Verwandtenehe

Verwandtenehe

Eine Verwandtenheirat ist eine Eheschließung unter Blutsverwandten. Die Nähe bzw. der Grad der Verwandtschaft ist dabei biologisch eindeutig aus der gemeinsamen Abstammung bestimmbar.

Inhaltsverzeichnis

Katholisches Eherecht

Für nahe Verwandte (bis Cousins 1. Grades) gab es und gibt es das kirchliche Verbot der Eheschließung. Für bestimmte Verwandtschaftsgrade (z.B. für Cousin-Cousine) kann es von der Kirche durch einen Dispens (Sondergenehmigung) aufgehoben werden. Bis 1917 verbot die Katholische Kirche Ehen bis einschließlich Cousin und Cousine 3. Grades. Spanische Bourbonen, die sich wie ihre Vorgänger vom Papst "Katholische Könige" nennen ließen, praktizierten mit dem Segen der Kirche Erstvetter- und Onkel-Nichtenheirat gleich mehrfach und in aufeinanderfolgenden Generationen.

Bürgerliches Eherecht

Cousins aller Verwandtschaftsgrade können in Deutschland und nach den Zivilrechten der meisten anderen Staaten heiraten, verboten ist in Deutschland eine Heirat zwischen Blutsverwandten gerader Linie (Elternteil/Kind, Großelternteil/Enkelkind) und zwischen voll - und halbbürtigen Geschwistern - § 1307 BGB.

Ehen zwischen Personen, die Ahnengemeinschaft in ihrer 4. oder weiter zurückliegenden Vorfahrengeneration haben, gelten nicht mehr als Verwandtenheirat.

Familienplanung

Die Verwandtenheirat spielt eine große Rolle in der humangenetischen Beratung, die aus diesem Grund Stammbäume aufstellt, um das Risiko von Erbkrankheiten abschätzen zu können.

Risiko für schwere und (alle) körperlichen oder geistigen Fehlbildungen beim Kind:[1]

  • Verwandte 1. und 2. Grades (Vater-Tochter, Bruder-Schwester): ≈ 30% (≈ 50%)
  • Verwandte 3. Grades (Onkel-Nichte, Halbgeschwister) : ≈ 10% (≈ 15%)
  • Cousin-Cousine 1. Grades : ≈ 5 bis 6% (≈ 8%)
  • Cousin-Cousine 2. Grades : ≈ 3 bis 4% (≈ 5%)
  • Unverwandt  : ≈ 2 bis 3% (≈ 4%)


Extreme Ausmaße erreichen die genetischen Risiken nur bei Nachkommen von Verwandten 1. Grades (Inzest), bei einem einfachen Paar Cousin-Cousine 1. Grades ist das Risiko um ein vielfaches kleiner, liegt aber im Vergleich zur Normalbevölkerung noch etwa doppelt so hoch. Ab Cousin-Cousine 2. Grades ist das Risiko dem der Allgemeinbevölkerung nahezu, ab Cousin-Cousine 3. Grades vollständig, gleichzusetzen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Hansjakob Müller e.a.: Familienplanung und Genetik, Schweizerisches Medizin-Forum Nr.24/2005 S.639
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