Grimmaischer Steinweg

Grimmaischer Steinweg
Grimmaischer Steinweg
Coat of arms of Leipzig.svg
Straße in Leipzig
Grimmaischer Steinweg
Der Grimmaische Steinweg 2011 vom Augustusplatz aus Richtung Osten
Basisdaten
Ort Leipzig
Ortsteil Zentrum-Ost, Zentrum-Südost
Hist. Namen Dresdner Straße
Anschlussstraßen Augustusplatz, Johannisplatz
Querstraßen Nürnberger Straße, Querstraße
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr, ÖPNV
Technische Daten
Straßenlänge 0,2 km[1]

Der Grimmaische Steinweg ist eine Hauptverkehrsstraße in Leipzig und eine der wichtigsten Anbindungen an den Innenstadtring

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

Der Grimmaische Steinweg verläuft in Ost-West-Richtung und verbindet den Johannisplatz mit dem Augustusplatz. Seinen östlichen Sichtachsenabschluss bildet das Grassimuseum, den westlichen das neue Paulinum am Augustusplatz.

Die Länge der Straße beträgt 222 Meter.[1] Sie ist in beiden Fahrtrichtungen zwei- bzw. dreispurig ausgebaut und hat ein separates Gleisbett der Leipziger Straßenbahn. Durch den Grimmaischen Steinweg verkehren die Linien 4, 7, 12 und 15. Auf beiden Seiten befindet sich ein gemeinsamer Geh- und Radweg.

Der Grimmaische Steinweg bildet die Grenze zwischen den Ortsteilen Zentrum-Ost und Zentrum-Südost.

Geschichte

Der Grimmaische Steinweg folgt dem historischen Verlauf der Via Regia, einer alten West-Ost-Handelsstraße, die in Leipzig die Via Imperii kreuzte. Vom Markt ausgehend verläuft das innerstädtische Teilstück der Altstraße bis heute als Grimmaische Straße bis an die Stelle der früheren Stadtmauer. Deren Fortsetzung jenseits der Stadtbefestigung bildete der Grimmaische Steinweg. Am östlichen der vier Leipziger Stadttore, dem Grimmaischen Tor, verließ die Via Regia die Stadt in östlicher Richtung. Im Spätmittelalter war der Weg zwischen Grimmaischem Tor und Weichbildgrenze mit Steinpflaster befestigt worden, was zu dem Namen Grimmaischer Steinweg führte. Anfangs gab es in Leipzig nur drei solche steingepflasterte Ausfallstraßen, den Grimmaischen Steinweg, den Peterssteinweg und den Ranstädter Steinweg.

Mit der Erweiterung der Stadt wurde der Grimmaische Steinweg auch bebaut und gehörte so zur östlichen Vorstadt. Diese Vorstädte wurden bei kriegerischen Handlungen oft stark in Mitleidenschaft gezogen oder zur Gewährung von Schussfreiheit sogar vom eigenen Militär niedergebrannt. Das geschah mit der Bebauung des Grimmaischen Steinwegs 1546 im Schmalkaldischen Krieg auf Befehl von Herzog Moritz von Sachsen. Schwere Schäden gab es auch im Dreißigjährigen Krieg bei fünfmaliger Belagerung der Stadt. Während der Leipziger Völkerschlacht kam es am 18./19. Oktober 1813 entlang des Grimmaischen Steinwegs zu schweren Verwüstungen. Die heftigsten Kämpfe entbrannten um die Kontrolle der beiden Stadttore, die am Anfang (Grimmaisches Tor) und am Ende des Weges („Kohlgärtnertor“) lagen.

Übergang vom Augustusplatz zum Grimmaischen Steinweg um 1840 – an den Ecken das Postgebäude (links) und das Geschäftshaus Teubner (rechts)

