstand gegen die britische Invasion am Rio de la Plata. Für seinen Einsatz zur Befreiung von Montevideo und Buenos Aires wurde er zum Kapitän der Miliz und wenig später zum Adjudantmajor ernannt. Bei einer weiteren Schlacht kam Artigas in englische Gefangenschaft und sollte nach England verschifft werden. Wegen einer Verwundung wurde davon Abstand genommen. Wegen Napoleons Eingriff in die spanische Innenpolitik mit der Abdankung König Karl IV. war die spanische Macht in den Kolonien geschwächt. Im Vizekönigreich Rio de la Plata kam es am 25. Mai 1809 zum ersten Aufstand in der Stadt Chuquisaca. Am 25. Mai 1810 wurde der Vizekönig Cisneros in Buenos Aires abgesetzt. An seine Stelle trat ein gewählter Rat als Folge der Mairevolution. Die spanische Regierung verlegte ihren Sitz nach Montevideo. Artigas stand noch in spanischen Diensten und sollte einen Volksaufstand in der Banda Oriental niederschlagen. Die örtlichen Anführer bereiteten ihm eine Niederlage. 1811 kam der neue Vizekönig, Francisco Javier de Elío, nach Montevideo und in Unkenntnis der tatsächlichen Kräfteverhältnisse erklärte er dem Rat in Buenos Aires am 13. Februar 1811 den Krieg. Bereits im August 1810 hatte der Sekretär des Rates, Mariano Moreno, unter anderen Artigas angeschrieben und ihm im Falle einer Desertierung weit gehende Vollmachten angeboten. Artigas ging darauf ein und wurde vom Rat als Oberstleutnant mit 150 Soldaten nach Banda Oriental geschickt, um einen Volksaufstand zu organisieren. Mit dem „Aufruf von Mercedes“ am 11. April 1811 ergriff Artigas die Befehlsgewalt der Revolution in der Banda Oriental. Am 18. Mai 1811 schlug er die Spanier in der Schlacht von Las Piedras und ließ sich in Montevideo zum „Primer Jefe de los Orientalis“ feiern. Nach Maroñas wurde 1812 der Nationalkongress einberufen. Dort rief Artigas die Provincia Oriental aus. Artigas unterschrieb für den Rat in Buenos Aires den Waffenstillstandsvertrag mit dem Vicekönig Elío. Dem Vertrag zufolge musste er aus der Banda Oriental und Montevideo seine Truppen zurückziehen.

Östlicher Exodus

Die Fahne von Artigas

Artigas ging mit seinen Anhängern an das westliche Ufer des Flusses Uruguay. In der uruguayischen Geschichtsschreibung wird dies als „östlicher Exodus“ bezeichnet. In der Provinz Misiones, nördlich der heutigen Stadt Concordia, legte Artigas im Januar 1812 mit 16.000 Personen, Ausrüstung und Vieh sein neues Lager an. Von dort hielt er Kontakt zu den Führern von Entre Rios und Corriente und schuf damit eine Basis für seinen Einfluss auf die Territorien im argentinischen Küstengebiet. Zu Beginn des Jahres 1812 endete der Waffenstillstand. Die Aufständischen unter Manuel de Sarratea, ein Konkurrent von Artigas, besetzten Montevideo erneut. Erst nach dem Rückzug Sarrateas konnte Artigas in Montevideo einziehen.

Der Fluss Uruguay
Der Fluss Uruguay nördlich von Uruguay als Grenzfluss zwischen Argentinien und Brasilien

