Kǒng Zǐ

Kǒng Zǐ
Konfuzius, Darstellung aus dem 18. Jahrhundert
Konfuziusstatue im Dichtergarten München

Konfuzius – latinisiert aus 孔夫子, Kǒng Fūzǐ „Lehrmeister Kong“, chin. 孔子, Kǒng Zǐ, W.-G. K’ung-tzǔ „Meister Kong“, auch als Kung-tse[1] oder Kong-tse[2] transkribiert – war ein chinesischer Philosoph zur Zeit der Östlichen Zhou-Dynastie. Er lebte vermutlich von 551 v. Chr. bis 479 v. Chr. und wurde unter dem Namen Kong Qiu (Wade-Giles: K’ung Ch’iu) in der Stadt Qufu im chinesischen Staat Lu (der heutigen Provinz Shandong) geboren, wo er auch starb.

Das zentrale Thema seiner Lehren war die soziale Ordnung, die seiner Meinung nach durch Achtung vor anderen Menschen und Ahnenverehrung erreichbar sei. Als Ideal galt Konfuzius der „Edle“ (君子 junzi), ein moralisch einwandfreier Mensch. Edel kann der Mensch dann sein, wenn er sich in Harmonie mit dem Weltganzen befindet: „Den Angelpunkt zu finden, der unser sittliches Wesen mit der allumfassenden Ordnung, der zentralen Harmonie vereint“, sah Konfuzius als das höchste menschliche Ziel an. „Harmonie und Mitte, Gleichmut und Gleichgewicht“ galten ihm als erstrebenswert. Den Weg hierzu sah Konfuzius vor allem in der Bildung.

Inhaltsverzeichnis

Namensgeschichte

Kǒng Zǐ war Namensgeber für die im Westen als Konfuzianismus bekannten Lehren der Schule der Gelehrten. Sein eigentlicher Name war 孔夫子, Kǒng Fū Zǐ, (höflichere Anrede) zu Deutsch Meister Konfuzius. Die Endung „-us“ hat ihren Ursprung darin, dass seine Texte zuerst von Jesuiten ins Lateinische übertragen wurden. So wurde aus „Kǒng Fū Zǐ“ „Konfuzius“.

Die Familie Kong besteht weiterhin in gerader Linie und dürfte damit eine der ältesten nachgewiesenen Familien der Welt sein. Ein Nachfahre der 75. Generation lebt heute in Taiwan. Auch eine Familie Kong in Qufu führt ihren Stammbaum auf Konfuzius zurück. Aufgrund des Alters des Familienstammbaumes gibt es heute tausende Familien, die ihr Geschlecht direkt auf Kong zurückführen können. Am tempelartigen Anwesen von Kǒng Zǐ hat die Familie einen eigenen Friedhof, auf dem noch heute Angehörige beerdigt werden, die nachweislich der Familie Kong angehören.

Leben

Nach aktuellen Erkenntnissen

Konfuziusgrab am Ende des 19. Jahrhunderts

Zwei Jahre nach seiner Geburt, 551 v. Chr., in Lu, dem heutigen Shandong, starb sein Vater und der junge Konfuzius erhielt 539–533 v. Chr. Privatunterricht bei seinem Großvater. Mit 19 Jahren erfolgte die Heirat und in den Jahren 532–502 v. Chr. war er u. a. als Scheunenaufseher sowie anderen niedrigen Anstellungen tätig.

Seine Mutter starb 529 v. Chr. Nach einem angeblichen Treffen mit Laozi in Luoyang 518 v.Chr. musste er zwei Jahre später die Flucht vor internen Machtkämpfen ergreifen und Exil im Nachbarstaat Qi suchen. Nach seiner Rückkehr nach Lu begann etwa 500 v. Chr. der politische Aufstieg des Konfuzius. Er wurde zunächst Bauminister und dann Justizminister von Lu und schließlich 498 v.Chr. stellvertretender Kanzler.

