Kodependenz

Kodependenz

Der Begriff Co-Abhängigkeit ist abgeleitet von „Co-Dependency“ und wird häufig undifferenziert benutzt. In erster Linie sind Personen gemeint, die ein zwanghaftes Bedürfnis nach Zuwendung, Aufmerksamkeit und Bestätigung haben und ihr gesamtes Selbstwertgefühl von den Reaktionen ihrer Umwelt abhängig machen.

Häufig wird er im Bereich der Abhängigkeitserkrankungen verwendet, dort bezieht er sich auf Menschen, die mit Abhängigen zu tun haben, als Angehöriger, Freund oder professioneller Helfer [1] [2] [3]. In Fachkreisen wird auch von „Angehörigen von Suchtkranken“ gesprochen.

Ferner wird der Begriff häufig in Verbindung mit Beziehungssucht, Romanzensucht und Sexsucht verwendet.

Bei allen drei Gruppen gibt es untereinander Überschneidungen. Co-Abhängige müssen aber weder in Beziehungen leben noch müssen ihre Angehörigen Suchtproblematiken aufweisen.

Inhaltsverzeichnis

Symptome von Co-Abhängigkeit

Co-Abhängige orientieren sich in ihrem Handeln an Anderen. Manche Co-Abhängige machen andere Menschen zum Mittelpunkt ihres Lebens. Ihr eigenes Leben scheint ihnen unbedeutend und langweilig. Das Gefühl von Bedeutung erfahren sie in den Reaktionen ihrer Umwelt. Sie sind süchtig nach Anerkennung und opfern alles dafür, was bis zur völligen Selbstverleugnung gehen kann. Es wird immer die Opferrolle in Beziehungen (zu Partnern, Kollegen, Familienangehörigen und anderen) gesucht; meist eine Helfer-Rolle in aussichtsloser Position. So kommt es häufig vor, dass Co-Abhängige in Beziehungen zu süchtigen Menschen geraten, die sie „retten“ wollen. Dabei sehen sie sich meist als Märtyrer. Nicht selten ketten sie ihr eigenes Schicksal an das eines Anderen, möglichst ein „Verlierer“, mit dem sie dann mit „Wehenden Fahnen“ untergehen können. So kommt es z. B. zur völligen Überschuldung bei dem Versuch, einem Heroin-Süchtigen zu helfen, oder zum Burnout bei dem Versuch, die Firma durch Überstunden und völlige Verausgabung zu retten.

Da die Co-Abhängigkeit auch eine psychosomatische Erkrankung ist, können die körperlichen Symptome sehr vielfältig sein. Zum schon erwähnten Burnout über Adipositas (Fettsucht), Migräne, Beziehungssucht, Magersucht und Angstneurosen gibt es vielfältige Formen. Häufig ist es sehr schwer, die eigentliche Problematik dahinter zu erkennen.

Wann ist ein Mensch ein Co-Abhängiger?

Viele der oben genannten Symptome und Verhaltensweisen sind auch bei gesunden Menschen anzutreffen. Pathologisch ist es dann, wenn die Lebensqualität massiv beeinträchtigt ist, das Handeln als zwanghaft erlebt wird und letztlich auch die physische Gesundheit bedroht ist. Es verhält sich ganz ähnlich wie beim Alkoholismus: Das Glas zum Essen ist noch nicht das Problem. Erst wenn es zum Zwang wird, ist es höchstwahrscheinlich eine Erkrankung.

Ursache für Co-Abhängigkeit

Die Ursachen sind wie bei den meisten psychischen Erkrankungen schwer auszumachen. Alles spricht aber für das multifaktorielle Modell, also eine Mischung soziologischer Ursachen, kognitiver Ursachen und genetischer Dispositionen. Meist kommen Co-Abhängige aus dysfunktionalen Familien, was aber nicht immer der Fall sein muss. Allen gemein ist aber ein mangelndes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen.

