Binger Loch

Binger Loch
Binger Loch im Jahr 2004
Markierungstonne im Binger Loch
Lochsteine

Das Binger Loch bei Rheinkilometer 530,8, rechtes Ufer, war die schwierigste Engstelle für die Schifffahrt im Oberen Mittelrheintal. Sie liegt in Sichtweite stromabwärts des Binger Mäuseturms und der Burg Ehrenfels. Beim Durchbruch des Rheins durch das Rheinische Schiefergebirge war an dieser Stelle ein quer zum Fluss verlaufendes Quarzitriff stehengeblieben. Lastschiffe konnten im Mittelalter das Binger Riff nicht passieren. Weinfässer und andere Lasten wurden bei Lorch entladen und über den Niederwald (den Kaufmannsweg) auf dem Landweg nach Geisenheim gebracht.

Die Schaffung einer Passage für die Schifffahrt gelang durch Sprengung eines Lochs in die Felsbarriere, daher der Name Binger Loch.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutendes Abflusshindernis

Das Gefälleprofil des Rheins erfährt durch die Felsbarriere im Flussbett einen gewaltigen Knick nach oben, wodurch das Gefälle zwischen etwa Mannheim und Bingen deutlich kleiner und zwischen Bingen und etwa Koblenz deutlich größer ausfällt, als es einer gedachten Ideallinie zwischen dem Bodensee und der Nordsee entsprechen würde. So beträgt das Gefälle oberhalb von Rüdesheim etwa 10 Zentimeter je Stromkilometer, wohingegen das Gefälle unterhalb des Binger Lochs auf 65 Zentimeter je Kilometer zunimmt. Bei Mittelwasser wird der Wasserspiegel direkt oberhalb der Lochsteine mit 77,4 m ü. NN angegeben und drei Kilometer stromabwärts, direkt vor der Kiesbank des Klemensgrundes, erreicht das Mittelwasser nur noch ein Niveau von 75,4 m ü. NN. Bei Niedrigwasser war der Wasserstand unmittelbar unterhalb des Binger Lochs 80 Zentimeter niedriger als oberhalb.

Entsprechend unterschiedlich sind die Strömungsgeschwindigkeiten. Oberhalb von Bingen entspricht die Strömung bei Mittelwasser etwa dem Tempo eines Spaziergängers am Ufer, während unterhalb die Strömung so stark wird, dass die Markierungstonnen zur Begrenzung des Fahrwassers gischtende Bugwellen erzeugen.

Die Breite des Stroms ist auch sehr unterschiedlich. Im Oberen Rheingau weichen das linke und das rechte Rheinufer bis zu 1000 Meter auseinander und lassen dem Strom Platz für große Inseln. Rheinabwärts bleibt unter dem Loreleyfelsen für die gleiche Wassermenge nur ein schmales Bett von ungefähr 160 Meter Breite.

Schiffbarmachung

Schon die Römer hatten vergeblich versucht, das Binger Riff zu durchbrechen. Erst im 17. Jahrhundert gelang es, auf Betreiben von Frankfurter Kaufleuten, eine vier Meter breite Durchfahrt zu schaffen. Als Folge verlandeten die Wasserburgen im Rheingau. Von den ehemals 32 Inseln sind heute nur noch sechs übrig. Drei Inseln wurden weggeschwemmt, der Rest ist verlandet. In Mainz begann der Grundwasserspiegel unter dem Dom abzusinken, die 20.000 Eichenpfähle, auf denen das mächtige Bauwerk ruhte, begannen zu faulen und mussten durch ein tieferes, steinernes Fundament ersetzt werden, da der Dom einzustürzen drohte. Diese Sicherungsarbeiten wurden erst Ende 1925 abgeschlossen.

Letztendlich brachten aber erst die preußischen Sprengungen von 1830 bis 1841 eine wesentliche Verbesserung der Schifffahrtssituation. Dabei wurde das Binger Loch auf 14 Meter verbreitert. Nachdem eine Breite von neun Metern erreicht war, errichtete man auf der Bingerbrücker Seite ein Denkmal auf den ausgebrochenen Steinen. 1860 wurde mit dem Bau eines zweiten Fahrwassers auf der linksrheinischen Seite begonnen und eine 90 Meter breite Öffnung in das Quarzitriff gesprengt. Das neue Fahrwasser wurde 1867 durch ein Parallelwerk von einem Kilometer Länge vom Hauptstrom abgetrennt. Zwischen 1925 und 1932 wurde die Breite auf 60 Meter verringert und gleichzeitig sieben Grundschwellen eingebaut, um die erforderliche Wassertiefe zu erreichen. 1893–94 wurde das Binger Loch auf 30 Meter verbreitert, und von 1966–74 erfolgte der endgültige Ausbau auf 120 Meter. Das zweite Fahrwasser wurde geschlossen.

Vor diesem Ausbau war das Binger Loch nur rheinaufwärts befahrbar. Der Talverkehr benutzte das „neue Fahrwasser“. Nach der letzten Maßnahme in den 1990er-Jahren und dem neu erbauten Leitwerk ist das Binger Loch praktisch verschwunden. Die im oberen Foto quer zum neuen Leitwerk verlaufenden drei Felsen sind die Reste des Quarzitriffs, die sogenannten Lochsteine.

Denkmal

Denkmal für die Verbreiterung von 1832

Das 1832 auf der Gemarkung von Weiler bei Bingen errichtete Denkmal für die Verbreiterung des Binger Lochs trägt die Inschrift:

An dieser Stelle des Rheins verengte ein Felsenriff die Durchfahrt. Vielen Schiffen wurde es verderblich. Unter der Regierung Friedrich Wilhelm des III. König von Preußen ist die Durchfahrt nach dreijähriger Arbeit auf 210 Fuß (ca. 66 m) das Zehnfache des Früheren verbreitert. Auf gesprengtem Gestein ist dieses Denkmal errichtet. 1832

Literatur

Ausführliche historische Beschreibung der Binger-Loch-Erweiterung 1832

Weblinks

 Commons: Binger Loch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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