K-152

K-152

K-152 ist ein russischer Mehrzweck-U-Kreuzer der Щука-Б Klasse. Nach dem Bezeichnungssystem der NATO handelt es sich um ein Jagd-U-Boot der Akula-Klasse.

Daten
Herkunftsland Russland
Typ Jagd-U-Boot, Akula-Klasse
Stapellauf 2006
Bauwerft Komsomolsk am Amur
Technische Daten
Länge 113,2 m
Breite 14,2 m
Tiefgang 9,6 m
Druckkörper Zweihüllenboot, aus nichtmagnetischem Stahl
Verdrängung (aufgetaucht) 9.500 t
Verdrängung (getaucht) 12.770 t
Geschwindigkeit

(über Wasser)

15 kn
Geschwindigkeit

(unter Wasser)

maximal 33-37 kn

maximal 5 kn (mit Schleichfahrtmotoren)

Max. Tauchtiefe 520-600 m
Besatzung 73 Mann (33 Offiziere)[1]

Inhaltsverzeichnis

Bau

Das Schiff wurde am 31. Januar 1991 in die Bestandsliste der Seekriegsflotte aufgenommen und am 28. April 1992 als Jagd-U-Boot des Projektes 971U (NATO-Bezeichnung Akula)ausgewiesen. In der Marinewerft Amurski Sudostroitelny Zawod (russ: Амурского судостроительного завод) in Komsomolsk am Amur verschweißten Schiffbauer die ersten Sektionen am 31. August 1993 - die Kiellegung der Baunummer 518, der späteren Nerpa. Entsprechend dem Befehl des Oberkommandos der Seekriegsflotte vom 13. April 1994 verlieh man dem U-Boot den Namen Nerpa (Robbe, russisch: Нерпа) und das Boot bekam die taktische Nummer K-152. Am 4. Dezember desselben Jahres übernahm das Boot die Flagge von K-56 (Projekt 675).

K-152 ist das zweite russische U-Boot mit dem Namen Nerpa. Die erste Nerpa war ein U-Boot der Morzh-Klasse, welches am 28. September 1913 vom Stapel lief und 1914 in den Dienst der russischen Kriegsmarine gestellt wurde. Es diente während des ersten Weltkrieges im Schwarzen Meer, bis es 1917 zur Überholung in die Werft von Nikolajew kam. Die Arbeiten konnten wegen eines Mangels an Ersatzteilen erst 1922 beendet werden und das Boot wurde am 3. Juni 1922 unter dem neuen Namen Politruk wieder in Dienst gestellt. Im Jahr 1923 wurde es Nr. 11 benannt und am 3. Dezember 1930 außer Dienst gestellt. Im Februar 1931 wurde es als Schrott verkauft.[2]

Wegen Geldmangels wurde der Weiterbau von K-152 am 4. Dezember 1997 nach einigen Unterbrechungen komplett eingestellt. Erst am 30. Januar 2002 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war das Boot zu 68 Prozent fertiggestellt.[3] 2004 erfolgte die Umklassifizierung zum Projekt 971I. Nachdem ein russisches Rettungs-U-Boot der Pris-Klasse 2005 havarierte, wurde an Bord des K-152 eine modifizierte Rettungskapsel installiert. Außerdem bekam das Boot Feuerleitanlagen und Sonarsysteme wie sie auch auf der K-335 Gepard (Projekt 971M, NATO: Akula II) installiert sind. Mitte des Jahres 2006 lief das Boot vom Stapel.

Erprobung

Die Erprobungsphase begann am 11. Juni 2008.[4]

Nach Aussage eines Ingenieurs der Instandsetzungswerft für nuklearbetriebene U-Boote 'Stern' kam es im Sommer 2008 zu einer Fehlfunktion des Feuerlöschsystems, die Ingenieure der Testkommission hätten das Problem danach aber behoben.[5] Ende Oktober 2008 lief K-152 Nerpa zu einer Testfahrt ins Japanische Meer aus.[6] An Bord befanden sich nach offiziellen Angaben insgesamt 208 Personen, davon 81 russische Seeleute. Ein Besatzungsmitglied gab an, es hätten sich sogar 224 Personen an Bord befunden.[7][8] Im Zusammenhang mit der vorgesehenen Nutzung des Bootes durch die indischen Seestreitkräfte erklärte deren Sprecher, Nirad Sinha, es hätten sich keine Inder an Bord befunden.[9] Am 30. Oktober 2008 wurde die erste Tauchfahrt erfolgreich absolviert.[10][11]

Am 8. November 2008 löste das Feuerlöschsystem LOCH (russ. ЛОХ, Лодочная Объемная Химическая защита / Transkription Lodotschnaja Objomnaja CHimitscheskaja saschtschita; dt.: chemischer Bootsraumschutz) unerwartet aus und setzte in den beiden vorderen Sektionen Freon-Gas frei.[12] Dadurch starben 20 Menschen, darunter 17 zivile Techniker, einschließlich des Leiters der Testkommission.[13][14][15] Mindestens 20 weitere Personen erlitten während des Vorfalls Vergiftungen.[16] Nach dem Unfall kehrte die Nerpa zurück und legte am 9. November 2008 in Bolschoi Kamen an.[17] Die Verletzten wurden in Krankenhäuser in Wladiwostok und der Region Primorje eingeliefert.[18]

