Verein zur Wahrung der deutschen Sprache

Verein zur Wahrung der deutschen Sprache

Der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) ist ein deutscher Sprachverein mit Sitz in Dortmund. Er wurde am 12. November 1997 gegründet und zählt heute nach eigenen Angaben rund 30.000 Mitglieder (Stand 1. Januar 2008: 30.336[1]) in über 100 Ländern (13.850 in Deutschland).[2] Vorsitzender des Vereins ist seit der Gründung der Dortmunder Wirtschaftswissenschaftler Walter Krämer.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Vereinsziel

Der Verein wurde 1997 als Verein zur Wahrung der deutschen Sprache (VWDS) gegründet und im April 2000 in Verein Deutsche Sprache umbenannt. Er trägt den Zweitnamen „Bürger für die Erhaltung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt Europas“.

Der Verein geht in erster Linie gegen „Denglisch“ vor, lehnt aber die Übernahme von Fremdwörtern aus dem Englischen nicht gänzlich ab, sofern sie eine Lücke füllen. So bekannte der Vorsitzende Walter Krämer: „Ich selbst nutze in meinen Vorlesungen sogar dann englische Wörter, wenn es deutsche dafür gibt, aber wenn die englischen halt kürzer sind. […] Wenn es knackiger ist und eine Lücke füllt, habe ich keine Berührungsängste.“[3]

Im Streit um die Rechtschreibreform nimmt der VDS eine neutrale Stellung ein. Die Vereinszeitung „Sprachnachrichten“ erscheint seit Herbst 2008 in reformierter Rechtschreibung, im Netzauftritt trifft man auf Texte in alter und in neuer Rechtschreibung sowie auf Mischformen. Im Diskussionsforum „Klartext“ sind Erwähnungen von Rechtschreibangelegenheiten ausdrücklich unerwünscht, während in den „Sprachnachrichten“ immer wieder Stellungnahmen dazu zu lesen sind.

Abspaltungen

Wegen anhaltend unberücksichtigter Kritik, die sich vor allem am Führungsstil des Vereinsvorsitzenden Walter Krämer entzündete, verließen Ende 2005 die Bautzener und Anfang 2006 die etwa 50 Mitglieder der hannoverschen Regionalgruppe den VDS und gründeten sich als „Sprachrettungsklub Bautzen/Oberlausitz e. V.“ und „Aktion Deutsche Sprache e. V.“ neu.

Mitgliederstruktur

Die rund 30.000 Mitglieder (Stand: Januar 2008; siehe oben), darunter die Hälfte ausländische (allein 4220 in Afrika), kommen aus allen Bevölkerungsschichten. In der Führungsebene dominieren Angehörige akademischer und universitärer Berufe. Unter den Mitgliedern des Vereins befinden sich zahlreiche Prominente, beispielsweise Bastian Sick (Zwiebelfisch), Dieter Hallervorden, Reinhard Mey, Ottmar Hitzfeld und Antje Vollmer.

Als erste Stadt ist 2005 Mühlhausen/Thüringen dem Verein beigetreten. Später folgten die Städte Gotha und Rastatt sowie der Landkreis Sömmerda.

Organisation

Regionalgruppen

Der Verein unterhält Arbeitskreise zu zahlreichen sprachpolitischen Themen und ist in selbständigen Regionalgruppen organisiert, die in Deutschland und weiten Teilen der Welt das Anliegen des Vereins regional vertreten, sowie über in der Region gewählte Delegierte in einer jährlich ausgerichteten Delegiertenversammlung die Vereinspolitik mitbestimmen. Der Verein ist auf allen Kontinenten im Ausland vertreten, jedoch nicht in Österreich und der Schweiz, weil es dort eigenständige Sprachvereine gibt, die mit dem VDS zusammenarbeiten.

Vereinszeitung

Der Verein Deutsche Sprache gibt unter anderem die vierteljährlich erscheinende Vereinszeitung „Sprachnachrichten“ heraus, die nach eigenen Angaben eine Auflage von etwa 50.000 Exemplaren hat.

Wissenschaftlicher Beirat

In sprachwissenschaftlichen Fragen steht dem Verein ein 1999 gegründeter Wissenschaftlicher Beirat zur Seite, dem unter anderem Helmut Glück von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und Wolfram Wilss von der Universität des Saarlandes in Saarbrücken angehören. Vorsitzender ist Roland Duhamel von der Universität Antwerpen.

Initiativen

„Anglizismenindex“

Der Verein gibt eine Liste heraus, die zu einzelnen Anglizismen jeweils alternative Ausdrücke in der deutschen Sprache aufzeigen will.

Sprachpanscher des Jahres

Der Verein Deutsche Sprache verleiht in unregelmäßigen Abständen den Titel „Sprachhunzer des Monats“ und jährlich den Titel „Sprachpanscher des Jahres“ an Personen, die im öffentlichen Sprachgebrauch Anglizismen oder „Denglisch“ verwenden.

