Das weiße Band

Das weiße Band
Filmdaten
Originaltitel Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte
Produktionsland Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2009
Länge 144 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
JMK 12[1]
Stab
Regie Michael Haneke
Drehbuch Michael Haneke
Produktion Stefan Arndt (X-Filme Creative Pool),
Veit Heiduschka, Michael Katz (Wega Film),
Margaret Ménégoz (Les films du Losange), Andrea Occhipinti (Lucky Red)
Kamera Christian Berger
Schnitt Monika Willi
Besetzung

Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte ist ein Spielfilm des österreichischen Regisseurs Michael Haneke aus dem Jahr 2009. Die Handlung des Schwarzweißfilms ist im Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Norddeutschland angesiedelt und schildert mysteriöse Vorfälle im fiktiven Dorf Eichwald.

Seine Uraufführung erlebte Das weiße Band am 21. Mai 2009 bei den 62. Filmfestspielen von Cannes, wo Haneke mit der Goldenen Palme, dem Hauptpreis des Filmfestivals, ausgezeichnet wurde. Kinostart war Mitte September 2009.[2]

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Der Film spielt im protestantischen Dorf Eichwald in Ostelbien in den Jahren 1913 und 1914 zur Zeit des deutschen Kaiserreichs und wird vom Dorflehrer aus der Erinnerung erzählt. Männer wie der Baron, der Pastor, der Arzt und der Gutsverwalter haben das Sagen und verfügen patriarchalisch über Frauen und Kinder. Der Baron, ganz feudalistischer Gutsherr des Dorfes, sieht die Saisonarbeiter lediglich als Arbeits- und Menschenmaterial. Der sittenstrenge Pastor, der den Konfirmationsunterricht leitet, züchtigt seine pubertierenden Kinder, macht ihnen permanent ein schlechtes Gewissen und lässt sie wochenlang als Ermahnung zur steten Tugendhaftigkeit ein weißes Band tragen. Der Arzt verachtet und demütigt die heimlich mit ihm liierte Hebamme. Nachdem er ihrer überdrüssig geworden ist, missbraucht er seine vierzehnjährige Tochter und behauptet, sie erinnere ihn an seine verstorbene Frau.

Es kommt zu mehreren obskuren, nicht unmittelbar aufzuklärenden Vorfällen: Ein zwischen zwei Bäumen gespanntes Seil bringt den Arzt mit seinem Pferd zu Fall und verwundet ihn so schwer, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Eine Bauersfrau kommt bei einem Unfall im Sägewerk ums Leben. Am Tag des Erntedankfestes wird der Krautgarten des Barons verwüstet und sein ältester Sohn entführt, der am nächsten Morgen gefesselt und misshandelt im Sägewerk aufgefunden wird. Eine Scheune brennt ab. Erst als der behinderte Sohn der Hebamme ebenfalls entführt und schwer verletzt gefunden wird, wird die Polizei verständigt. Doch auch diese kann die Schuldigen nicht ausfindig machen.

Klara, die gedemütigte Tochter des Pastors, tötet den Ziervogel ihres Vaters mit einer Schere und legt den toten Vogel wie gekreuzigt auf den Schreibtisch des Vaters. Für diese Tat schildert der Film keine Konsequenzen, obwohl die Kinder sonst auch für kleine Vergehen hart bestraft werden.

Gegen Ende kündigt die Baronin ihrem Mann an, ihn verlassen zu wollen. Die Hebamme flieht aus dem Dorf, der Arzt mit seiner Familie ist bereits verschwunden. Nach einer ungewöhnlichen Begegnung des Lehrers mit einer Gruppe von Dorfkindern beginnt dieser, die Tatumstände zu hinterfragen. Er spricht mit den Pastorenkindern und äußert dem Pastor gegenüber die auffällige Beobachtung, dass im Vorfeld zu den Taten stets dieselben Dorfkinder zugegen gewesen seien. Der Pastor sieht seine Kinder schweren Verdachtsmomenten ausgesetzt und droht dem Lehrer mit beruflichen Nachteilen, sollte er seine Erkenntnisse im Dorf oder sonst irgendwo verbreiten. So schweigt der Lehrer und die Vorfälle bleiben weiterhin unaufgeklärt. Ebenfalls unklar bleibt angesichts der Anfangsszenen (körperliche Züchtigung, das weiße Band) und des weiteren Geschehens (u. a. des nicht näher kommentierten „Bekennerschreibens“ und des „gekreuzigten“ Vogels), inwieweit der Pastor selbst bereits zu entsprechenden Schlüssen gekommen ist, aber aufgrund seines Renommees und sozialer Konventionen eine Aufdeckung fürchtet.