K-152 Nerpa ist ausgestattet mit einer Feuerlöschanlage der kürzlich eingeführten dritten Generation, die bei Rauchentwicklung oder erhöhter Temperatur selbsttätig Freon-112 freisetzt. Der Vorsitzende des Sankt Petersburger Vereins der U-Boot-Fahrer, Kapitän zur See Igor Kurdin, erklärte, es sei bereits mehrfach zu Fehlfunktionen dieser Systeme gekommen und manche Kommandanten würden die Automatik deaktivieren.[19] Laut russischen Angaben waren 220 tragbare Atemgeräte an Bord der Nerpa.

Am 13. November erklärte der Sprecher der Untersuchungskommission der russischen Generalstaatsanwaltschaft, Wladimir Markin, ein Matrose hätte gestanden, das Feuerlöschsystem grundlos und ohne Befehl aktiviert zu haben. Gegen ihn sei ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags eingeleitet worden, die Untersuchungskommission würde ihre Arbeit aber fortsetzen und die Rolle und mögliche Schuld anderer Personen prüfen. Bei der Untersuchung hätten sich keine Hinweise auf einen technischen Defekt des Feuerlöschsystems ergeben.[20][21] Die Sprecherin der Schiffsbauwerft sagte am selben Tag gegenüber der russischen Presseagentur RIA Novosti, die Testfahrten sollten nach Abschluss der Ermittlungen und „aller technischer Maßnahmen“ mit den Überlebenden des Übergabeteams wieder aufgenommen werden.[22]

Leasinggeschäft mit Indien

Internationale Verträge verbieten den Verkauf von Kernwaffenträgern, nicht jedoch deren Vermietung oder Leasing. Nach längeren Verhandlungen vereinbarten Russland und Indien 2004, während eines Indienbesuches durch den russischen Verteidigungsminister Iwanow, umfangreiche russische Waffenlieferungen an Indien, darunter ein Leasingprogramm, das zwei U-Boote und 4 Langstreckenbomber Tupolew Tu-22M beinhaltete.[23][24]

K-152 Nerpa sollte im Rahmen dieses Leasingprogramms für 10 Jahre an Indien übergeben werden, wofür Indien im Gegenzug 650 Mio. US-Dollar zahlen wollte. Die Übergabe des Bootes sollte am 15. August 2007 erfolgen. Die U-Boot-Werft, Amurski Sudostroitelny Zawod, verzögerte den Bau jedoch um 10 Monate und verlangte, den Preis auf insgesamt 785 Mio. US-Dollar zu erhöhen. Indien verweigerte die Mehrforderung und akzeptierte lediglich eine spätere Auslieferung, die nun am 15. Juni 2008 erfolgen sollte. Der Termin wurde danach abermals verschoben, diesmal auf Dezember 2009.[25] Seinen Dienst in Indien sollte K-152 unter dem Namen Chakra verrichten. Denselben Namen trug bereits zuvor ein russisches U-Boot, das an Indien verleast worden war: K-43 (Projekt 670) Skat.

Drei Besatzungen, insgesamt etwa 300 Mann, wurden in Russland in der Handhabung der U-Boote ausgebildet.[26] Für die Ausbildung der indischen Seeleute wurde in Sosnowy Bor ein eigenes Trainingszentrum eingerichtet, das auch für die Besatzungen von zukünftigen, in Indien gebauten, U-Booten weiterverwendet werden soll.[27]

Bewaffnung

Die Hauptbewaffnung bilden acht Torpedorohre: vier mit einem Kaliber von 533 Millimeter und vier mit 650 Millimeter. Außerdem gibt es noch sechs Abschussrohre vom Kaliber 533 Millimeter, die außerhalb des Druckkörpers liegen. Aus diesen können entweder Marschflugkörper RK-55 oder U-Bootabwehrraketen 91RE1 abgefeuert werden. Das Konstruktionsbüro Malachit beabsichtige einst, bei einem Kampfsatz von 34 Torpedos weitere 12 Marschflugkörper auf dem U-Boot unterzubringen. In der Torpedosektion war jedoch nur Platz für sechs Marschflugkörper, die aus den normalen 533-mm-Torpedorohren abgefeuert werden konnten. Kurzerhand entschied man sich, weitere sechs Abschussrohre außerhalb des Druckkörpers unterzubringen. Sie können zwar nur von außen, also im Hafen, nachgeladen werden, aber die Kapazität von 12 Marschflugkörpern wurde so ohne weitere Probleme erreicht. Meistens führt die Nerpa ohnehin nur sechs RK-55 in diesen Abschussrohren mit und kann so einen Kampfsatz von 40 Torpedos aufnehmen. Aus den 533-mm-Rohren werden Torpedos der Typen UGST, USET-80, RLUPR-86R, WA-111 Schkwal sowie U-Boot-Abwehrraketen RPK-6 Wodopad und Marschflugkörper RK-55 eingesetzt. Die 650-mm-Rohre können Torpedos der Typen 65-76 sowie U-Bootabwehrraketen RPK-7 Weter einsetzen.