497 v. Chr. nimmt Herzog Ding von Lu 80 Singmädchen als Geschenk des Nachbarstaates Qi entgegen, woraufhin Konfuzius abermals ins Exil geht. Nun beginnt eine 13-jährige Wanderschaft durch verschiedene Staaten. Er besucht nacheinander

  • 495 v. Chr. Staat Wei
  • 494 v. Chr. Staat Chen
  • 492 v. Chr. Wei, dann Jin
  • 490 v. Chr. Staat Cai
  • 489 v. Chr. Auseinandersetzungen zwischen Chen und Cai lassen Konfuzius fast verhungern
  • 488 v. Chr. Staat Wei

Erst 484 v. Chr. erfolgt die Zurückberufung nach Lu. Dort erlebt er 482 v. Chr. den Tod seines Sohnes Bo Yu und 481 v. Chr. den Tod von Yan Hui und die Ermordung des Herzogs von Qi. Dies wird auch als der Beginn der „Zeit der Streitenden Reiche“ bezeichnet. 480 v. Chr. stirbt sein Schüler Zilu auf dem Schlachtfeld und ein Jahr später stirbt auch Konfuzius selbst.

Nach den Historischen Annalen

Über das Leben und Wirken des Konfuzius informiert vor allem ein ausführliches Kapitel in den Historischen Annalen (Shiji) von Sima Qian, der Jahrhunderte später während der Han-Dynastie lebte und schrieb. Hier heißt es:

Die Vorfahren des Konfuzius waren die Könige von Shang, denen der König von Zhou nach dem Sturz der Shang-Dynastie das Lehen von Song gegeben hatte. Die Familie verarmte jedoch später. Bereits in früher Jugend verlor Konfuzius seinen Vater und wurde von seiner Mutter allein aufgezogen.

Mit 19 Jahren heiratete Konfuzius und trat in den Dienst des Staates Lu ein. Mit 50 Jahren soll es ihm gelungen sein, einen Ministerposten zu erlangen. Diesen Posten soll er jedoch bereits ein paar Jahre später wieder enttäuscht quittiert haben. Anschließend zog er mit seinen Schülern als Wanderlehrer von einem Lehnsstaat zum anderen und wirkte als Berater an verschiedenen Fürstenhöfen. Drei Jahre vor seinem Tod kehrte er in seinen Heimatstaat Lu zurück. Erfolg war ihm nicht beschieden. Erst seine Schüler bauten seine Lehre aus und gewannen Einfluss.

Dass es schwierig ist, ein klares Bild von Konfuzius zu zeichnen, liegt daran, dass er kein einziges schriftliches Werk hinterlassen hat. Seine Lehren wurden erst ca. 100 Jahre später von seinen Anhängern niedergeschrieben. Am meisten über seine Gedankenwelt erfahren wir aus den Gesprächen (Lúnyǔ) (chin. 論語 / 论语, in denen viele seiner Aussprüche überliefert sind.

Lehre

Wenn du einen Würdigen siehst, dann trachte ihm nachzueifern. Wenn du einen Unwürdigen siehst, dann prüfe dich in deinem Innern!

Der Edle

Das einflussreichste Werk der ostasiatischen Geistesgeschichte ist das Lúnyǔ. Es enthält die vier Grundbegriffe des Konfuzius:

  • Mitmenschlichkeit (, ren),
  • Gerechtigkeit (, yi),
  • Kindliche Pietät (, xiao)
  • und Riten ( / , li).

Das menschliche Ideal ist für Konfuzius der Edle, er strebt danach, die vier Tugenden zu verwirklichen. Dabei stellen diese für Konfuzius' lediglich ein Ideal dar, das niemals zu erreichen ist. Dies tritt in den Lúnyǔ ebenfalls hervor, wenn es über den Meister selbst heißt: „Ist das nicht jener Mann, der weiß, dass seine Ideen nicht zu verwirklichen sind, aber dennoch nicht davon abläßt?“[3] Auch Konfuzius selbst beansprucht nicht, dieses Ideal zu erfüllen (XIV,28):

„Konfuzius sprach: »Zum Weg des Edlen gehört dreierlei, aber ich bewältige es nicht: Richtiges Verhalten zu anderen Menschen – es befreit von Sorgen. Weisheit – sie bewahrt vor Zweifeln. Entschlossenheit – sie überwindet die Furcht.« Zi-gong bemerkte: »So beurteilt der Meister sich selbst.«“[4]