Der Film endet kurz nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Der ehemalige Lehrer berichtet in der Schlusssequenz, dass er noch bis zum Beginn seines Kriegsdienstes im Dorf geblieben sei, nach dem Krieg eine Schneiderwerkstatt in der Stadt eröffnet und keinen Dorfbewohner je wiedergesehen habe. Ob er sein Werben um Eva, das als roter Faden die gesamte Filmhandlung durchzieht, fortgesetzt oder erfolglos beendet hat oder was sonst aus seinem Verhältnis geworden ist, lässt er unerwähnt.

Produktion und Hintergründe

Der Film entstand als deutsch-österreichisch-französisch-italienische Koproduktion. Das deutsche Unternehmen X-Filme zeichnete, laut Produzent Stefan Arndt, für „über die Hälfte des Budgets“ verantwortlich. Demnach sei es „auch richtig, dass der Film als deutscher Beitrag ins Rennen geht“, zumal der Film auch „eine deutsche Geschichte“ darstelle, die „komplett in Deutschland gedreht“ wurde – so Arndt in Hinblick auf die von manchen aufgeworfene Frage, ob der Film als deutscher oder als österreichischer zu gelten habe.[3] Im Koproduktionsabkommen zwischen Österreich und Deutschland ist jedenfalls festgehalten, dass bei Einreichungen an Festivals der Film entweder als Beitrag des Mehrheitsproduzenten (hier: X-Filme) oder desjenigen Produzenten, der den Regisseur stellt (in diesem Fall die Wega Film), vorzuführen ist.

Was allerdings die Einreichung zur Oscar-Verleihung (nur in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film) betrifft, ist jedes an der Produktion beteiligte Land berechtigt, den Film einzureichen. Konkret ist die Auslandsvertretung der nationalen Filmbranche zuständig, in diesem Fall die German Films Service + Marketing GmbH, die den Film schlicht als erster eingereicht hat. Die Austrian Film Commission (AFC) war zunächst darüber verstimmt, dass die Deutschen den in „wesentlichen Funktionen“ „österreichische[n]“ Film zuerst eingereicht hatten – doch sei das Ergebnis zu akzeptieren. Der Standard berichtet hingegen, dass „taktische Überlegungen“ hinter der deutschen Einreichung des Films stünden. Nachdem Österreich die letzten zwei Jahre nominiert war, habe der US-Verleih des Films, Sony Pictures, Druck ausgeübt, da der Film als deutsche Einreichung bessere Chancen auf den Oscar gehabt habe.[4] Der letzte Film, der zumindest von vielen Medien beider Länder als jeweils „eigener“ beansprucht worden war, war Die Fälscher gewesen. Dieser Film, der 2008 den Oscar erhielt, war eine 50/50 deutsch-österreichische Produktion und wurde von der österreichischen AFC eingereicht.

Für die Dreharbeiten wurden vom 9. Juni bis 4. September 2008[5] Orte in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen aufgesucht.[6] Das Dorf Eichwald repräsentierten die realen Orte Netzow[7] und Michaelisbruch[8] in der Prignitz. In Netzow konnte die geplante Asphaltierung der Kopfsteinpflasterstraße kurz vor Drehbeginn noch verschoben werden.[9] Häuser neueren Baujahrs wurden mit Fassaden verblendet. Das Arzthaus wurde für die Dreharbeiten neu gebaut.[10] Der Arbeitsunfall, bei dem eine Bauersfrau ums Leben kam, spielte im Sägewerk Zechlinerhütte bei Rheinsberg.[9] Als Schloss des Barons fungierte das mecklenburgische Herrenhaus Schloss Johannstorf in der Nähe von Travemünde.[11] Die Studioaufnahmen fanden im Leipziger Media City Atelier (MCA) statt.[12]

Der als Schwarzweißfilm in die Kinos gekommene Film wurde im Original auf Farbfilm gedreht. Digitalkameras hätten laut Berger für den starken Kontrast der mit Kerosinlampen beleuchteten nächtlichen Innenaufnahmen einen zu geringen Belichtungsumfang gehabt, und der Film musste aufgrund von Vereinbarungen mit den co-finanzierenden Fernsehgesellschaften in Farbe gedreht werden, da er ursprünglich als TV-Mehrteiler geplant gewesen war.[13] Die Endfassung wurde aber nur in Schwarzweiß erstellt.[14] Die Aufnahmen wurden digitalisiert, in Schwarzweiß umgewandelt und umfangreich nachbearbeitet. Unter anderem zeigte sich, dass in vielen Szenen, die bei Kerzen- und Petroleumlicht gedreht wurden, die Umgebung und Gesichter unscharf erschienen. Diese wurden dann digital nachgeschärft.

