Max Dätwyler

Max Dätwyler
Daetwyler Portrait in der Ausstellung Frieden schaffen von Theo Dannecker, Zürich 2008

Max Daetwyler (* 7. September 1886 in Arbon; † 26. Januar 1976 in Zumikon) war 1914 der erste Schweizer Kriegsdienstverweigerer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Daetwyler wuchs am Bodensee als 12. Kind eines Hoteliers auf. Nach seiner Schulzeit in Arbon und einer kaufmännischen Lehre in Wattwil arbeitete er als Kellner in Rom, Paris und London bevor er in Bern Gerant wurde. Bei der Schweizer Mobilmachung im Jahre 1914 verweigerte er den Fahneneid aus Protest gegen den Krieg. Er wurde deshalb in die Psychiatrie eingewiesen und aus der Armee ausgeschlossen. Mehrere Male wollten die Behörden ihn aufgrund des psychiatrischen Gutachtens entmündigen. Dank der Weigerung seiner Heimatgemeinde Zumikon kam es jedoch nie dazu. Nach seiner Entlassung gründete er 1915 in Bern den Verein „Friedensarmee“.

Am 15. November 1917 organisierte er mit Max Rotter eine Kundgebung zur Beendigung des Krieges. Die Arbeiter von zwei Munitionsfabriken wurden überzeugt, ihre Arbeit niederzulegen. Das war der Auslöser der Zürcher Novemberunruhen von 1917. Er wurde verhaftet und erneut in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Nach seiner Entlassung heiratete er und zog nach Zumikon. Dort bestritt er mit einer Hühnerfarm, Strickwaren, Zucht von biologischem Gemüse, Blumen und Bienen den Lebensunterhalt für seine Familie.

Ab 1932 begann er mit weltweiten pazifistischen Aktionen und Friedensmärschen. In Genf begegnete er Mahatma Gandhi. Seit dem Zweiten Weltkrieg war die weisse Fahne sein ständiger Begleiter. Er reiste zu den Machtzentren und Krisenherden der Welt und trat für den Weltfrieden und die Abrüstung ein. Obwohl ihn Regierungsvertreter nur selten empfingen, wurde er als Friedensapostel mit der weißen Fahne zu einer weltbekannten Symbolfigur des Pazifismus.

Werk

Daetwylers Pazifismus beruhte auf der christlichen Botschaft der Nächstenliebe und der Versöhnung der Völker nach einem Kriege. Er kämpfte für die Auflösung von Widersprüchen und der Doppelmoral des Staates, der nur existieren könne, wenn er Gewalt anwenden dürfe, während das Christentum jede Gewalt verbiete. Diese Doppelmoral sei der Auslöser des Ersten Weltkrieges gewesen. Er war ein Verfechter der konsequenten Gewaltlosigkeit nach dem Vorbilde Gandhis. In seinem Sinne rief er in Europa für eine gewaltlose Lebensführung auf, zu der jeder einzelne durch passive Resistenz beitragen könne, zur Aufrichtung des Vaterlandes aller Menschen, einer Einheit in politischer, wirtschaftlicher, religiöser Beziehung durch ein Leben in geistiger Harmonie.

Zitat

Der Krieg beginnt wie alles andere nicht dann, wenn er äusserlich in Erscheinung tritt, durch Fabrikation von Waffen, durch Militarisierung des Volkes, sondern er hat seinen Ursprung in der Gesinnung des Menschen, die verdorben sein muss, ehe sie die Vorbereitung des Krieges erlaubt. Max Dätwyler, 1916

Primärliteratur

  • Vortrag von Max Daetwyler, Bern, über das Thema: Wie kann der Friedensschluss befördert werden? H. Jent & Co. Bern 1915.
  • Die Friedensarmee, 1916
  • Friedens-Predigt : Das christliche Prinzip als Grundlage zur Beendigung des Krieges und zur Versöhnung der Völker nach dem Kriege. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1916
  • Daetwyler als Dienstverweigerer, Komm. W. Trösch, Olten 1919.
  • Erlebnisse in der Irrenanstalt, Internationale Friedens-Armee, Zumikon 1919.
  • Also spricht Daetwyler. Verlag Internationale Friedens-Armee, Zumikon 1930.

Sekundärliteratur

Verschiedene Schweizer Schriftsteller setzten Daetwyler in ihren Romanen ein Denkmal: Jakob Bosshart 1918 als Werner Gütikofer in der Novelle Der Friedensapostel, Meinrad Inglin im Schweizerspiegel und Kurt Guggenheim in Alles in allem. [1]

  • Max Daetwyler jun., Max Daetwyler, 1886-1976, zum Gedenken, Genève 1976
  • Werner Wollenberger, Der Prophet mit der weissen Fahne: Die Daetwyler-Story, Zumikon 1965
  • Ursina Lüthi und Max Trostel, Zürcher Originale, Zürcher Kantonalbank, Zürich 1990
  • Stephan Bosch: Max Daetwyler. Der Friedensapostel. Verlag Rüffer & Rub, Zürich 2007 ISBN 978-3-907-62533-0

Quellen

  1. Gustav Huonker, Literaturszene Zürich, Unionsverlag, Zürich 1985

Weblinks


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