Wichtig ist jedoch, dass man nicht davon abläßt, sich diesem Ideal anzunähern. Der Edle bemüht sich, diesem Ideal so nahe wie möglich zu kommen, aber er weiß um die Unerreichbarkeit desselben. Redliches Bemühen ist also das faktische Ideal des Konfuzius, während das imaginäre Ideal als unerreichbar angesehen wird. Strebsamkeit ist somit erste Bedingung des Edlen (VII,8): „Wer nicht danach strebt, dem eröffne ich die Wahrheit nicht.“[5]

Dabei steht diese Entwicklung einem jeden offen, der sich nur darum bemüht. Als Mittel hierfür galt Konfuzius die Bildung und das Lernen. Es braucht daher keiner speziellen Anlagen, ein Edler zu werden (XVII,2): „Konfuzius sprach: »Von Natur aus sind die Menschen einander ähnlich. Durch die Erziehung entfernen sie sich voneinander.«“[6] Die positivistische Tatsache, dass die Menschen unterschiedlich sind, heißt nicht, dass sie dies ihrer Veranlagung nach sind. Wer die Unterschiedlichkeit zum Anlass nimmt, Menschen den Zugang zu Bildung zu verwehren, weil diese ihrer Veranlagung nach ungeeignet seien, der verwechselt Ursache (Erziehung) und Wirkung. Deshalb fordert Konfuzius (XV,39): „Bildung soll allen zugänglich sein. Man darf keine Standesunterschiede machen.“[7]

Bildung

Dem Lernen wird bei Konfuzius eine hohe Priorität eingeräumt. Es ist das bevorzugte Mittel den Edlen zu formen, zu bilden – der Edle ist also wortwörtlich gebildet. Das erste Wort des Lùnyǔ ist „Lernen“: „Lernen und es von Zeit zu Zeit wiederholen, ist das nicht auch eine Freude?“ Das Lernen ist für Konfuzius das, was den Menschen erst zu Menschen macht, als kulturelles Wesen ist er dadurch bestimmt, dass er Wissen durch Traditionsbildung weitergibt. Wesentlich ist dabei, dass Bildung untrennbar mit der moralischen Forderung nach Selbstkultivierung verbunden ist (XIV,24): „Konfuzius sprach: »Im Altertum lernte man, um sich selbst zu vervollkommnen; heute dagegen lernt man, um anderen gegenüber etwas zu gelten.«“[8] Entsprechend Heinrich Heines ironischem Diktum „So ein bisschen Wissen ziert den ganzen Menschen.“ lehnte Konfuzius es also ab, Bildung als bloßes Mittel für egoistische und niederträchtige Zwecke einzusetzen. Zu lernen und sich zu bilden, ist dabei für Konfuzius eine Aufgabe, die jedem zukommt (XI, 25):

„[Der Schüler] Zi-gao wurde durch Zi-lu [einen anderen Schüler] zum Präfekten von Bi ernannt. Konfuzius meinte dazu: »Damit verdirbst du fremder Leute Sohn.« Zi-lu rechtfertigte sich: »Er hat dort Land und Leute zu regieren. Warum muss man unbedingt Bücher lesen, um etwas zu lernen?« Doch der Meister erwiderte: »Wegen solcher Art Ausreden erregen zungenfertige Leute deines Schlags meinen Widerwillen.«“[9]

Allerdings gibt es für Konfuzius einen Unterschied zwischen „totem Wissen“ und wahrer Bildung (XIII,5):

„Konfuzius sprach: »Nehmen wir an, jemand kann alle dreihundert Stücke des ‚Buchs der Lieder‘ auswendig hersagen. Wird ihm aber eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, dann versagt er. … Ein solcher Mensch hat zwar viel gelernt, aber welchen Nutzen hat es?«“ [10]

Philosophie des So-ist-es

Das erste Lehrstück im Lùnyǔ lautet:

Original Pinyin Übersetzung
「學而時習之,
不亦悅乎?
xué ér shí xí zhī,
bù yì yuè hū?
Lernen und es von Zeit zu Zeit wiederholen,
ist das nicht auch eine Freude?
有朋自遠方來,
不亦樂乎?
yǒu péng zì yuǎn fāng lái,
bù yì lè hū?
Wenn ein Freund von weit her kommt,
ist das nicht auch eine Freude?
人不知而不慍,
不亦君子乎?」
rén bù zhī ér bú yùn,
bù yì jūnzǐ hū?
Von den Menschen verkannt zu werden, aber sich nicht zu grämen,
ist das nicht die Haltung eines Edlen?