Während des Drehbuchschreibens las Haneke „Tonnen von Büchern über die Erziehung und das Landleben im 19. Jahrhundert“. Die Erkenntnisse daraus wurden im Film verwendet - so diente im 19. Jahrhundert „das weiße Band zur demütigenden, weil für alle sichtbaren Bestrafung.“[13] Überhaupt legte Haneke größtes Augenmerk auf historische Genauigkeit. So ließ er historischen Roggen anpflanzen, „[d]amit er die richtige Höhe hat wie Anfang des Jahrhunderts.“[13] Da der Roggen allerdings nicht wie erwartet wuchs, musste doch auf einem anderen Feld gefilmt werden.[13] Beim Verfassen des Drehbuches, das mithilfe von Jean-Claude Carriere auf Kinolänge gebracht wurde,[13] dachte Haneke bei einigen Rollen bereits daran, wer sie spielen sollte: etwa Susanne Lothar als Hebamme oder Ulrich Mühe als Pastor. Da Mühe vor Beginn der Dreharbeiten verstarb, hat Haneke „die ganze deutsche Filmprominenz rauf und runter gecastet, bis ich Burghart Klaußner gefunden habe“. Das Casting der Kinder, das von Hanekes Casting-Direktor Markus Schleinzer durchgeführt wurde,[13] benötigte ein halbes Jahr und bezog über 7000 Kinder mit ein.[15] „Die Arbeit mit Kindern ist wegen der Rechtslage in Deutschland kompliziert, da Kinder unter sechs Jahren nur zwei Stunden, solche über sechs nur drei Stunden am Tag arbeiten dürfen.“[13] Auch die erwachsenen Schauspieler hatten ihre Schwierigkeiten - so hatte Birgit Minichmayr die bisher kürzeste Sprechrolle ihrer Karriere (sie spricht nur einen Satz) und Branko Samarovski, der einen Landwirt darstellt, wurde für die Endfassung synchronisiert.[13]

Der in Deutschland von X-Verleih verliehene Film lief am 17. September 2009 in einigen deutschen Kinos an, am 15. Oktober bundesweit.[2] In Österreich startete der Film am 24. September im Verleih des Filmladens.[16] Die Weltvertriebsrechte liegen bei Les Films du Losange. Das Drehbuch ist im Berlin Verlag erschienen.

Haneke über den Film

„Ideologie ist eine verabsolutierte Idee. Überall, wo es Unterdrückung, Demütigung, Unglück und Leid gibt, ist der Boden bereitet für jede Art von Ideologie. Deshalb ist ‚Das weiße Band‘ auch nicht als Film über den deutschen Faschismus zu verstehen. Es geht um ein gesellschaftliches Klima, das den Radikalismus ermöglicht. Das ist die Grundidee.“

Michael Haneke[15]

„Das eigentliche Thema ist, jedenfalls war das meine Absicht, zu zeigen, wie Menschen, die unter Druck stehen, empfänglich werden für Ideologie, das heißt wie sie sich sogar selber eine Ideologie schaffen; wie sie eine Idee verabsolutieren und dann mit Hilfe dieser verabsolutierten Idee diejenigen, die ihnen die Idee gepredigt haben, aber anders leben als die Idee fordert, bestrafen.“

Michael Haneke[17]

Über die Rolle des Protestantismus jener Zeit beim Entstehen einer deutschen Diktatur meint Haneke, es habe ihn „schon immer irritiert […] warum der Faschismus in Italien so anders ausgesehen hat als in Deutschland.“ Den Film daher als generelle Kritik am Protestantismus zu verstehen, wäre aber „völliger Unsinn“:

„Natürlich hat er [der Protestantismus] einen gewissen Hang zum Elitismus [...] Und dieses Ethos, dass ich mir selbst gegenüber verantwortlich bin, ist ja auch etwas Positives. Nur kann man es auch sehr schnell ins Gegenteil kehren: Kommunismus ist eine wunderbare Idee, aber sobald sie als Ideologie den Weg in die Gesellschaft findet, wird sie zur Diktatur und unmenschlich. Die Frage ist: Wie kippt man in ein solches System hinein? Und das wiederum hat immer mit Erziehung zu tun.“