Therapie von Co-Abhängigkeiten

Es gibt kein allgemeingültiges Verfahren. Viele Co-Abhängige finden eine bessere Möglichkeit, mit sich und ihrem Leben umzugehen, indem sie in Selbsthilfegruppen gehen, Kuren in psychosomatischen Kliniken oder ambulante Therapien machen. Einige können dann ein selbstbestimmteres und erfüllteres Leben erreichen. Dieses bedarf meist langer Jahre der Auseinandersetzung mit sich und dem eigenen Verhalten. Für einige bleibt dies ein lebenslanger Prozess. Ohne Hilfe sehen nicht wenige Co-Abhängige im Suizid ihre einzige Lösung oder gehen an den körperlichen Symptomen ihrer Krankheit zu Grunde.

Die Psychotherapeuten John Bradshaw und Bringfried Schröder von Droemer zeigen in ihrem Buch "Das Kind in uns: Wie finde ich zu mir selbst" (-> Inneres Kind) einen Weg auf, wie man therapeutisch mit Co-Abhängigen arbeiten kann. Ihr Modell basiert auf der Idee der inneren Teilpersönlichkeiten (dem inneren Kind, dem inneren Erwachsenen) und geht davon aus, dass auf Grund schmerzhafter Erlebnisse in der "realen" Kindheit, die liebevolle Verbindung zwischen dem "inneren Erwachsenen" und dem "inneren Kind" irgendwann unterbrochen wurde und dass es nun Aufgabe der Therapie sei, diese Verbindung wieder herzustellen.

Co-Abhängigkeit im Zusammenhang mit Abhängigkeitserkrankung

Der Abhängige, gefangen im Netz der Co-Abhängigen in Familie, Betrieb etc.

Im Zusammenhang mit einer Abhängigkeitserkrankung wird unter Co-Abhängigkeit verstanden, dass neben der abhängigen Person noch weitere Personen in die Abhängigkeit verwickelt sind. Im Umfeld der Alkoholkrankheit kennt man die Aussage, dass zu jedem der trinkt auch mindestens einer gehört, der es zulässt. In diesen Zusammenhang wird auch der Begriff „Co-Alkoholiker“ benutzt. - Entsprechendes gilt auch für andere Suchterkrankungen wie z.B, Tabletten, Heroin, Ess-Brech-Sucht (Bulimie).

Es stellt sich also die Frage, warum jemand die Beziehung zu einem Abhängigen nicht beendet, sondern sogar unterstützt, indem er ihm immer wieder sein Suchtmittel mitbringt oder mit Geld dafür aushilft. Die andere Variante ist die, dass Angehörige mit allen Mitteln versuchen, den Abhängigen zu manipulieren. Das Suchtmittel wird versteckt oder weggeworfen, der Abhängige wird regelmäßig mit Vorhaltungen konfrontiert. Co-Abhängige versuchen so, Einfluss zu nehmen und die Situation nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

Gründe können sein, dass der Co-Abhängige damit seine partiellen Minderwertigkeitsgefühle kompensieren oder soziale Anerkennung erhalten will (siehe auch Helfersyndrom). Diese Aussage trifft allerdings nicht immer zu und die Motivation einer Mutter, die etwa ihr Kind vor dem Untergang durch Drogen retten will, kann auch eine andere sein. Jedoch bleibt auch hier der Einflussbereich begrenzt, letztlich sind es die Abhängigen, die innerlich bereit sein müssen, Hilfe anzunehmen und von sich aus etwas an der Situation ändern zu wollen, um das selbstzerstörerische Verhalten zu beenden. Das manipulative Verhalten von Abhängigen verstrickt fast immer alle in co-abhängiges Verhalten, die längere Zeit im unmittelbaren Umfeld mit ihnen leben. Diese „Hilfsbereitschaft“, die auch fatal für beide Seiten enden kann, wird von außen häufig mit Anerkennung gesehen, weshalb der Co-Abhängige häufig seine Rolle bei der Unterhaltung der Abhängigkeit nicht erkennt.