Konfuzius lehrte eine Philosophie des So-ist-es: „Wenn ein Freund von weit her kommt, ist das nicht auch eine Freude?“ – Wer würde da Nein sagen? Das einflußreichste Werk in der ostasiatischen Geistesgeschichte beginnt mit einer einfachen Feststellung, nicht mit Spekulationen über erste Ursachen der Welt oder höchste Prinzipien, wie etwa in der griechischen Philosophie. Auch plagen Konfuzius keine Descartschen Zweifel, ob es die Außen-Welt wirklich gibt. Die Welt ist da und in ihr muss gelebt werden. Es geht Konfuzius nun darum, sie in ihrem So-sein zu bestimmen, ohne dieses auf andere Prinzipien zurückzuführen. Es herrscht also eine pragmatische Haltung gegenüber der Welt vor.

Ordnung als Bedingung für Freiheit

Zentraler Gegenstand der Lehre des Konfuzius ist die (Gesellschafts-)Ordnung, also das Verhältnis zwischen Kind und Eltern, Vorgesetzten und Untergebenen, die Ahnenverehrung, Riten und Sitten. Konfuzius lehrte, dass erst durch die Ordnung sich überhaupt Freiheit für den Menschen eröffnet. So wie die Regeln eines Fußballspiels Bedingung dafür ist, dass die Freiheit des Spielens entsteht, bringt die wohlgeordnete Gesellschaft erst die Strukturen für eine freies Leben des Menschen hervor. Wie auch der Fußballspieler aus Freiheit die Regeln akzeptiert, so akzeptiert auch der Edle Sittlichkeit und Pflichten. Ordnung unterdrückt also nicht die Freiheit, sondern eröffnet erst einen Handlungsraum, in dem menschliche Tätigkeiten einen Sinn bekommen. Es wäre hingegen das Chaos, als Gegenteil der Ordnung, welches eine Sphäre des Zwangs und der Bedrängnis entstehen lässt.

Während Konfuzius' lebendige Lehre noch eine Biegsamkeit gegenüber den gesellschaftlichen Regeln umfasste, um diese vor dem Erstarren zu bewahren, wurden in Teilen des Konfuzianismus die Regeln zum Selbstzweck und begannen, tatsächlich mehr einschränkend als befreiend zu wirken. Diese potentielle Gefahr seiner Lehre muss Konfuzius bewusst gewesen sein, wenn er beispielsweise über die Geisterverehrung spricht (VI,22):

„[Der Schüler] Fan Chi fragte, was Weisheit sei. Konfuzius antwortete: »Zu den Pflichten stehen, die man gegenüber dem Volke hat, die Geister verehren, aber nicht darin aufgehen – das kann man Weisheit nennen.«“[11]

Konfuzius legte dabei großen Wert darauf, die Sittlichkeit, welche die gesellschaftlichen Beziehungen regelt, nicht unabhängig vom konkreten Menschen einzufordern. Wie sich jemand sittlich verhält, ist relativ zu seiner eigenen Person. Die zwischenmenschliche Ordnung folgt damit nicht einem starren Organigramm (XI,22):

„Zi-lu fragte den Meister, ob er das, was er über die Grundsätze des rechten sittlichen Verhaltens gehört habe, auch sofort anwenden solle. Konfuzius antwortete ihm: »Du hast doch Eltern und Brüder. Wie kannst du also sofort danach handeln wollen?«
Ran Qiu fragte den Meister, ob er das, was er über die Grundsätze des rechten, sittlichen Handelns gehört habe, auch sofort anwenden solle. Ihm aber antwortete Konfuzius: »Führe aus, was du gehört hast.«“[12]

Im selben Lehrstück erklärt Konfuzius hierzu: „Ran Qiu ist ein Mensch, der sich nur zögernd zum Handeln entschließt. Deshalb ermutige ich ihn. Zi-lu ist ein Draufgänger. Deshalb halte ich ihn zurück.“[13] Die angestrebte Ordnung gibt also nur eine Richtung vor, in die sich jeder Mensch seinen eigenen Kräften gemäß bewegen sollte.