Michael Haneke[15]

Rezensionen

Dominik Kamalzadeh äußerte in seiner Rezension für den österreichischen Standard, Michael Haneke inszeniere „mit einer gravitätischen Strenge, er findet Bilder, in denen Figuren wie hinter Glas agieren, oft in gespenstischer Stille. Stilistisch schließt der Film an eine Tradition von Literaturverfilmung an (das Buch ist jedoch von Michael Haneke selbst), als gelte es, diese Form nochmals zu radikalisieren. Das wirkt bei aller Präzision und Raffinesse oft auch ein wenig museal.“[18]

Daniel Kothenschulte nannte den Film in der Frankfurter Rundschau ironisierend ein Lehrstück, das sich „früh zu erkennen“ gibt: „Zwei Jahrzehnte später wären diese bösen Kinder erwachsene Nazis“ und bemängelt die Holzschnittartigkeit der wenigen Figuren, spricht aber dennoch von „faszinierenden zweieinhalb Stunden“.[19] Ähnliches kritisierte Tobias Kniebe (Süddeutsche Zeitung), der hoffte, dass sich die „vielen bösen Miniaturen“ zu einem „zwingenden Thema verdichten“ würden. Das Ende schaffe es aber nicht, „die Einzelteile, die auch in der Tonalität wild zwischen Vorkriegspathos, Bierbichler-Grummelei und Rückfällen ins Psychodrama der Gegenwart schwanken“, zusammenzufügen.[20] Auch Hanns-Georg Rodek von der Welt sieht Mängel, doch habe man „das obrigkeitsstaatliche Denken als Erklärung für den Ersten (und Zweiten) Weltkrieg (…) kaum je so auf die kleinsten Einheiten der Dorf- und Familiengemeinschaft heruntergebrochen gesehen.“ Die taz zeigte sich dagegen beeindruckt über die „Bilder des Widerstands.“[21]

Die französische Fachpresse zeigte sich überwiegend beeindruckt von Das weiße Band. Le Monde sprach von einem „beeindruckenden und unversöhnlichen Film“ und zog Parallelen zu Joseph Loseys Sie sind verdammt (1963) und (aufgrund der „unheilvollen“ Darstellung des Predigers) zu Die Nacht des Jägers (1955) sowie zu Clouzot und Bergman. Der Film stelle, so Jean-Luc Douin, das „Wachrufen der Misshandlungen“ dar, „die eine Gesellschaft namhafter, puritanischer, sittenstrenger Erwachsener, ihren Frauen, ihren Kinder und Wirtschaftern zufügt. Es ist die Inventur der Launen und der Strafen, die von Irrsinnigen der Obrigkeit, Ordnungsverrückten, der Zensur, verübt wird.“[22] Die Libération verglich die Kameraarbeit von Christian Berger mit den Arbeiten August Sanders, die Handlung mit den Romanen Eduard von Keyserlings. Das weiße Band sei ein „starker Film“, „größer als sein autochthones Thema“, und Gérard Lefort verstand ihn als eine Parabel, die sich noch in die heutige Zeit übertragen lässt – „Zu welcher Art von Faschismus sind wir fähig im Hier und Jetzt?“[23] Le Figaro sprach vor der offiziellen Preisverkündung Hanekes Film und Jacques Audiards Ein Prophet die zweitwichtigste Auszeichnung des Filmfestivals, den Großen Preis der Jury, zu, hinter Jane Campions Bright Star und Xavier Giannolis À l'origine, denen die Tageszeitung die Goldene Palme zukommen ließ.[24]

Der Mailänder Corriere della Sera zählte den Film schon im Vorfeld zu einem der Favoriten für einen Preis. Die Kritikerin Giuseppina Manin schreibt von einem in „wunderbares Schwarz-Weiß“ getauchten Film mit „außergewöhnlichen, aber wenig bekannten Schauspielern“, dazu eine „Atmosphäre aus düsterem Luthertum wie bei Bergman“. Der Film zeige einen ländlichen Mikrokosmos, wo es „soziale und moralische Regeln von eiserner Unnachgiebigkeit“ gebe, hinter denen jedoch „geheime Grausamkeiten brüten“. Kinder würden dort „nach pädagogischen Prinzipien aufwachsen, die Züchtigungen, Erniedrigungen und sogar ans Bett gefesselte Hände vorsehen, um das Berühren des eigenen Körpers zu verhindern.“[25]

