Piers Bohl

Piers Bohl

Piers Bohl (* 11. Oktoberjul./ 23. Oktober 1865greg.[1] in Walk, Livland; † 25. Dezember 1921 in Riga) war ein lettischer Mathematiker, der sich mit fastperiodischen Funktionen, Himmelsmechanik und Differentialgleichungen beschäftigte.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Bohl wurde als Sohn eines deutsch-baltischen Kaufmanns in Livland geboren und ging in Fellin auf das livländische ritterschaftliche Landesgymnasium. Ab 1884 studierte er Mathematik in Dorpat (unter anderem bei dem Astronomen Anders Lindstedt), wo er 1886 eine Goldmedaille erhielt für seine Arbeit „Theorie und Anwendung der Invarianten linearer Differentialgleichungen“ und 1887 seinen Kandidaten-Abschluss machte. Danach arbeitete er als Lehrer. 1893 promovierte er in Dorpat (Magisterdissertation, „Über die Darstellung von Funktionen einer Variabeln durch trigonometrische Reihen mit mehreren einer Variabeln proportionalen Argumenten“) und lehrte ab 1895 am Baltischen Polytechnikum in Riga, damals unter russischer Herrschaft (er unterrichtete auch in russisch). 1900 habilitierte er sich in Dorpat bei Adolf Kneser (Doktordissertation: Über einige in der Mechanik anwendbare Differentialgleichungen allgemeinen Charakters) und wurde Professor in Riga. Während des Ersten Weltkriegs war die Universität nach Moskau evakuiert, wo Bohl drei für ihn zermürbende Jahre verbrachte. In der kurzen Zeit der Unabhängigkeit Lettlands kehrte Bohl 1919 nach Riga an die Universität zurück, starb aber zwei Jahre später an einem Schlaganfall.

Bohl untersuchte als erster (in seiner Magister-Dissertation von 1893) quasiperiodische Funktionen, die 1903 vom französischen Astronomen Ernest Esclangon wiederentdeckt wurden (von ihm stammt auch der Name) und später ausführlich von Harald Bohr untersucht wurden, verallgemeinert zu fastperiodischen Funktionen. Bohl untersuchte diese in Zusammenhang mit himmelsmechanischen Problemen (Störungstheorie). Bohl untersuchte auch in seiner Dissertation Differentialgleichungen mechanischer Systeme um ihre Gleichgewichtspunkte mit topologischen Methoden (in Anschluss an Henri Poincaré und Adolf Kneser) und bewies dabei 1904 eine Form von Brouwers Fixpunktsatz für die stetige Abbildung der Sphäre auf sich (sieben Jahre vor der Arbeit von Luitzen Egbertus Jan Brouwer von 1911). Er führte auch frühe Untersuchungen zur Gleichverteilung von Zahlen mod 1 im Sinn der späteren Arbeit von Hermann Weyl durch, ebenfalls im Zusammenhang mit der Himmelsmechanik.

Bohl war auch ein starker Schachspieler, der mit dem baltischen Schachmeister Karl Behting für Riga gegen andere europäische Schachvereine (wie den von Berlin) antrat. Er fand beispielsweise eine „Rigaer Variante“ der spanischen Eröffnung.

Bohl heiratete nie.

Schriften

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Eintrag im Taufregister der Gemeinde Walk (estnisch: Valga)

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно сделать НИР?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Piers Bohl — (October 23, 1865 December 25, 1921) was a Latvian mathematician, who worked in differential equations, topology and quasi periodic functions.He was born in 1865 in Valka, Livonia, in the family of a poor Baltic German merchant. In 1884, after… …   Wikipedia

  • Bohl — ist: ein Ortsteil von Eschweiler, siehe Bohl (Eschweiler) der deutsche Name von Bóly, einer Kleinstadt im Süden Ungarns der Name von Haus Peter Martin Bohl, einem denkmalgeschützten Wohnhaus in Heilbronn Bohl ist der Familienname folgender… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Boh — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Théorème du point fixe de Brouwer — En 1886 Henri Poincaré démontre un résultat équivalent au théorème du point fixe de Brouwer. L énoncé exact est prouvé pour la dimension trois par Piers Bohl pour la première fois en 1904, puis par Jacques Hadamard dans le cas général en 1910.… …   Wikipédia en Français

  • Equidistribution theorem — In mathematics, the equidistribution theorem is the statement that the sequence : a , 2 a , 3 a , ... mod 1 is uniformly distributed on the unit interval, when a is an irrational number. It is a special case of the ergodic theorem.clarify… …   Wikipedia

  • Боль Пирс Георгиевич — [11(23).10.1865, Валка, 25.12.1921, Рига], латвийский математик. В своей магистерской диссертации (1893) заложил основы теории почти периодических функций, изучив т. н. квазипериодические функции, т. е. конечные суммы периодических функций с… …   Большая советская энциклопедия

  • Боль — I         Пирс Георгиевич [11(23).10.1865, Валка, 25.12.1921, Рига], латвийский математик. В своей магистерской диссертации (1893) заложил основы теории почти периодических функций (См. Периодическая функция), изучив т. н. квазипериодические… …   Большая советская энциклопедия

  • Brouwer fixed point theorem — In mathematics, the Brouwer fixed point theorem is an important fixed point theorem that applies to finite dimensional spaces and which forms the basis for several general fixed point theorems. It is named after Dutch mathematician L. E. J.… …   Wikipedia

  • Harald Bohr — Harald August Bohr (* 22. April 1887 in Kopenhagen; † 22. Januar 1951 in Gentofte) war ein dänischer Mathematiker und Fußballer. Harald Bohr war der Sohn des dänischen Physiologen Christian Bohr, sein Bruder war der Physiker Niels Bohr. Bohrs… …   Deutsch Wikipedia

  • Ernest Esclangon — Ernest Benjamin Esclangon (* 17. März 1876 in Mison bei Sisteron; † 28. Januar 1954 in Eyrenville, Dordogne (Département)) war ein französischer Astronom, Physiker und Mathematiker. Esclangon studierte 1895 bis 1898 an der École normale… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”