Der Konfuzianismus

Begriffsbestimmung

Konfuziusgrab in Qufu

Der Konfuzianismus ist eine der philosophisch-politischen Strömungen Chinas, die sich als Antwort auf eine tief greifende Krise der Gesellschaft herausgebildet haben und an die Lehre Konfuzius' anschließt. Schon im Lùnyǔ sagt Konfuzius (XVIII,6): „Wäre die Welt in Ordnung, dann brauchte ich mich nicht damit abzugeben, sie zu ändern.“[14]

Der Begriff „Konfuzianismus“ ist allerdings eine westliche Prägung ohne genaues chinesisches Äquivalent. Der nächste chinesische Ausdruck Kongjiao (孔教 „Konfuzius-Lehre“), gebildet analog zu Fojiao (佛教 „Buddha-Lehre“) und Daojiao (道教 „Dao-Lehre“), bezieht sich auf den religiösen Kult, der um die Person des Konfuzius betrieben wurde. Der in China gebrauchte Begriff Rujia (儒家) lässt sich wörtlich als „Schule (, jia) der Sanftmütigen (, ru)“ verstehen, wobei „Sanftmütiger“ für den Gelehrten steht, der sich mit seinem Geist statt mit Gewalt für seine Sache einsetzt.

Politisch-kulturelle Verwendung

Der Schwierigkeit zu bestimmen, was „Konfuzianismus“ überhaupt sei, steht eine sehr undifferenzierte Alltagsverwendung des Begriffs im Westen gegenüber. Das Etikett „konfuzianisch“ wird hier meist für das ethische System verwandt, welches (durchaus nicht unumstrittenerweise) dem Verhalten von vor „konfuzianischem“ Hintergrund aufgewachsener Chinesen (oder Koreanern) zugrundegelegt wird. Dabei ist zu bedenken, dass die meisten Verwender dieses Begriffes selber keine Vorstellungen darüber haben, was diesen ‚Konfuzianismus‘ kennzeichnen könnte. Ähnliche Tendenzen sind im Zuge der Öffnung der chinesischen Märkte im Übrigen auch in China beobachtbar, wo Konfuzius seit Anfang der Neunzigerjahre wieder hoffähig ist. Hier dienen sie als Erklärungsmodell für das schnelle Wirtschaftswachstum und haben apologetische Funktion für das rasante Anwachsen sozialer Ungleichheit. So wird einseitig darauf hingewiesen, dass Konfuzius doch die Segnungen einer stabilen politischen Ordnung betont. Dabei wird übergangen, dass Konfuzius ursprünglich die soziale Mobilität am Herzen lag. Gegenüber vererbten Machtstrukturen machte er als Aufstiegschance einen jedem offen stehenden Bildungsweg geltend:

„Vor Konfuzius war die Kultur das Geheimnis der Heiligen auf dem Thron. Durch Konfuzius, den „ungekrönten König“, wurde sie einer Schule von Gebildeten anvertraut, die als Berater und Minister von Herrschern und Königen dafür gesorgt haben, dass, wo sie Einfluss hatten, die Macht durch Recht und Sitte geheiligt wurde. … Das Problem des Konfuzius war die naturgemäße Organisation der Menschheit. Für den Aufbau seines Systems wählte er eine Ellipse mit zwei Brennpunkten. Der eine Brennpunkt war für ihn das Innere des Menschen, der andere die menschliche Gesellschaft.“ (Richard Wilhelm)

Schüler

Die Lehren des Konfuzius wurden von Zeng Zi an Zi Si, den Enkel des Meisters, weitergegeben und nach dessen Tod durch seine Schüler an Menzius.

Die Tradition nennt 77 herausragende Schüler des Konfuzius. Von diesen zeichneten sich Yan Yuan, Min Ziqian, Ran Boniu und Zhong Gong im Bereich der Tugendlehre aus. Ran You und Ji Lu waren bewandert in Regierungsangelegenheiten. Zai Wo und Zi Gong waren gute Redner, während Zi You und Zi Xia für ihre Kenntnis der Literatur bekannt waren.

