Wiedemann-Franz-Gesetz

Wiedemann-Franz-Gesetz

Das Wiedemann-Franzsche Gesetz, auch Wiedemann-Franz-Gesetz, ist ein empirisches Gesetz, das das Verhältnis zwischen thermischer Leitfähigkeit λ und elektrischer Leitfähigkeit σ in einem Metall als nahezu proportional zur Temperatur T beschreibt, unabhängig von dem betrachteten Metall:

\frac{\lambda}{\sigma} = L T

Die Proportionalitätskonstante L = \frac{\lambda}{\sigma T} heißt Lorenz-Zahl und liegt bei 2{,}1\ldots 2{,}9\cdot 10^{-8}\,\mathrm{W\,\Omega\,K^{-2}}.

Geschichte

Das Gesetz wurde nach Gustav Heinrich Wiedemann und Rudolph Franz benannt. Diese hatten 1853 zuerst herausgefunden, dass das Verhältnis \tfrac{\lambda}{\sigma} für alle Metalle bei gleicher Temperatur annähernd gleich ist. Ludvig Lorenz stellte dann schließlich 1872 die Linearität dieses Verhältnisses zur Temperatur fest.

Die erste theoretische Erklärung des Gesetzes erfolgte um 1900 durch Paul Drude, der mit dem nach ihm benannten Drude-Modell für die Lorenz-Zahl den Wert

L = \frac{3}{2}\left(\frac{k_\mathrm{B}}{e}\right)^2 = 1{,}11\cdot 10^{-8}\,\mathrm{W\,\Omega\,K^{-2}}

berechnete, wobei kB die Boltzmann-Konstante und e die Elementarladung bezeichnet. Dieser Wert weicht durch falsche Annahmen im Drude-Modell um einen Faktor zwei von den experimentell bestimmten Werten ab, stellt den Zusammenhang aber bereits qualitativ korrekt dar. Mit der um 1933 durch Arnold Sommerfeld verbesserten Drude-Sommerfeld-Theorie wird die Lorenz-Zahl schließlich auch quantitativ bestätigt:

L = \frac{\lambda}{\sigma T} = \frac{\pi^2}{3}\left(\frac{k_\mathrm{B}}{e}\right)^2 = 2{,}44\cdot 10^{-8}\,\mathrm{W\,\Omega\,K^{-2}}

Bedeutung

Das Wiedemann-Franzsche Gesetz zeugt von der Tatsache, dass in Metallen die Ladungsträger auch Träger von Wärmeenergie sind. Es gilt für sehr tiefe und sehr hohe Temperaturen. Abweichungen ergeben sich bei mittleren Temperaturen zwischen ungefähr 10 K und 200 K durch ballistische Wärmeleitung. Außerdem berücksichtigt das Wiedemann-Franzsche-Gesetz nicht Beiträge von Gitterschwingungen (Phononen) zur Wärmeleitung, da diese zwar Wärme, aber keine Ladung transportieren.

Literatur

  • Neil W. Ashcroft, N. David Mermin: Solid State Physics. Saunders College Publishing, New York 1976, ISBN 0-03-083993-9, S. 20-23, 52. 
  • G. Wiedemann, R. Franz: Ueber die Wärme-Leitungsfähigkeit der Metalle. In: [Pogg.] Ann. Phys. 89, Nr. 8, 1853,S. 497–531 (PDF).
    Nachdruck: G. Wiedemann, R. Franz: Über die Wärme-Leitungsfähigkeit der Metalle. In: Arthur Wehnelt (Hrsg.): Ostwald’s Klassiker der Exakten Wissenschaften. 222, Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1927. 
  • R. W. Powell: Correlation of metallic thermal and electrical conductivities for both solid and liquid phases. In: International Journal of Heat and Mass Transfer. 8, Nr. 7, 1965, S. 1033-1045 (doi:10.1016/0017-9310(65)90086-4). 

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