Deshalb ist es bei der Behandlung von Abhängigen sinnvoll und wichtig, auch dessen Bezugspersonen (Partner, Familienangehörige, ...) mit in die Therapie einzubeziehen. So können sie erkennen, welchen Schaden sie genommen haben, welche Rolle sie übernahmen in diesem destruktiven Verhaltenskontext und wodurch sie die Abhängigkeit (latent) unterstützt haben. Viele der Selbsthilfegruppen verschiedener Abhängigkeiten bieten auch Hilfen (in eigenen Selbsthilfegruppen) für Angehörige oder Partner an. (Eine Liste befindet sich am Ende des Artikels zur Alkoholkrankheit.)

Neben dem Partner leiden auch Kinder einer Beziehung mit einem Abhängigen nicht unerheblich. So finden typischerweise immer wieder erhebliche Ausgrenzungen statt, besonders wenn es lautstarke und/oder rabiate Auseinandersetzungen gibt (nicht selten über Kleinigkeiten). Diesen stehen die Kinder meist sehr hilflos gegenüber.

Dies verhindert oft das Erlernen entsprechender Kompetenzen - z. B. die Beurteilung, wann und wie auf einen Anlass adäquat zu reagieren ist. Diese soziale Unsicherheit ist oftmals wiederum Ursache für die Abhängigkeitserkrankung der Kinder - ebenso wie die (noch immer nicht zweifelsfrei nachgewiesene) genetische Disposition.

Das Entstehen einer Co-Abhängigkeit im Zusammenhang mit Abhängigkeitskranken verläuft häufig in mehreren Phasen. [4]

Siehe auch:

Literatur

  • Anne Wilson Schaef, Co - Abhängigkeit. Nicht erkannt und falsch behandelt, Boegner-Kaufmann (1986), ISBN 3-925269-01-0
  • Monika Rennert, Co - Abhängigkeit. Was Sucht für die Familie bedeutet, Lambertus-Verlag; Auflage: 2., Aufl. (1990), ISBN 3-7841-0443-6
  • Pia Mellody , Andrea Wells Miller, J. K. Miller, Verstrickt in die Probleme anderer. Über Entstehung und Auswirkung von Co-Abhängigkeit, Kösel, Auflage (1991) ISBN 3-466-30309-5
  • Sally Chamberlaine, Jan Prince, Schritt für Schritt in die Unabhängigkeit. Wie Sie Ihre Klienten aus der Co- Abhängigkeit führen können, Junfermann (2001), ISBN 3-87387-366-4
  • Florian Eulenberger, Co-Abhängigkeit und ihre Auswirkung auf die Homöostase in der Partnerschaft, Diplomica (2005), ISBN 3-8324-8664-X
  • Reinhold Aßfalg, Die heimliche Unterstützung der Sucht: Co - Abhängigkeit, Neuland, Geesthach, 5. überarb. Auflage (2006), ISBN 3-87581-251-4
  • Erika J. Chopich und Margaret Paul, Aussöhnung mit dem inneren Kind, Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 5., Aufl. (2004); ISBN 3-548-35731-8
  • Thomas Trobe- Krishnananda, Liebeskummer lohnt sich doch- Co - Abhängigkeit in Beziehungen und die Ängste des inneren Kindes, Verlag: Schrodt; Januar 2000; ISBN 3-928256-70-X
  • Ambros Wehrli, Verhängnisvolle Abhängigkeiten in Beziehungen, BoD Verlag, ISBN 978-3-8334-8658-6
  • Tamara Pirschalawa, Niemandsland. Bis zur Selbstaufgabe, Belletris-Verlag, 2. überarb. Auflage (2008), ISBN 978-3-940808-05-9

Quellen

  1. uni-linz.ac.a
  2. uni-kl.de
  3. izb.fraunhofer.de
  4. uni-kl.de

Weblinks

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