Besonders erwähnt werden folgende Schüler:

  • 顏回 Yan Hui (30 Jahre jünger als Konfuzius)
  • 閔損 Min Sun (15 Jahre jünger als Konfuzius)
  • 冉雍 Ran Yong (29 Jahre jünger als Konfuzius): kam aus den niedrigsten Bevölkerungsschichten
  • 仲由 Zhong You (9 Jahre jünger als Konfuzius): ein derber Mann, der durch Konfuzius gemildert wurde, starb bei einer Revolte im Staat Wei
  • 宰予 Zai Yu: war in eine Revolte verwickelt, durch die er das Leben verlor
  • 端木賜 Duan Muci (31 Jahre jünger als Konfuzius): guter Redner und Debattierer, sehr reich
  • 卜商 Bu Shang (45 Jahre jünger als Konfuzius): Lehrer des Herzogs Wen von Wei, nach dessen Tod er so weinte, dass er erblindete
  • 澹臺滅明 Dantai Mieming (39 Jahre jünger als Konfuzius): hatte 300 Schüler
  • 原憲 Yuan Xian: sehr arm
  • 顓孫師 Zhuan Sunshi (48 Jahre jünger als Konfuzius)
  • 曾參 Zeng Shen (46 Jahre jünger als Konfuzius): schrieb das Xiaojing
  • 樊須 Fan Xu (36 Jahre jünger als Konfuzius)
  • 有若 You Ruo (43 Jahre jünger als Konfuzius): ähnelte dem Meister
  • 公冶長 Gongye Zhang: Schwiegersohn des Konfuzius
  • 南宮括 Nangong Guo: heiratete die Nichte des Konfuzius
  • 公皙哀 Gongxi Ai (42 Jahre jünger als Konfuzius)

Vgl. den Artikel der englischen Wikipedia: Wikipedia: Disciples of Confucius.

Fünf Klassiker

Es gibt die so genannten Fünf Klassiker des Konfuzianismus, deren Studium von Konfuzius empfohlen wird:

  • 易經 Yijing, das Buch der Wandlungen (Vierundsechzig Hexagramme, Textbuch des Großwahrsagers)
  • 詩經 Shijing, das Buch der Lieder (Eine Sammlung alter Volkslieder)
  • 書經 Shujing, das Buch der Urkunden (Sammlung von Gesetzen und Erlassen mit Kommentierung)
  • 禮記 Liji, das Buch der Riten (Riten für den Umgang mit den Ahnen, dem König, der Familie)
  • 春秋 Chunqiu, die Frühlings- und Herbstannalen (das einzige von Konfuzius selbst verfasste Buch, eine Chronik der Ereignisse seines Heimatstaates Lu vom 8. bis zum 5. Jahrhundert v. Chr.)

Angeblich wurden diese Bücher von Konfuzius ediert.

Literatur

traditionelle Darstellung
  • Carl Crow: Konfuzius. Staatsmann – Heiliger – Wanderer. Leipzig 1939 (Originaltitel: Master Kung)
  • Die Lehren des Konfuzius  −  Die vier konfuzianischen Bücher, Übersetzung und Erläuterung: Richard Wilhelm, Vorwort: Hans van Ess, Ausg. chinesisch/deutsch, Verlag Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-86150-873-1. 1113 S.
  • Xuewu Gu: Konfuzius zur Einführung. 2. Auflage. Junius, Hamburg 2002, ISBN 3885063611
  • Volker Zotz: Konfuzius. Rowohlt, Reinbek 2000, ISBN 349950555X
  • Heiner Roetz: Konfuzius. Beck, München 1995, ISBN 3-406-34641-3 (Denker 529)
  • Wojciech Jan Simson: Die Geschichte der Aussprüche des Konfuzius (Lùnyǔ). Lang, Bern u. a. 2006, ISBN 3-03-910967-7 (Welten Ostasiens 10, zugleich: Dissertation Universität Zürich, 2002)

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. z. B. bei Richard Wilhelm: Kung-tse. Leben und Werk. Frommann, 1925; Albert Schweitzer: Geschichte des chinesischen Denkens. C. H. Beck, 2002, S. 142.
  2. z. B. bei Adolf Wuttke: Geschichte des Heidenthums in Beziehung auf Religion, Wissen, Kunst, Sittlichkeit und Staatsleben. Josef Max, 1853, S. 6ff.
  3. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 95.
  4. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 93.
  5. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 39.
  6. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 112.
  7. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 105.
  8. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 93.
  9. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 68.
  10. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 80.
  11. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 36.
  12. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 67.
  13. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 67.
  14. Konfuzius: Gespräche. Übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 121.


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