Als „Sprachpanscher“ bezeichnet der Verein Menschen, die, sei es bewusst oder aufgrund mangelnder Kenntnis der deutschen Begriffe beziehungsweise deren Bedeutungen, ständig neue „trendige“ Wörter verwendeten, auch wenn es schon gebräuchliche deutsche Bezeichnungen dafür gibt. Dies werde von den Benutzern oftmals mit einem „für manche Sachen gibt es kein treffendes deutsches Wort“ gerechtfertigt, während Menschen, die zum vorsichtigen Umgang mahnen, oftmals als „Ewiggestrige“ bezeichnet würden. Der Verein vertritt die Auffassung, zwischen muttersprachlichen und fremdsprachlichen Ausdrücken würden kleine Bedeutungsunterschiede konstruiert, um die Unerlässlichkeit der Lehnwörter zu untermauern.

Im Rahmen der „Aktion Sprachhunzer“ werden die Adressen von „Sprachsündern“ auf der Webseite des VDS veröffentlicht. Die Mitglieder sind aufgefordert, die „rohen Sprachverderber […] mit Protesten“ zu überhäufen. Es besteht zudem die Möglichkeit, auf weitere „denglischsüchtige Schwätzer“ hinzuweisen.

Preisträger

Tag der deutschen Sprache

Der VDS rief 2001 den „Tag der deutschen Sprache“ ins Leben. Dieser findet jährlich am zweiten Samstag im September statt.

Kulturpreis Deutsche Sprache

Zusammen mit der „Eberhard-Schöck-Stiftung“ vergibt der VDS jährlich den Kulturpreis Deutsche Sprache, einen der am höchsten dotierten Sprachpreise im deutschsprachigen Raum.

Initiativen von Regionalgruppen

Die Regionalgruppe Köln, die sich zusätzlich der Kölner Mundart verbunden fühlt, verleiht seit 2004 den Lehrer-Welsch-Preis, den 2006 die Kölner A-cappella-Gruppe Wise Guys erhielt.

Sprachsiegel

Der Verein verkauft seit 2008 ein Sprachsiegel, mit dem gegen Bezahlung gutes Deutsch ausgezeichnet wird. Die Preise liegen zwischen 800 und 9000 Euro.

Kritik

Die Sprachwissenschaft beschreibt die vom Verein Deutsche Sprache kritisierten Erscheinungen fast durchweg als Phänomene des Sprachwandels. Sprachwandel habe die Form der Sprache, wie sie heute bekannt sei, geprägt; über viele Jahrhunderte sei die Regulierung der Sprache durch normative Institutionen ein Randphänomen gewesen, Sprache entwickele sich weitgehend eigengesetzlich. Dabei spielten die Gesetze des Sprachwandels und die Kommunikationsökonomie (Produktions- und Rezeptionsökonomie, das heißt ein möglichst geringer Aufwand für den Sprecher und für den Hörer) eine Rolle, aber auch soziale Aspekte. So seien Sprachen immer wieder dadurch verändert worden, dass andere Sprachen ein hohes Sozialprestige genossen; beim Deutschen sei das zuletzt im 18. und 19. Jahrhundert durch das Französische geschehen, wodurch zahlreiche Lehnwörter ins Deutsche kamen.

Im 20. Jahrhundert habe das Englische diese Rolle des Französischen übernommen, insbesondere nach 1945. Durch die allgemeine Verbreitung über die Massenmedien würden allerdings wesentlich mehr und breitere Bevölkerungsschichten erreicht als in den Jahrhunderten zuvor. Dies habe dazu geführt, dass die derzeitige Entwicklung der Fachsprachen im Deutschen zumal von nicht-sprachwissenschaftlicher Seite häufig als problematisch angesehen werde, da in vielen modernen Kommunikationsbereichen die Entwicklung des deutschen Wortschatzes nur noch eingeschränkt mit eigensprachlichen Mitteln stattfinde.

Von einzelnen Seiten erhebt sich Kritik gegen den Verein und seine Arbeit: Er sei ein „Nährboden für Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus“.[4] Der VDS weist solche Vorwürfe als Verleumdung zurück.[4]

Literatur

  • Niehr, Thomas: Linguistische Anmerkungen zu einer populären Anglizismen-Kritik. Oder: Von der notwendig erfolglos bleibenden Suche nach dem treffenderen deutschen Ausdruck. In: Sprachreport 4/2002; S. 4-10. (Erweiterte Version des Aufsatzes als PDF)
  • Nussbaumer, Markus: Kommentar zu: Die Zukunft der deutschen Sprache. Eine Streitschrift. Hrsg. v. Helmut Glück und Walter Krämer. Leipzig: Ernst Klett Schulbuchverlag 2000. In: Zeitschrift für germanistische Linguistik (ZGL) 1/2003; S. 109-118.
  • Pfalzgraf, Falco: Bestrebungen zur Einführung eines Sprachschutzgesetzes seit der deutschen Vereinigung. In: German Life and Letters 4/2008; S. 451-469.
  • Stukenbrock, Anja: Aus Liebe zur Muttersprache? Der VDS und die fremdwortpuristische Diskurstradition. In: aptum - Zeitschrift für Sprachkritik und Sprachkultur 3/2005; S. 220-247.

Siehe auch

Weblinks

Quellen

  1. Mitglieder-Information, März 2008
  2. VDS-Mitglieder weltweit, sprachnachrichten 01/2007, Seite 28
  3. Walter Krämer in: Rolf Potthoff: Das Deutsche ist cool, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 14. März 2007
  4. a b Pressemitteilung des VDS e. V. vom 15. Mai 2001, http://www.vds-ev.de/presse/pressemitteilungen/archiv/2001_15_05.php

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