Benz & Cie.

Benz & Cie.
Carl Benz (1844–1929)
Benz-Stationärmotor

Die Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik in Mannheim war ein deutsches Maschinenbau- und Automobilunternehmen, das in Mannheim gegründet wurde und später Betriebsstätten in Mannheim-Waldhof und Gaggenau hatte.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Ingenieur Carl Benz, der 1879 seinen ersten funktionierenden Zweitaktmotor entwickelte und 1883 aus der von ihm gegründeten „Mannheimer Gasmotorenfabrik“ ausschied, gründete am 1. Oktober desselben Jahres zusammen mit den Kaufleuten Max Caspar Rose und Friedrich Wilhelm Eßlinger die „Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik in Mannheim“. Bereits in den ersten 4 Monaten konnte das neue Unternehmen über 800 Stationärmotoren verkaufen.

1886 erhielt das Unternehmen das Patent auf das neue, dreirädrige Ligroingas-Veloziped, das als Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 angeboten wurde. Damit war Benz & Cie. der erste Automobilhersteller Deutschlands. In rascher Folge entstanden weitere drei- und vierrädrige Automobile. Während Benz & Cie. die Fahrgestelle und Motoren fertigte, lieferte der Mannheimer Stellmacherbetrieb Kalkreuther fast alle Aufbauten und Karosserien. Von seinen Zweitaktmotoren konnten 1886 schon 80 Stück verkauft werden und 1891 waren es bereits 500 Motoren die größtenteils exportiert wurden. Im Jahr 1891 hatte Benz die Achsschenkellenkung für seine Fahrzeuge nochmals neu erfunden.[1] Hatte man bis 1893 noch gerade mal 69 Fahrzeuge hergestellt, waren es bis zur Jahrhundertwende schon insgesamt 1709 Stück. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 40 im Jahre 1887 bis auf 430 in Jahre 1899.

1890 schieden die beiden Gesellschafter Rose und Eßlinger aus dem Unternehmen aus. Neue Miteigentümer wurden Friedrich von Fischer und Julius Ganß, die, wie Benz, die Zukunft im Bau von Automobilen sahen.

1899 wurde die Benz & Cie. (oder Benz & Co., wie einige Quellen angeben) in „Benz & Cie. AG“ umbenannt; die Vorstände der neuen Aktiengesellschaft wurden Benz und Ganß.

Im neuen Jahrhundert, als die Eigner des Unternehmens gerade Grundstücke zum Bau einer neuen Fabrik im Mannheimer Vorort Waldhof gekauft hatten, sackten die Verkäufe plötzlich drastisch ab: Der wichtigste Konkurrent, die Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart hatte mit ihren modernen Mercedes-Modellen der ehemals größten Automobilfabrik der Welt entscheidende Marktanteile abgenommen. Ganß verpflichtete daraufhin den französischen Konstrukteur Marius Barbarou, der auch gleich Pläne für eine ganz neue Baureihe mitbrachte, die die veralteten Benz-Konstruktionen ersetzte und unter dem Namen „Parsifal“ herauskam. Barbarou wurde als Konstrukteur der neuen Benz-Wagen der Öffentlichkeit präsentiert, was Benz so verärgerte, dass er sich 1903 aus der aktiven Tätigkeit im Unternehmen zurückzog. Auch die neue Baureihe verbesserte die Situation des Unternehmens nicht wesentlich, und so schieden 1904 Ganß und Barbarou aus dem Unternehmen aus, Benz wurde Aufsichtsratsvorsitzender.

Die neuen Gesellschafter Georg Diehl und Fritz Erle ließen vom neuen Konstrukteur Hans Nibel die Modellpalette gründlich überarbeiten und sorgten endlich 1905 wieder für den notwendigen wirtschaftlichen Erfolg, vorwiegend mit Fahrzeugen der Ober- und Luxusklasse. Aber auch die Rennfahrzeuge machten die Benz & Cie. weltberühmt. Bekanntestes Modell war der Blitzen-Benz von 1909.

Werk Gaggenau

Markenzeichen Benz Gaggenau

Benz & Cie. sah weitere Marktchancen im Bau von Lastkraftwagen, wozu allerdings der Platz im Mannheimer Werk nicht ausreichte. Daher kooperierte man ab 1907 mit der Süddeutschen Automobilfabrik GmbH in Gaggenau und übernahm das Unternehmen und seine Betriebsstätte 1909 ganz.