Die schwedische Sydsvenskan beschreibt den Film als „teuflisches Kunstwerk“. Es sei „schwer, einen Film zu finden, der so konsequent und aus einem Guss ist, wie dieser.“[26] Svenska Dagbladet findet den Film „fantastisch gut gespielt, unerhört schön und schwindelnd abscheulich zugleich.“ Haneke gelinge es, „eine komplizierte Geschichte sowohl einfach als auch tiefgründig“ zu erzählen.[27]

Die dänische Zeitung Politiken sieht in dem Film ein „Zurückkehren zu Hanekes Wurzeln der deutschen Sprache und Kulturtradition.“ Das weiße Band sei „ein erzdeutscher Film über die Deutschheit.“[28]

Haneke selbst wiederholte mehrfach, wie wichtig es ihm sei, dass sein Film beispielhaft ist und sich nicht nur auf Deutschland beziehe, da für ihn „alle Formen von Terrorismus“ denselben Ursprung hätten, die „Perversion von Idealen, die man in soziale Regeln übersetzt.“[29]

Auszeichnungen

Mit dem weißen Band war Haneke 2009 zum fünften Mal im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes vertreten und gewann nach der Klavierspielerin (Großer Preis der Jury) und Caché (Regiepreis) zum ersten Mal die Goldene Palme. Die Trophäe erhielt er aus den Händen der befreundeten französischen Schauspielerin Isabelle Huppert. Die Jurypräsidentin hatte unter anderem Hauptrollen in Hanekes Filmen Die Klavierspielerin und Wolfzeit bekleidet.

Das weiße Band erhielt außerdem den Grand Prix de la FIPRESCI für den besten Film des Jahres.[30]

Am 26. August 2009 wählte die Organisation German Films Das weiße Band als offiziellen deutschen Bewerber für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film aus.[31] Damit kam die Auslandsvertretung der deutschen Filmbranche dem österreichischen Pendant, der Austrian Film Commission (AFC), zuvor, die in der darauffolgenden Woche über die österreichische Einreichung zum „Auslandsoscar“ abstimmte und ursprünglich ebenfalls Das weiße Band einreichen wollte.[32] Die Regeln der Oscar Academy werden üblicherweise so ausgelegt, dass jedes der an einer Produktion beteiligten Länder die Möglichkeit hat, den Film für das eigene Land einzureichen – es darf aber letztlich nur ein Land den Film einreichen. Die Einreichung des in „wesentlichen Funktionen“ „österreichische[n]“ Films durch Deutschland sorgte daher für gewisses Unbehagen auf Seite der AFC, doch sei das Ergebnis zu akzeptieren.[33]

Bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises gewann Das weiße Band in den Kategorien Bester europäischer Film, Beste Regie und Bestes Drehbuch. Im Januar 2010 gewann Das weiße Band auch den Golden Globe Award als Bester fremdsprachiger Film.

Am 2. Februar 2010 wurde zudem die Nominierung des Films für den Oscar als bester fremdsprachiger Film bekannt gegeben. Außerdem wurde Christian Berger für den Film in der Kategorie Beste Kamera nominiert.[34]

Beim Preis der deutschen Filmkritik für das Jahr 2009 erzielte der Film vier Auszeichnungen, und zwar in den Kategorien Spielfilm, Drehbuch, Kamera durch Christian Berger und Darsteller mit Burghart Klaußner.[35]

2010 erhielt Das weiße Band 13 Nominierungen zum Deutschen Filmpreis und stellte damit einen Rekord auf. Hanekes Regiearbeit konnte sich in zehn Kategorien durchsetzen (u. a. bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch sowie Burghart Klaußner und Maria-Victoria Dragus als beste Darsteller) und avancierte damit zum erfolgreichsten Film in der Geschichte der Preisverleihung.

Im selben Jahr verlieh die Arbeitsgemeinschaft Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater dem Film den Gilde-Filmpreis für den besten deutschen Film[36].