Ab dem 18. Jahrhundert entstand eine weitgehend städtische Bebauung mit Gewerbe und Handel in der Erdgeschosszone und darüberliegenden Wohnungen. Bemerkenswerte Bauten waren auf der Nordseite das Gasthaus „Goldenes Einhorn“ mit Ausspanne im Hof und das 1836–1838 an der Ecke zum Augustusplatz von Albert Geutebrück (1801–1868) errichtete Postgebäude. Zuvor befand sich an dieser Stelle bis 1835 der Gasthof „Zum weißen Schwan“. Dieser und einige kleinere Häuser wurden bei der Errichtung des 87 Meter langen klassizistischen Gebäudes der Leipziger Oberpostdirektion abgerissen, dessen Hauptfront zum Augustusplatz ausgerichtet war. Sein rechter (südlicher) Seitenflügel erstreckte sich entlang des Grimmaischen Steinwegs. Das Bauwerk wurde in den Jahren 1881–1884 im Stil des Historismus (Neorenaissance) umgebaut (→ Hauptpost). Auf der Südseite des Grimmaischen Steinwegs entstand 1853 ein Neubau der Entbindungsstation und Hebammenschule des Trierschen Instituts. 1852 führte B. G. Teubner sein einstöckiges Wohnhaus am Grimmaischen Steinweg zu derselben Höhe wie sein angrenzendes Firmengebäude am Augustusplatz, mit dem es nun einen einheitlichen Block über mehrere Stockwerke bildete.[2]

Der Grimmaische Steinweg war zwischen 1839 und 1863 Teil der Dresdner Straße, wurde jedoch wieder zurückbenannt.[3] 1872 fuhr die Leipziger Pferdebahn erstmalig durch den Grimmaischen Steinweg und 1896 die erste elektrische Straßenbahn.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bebauung des Grimmaischen Steinwegs nahezu vollständig zerstört. Lediglich das am 4. Dezember 1943 ausgebrannte Gebäude des Postscheckamts[4] an der Nordseite der Straße existiert bis heute, nach dem Krieg wiederaufgebaut beherbergte es das Fernmeldeamt. Daran angrenzend errichtete 1961 bis 1964 die Post den derzeit leer- und seit 1990 unter Denkmalschutz stehenden Neubau der Hauptpost. Nach der Wende errichte die Telekom an der Ecke zur Querstraße ihr Leipziger Hauptgebäude. Die traditionsreiche Papierhandlung Flinsch existierte nach dem Krieg noch einige Jahre in einem zum Flachbau reduzierten Haus. Die von Ruinen befreite Südseite wurde zur Verbreiterung der Straße genutzt. An der Ecke zum Augustusplatz entstand Anfang der 1960er Jahre das damals so bezeichnete Hotel „Deutschland“, dass schon bald darauf in Hotel „Leipzig“ umbenannt wurde und ein Teil der Interhotel-Kette in der DDR war. Ein dazugehöriger Flachbau erstreckte sich entlang des Grimmaischen Steinwegs und wurde im Zuge des Umbaus des Hauses zum heutigen „Radisson Blu Hotel“ (früher Hotel „Mercure“) abgerissen. Etwa auf halber Länge der südlichen Straßenseite liegt nach hinten zur Johannisgasse versetzt das Hauptgebäude der kommunalen Wasserwerke (KWL).

Einzelnachweise

  1. a b Die „amtliche“ Länge zählt die beiden getrennten Fahrbahnen einzeln und kommt dabei auf 444 Meter gemäß dem Straßenabschnittsverzeichnis der Stadt Leipzig, Verkehrs- und Tiefbauamt, Stand 1. März 2011 (Bestandsverzeichnis nach § 4 Sächsisches Straßengesetz – SächsStrG – vom 21. Januar 1993).
  2. Stiftung B. G.Teubner: Teubner-Geschäftshaus Augustusplatz/Grimmaischer Steinweg.
  3. Gina Klank; Gernot Griebsch: Lexikon Leipziger Straßennamen. Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, Leipzig 1995, ISBN 3-930433-09-5, S. 90
  4. Luftangriff auf die Reichsmessestadt Leipzig am 4. Dezember 1943, vorläufiger amtlicher Abschlußbericht vom 30. Dezember 1943. In: Mark Lehmstedt (Hrsg.): Leipzig brennt. Der Untergang des alten Leipzig am 4. Dezember 1943 in Fotografien und Berichten. Lehmstedt Verlag, Leipzig 2003, ISBN 3-937146-06-7, S. 201–227 (208)

Literatur

  • Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. PROLEIPZIG, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8.
  • Wolfram Sturm: Geschichte der Leipziger Post von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. von PROLEIPZIG, Leipzig 2007, ISBN 978-3-936508-28-4

Weblinks

 Commons: Grimmaischer Steinweg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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