Saljut 5

Saljut 5
Saljut 1 mit einem angedockten Sojus-Raumschiff
Diagramm der Saljut 4 Station mit einem angedockten Sojus-Raumschiff
Saljut 6 mit zwei angedockten Raumschiffen
Raumstation Saljut 7

Saljut [sa'lʏt] (russisch Салют für Salut, Ehrensalve, Gruß) war die Bezeichnung für einen sowjetischen Raumstationstyp.

Nachdem die USA die Sowjetunion im Wettlauf zum Mond geschlagen hatten, entwickelten sich die Raumfahrtprogramme der beiden Supermächte in unterschiedliche Richtungen. Während die Amerikaner zur Entwicklung von neuen Transportsystemen (wiederverwendbares Space Shuttle) drängten, verstärkte die UdSSR die Entwicklung von Raumstationen für eine dauerhafte menschliche Präsenz im Weltraum.

Inhaltsverzeichnis

Almaz und DOS

Seit 1964 arbeitete man an einer militärischen Raumstation, die das Gegenstück zum amerikanischen MOL-Programm (Manned Orbiting Laboratory) der US Air Force darstellte. Diese Station wurde vom Konstruktionsbüro OKB-52 unter Wladimir Tschelomei entwickelt und trug den Namen Almaz (russisch Алмаз für ‚Diamant‘) oder OPS (ОРС, Орбитальная пилотируемая станция, Orbitalnaja Pilotiruemaja stancija für ‚Bemannte Orbital-Station‘)[1]. Als Zubringer sollte das ebenfalls noch zu entwickelnde TKS-Raumschiff dienen.

Als sich im Sommer 1969 herausstellte, dass bis zum Erstflug von Almaz und TKS noch einige Jahre vergehen würden, entstand die Idee, parallel dazu eine zivile Raumstation zu entwickeln, die auf einer Almaz-Struktur basierte, aber Sojus-Technologie einsetzte. Diese Raumstation erhielt die Bezeichnung DOS (russisch ДОС, Долговременная орбитальная станция, Dolgovremennaja orbitalnaja stancija für ‚Langzeit-Orbital-Station‘) und wurde vom Konstruktionsbüro TsKBEM, dem früheren OKB-1, entwickelt. Sie sollte bereits Ende 1971 einsatzbereit sein. Die endgültige Entscheidung, auf DOS zu setzen, wurde im Februar 1970 getroffen, bereits im April 1971 erfolgte der Start der DOS-Station unter dem Namen Saljut 1.

Um die militärische Natur der Almaz-Stationen zu verschleiern, wurden öffentlich sowohl erfolgreich gestartete DOS- als auch Almaz-Stationen unter der Bezeichnung „Saljut“ geführt. Insgesamt wurden sechs DOS-Stationen und fünf Almaz-Stationen gebaut und gestartet. Zwei DOS-Stationen und eine Almaz-Station konnten nicht bemannt werden, somit wurden vier DOS- und zwei Almaz-Stationen benutzt. Die beiden zuletzt gebauten OPS-Stationen wurden als unbemannte automatische Aufklärungsplattformen genutzt und sind unter den Namen Kosmos 1870 im Juli 1987 und als Almaz 1 im März 1991 gestartet.[1]

Die Stationen beider Reihen trugen dabei wesentlich zur Erforschung der Technologien bei, die für einen langfristigen Aufenthalt und den Bau von komplexeren Strukturen im Weltraum nötig sind.

Aufbau

Die letzten beiden Saljut-Stationen (6 und 7) bestanden aus drei zylindrischen Sektionen. Die Bugsektion hatte einen Durchmesser von ungefähr 2 m und war mit einem angesetzten Kopplungsstutzen ausgestattet. Die mittlere Sektion (circa 3 m Durchmesser) und die Hecksektion (4,15 m Durchmesser und 4 m Länge) stand den Raumfahrern als Lebensraum und für wissenschaftliche und technische Geräte zur Verfügung. An der Hecksektion waren außerdem ein Triebwerk für Bahnmanöver und ein weiterer Kopplungsstutzen angebracht. Weiterhin waren an der mittleren Sektion drei größere Solarpaneele installiert. Die Gesamtlänge der Stationen betrug etwa 15 m, die Masse rund 20 t. Für ihren Start wurde eine Proton-Trägerrakete eingesetzt.

Die einzelnen Stationen

Saljut 1 (DOS 1)

Siehe auch Hauptartikel Saljut 1

Saljut 1 wurde am 19. April 1971 gestartet und war die erste Raumstation. Sojus 10 führte nur ein Kopplungsmanöver mit der Station durch. Die einzigen Kosmonauten, die sich an Bord aufhielten, war die Besatzung von Sojus 11, die aber bei der Rückkehr wegen eines geöffneten Luftventils ums Leben kam. Insgesamt war die Station an 24 Tagen bemannt und verglühte nach 175 Tagen im Orbit am 11. Oktober 1971 in der Atmosphäre. Die Gesamtlänge der Stationen betrug etwa 13 m, die Masse rund 18,9 t. Saljut 1 bestand im Wesentlichen aus einer leeren Almaz-Hülle, vielen Sojus-Bestandteilen, unter anderem dem kompletten Servicemodul am Heck, und eingebauten wissenschaftlichen Experimenten.