Anfänge des Föderalismus

Länder am Rio de la Plata

Aus dem Lager von Artigas wurden Abgeordnete gewählt, die 1813 an der konstituierenden Versammlung in Buenos Aires teilnahmen. Sie erhielten von ihm Instruktionen, die Folgendes aussagten: Erklärung der Unabhängigkeit, zivile und religiöse Freiheit, eine föderative politische Ordnung, selbstständige Bundesstaaten, Buenos Aires sollte nicht der Sitz der Zentralregierung sein. Die Versammlung lehnte seine Vorschläge ab, weil sie aus einem Militärlager kamen und die Versammlung sich für souverän erklärte. General José Rondeau ließ neue Abgeordnete wählen, die gegen Artigas argumentieren sollten. Artigas zog sich verärgert zu seinen Anhängern am Fluss Uruguay zurück. Von dort führte er einige Feldzüge in das Innere der Banda Oriental und Entre Ríos. Eine gegen ihn gesandte Expedition schlug er in Entre Ríos. Darauf unterschrieb der Oberste Direktor der Vereinten Provinzen am 11. Februar 1814 eine Verordnung, in der Artigas zum „Verräter des Vaterlandes“ erklärt wurde. Es hieß darin im Artikel 1: Don Jose Artigas wird für ehrlos erklärt, seiner Ämter enthoben, er ist vogelfrei und ein Feind des Vaterlandes. Artikel 2: Er wird als Verräter am Vaterland verfolgt und im Falle des Widerstands getötet. Artikel 3: Alle Völker, die Gerichte, die militärischen Kommandeure und die Bürger in den vereinten Provinzen verfolgen den Verräter mit allen möglichen Mitteln. Jede Hilfe, die man ihm gibt, gilt als Hochverrat. Wer Artigas lebend oder tot übergibt, bekommt eine Belohnung von tausend Pesos.

Bürgerkrieg und Liga Federal

1814 organisierte sich die Liga der freien Völker und Montevideo entzog sich der Kontrolle der verbündeten Unitarier in Buenos Aires. In den folgenden Monaten entwickelte sich ein Bürgerkrieg zwischen den Anhängern von Artigas in Corrientes, Entre Rios und Provincia Oriental gegen die Führung der vereinten Provinzen. Artigas behielt die Oberhand. Eine Provinz nach der anderen löste sich aus der Vormundschaft der Unitarier in Montevideo. Sein neues Heerlager richtete Artigas im Mai 1815 in Purificación del Hervidero, in der Nähe der heutigen Stadt Salto, ein. Es verwandelte sich faktisch zur Hauptstadt der Liga Federal. Die Truppe von Artigas bestand aus ungefähr 1.500 Kämpfern. Es waren meistens Indios, die aus abgewirtschafteten jesuitischen Niederlassungen kamen, sehr anspruchslos und kampfbereit waren. Artiges rief am 29. Juni 1815 zum „Kongress der freien Völker“ in Concepción. Es sollten Probleme der politischen Organisation, des Handels, der Beziehungen mit dem Ausland, der Landwirtschaftspolitik und der Beziehung zu den übrigen Ländern des ehemaligen Vizekönigreiches behandelt werden. Auf diesem Kongress erklärten sich die Provinzen Banda Oriental, Córdoba, Corrientes, Misiones und Santa Fe „von aller fremden Macht“ unabhängig.

Exil

Artigas im Alter

Die Vereinigung brach 1816 zusammen, als die Portugiesen die Provinzen besetzten. Die Regierung in Buenos Aires sah tatenlos zu. Artigas wehrte sich militärisch 4 Jahre und musste 1820 nach der verlorenen Schlacht von Tacuarembó nach Paraguay flüchten. Der paraguayanische Diktator Dr. Francia verbannte ihn nach Candelaria. Nach langem Exil, ohne Uruguay wieder zu betreten, starb Artigas am 23. September 1850 in Ibiray bei Asunción.

Visionen

Artigas bewunderte die Vereinigten Staaten von Amerika und nahm sich die amerikanische Verfassung zum Vorbild. Er wollte die Provinzen am Rio de la Plata zu einem Bundesstaat zusammenführen. Die Regierung in Buenos Aires strebte einen Zentalstaat an. Sie spielte mit dem Gedanken, nach europäischem Vorbild, einen Monarchen an die Spitze zu stellen. Das alles verstieß gegen die Grundüberzeugung von Artigas.

Ehrung

Artigas wird heute in Uruguay als Nationalheld verehrt. Uruguay prägte viele Münzen mit dessen Porträt. Standbilder von Artigas stehen in Montevideo, Santiago de Chile, Minnesota, Newark (New Jersey), Lower Manhattan, New York und Washington. Eine ausgestorbene große Nagetierart erhielt nach einem Fossilienfund in Uruguay den Namen von José Artigas: Josephoartigasia.

Quelle


Literatur

  • John Street: Artigas and the Emancipation of Uruguay., Verlag: Cambridge University Press, o. O. 1971, ISBN 0521065631

Weblinks



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