St. Johannes der Täufer (Billerbeck)

St. Johannes der Täufer (Billerbeck)

Die Katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Billerbeck ist mit seinem Gründungsbau bereits vor 800 zu datieren. Der bestehende Bau ist wahrscheinlich im Jahre 1234 entstanden. Er ist ein bedeutendes Beispiel einer spätromanischen Hallenkirche gebundener Ordnung. In seiner Form bis heute nur durch kleinere Restaurationen verändert, ist er außerdem reich an diversen Ausstattungsstücken.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Pfarrkirche wurde zur Stärkung des Bistums Münster erbaut. Sie ist in Verbindung mit den übrigen bischöflichen Kaplaneien Beckum, Stadtlohn und Warendorf zu sehen, denn sie verfügten alle über je einen Domherren.

Des Weiteren hielt hier der heilige Liudger vor seinem Tod die letzte heilige Messe.

Architektur

Beeinflusst wurde der Bau von der Klosterkirche Marienfeld, woher das Vorbild der (Marienfelder Pfeiler) stammt, und Lippstadt. Beide standen unter dem Einfluss der Herren zur Lippe.

Grundriss

Der Grundriss besteht aus einem dreischiffigen Gemeindehaus, wobei das Mittelschiff durch drei Jochen von den Seitenschiffen getrennt ist. Das Mittelschiff endet mit einem gerade geschlossenem Chor. Die Seitenschiffe münden in jeweils eine Apsis.

Gewölbe

Das Domikalgewölbe ist in den Seitenschiffen gratig jedoch im Mittelschiff mit acht Rippen unterlegt. Die Schlusssteine sind oftmals als Tiere oder Blätter gestaltet. Die Bögen sind mit westfälisch-typischem Wulstprofil versehen. Alle Flächen und Gliederungen des Gewölbes waren ursprünglich mit Farbe versehen.

Fassade

Bis auf den Turm ist die Pfarrkirche reich im gotischen Stil verziert. Dies lässt darauf schließen, dass an dieser Kirche rheinische Steinmetze mitarbeiteten. Vergleichbare Bauten in Westfalen sind weitaus weniger geschmückt als Gebäude die in die regionale Ausbreitung der rheinischen Steinmetzkunst fallen.

Turm

Der Turm ist in seiner Schlichtheit herausstechend. Die einzigen Verzierungen bestehen aus Rundbogenfenstern, die auf jeder Etage angebracht sind. Der Spitzhelm des Turmes stammt vermutlich noch aus der Gotik und wurde um 1700 neu verankert.

Portale

Die Kirche verfügt insgesamt über vier Portale, welche allesamt an der Nordseite zu finden sind. Das Hauptportal ist mit kunstvoll gearbeitetem Rankfries versehen. Das Tympanon, durch Blendbögen und Gesims gegliedert, ist ein Beispiel für eine Gruppe von Hallenkirchen im westlichen Münsterland.

Ausstattung

Die Pfarrkirche verfügt über einen reiche Ausstattung, die in ihren Datierungen vom 15. bis in das späte 18. Jahrhundert reicht.

Hervorzuheben sind vor allem zwei Altäre. Zum einen der Magdalenenaltar (1611) in der südlichen Apsis. Neben seinen frühbarocken Verzierungen ist er geschmückt mit einer Schilderung aus dem Gleichnis 'Gastmahl im Hause des Pharisäers'. An der Westwand befinden sich noch Reste des Paulusaltares von 1719 mit seiner Wappenbekrönung. Hier ist das Relief 'Pauli Sturz vom Pferde' von Johann Wilhelm Gröninger erhalten geblieben.

Des Weiteren findet sich hier ein spätgotischer Taufstein (1497). Er besteht aus acht Seiten und ist ebenfalls reich verziert. Der Taufstein verfügt über Reliefdarstellungen aus dem Alten und Neuem Testament. Die Darstellungen beziehen sich allesamt auf die Taufe.

Ein steinerner Osterleuchter(1500), welcher der Bunickman- Werkstatt zugerechnet wird.

Die Orgel der Johanneskirche wurde 1988 von der Orgelbaufirma Johannes Klais (Bonn) erbaut. Sie ist als „Schwalbennest-Orgel“ an der Rückwand der Kirche angehängt. Sichtbar sind das Hauptwerk und die Pedaltürme, während das Schwellwerk sowie die Windanlage in einer Nische hinter der Orgel untergebracht sind. Der Spieltisch befindet sich auf einer der Orgel vorgelagerten kleinen Empore. Das Instrument hat 25 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch. Als Besonderheit verfügt das Instrument über ein Glockenspiel aus 39 Bronzeglocken mit einem Tonumfang von c0 - g3.[1]

I Hauptwerk C–g3
1. Quintade 16'
2. Principal 8'
3. Rohrgedackt 8'
4. Octave 4'
5. Blockflöte 4'
6. Quinte 22/3'
7. Superoctave 2'
8. Terz 13/5'
9. Mixtur V 11/3'
10. Trompete 8'
Tremulant
II Schwellwerk C–g3
11. Bordun 8'
12. Viola da Gamba 8'
13. Schwebung 8'
14. Principal 4'
15. Koppelflöte 4'
16. Octavin 2 '
17. Larigot 11/3'
18. Sesquialter II 22/3'
19. Plein Jeu IV 2'
Glockenspiel
Tremulant
Pedal C–f1
20. Subbass 16'
21. Octavbass 8'
22. Spillflöte 8'
23. Choralbass 4'
24. Hintersatz IV 22/3'
25. Fagott 16'

Literatur

  • Kluge, Dorothea; in Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Westfalen, 1969

Einzelnachweise

  1. Nähere Informationen zur Orgel der Johanneskirche
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