Historisches

K-152 ist das zweite russische U-Boot mit dem Namen Nerpa. Die erste Nerpa war ein U-Boot der Morzh-Klasse, welches am 28. September 1913 vom Stapel lief und 1914 in den Dienst der russischen Kriegsmarine gestellt wurde. Es diente während des ersten Weltkrieges im Schwarzen Meer, bis es 1917 zur Überholung in die Werft von Nikolajew kam. Die Arbeiten konnten wegen eines Mangels an Ersatzteilen erst 1922 beendet werden und das Boot wurde am 3. Juni 1922 unter dem neuen Namen Politruk wieder in Dienst gestellt. Im Jahr 1923 wurde es Nr. 11 benannt und am 3. Dezember 1930 außer Dienst gestellt. Im Februar 1931 wurde es als Schrott verkauft.[28]

Schiffssysteme

  • Sonar (aktiv/passiv)
    • MGK-503M Skat-3, Minensuchsonar MG-70, Schleppsonar
  • Navigation
    • Navigationssystem Medwjedista-945
    • Radar: Überwassersuchradar Khiblis
  • Kommunikation
    • VLF-Komplex Parawan mit Antenne und Boje
    • Kampfkomplex Wspletsk
    • Satellitenkommunikationsystem Molnija-M
    • Unterwasserkommunikationsystem MGK-80
    • Satellitenverbindungssyteme Tsunami, Kiparis, Anis, Sintez und Kora

Antrieb

Fußnoten und Quellen

  1. http://www.snariad.ru/submarin/submarin_971/#
  2. Polmar, Norman; Noot, Jurrien. Submarines of the Russian and Soviet Navies, 1718-1990. Naval Institute Press, 1991. ISBN 0870215701
  3. К-152, "Нерпа" проект 971, 971И (ru)
  4. Indiens Marine mit neuem „Chakra“ RIA Novosti, 10. Juli 2008
  5. Система пожаротушения на "Нерпе" сломалась не в первый раз (ru)
  6. Neues russisches Atom-U-Boot auf hoher See erprobt
  7. U-Boot-Besatzung vom Gas im Schlaf überrascht NZZ online, 11. November 2008
  8. Люди на подлодке «Нерпа» умирали от удушья Twoj Dien, 11. November 2008 (rus)
  9. Indiens Militär wollte die "Nerpa" mieten
  10. Подлодка "Нерпа" в ходе испытаний провела первое погружение в море (ru)
  11. Russlands neues Atom-U-Boot absolviert erfolgreich ersten Tauchgang
  12. http://www.focus.de/politik/ausland/atom-u-boot-matrose-verursacht-gas-unfall_aid_348206.html Matrose verursacht Gasunfall, Focus.de, gesichtet 13.11.08
  13. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,589303,00.html Unglück bei Testfahrt, Spiegel.de, gesichtet 09.09.08
  14. http://www.rian.ru/incidents/20081109/154691012.html Люди на АПЛ погибли из-за попадания в легкие фреона - СКП РФ
  15. Accident on Russian nuclear sub suffocates 20 (en)
  16. http://www.interfax.ru/society/txt.asp?id=44487 "Это большое горе для всех", Interfax (russ.)
  17. Unglück im Pazifik: Havariertes U-Boot legte an - Ermittlungen eingeleitet
  18. Пострадавшие на АПЛ "Нерпа" в ближайшие дни могут вернуться домой (russ.)
  19. Это большое горе для всех (russ)
  20. Löschsystem auf U-Boot laut Ermittler von Seemann ausgelöst net-tribune, 13. November 2008, gesichtet am 13.11.2008
  21. Unglück auf U-Boot: Ein Matrose soll Schuld sein Russland-Aktuell, 13. November 2008, gesichtet am 13.11.2008
  22. Russisches U-Boot trotz tödlicher Panne bald wieder auf Testfahrt RIA Novosti, 13. November 2008, gesichtet am 13.11.2008
  23. Indien leiht Atom-Bomber von Russland Netzeitung, 20. Januar 2003
  24. Kampftechnik aus Russland auf der Waage des indischen Marktes russlandonline.ru
  25. Россия — США: война за Индийский океан Rosbalt Biznez, 29. Februar 2008 (russ.)
  26. "The sub total" Sandeep Unnithan in India Today, 21. August 2008, gesichtet am 03.09.2008
  27. Индия примет на вооружение российскую атомную подлодку Prawda, 30. Juni 2008 (russ.)
  28. Polmar, Norman; Noot, Jurrien. Submarines of the Russian and Soviet Navies, 1718-1990. Naval Institute Press, 1991. ISBN 0870215701

Weblinks


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