Die Süddeutsche Automobilfabrik hatte sich im Wesentlichen mit dem Lastwagenbau beschäftigt, ihre wenig umfangreiche PKW-Produktion wurde aufgegeben. Für das Jahr 1910 wird die Zahl der Beschäftigten bei Benz & Cie. mit 2500 im Werk Mannheim und 840 im Werk Gaggenau angegeben.

Werk Waldhof

Markenzeichen Benz
Fabrikschild mit der neuen Unternehmensbezeichnung ab 1911

Auch für die PKW-Produktion reichte der Platz im alten Mannheimer Werk bald nicht mehr aus. Auf den von Benz und Ganß bereits vor Jahren gekauften Grundstücken in Waldhof entstand daher 1908 und 1909 eine komplett neue Fabrik für die Automobilproduktion. Die Stationärmotoren – immer noch ein Standbein des Unternehmens – wurden weiterhin in der Mannheimer Innenstadt hergestellt.

Da die Herstellung von Automobilen inzwischen der Hauptgeschäftszweig war, änderte man im August 1911 die Unternehmensbezeichnung erneut: Die neue Gesellschaft hieß nun „Benz & Cie., Rheinische Automobil- und Motorenfabrik AG“.

Seit 1911 baute Benz & Cie. auch wieder kleinere Automobile mit ca. 2 Litern Hubraum, die dann auch Basis der Kriegs- und Nachkriegsproduktion waren. Die Zusammenarbeit mit Edmund Rumpler brachte nicht den erhofften Erfolg, obwohl ein „Benz Tropfenwagen“ als Rennwagen entstand.

Im Jahre 1922 wurde die Fertigung von Stationärmotoren ausgegliedert und an die Berliner Finanzgruppe „Fonfé“ verkauft. Diese betrieb die Fabrik in der Mannheimer Innenstadt, in der während des Ersten Weltkrieges auch Flugmotoren produziert wurden, als „Motoren-Werke Mannheim AG“ (MWM) weiter.

Ab 1921 bekam der Berliner Börsenspekulant Jakob Schapiro durch gewagte Finanztransaktionen und Kompensationsgeschäfte (Benz Motorwagen gegen seine Schebera-Karosserien) immer mehr Einfluss im Unternehmen. Schließlich war er im Aufsichtsrat vertreten, und 1924 gehörten ihm bereits 60 % der Aktien der Benz & Cie. AG. In der gleichen Art und Weise hatte er sich auch Einfluss in anderen deutschen Automobilunternehmen verschafft, u. a. bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) in Stuttgart, bei der NAG in Berlin, bei Hansa-Lloyd in Bremen und bei der NSU in Neckarsulm. Schapiro brachte mit seinen Spekulationsgeschäften all diese Unternehmen an den Rand des Konkurses, wobei die DMG auf Grund ihrer Wirtschaftskraft sich noch am ehesten halten konnte.

Der Vorstandsvorsitzende von Benz & Cie., Wilhelm Kissel, nahm daher 1924 Fusionsverhandlungen mit dem ehemaligen Konkurrenten DMG auf, mit dem man bereits seit einiger Zeit eine Vertriebskooperation betrieb. 1925 wurde Kissel auch als Vorstand der DMG bestellt, und am 1. Juli 1926 flossen beide Unternehmen (im Verhältnis 654 (Daimler): 346 (Benz)) in die neue Daimler-Benz AG mit Sitz in Stuttgart-Untertürkheim ein.

Siehe auch

Literatur

  • Hans-Otto Neubauer, Michael Wessel: Die Automobile der Benzstadt Gaggenau. Neubauer-Verlag, Hamburg 1986.
  • Werner Oswald: Mercedes-Benz Personenwagen 1886–1986. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-61301133-6.
  • Mercedes-Benz AG (Hrsg.): Benz & Cie. Zum 150. Geburtstag von Karl Benz. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1994.
  • Hans-Erhard Lessing u.a. (Hrsg.): Die Benzwagen. (Reprint der Unternehmensschrift von 1913) Wellhöfer-Verlag, Mannheim 2008.

Weblinks

 Commons: Benz & Cie. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ein Jahrhundert Automobiltechnik – Nutzfahrzeuge, Seite 14+15. VDI-Verlag 1987 ISBN 3-18-400656-6 (formal falsche ISBN)

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