Heinrich Volbert Sauerland

Heinrich Volbert Sauerland

Heinrich Volbert Sauerland (* 11. Mai 1839 in Arnsberg[1]; † 1910 in Rom) war ein katholischer Priester, deutscher Historiker und Kirchenkritiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er besuchte das Gymnasium Laurentianum in Arnsberg und studierte anschließend katholische Theologie in Münster und Paderborn. Er wurde in Paderborn zum Priester geweiht und war als solcher unter anderem in Hagen und Dortmund tätig. In Hagen trug er 1864 zur Gründung eines katholischen „Bürgervereins“ bei. Während seiner Dortmunder Zeit wurde er als „roter Kaplan“ bezeichnet und kam mit der Kirche in Konflikt, weil er sich nicht klar von den Sozialdemokraten abgrenzte.

Er wechselte daraufhin in den Schuldienst. Im Jahr 1868 bestand er das Examen zur Berechtigung eine Mittelschule zu leiten. Danach übernahm er die Leitung der höheren Stadtschule in Steinheim. Im Jahr 1872 gab er diese Stellung auf und studierte zwischen 1872 und 1875 Geschichte und Philologie in Berlin und Göttingen. In Göttingen promovierte er auch. Seit dem Herbst des Jahres 1875 war er Hilfslehrer am kaiserlichen Lyzeum in Metz. Bereits 1876 wechselte als ordentlicher Lehrer an das kaiserliche Realgymnasium in Gebweiler, ehe er 1877 an das städtische Gymnasium in Frankfurt ging.

Später lebte er als Privatgelehrter in Rom. Dort beschäftigte er sich etwa seit 1891 unter anderem mit Quelleneditionen von Schriften in den vatikanischen Archiven. Daraus sind unter anderem seine Urkunden und Regesten zur Geschichte des Rheinlandes hervorgegangen, die seit 1902 in sieben Bänden erschienen. Im Jahr 1899 erhielt er den Auftrag, die im Staatsarchiv Neapel liegenden Urkunden des Deutschen Ordens zu editieren. Er erstellte etwa 100 Regesten, die sich bis vor kurzem unbeachtet im Zentralarchiv des Deutschen Ordens in Wien befanden und erst kürzlich wieder entdeckt wurden.[2]

Daneben äußerte er sich etwa in der Zeitschrift „Das freie Wort“ nach der Jahrhundertwende auch kritisch zur Situation der Kirche. Er verband dabei Gelehrsamkeit mit „scharfer Kritik römischer Misstände und Überschwenglichkeirten.[3] Im Necrologium Paderbornense hieß es aus kirchlicher Sicht: „Sauerland war ein begabter Forscher, dessen große vatikanischen Quellenwerke dauernd Wert behalten; den von ihm gegebenen Schlussfolgerungen muss man freilich sehr zurückhaltend gegenüberstehen, da er überkritisch und arg pessimistisch kirchliche Vorgänge zu beurteilen pflegte. Das zeigte sich schon in Dortmund, wo er deshalb den Beinamen 'Roter Kaplan' erhielt; das wurde besonders schlimm, als er seit 1875 immer mehr von der Kirche abkam.[4]

Trotz seiner kritischen Äußerungen wurde er in der Priestergruft des Campo Santo Teutonico in Rom beigesetzt. Ein Teil seiner Privatbibliothek kam mit Hilfe seiner Schwester in die Bibliothek des Gymnasiums Laurentianum.[5]

Werke (Auswahl)

  • Geschichte der Stadt Hagen. Dortmund, 1872
  • Das Leben des Dietrich von Nieheim. Göttingen, 1875
  • Gregor XII. Von seiner Wahl bis zum Vertrag von Marseille. In: Historische Zeitschrift Jg. 1875
  • Die Chroniken und Chronisten des Dominikanerklosters in Dortmund. Dortmund, 1875
  • Die Immunitäten von Metz von ihren Anfängen bis zum XII. Jahrhundert. Metz, 1877
  • Abailard und Heloise. Eine historische Charakterstudie. Frankfurt am Main, 1879
  • Trierer Geschichtsquellen des 11. Jahrhunderts. Trier, 1899
  • Der Psalter Erzbischof Egberts von Trier, Codex GertrudianusIn: Cividale - Festschrift der Gesellschaft für Nützliche Forschungen zu Trier zur Feier ihres hundertjährigen Bestehens, herausgegeben am 10. April 1901 Darin historisch-kritische Untersuchung von H. V. Sauerland. Kunstgeschichtliche Untersuchung von A. Haseloff. Trier, 1901
  • Urkunden und Regesten zur Geschichte Lothringens aus den vatikanischen Archiven. 2 Bde. Metz, 1901-1905 Bd.1 als Digitalisat auf archive.org
  • Urkunden und Regesten zur Geschichte der Rheinlande aus dem Vatikanischen Archiv. 7 Bde. Bonn 1902–1913

Einzelnachweise

  1. fälschlicherweise ist auf seinem Grab Soest als Geburtsort angegeben
  2. Hubert Houben: Auf den Spuren mittelalterlicher Urkunden in neuzeitlicher Überlieferung. Beispiel aus Süditalien. In: Das Papsttum und das vielgestaltige Italien. Hundert Jahre Italia Pontificia. Berlin, 2009 S.407f.
  3. Theologischer Jahresbericht Bd.30 Leipzig, 1913 S.981f.
  4. zit. nach: Reinhart Richter: Nationales Denken im Katholizismus der Weimarer Republik. Münster u.a, 2000 S. 42
  5. Bibliothek des Gymnasiums Laurentianum

Literatur

  • Programm des Städtischen Gymnasiums zu Frankfurt a. M.: Ostern 1878 Frankfurt am Main 1878 S.23f.
  • N. Reimann: Der Rote Kaplan aus Dortmund. Zur Biographie des umstrittenen Priesters und Historikers Heinrich Volbert Sauerland (1839-1910). In: Westfälische Zeitschrift Bd. 140 (1990). S.333-380

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