Missionarstellung

Missionarstellung
Missionarsstellung
Missionarsstellung im Profil

Die Missionarsstellung ist eine geläufige Position, den Geschlechtsverkehr zu praktizieren. Dabei liegt die Frau mit gespreizten Beinen auf dem Rücken und der Mann mit gestreckten Beinen auf ihr.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft des Namens

Ihren Namen hat diese Stellung nach landläufiger Meinung daher, dass christliche Missionare bei der Christianisierung anderer Völker diese Stellung als die einzig zulässige beim Geschlechtsverkehr zwischen Eheleuten durchzusetzen versuchten. Das ist jedoch unzutreffend. Wie Robert J. Priest [1] nachweisen konnte, ist Alfred C. Kinsey der Urheber dieses Gerüchts. Kinsey hatte in seinen Kinsey-Reports behauptet, christliche Missionare seien über die phantasievollen Sexualpraktiken der Südsee-Insulaner entsetzt gewesen und hätten diesen als Lehrmaterial Zeichnungen gezeigt, die ein Paar in der einzig erlaubten Koitus-Position andeuteten. Die Insulaner hätten diese Stellung als „Missionarsstellung“ verspottet. Kinsey beruft sich dabei auf ein 1929 von dem Anthropologen Bronisław Malinowski verfasstes Standardwerk zur Sexualität der Melanesier.[2] Robert J. Priest fand allerdings heraus, dass diese Geschichte bei Malinowski so nicht vorkommt. Malinowski berichtet zwar, dass die Bewohner der Trobriand-Inseln sich über das eintönige Sexualleben der Weißen lustig gemacht hätten, von Missionaren und deren angeblichen Vorschriften ist jedoch keine Rede. Die ihnen vorher unbekannte Mann-oben-Frau-unten-Stellung bezeichneten die Eingeborenen in ihrer Sprache als „ibilimapu“ („sie [die Frau] kann nicht mitmachen“). Allerdings beklagten sich die Trobriander über die von den Weißen übernommene neue Sitte, dass sich Liebespaare händchenhaltend in der Öffentlichkeit zeigen. Dieses Verhalten galt bei den älteren Trobriandern als unanständig und wurde von ihnen als „misinari si bubunela“ („Missionarsmode“) bezeichnet. Wie es Christoph Drösser auf den Punkt bringt, haben die christlichen Weißen das Sexualleben der Südseeinsulaner also „nicht prüde eingeschränkt, wie die Legende behauptet, sondern eher erweitert. Von kirchlichen Vorschriften, wie man sexuell zu verkehren habe, keine Spur.“ [3] Alfred C. Kinsey ist laut Robert J. Priest also der erste Autor, der den englischen Begriff missionary position (deutsch „Missionarsstellung“) benutzte.

Biologie

Menschen und Menschenaffen sind die einzigen Lebewesen auf der Erde, die den Geschlechtsakt auch in nennenswertem Ausmaß von Angesicht zu Angesicht praktizieren – und damit wesentlich direkter auf den im Gesicht ablesbaren Gefühlszustand des Partners reagieren können.

Einzelnachweise

  1. Robert J. Priest: Missionary Positions: Christian, Modernist, Postmodernist, in: Current Anthropology, Bd. 42 (2001), S. 29–68.
  2. Bronisław Malinowski: The Sexual Life of Savages in North-Western Melanesia, London 1929.
  3. Christoph Drösser: Stimmt’s? Modernen Legenden im Test – Folge 4, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-499-62064-2, S. 33.

Weblinks


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