Saljut 2 A (DOS 2)

Die zweite zivile Raumstation der Sowjetunion sollte am 29. Juli 1972 gestartet werden. Durch einen Fehler der verwendeten Trägerrakete vom Typ Proton kam es zu einer Explosion, die die Raumstation kurz nach dem Start zerstörte.

Saljut 2 B (Almaz 1)

Am 3. April 1973 wurde der Prototyp der streng geheimen militärischen Almaz-Station gestartet. Um die wahre Natur der Station zu verschleiern, wurde ebenfalls eine Saljut-Bezeichnung vergeben. Die Station erreichte zunächst den vorgesehenen Orbit. Nach zwei Tagen unbemannten Flugs wurde ein plötzlicher Druckverlust an Bord der Raumstation registriert, nach und nach fielen alle Instrumente aus. Saljut 2 stürzte bereits am 29. April des gleichen Jahres ab, ohne dass eine Mannschaft an Bord gewesen war.

Kosmos 557 (DOS 3)

Siehe auch Hauptartikel Kosmos 557

Die dritte zivile Raumstation wurde am 11. Mai 1973 gestartet. Sie konnte in der Umlaufbahn nicht stabilisiert werden, und verglühte bereits am 22. Mai 1973. Deshalb erhielt sie „nur“ eine Bezeichnung der Kosmos-Reihe.

Saljut 3 (Almaz 2)

Der Start von Saljut 3 fand am 24. Juni 1974 statt. 16 Tage lang wurde die Raumstation von der Besatzung von Sojus 14 genutzt. Der Flug von Sojus 15 musste wegen Problemen abgebrochen werden. Am 24. Januar 1975 trat Saljut 3 wieder in die Erdatmosphäre ein.

Saljut 4 (DOS 4)

Saljut 4 wurde am 26. Dezember 1974 gestartet. Bis zum Absturz am 2. Februar 1977 wurde sie von den Besatzungen von Sojus 17 und Sojus 18 insgesamt 93 Tage genutzt. Unter anderem wurden Laser-Ortungsversuche durchgeführt.

Saljut 5 (Almaz 3)

Saljut 5 startete am 22. Juni 1976 und blieb bis zum 8. August 1977 im Orbit. Die Besatzungen von Sojus 21 und Sojus 24 blieben insgesamt 67 Tage an Bord. Eine weitere Mission, Sojus 23, schlug jedoch fehl. Das Almaz-Programm wurde 1978 gestoppt und 1980 offiziell beendet.

Saljut 6 (DOS 5)

Siehe auch Hauptartikel Saljut 6

Saljut 6 wurde am 29. September 1977 gestartet und war die erste wiederauftankbare Raumstation, dank des erstmals eingebauten 2. Kopplungsstutzen am hinteren (dickeren) Ende des Hauptmoduls.

Dadurch wurde das Andocken des Versorgungsraumschiffes vom Typ Progress möglich, das sowohl Lebensmittel als auch über separate Tanks, Sauerstoff und Treibstoff in die Station brachte. Müll der an Bord lebenden Kosmonauten wurde aufgenommen und verglühte beim Wiedereintritt des Versorgungsraumschiffes in die Erdatmosphäre.

Durch die Ver- und Entsorgungsmöglichkeit hatte die Station eine weitaus längere Nutzungsdauer und blieb fast 5 Jahre im All, bis sie am 29. Juli 1982 verglühte. Insgesamt besuchten 16 Mannschaften Saljut 6. Mit dieser Raumstation wurden im Rahmen des Interkosmos-Programms erstmals Raumfahrer aus befreundeten Ländern eingeladen, an sowjetischen Raumflügen teilzunehmen, darunter der erste Deutsche im Weltall, Sigmund Jähn, der am 26. August 1978 startete.

Mit dem angedockten Modul Kosmos 1267 (TKS 2) war Saljut 6 die erste modulare Raumstation. Insgesamt war die Station an 685 Tagen besetzt.

Saljut 7 (DOS 6)

Siehe auch Hauptartikel Saljut 7

Modell der Saljut-7-Station (ohne Solarpanels) mit zwei angedockten Sojus-Raumschiffen

Der Start von Saljut 7 erfolgte am 19. April 1982. Zehn Besatzungen taten zwischen 1982 und 1986 auf der Station Dienst. Der längste Aufenthalt betrug 237 Tage.

Mit den angedockten Modulen Kosmos 1443 und Kosmos 1686 (TKS 3 und 4) war Saljut 7 wiederum eine modulare Station. Nach dem Start des Zentralmoduls der neuen Raumstation Mir am 19. Februar 1986 wurden Teile der Ausrüstung von Saljut 7 durch einen Besuch von Sojus T-15 zur Mir gebracht. Danach starteten keine weiteren Kosmonauten mehr zu Saljut 7.

Am 7. Februar 1991 trat die Raumstation in die Erdatmosphäre ein und verglühte.

Siehe auch

Quellen

  1. a b David M. Harland The Story of Space Station MIR, ISBN 0-387-23011-4

Weblinks


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