Schönhof (Bockenheim)

Schönhof (Bockenheim)
Schönhof im Jahr 1905, Ostseite
Jakobskirche und Schönhof, 1855
Das Pferdebahndepot am Schönhof, um 1890

Der Schönhof war eines der größten Hofgüter von Bockenheim, einer bis 1895 selbständigen Kleinstadt nordwestlich von Frankfurt am Main und seitdem einer der größten Stadtteile.

Das Gut gehörte bis 1590 den Rittern von Praunheim. 1730 bis 1765 war es im Besitz der Familie des Bankiers Isaak d’Orville. Der wurde 1743 von dem fünf Jahre in Frankfurt residierenden deutschen Kaiser Karl VII. in den Adelsstand erhoben. Die Familie erhielt den Namen „Edler von Löwenclau und Herr zu Schönhoffen“. Seitdem bürgerte sich für das Gut der Name Schönhof ein. Das Gut wurde an die Familie Bruère weiterverkauft und brannte im Jahr 1818 fast völlig nieder.

1819 erwarb es der hessen-darmstädtische Minister a.D. Carl Ludwig Freiherr von Barckhaus gen. Wiesenhütten. Er beauftragte den damals sehr erfolgreichen Architekten Nicolas Alexandre Salins de Montfort mit der Sanierung. Der ließ das Herrenhaus, das zwischen 1650 und 1700 gebaut worden war, wieder erneuern und einen Teil der älteren Wohn- und Wirtschaftsgebäude abreißen und durch großzügige Neubauten ersetzen. Neben den Wirtschaftsgebäuden wurde ein kleines Theater errichtet (1937 abgerissen) und der Park des Gutes erweitert. 1820 errichtete der Architekt Friedrich Rumpf einen Gartentempel, der 1964 in den Grüneburgpark versetzt wurde.

Lange konnte sich der neuer Eigentümer seines Besitzes nicht erfreuen, starb er doch bereits 1823 kinderlos vier Jahre nach dem Kauf. Seine Erben verkauften 1898 den Schönhof an die Stadt Frankfurt.

1872 wurde der Schönhof zum westlichen Endpunkt der ersten Linie der Frankfurter Straßenbahn. Die Pferdebahnstrecke der Frankfurter Trambahn-Gesellschaft verlief von hier durch die Stadt Bockenheim und das Frankfurter Westend bis zur Hauptwache. Am Schönhof entstand zu diesem Zwecke ein Straßenbahndepot, das neben den Fahrzeugen auch den Pferden als Unterkunft diente.

Später wurde die Straßenbahnlinie bis nach Rödelheim verlängert. Um einen Unfallschwerpunkt zu entschärfen, baute man 1914/16 die Breitenbach-Brücke (benannt nach dem Preußischen Minister für öffentliche Arbeiten, Paul von Breitenbach, 1850–1930) über die Gleise der Main-Weser-Bahn. Dieser Baumaßnahme fiel der Park des Schönhofes zum Opfer.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden auch große Teile des Schönhofs zerstört. Nur das barocke Herrenhaus wurde wiederaufgebaut. Heute befindet sich dort das griechische Restaurant „Dionysos“. Der große Biergarten will an den untergegangenen Park erinnern. 1981 wurde das Herrenhaus erneut instandgesetzt und daneben von der Stadt Frankfurt ein preisgekröntes Musikübungszentrum, der Saalbau Schönhof, errichtet. Hier finden manchmal auch Veranstaltungen statt.


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