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Freigabe der Jugendmedienkommission
  2. a b dasweisseband.x-verleih.de
  3. Barbara Munker (DPA): Waltz hat Favoritenrolle bei Oscars. Kurier vom 19. Januar 2010
  4. Martin Schweighofer (Chef der AFC), zitiert nach Dominik Kalmazadeh: Haneke greift für Deutschland nach Gold. derStandard.at vom 27. August 2009 (abgerufen am 30. August 2009)
  5. Das weiße Band. bei achteinhalb – Kino & Kultur e. V.
  6. X-filme.de
  7. Bettina Lehnert: Das weiße Band. rbb-online vom 17. September 2009
  8. Peter Beddis: FILMFESTIVAL. Made in Brandenburg. Märkische Allgemeine vom 22. Mai 2009
  9. a b Philip Schroeder: Hoffnung auf ein Stück Oscar-Glanz. Norddeutsche Neueste Nachrichten vom 29. August 2009
  10. DER TAGESSPIEGEL vom 6. März 2010: Die Auserwählten
  11. Steffen Oldörp: Johannstorf. Ein Filmteam fackelte auf Schloss Johannstorf eine Scheune ab. Uetersener Nachrichten vom 22. August 2008
  12. Pressemitteilung der Mitteldeutschen Medienförderung vom 23. April 2009
  13. a b c d e f g h Fernsehpremiere: Ein Farbfilm in Schwarz und Weiß. Kurier, 3. Oktober 2011, S. 31.
  14. François Reumont: The White Ribbon. Interview with cinematographer Christian Berger, AAC.
  15. a b c Michael Omasta; Michael Pekler: ‚In jedem meiner Filme muss ich laut lachen.‘ Interview mit Michael Haneke. Falter, H. 38/2009, S. 24 f.
  16. Das weiße Band. bei filminstitut.at, Österreichisches Filminstitut (abgerufen am 30. August 2009)
  17. Die rechte Hand Gottes. Alexander Kluge im Gespräch mit Michael Haneke
  18. Dominik Kamalzadeh: Wunscherfüllung mit „Operation Kino“. Der Standard vom 21. Mai 2009
  19. vgl. Daniel Kothenschulte: Die Logik des Traums. In: Frankfurter Rundschau vom 23. Mai 2009, S. 33,
  20. vgl. Tobias Kniebe: Vom Liebeswehen im Alter. bei sueddeutsche.de vom 21. Mai 2009 (aufgerufen am 24. Mai 2009)
  21. vgl. Christina Nord: Fremd in der Heimat der Psychosen. In: die tageszeitung vom 23. Mai 2009, S. 22
  22. vgl. Jean-Luc Douin: Violence et boucles blondes dans l’Allemagne puritaine. In: Le Monde vom 23. Mai 2009, S. 18
  23. vgl. Gérard Lefort: En étudiant les barbares. In: Libération vom 22. Mai 2009, S. 24
  24. vgl. Festival de Cannes. Les choix du « Figaro » avant le palmarès. In: Le Figaro vom 23. Mai 2009, Nr. 20159, UNE-FIG, S. 1
  25. Giuseppina Manin: Haneke, le radici del nazismo in un giallo su bimbi-giustizieri. Corriere della Sera vom 22. Mai 2009
  26. Ett djävulskt konstverk. Sydsvenskan vom 25. Mai 2009
  27. Ge Guldpalmen till Haneke. Svenska Dagbladet vom 25. Mai 2009
  28. Portræt. Filmkunstens alvorsmand snuppede palmen. Politiken vom 24. Mai 2009
  29. vgl. Nana A. T. Rebhan: Filmbesprechung bei arte.de (aufgerufen am 24. Mai 2009)
  30. Oscar-Nominierung. Haneke greift für Deutschland nach Gold. Der Standard, Onlineausgabe vom 27. August 2009
  31. „Das weiße Band“ ist deutscher Oscar-Kandidat. bei Spiegel Online vom 26. August 2009
  32. Hanns-Georg Rodek: „Das weiße Band“ ist deutscher Oscar-Kandidat. bei welt.de vom 26. August 2009
  33. Martin Schweighofer (Chef der AFC), zitiert nach: Dominik Kalmazadeh: Haneke greift für Deutschland nach Gold. derStandard.at vom 27. August 2009 (abgerufen am 30. August 2009)
  34. Susan Vahabzadeh (2. Februar 2010): Schieflagen der Wahrnehmung (Deutsch). Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 18. September 2010.
  35. Vier weitere Preise für "Das weiße Band" (Deutsch). Kleine Zeitung (16. Februar 2010). Abgerufen am 18. September 2010.
  36. Gilde-Filmpreis für "Das Weiße Band" (Deutsch). Salzburger Nachrichten (18. September 2010). Abgerufen am 18. September 2010.

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