Seymour Papert

Seymour Papert
Seymour Papert 2006

Seymour Papert (* 1. März 1928 in Pretoria, Südafrika) ist Mathematiker und Psychologe. Er ist Professor für Mathematik und Erziehungswissenschaften am Massachusetts Institute of Technology.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Von 1954 bis 1958 studierte er Mathematik an der Universität Cambridge in Großbritannien.

Von 1958 bis 1963 arbeitete er eng zusammen mit dem Erziehungswissenschaftler Jean Piaget an der Universität Genf in der Schweiz. Papert ist weithin anerkannt als der bekannteste und erfolgreichste von Piagets Schülern. Piaget sagte einmal: „Niemand versteht meine Ideen so gut wie Papert.“

Ab 1963 war er Mitarbeiter am Massachusetts Institute of Technology und begründete zusammen mit Marvin Minsky das Artificial Intelligence Lab am MIT. Papert befasste sich intensiv mit dem Thema Kinder und Computer und erfand 1968 die Programmiersprache Logo.

Ab den 1970er Jahren veröffentlichte er eine Reihe von Artikeln und Büchern über Erziehung, Lernen, Denken, Artificial Intelligence und Mathematik.

Im Jahre 1985 war er zusammen mit Nicholas Negroponte Begründer des MIT Media Lab und führte dort das Media Arts and Science Program durch.

Informationstechnologie und die „Revolution des Lernens“

Papert stellt aufgrund seiner Forschungen fest, dass in den letzten Jahrzehnten in fast allen gesellschaftlichen Bereich wie Medizin, Verkehr, Telekommunikation sich ein radikaler Wandel vollzogen hat, dies aber nicht in der Institution Schule vollzogen wurde. Die Einbindung von neuen Kommunikationsformen und Formen der Zusammenarbeit werden überwiegend im Unterricht nicht angewandt. Es bestimmt immer noch der klassische „Frontalunterricht“.

Damit habe das System Schule „die systemimmanente Tendenz, Kinder unselbständig zu machen.“[1]. Demnach wird Kindern nicht geholfen, wenn das Lernen lediglich darin besteht, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Antworten zu geben. Dieses Verfahren nehme ihnen die Freude am Lernen.[2]

Es sei folglich ein Wandel in der Institution Schule erforderlich. Dieser Wandel ist radikal und schleichend zugleich. Er ist radikal, weil man nach Abschluss des Umwandelungsprozesses, in einem vorher-jetzt-Vergleich, feststellen wird, dass Methoden und Formen der Didaktik sich durch den Einsatz von Computertechnologie umfassend verändert haben. Er ist aber auch schleichend, da sich der Veränderungsprozess insgesamt nur sehr langsam aufgrund gesellschaftlicher Anpassungsprozesse vorangeht. „Ein radikaler Wandel eines Systems kann nur durch langsame organische Entwicklung und in enger Übereinstimmung mit der gesellschaftlichen Entwicklung erfolgen.“[3]

Er ist Vertreter der konstruktivistischen Lerntheorie, fordert also eine Schule, welche die kreative Entfaltung von Schüler wie Lehrer im Rahmen des Unterrichts bedingt. Als Instrument für diese kreative Wissenserschließung bietet sich die umfassende Integration von Informations- und Computertechnologie in den Unterricht an. Dabei soll ein mündiger Umgang mit Technologie im Rahmen des Unterrichts erfolgen, der die Lernmotivation der Schüler fördert und das Bildungsniveau auf lange Sicht anhebt.

Papert prägte den Begriff des Konstruktionismus, einer Lerntheorie die das aktive Konstruieren als effiziente Lernmethode betont. Dieses situierte Lernen ermöglicht die Rekonstruktion des Gelehrten und nachfolgend eigenes Konstruieren durch den Schüler. Das Lernen ist eingebettet in den situativen Kontext und ermöglicht eine vollkommen andere, hochwertigere Qualität des Lernens.

Das Kind soll somit als Subjekt seiner Lernprozesse angesehen werden. Damit muss dem Kindern „früh altersgemäße, d.h. (nach Piaget) konkret-operative Zugangsmöglichkeiten zu den neuen Techniken eröffnen, Zugangsmöglichkeiten, die nicht der Lehrer auf ein genau definiertes Ziel hin vorherbestimmt, sondern die von den Kindern im Rahmen selbstbestimmter Lernprozesse erobert und erschlossen werden sollen.“[4]

Mitwirkung am Projekt „100-Dollar-Laptop“

Papert ist als Berater im Rahmen des gemeinnützigen Projekts 100-Dollar-Laptop für Schüler engagiert. Der Schülerlaptop wird insbesondere für den Unterricht in den Entwicklungs- und Schwellenländer entwickelt, um die digitale Spaltung in der Welt zu vermindern.[5]

Schriften

  • Mindstorms. Children, Computer and Powerful Ideas, Basic Books, New York, 1980, ISBN 0-465-04674-6
  • Perceptrons, MIT-Press, 1988
  • Die vernetzte Familie, Kreuz-Verlag 1998, ISBN 3-783-11638-4
  • Revolution des Lernens, Heise-Verlag 1994, ISBN 3-882-29041-2
  • Trauen wir uns, die Bruchrechnung abzuschaffen? Ein Lackmustest für die Anhänger der Bildungstechnologie, in: Hartmut Mitzlaff (2007, Hg.), Internationales Handbuch: Computer (ICT), Grundschule, Kindergarten und Neue Lernkultur, Schneider Verlag, Hohengehren, ISBN 978-3-834-00142-9, S. 19–29

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Papert: Revolution des Lernens, Seite 49
  2. Papert: Die vernetzte Familie, Seite 52
  3. Papert, Revolution des Denkens, Seite 52
  4. Papert, Revolution des Lernen, Seite 8
  5. Webseite des Projekts „One Laptop per Child“ – Rubrik „People“

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