Tilly Bébé

Tilly Bébé
Miss Tilly Bébé Dompteuse, Werbeplakat, 1902/03
Tilly Bébé, Ansichtskarte mit Autograf, 1905

Tilly Bébé (eigentlich Mathilde Rupp; * 27. März 1879 in Perchtoldsdorf, Niederösterreich; † 11. April 1932 in Wien) war eine österreichische Dompteuse.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Mathilde Rupp war die Tochter eines Obst- und Blumenhändlers. Sie arbeitete zunächst als Schreibkraft in einer Rechtsanwaltskanzlei, wechselte dann aus Tierliebe ihren Beruf und wurde im Wiener Prater-Vivarium zunächst als Tierpflegerin bei den Schlangen, bald jedoch bei der Vorführung von Hyänen (unter dem Dompteur R. Falk) beschäftigt. Entscheidend war jedoch Rupps Ausbildung in der Raubtierdressur durch die Dompteuse „Comtesse X“, die sie zu sich in den Bonner Tierpark holte und ihr den Künstlernamen Tilly Bébé gab: Durch ihren kleinen Wuchs und ihre kindliche Kostümierung wurde sie als „Backfisch im Löwenkäfig“ zu einem Begriff in der Fachwelt. [1]

Ab ihrem 18. Lebensjahr gastierte sie – zunächst mit den zwölf Löwen ihrer Lehrerin (die nach deren Tod in ihren Besitz übergingen) – an allen Weltstadtvarietés (unter anderem im Berliner Wintergarten [2]) und Zirkussen wie Krembser, Henry und Hagenbeck (bei dem sie auch mit einer Gruppe von 14 Eisbären arbeitete); ihr erstes Auftreten im Wiener Varieté Ronacher wurde zu einem Triumph. Rupp gilt als Pionierin der zahmen Dressur. Höhepunkte ihres Programms waren der Rachentrick, bei dem sie ihren Kopf in den Rachen eines riesigen Löwen steckte, sowie der Schlusstrick, bei dem sie trotz ihrer zarten Gestalt einen Löwen auf ihren Schultern aus der Manege trug. [1]

Bébés Auftreten in mädchenhafter Kleidung verlieh dem Zusammenspiel (bzw. dem Kampf [3]) mit den Raubtieren (darunter auch Tiger) im Auge des Publikums besonderen Reiz. Zeitgenössische Fotografien betonten den erotischen Aspekt der „Liebe“ des Tieres zu seiner Bändigerin.[4]

Tilly Bébé „besaß die Berühmtheit einer Mae West des Kaiserreichs. Wo immer sie auftauchte überschlug sich die Lokalpresse in sensationslüsternen Berichten“.[5]

Ein erhaltener gebliebener Kurzdokumentarfilm, 1908 von der Deutschen Bioskop in Berlin-Kaulsdorf gedreht, dokumentiert den Löwendressurakt von Tilly Bébé.[6][7] Im Jahr 1987 drehte die Regisseurin Antonia Lerch einen Tilly Bébé betitelten Kurzfilm.

Mathilde Rupp starb, nach langjähriger Krankheit, völlig verarmt. [1]

Literatur

  • B(erthold) Lang: Rupp Mathilde. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 9, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1988, ISBN 3-7001-1483-4, S. 329.
  • August Heinrich Kober: Die grosse Nummer. Geschichten und Schicksale berühmter Zirkus- und Varieténummern. Ullstein A. G., Berlin 1925. [8]
  • Stephanie Haerdle: Amazonen der Arena. Dompteusen und andere Zirkusartistinnen. Wagenbachs Taschenbücherei, Band 649. Wagenbach, Berlin 2010, ISBN 978-3-8031-2649-8[9]
    (Früher unter dem Titel: Stephanie Haerdle: Keine Angst haben, das ist unser Beruf! Kunstreiterinnen, Dompteusen und andere Zirkusartistinnen. AvivA, Grambin 2007, ISBN 978-3-932338-29-8.)

Einzelnachweise

  1. a b c B(erthold) Lang: Rupp Mathilde.
  2. Circus Plakat Zirkus Tilly Bébé Wintergarten Löwe 146. In: shop.billerantik.de, abgerufen am 18. Mai 2011.
  3. Jürgen Weisser: Zwischen Lustgarten und Lunapark. Der Volksgarten in Nymphenburg (1890–1916) und die Entwicklung der kommerziellen Belustigungsgärten. Kulturwissenschaften. Utz, München 1998, 3-89675-449-1, S. 131 online.
  4. Gerhild Kaselow: Die Schaulust am exotischen Tier. Studien zur Darstellung des zoologischen Gartens in der Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Olms, Hildesheim 1999, ISBN 3-487-10858-5, S. 96.
  5. Thomas Brandlmeier: FilmMaterialien 10 - Der komische Kintopp. Frühe deutsche Filmkomödie. 1895–1917. In: deutsche-filmografie.de, abgerufen am 18. Mai 2011.
  6. Tilly Bébé – Die berühmte Löwenbändigerin in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database (Stummfilm von 1908)
  7. Tilly Bébé, die berühmte Löwenbändigerin. In: stummfilm.at, (2011), abgerufen am 18. Mai 2011.
  8. Permalink Deutsche Nationalbibliothek.
  9. Inhaltsverzeichnis online (PDF).

Weblinks


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