Tremitische Inseln

Tremitische Inseln
Tremiti-Inseln
Blick auf San Nicola
Blick auf San Nicola
Gewässer Adria
Anzahl der Inseln 5
Hauptinsel San Domino
Gesamtfläche 3 km²
Einwohner 365
Geographische Lage 42° 7′ N, 15° 30′ O42.1215.4955277777787Koordinaten: 42° 7′ N, 15° 30′ O
Tremiti-Inseln (Italien)
DEC
Tremiti-Inseln
Blick auf San Nicola
Blick auf San Nicola

Die Tremiti-Inseln liegen in der italienischen Adria in der Region Apulien, nördlich der Gargano-Halbinsel. Sie bestehen aus den Inseln San Domino, San Nicola, Capraia, Cretaccio und Pianosa mit einer Gesamtfläche von etwa drei Quadratkilometern. Es leben insgesamt 365 Einwohner auf den Tremiti. Die Inseln gehören zur Gemeinde Isole Tremiti.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Während der Diktatur Benito Mussolinis wurden die Inseln als Gefangenenlager benutzt. Heute sind sie wegen des sie umgebenden klaren Wassers eine Touristenattraktion. Die Inselgruppe gehören seit 1991 zum Naturschutzpark Parco Nazionale del Gargano.

Bewohnt sind lediglich San Domino und San Nicola. San Domino, die früher „Tremetis“ genannt wurde, ist die größte der Inseln. Sie ist für den Tourismus am bedeutendsten und weist als einzige der Tremiti-Inseln einen Sandstrand auf. Auf San Nicola lebt der Großteil der Bevölkerung.

Capraia ist die einzig bedeutende der unbewohnten Inseln, sie ist Teil des Naturschutzgebiets. Cretaccio ist ein großer Felsblock ohne touristische Anziehung. Pianosa erhebt sich an der höchsten Stelle nur 15 Meter aus dem Meer. Während starker Stürme wird die Insel von den Wellen manchmal komplett verschluckt.

Santa Maria di Tremiti

Ob das Benediktinerkloster S. Maria di Tremiti schon im 8. Jahrhundert bestand, ist zweifelhaft. Der Bericht des Leo von Ostia, Karl der Große habe Paulus Diaconus dorthin in die Verbannung geschickt, ist fiktiv.[1] Der erste Abt ist 1005 belegt, 1045 wird die von Abt Alberich neu erbaute Kirche vom Bischof von Dragonara geweiht. Im 11. Jahrhundert brachten zahlreiche Schenkungen weltlicher Herren umfangreichen Besitz auf dem Festland, vor allem im Marserland und im Prinzipat von Benevent und in den Diözesen Siponto, Vieste, Troia und Dragonara. 1038 hat Konrad II. auf Bitten des Abtes Deodatus die Abtei in seinen Schutz genommen,[2] was Heinrich III. 1054 bestätigte,[3] auch wenn das Reich keine dauerhafte Herrschaft in Süditalien ausüben konnte. Enge Beziehungen bestanden zu Montecassino: der spätere Papst Stephan IX. hat sich auf der Flucht vor Heinrich III. vorübergehend nach Tremiti zurückgezogen. Leo IX. hat die Abtei direkt dem Hl. Stuhl unterstellt, dennoch versuchte Montecassino unter Nikolaus II., sich das Kloster einzuverleiben, allerdings ohne bleibenden Erfolg. Abt Desiderius konnte eine Oberaufsicht ausüben, Urban II. und seine Nachfolger ließen Tremiti in die Besitzlisten der Privilegien für Montecassino aufnehmen, dennoch konnte das Inselkloster seine Selbständigkeit behaupten, wie aus dem Eintrag im Liber Censuum hervorgeht. 1237 ist auch der Treueid eines Abtes dort nachgetragen. Die Plünderungen von Inseln und Kloster durch Piraten in der Zeit Innozenz III. leiteten den geistlichen und weltlichen Niedergang ein. Die von Gregor IX. angeordneten Reformen führten zum Anschluss des Klosters an die Zisterzienserabtei Casanova in der Diözese Penne. 1412 ging der Klosterverband an die Lateranensischen Regularkanoniker über, 1782 wurde das Kloster aufgehoben und später zum Gefängnis umgewandelt.
Die reichhaltige Bibliothek unter Abt Eustasius um 1175 ist durch das erhaltene Bücherverzeichnis bekannt.[4]

Verkehr

Ganzjährige Schiffsverbindungen bestehen nur von Termoli aus (mit der Tirrenia di Navigazione), in der Touristensaison Anfang Juni bis Ende September können die Inseln auch von Pescara, Ortona, Vasto, Vieste, Manfredonia oder Rodi Garganico (bis Ende August) mit dem Schiff erreicht werden. In dieser Zeit sind mehrere Reedereien aktiv, unter anderem auch mit Schnellbooten, so dass auch Fahrten von Pescara, Ortona und Vasto schnell möglich sind. Vom Bahnhof der Stadt Termoli, an dem alle Fernzüge halten, besteht ein Zubringerdienst zum Hafen. Das eigene Auto kann nicht auf die Inseln mitgenommen werden.

Außerdem kann ganzjährig zweimal täglich mit dem Helikopter in 20 Minuten von Foggia nach San Domino geflogen werden.

Legende von Diomedes

Früher wurden die Inseln auch als „die Inseln des Diomedes“ bezeichnet, da der Begleiter von Odysseus hier nach dem Krieg gegen Troja gestrandet sein soll. Nach einer Legende versteckte sich Diomedes nach dem trojanischem Krieg auf der Insel. Nach seinem Tod trauerten seine Kriegsbegleiter und wurden von Venus in weiße Vögel verwandelt, um ihm in den Himmel zu folgen, in die sogenannten Diomedee.

Literatur

  • Walther Holtzmann, Italia Pontificia IX: Samnium - Apulia - Lucania. Berlin 1962, S. 178-186.
  • Armando Petrucci, Codice diplomatico del monastero benedettino di S.Maria di Tremiti (1005-1237), Rom 1960 [Fonti per la storia d'Italia, 98].
  • Charles B. McClendon, The Church of S. Maria di Tremiti and Its Significance for the History of Romanesque Architecture, in The Journal of the Society of Architectural Historians, Vol. 43, No. 1. (Mar., 1984), pp. 5-19.

Einzelnachweise

  1. Chronica monasterii Casinensis I,15
  2. D.K.II. 272
  3. D.H.III. 323
  4. Armando Petrucci, L'archivio e la biblioteca del monastero benedettino di Santa Maria di Tremiti, in Bull API n.s. 2-3, 1956-1957, 291-307

Weblinks


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