Julius Richter (Theologe)

Julius Richter (Theologe)

Julius Werner Richter (* 19. Februar 1862 in Groß-Ballerstedt in der Altmark; † 27. März 1940 in Berlin-Steglitz) war ein deutscher Theologe und Missionswissenschaftler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Geboren im Pfarrhaus zu Groß-Ballerstedt, hatte Julius Richter früh beide Eltern, seinen Vater Pfarrer Adolph Ferdinand Julius Richter (1830–1872) und seine Mutter Antonie, geb. Keuffel, (1838–1882), verloren und wurde im Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen in Halle erzogen. Nach dem Abitur studierte er 1881–1884 in Leipzig und Berlin Evangelische Theologie. Er interessierte sich dabei besonders für alte orientalische Sprachen (Hebräisch, Aramäisch, Syrisch, Arabisch und die Hieroglyphen). Nach dem Studium ging er für ein Jahr als Hauslehrer nach Bad Boll zu Pfarrer Christoph Blumhardt, der für sein weiteres Leben bedeutsam wurde. Der Ausspruch des Vaters Johann Christoph Blumhardt "Daß Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht! Sein ist die ganze Welt" war prägend für seine Liebe zur Weltmission. Nach dem ersten theologischen Examen 1885 übernahm er pfarramtliche Tätigkeiten am Domstift Berlin (1886–1887), in Pröttlin (1887–1890), Rheinsberg (1890–1896) und Schwanebeck (1896–1912). Aus seiner ersten, 1888 in Berlin geschlossenen, Ehe mit Martha, geb. Vollert, (1861–1908) stammten die Kinder Elisabeth (verehelichte Heimbach, 1889–1977), Martin (1893–1978) und Johanna (1897–1984). Aus der zweiten Ehe, die Julius Richter 1913 mit Martha, geb. Höttermann, (1891–1957) schloss, stammten vier Kinder (Hans-Joachim, 1915–1945; Karl-Heinz, 1917–1940; Eberhard, 1920-1980; Ursula, verehelichte Kirchner, 1926–1976).

Julius Richter erhielt 1908 den theologischen Ehrendoktor von der Theologischen Fakultät Berlin und 1910 von der Theologischen Fakultät Edinburgh. 1913 habilitierte er sich als Privatdozent an der Berliner Universität. Im folgenden Jahr wurde er zum außerordentlichen und 1920 zum ordentlichen Professor für Missionswissenschaft berufen. Julius Richter war Vorsitzender der Brandenburgischen Missionskonferenz und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Evangelischen Missionsausschusses, der Gesellschaft für Missionswissenschaft und von 1900 bis 1940 Mitglied im Komitee der Berliner Mission. Seit 1897 war er Mitglied der Kontinentalen Missions-Konferenz und 1924 wurde er Mitglied des 1921 gegründeten Internationalen Missionsrates.

Leistungen

Julius Richter gehörte zu den bedeutendsten deutschen Missionswissenschaftlern und Wegbereitern der Ökumene. Seine große Leistung bestand in der Missionsgeschichtsschreibung. Durch seinen Paten Julius Schlunk, Schatzmeister der Berliner Mission, angeregt, beschäftigte er sich bereits im Pfarramt wissenschaftlich und schriftstellerisch mit der Mission und schrieb 1892 sein erstes Buch: Die evangelische Mission im Nyassalande. In 30 Büchern und vielen Aufsätzen beschrieb er die Entwicklung von Mission und Kirche auf allen Erdteilen.

Zahlreiche Missionstagungen und Vortragsreihen führten ihn auch ins Ausland. Diese Reisetätigkeit auf vier Kontinenten machten ihn zu einer der bekanntesten ökumenischen Persönlichkeiten seiner Zeit. Von deutscher Seite gehörte er zu den Organisatoren der ersten Weltmissionskonferenz 1910 in Edinburgh, zu der 1.200 Delegierte anreisten. Mit John Raleigh Mott (Friedensnobelpreisträger 1946) leitete er den Fortsetzungausschuss in Edinburgh, dem späteren Internationalen Missionsrat. Zusammen mit Nathan Söderblom (Friedensnobelpreisträger 1930) bereitete er 1925 die Weltkonferenz für Praktisches Christentum in Stockholm 1925 vor, 1928 in Jerusalem und 1935 in Northfield (Massachusetts). 1932 hielt er eine einmonatige Vorlesungsreihe an der Amerikanischen Universität Kairo.

Schriften (Auswahl)

Autor

  • Die evangelische Mission im Nyassalande, 1892
  • Deutsche Mission in Südindien. Erzählungen und Schilderungen von einer Missions-Studienreise durch Ostindien, Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh, 1902. Fotomechanischer Nachdruck, Nabu Press, Januar 2010. ISBN: 1141644134
  • Allgemeine evangelische Missionsgeschichte, 5 Bände, 1906–1932.
  • Weltmission und theologische Arbeit, Habilitationsschrift für einen Lehrstuhl der Missionswissenschaft an der Universität Berlin von Julius Richter. Gütersloh, C.Bertelsmann 1913
  • Ev. Missionskunde, 2 Bände, 1920.
  • Die indischen Religionen, Gebrüder Paetel / Rösl & Cie., Berlin, München, 1922.
  • Die Religionen der Völker, Oldenbourg Verlag, München, 1923.
  • Geschichte der Berliner Missionsgesellschaft 1824–1924, 1924.
  • Das Heidentum als Missionsproblem, 1928.
  • Die Briefe des Apostels Paulus als missionarische Sendschreiben, 1929.
  • Erlebnisse und Begegnungen in vier Erdteilen, Brunnen-Verlag Gießen und Basel, 1936.
  • Der Dienst der Kirche an der heutigen Menschheit, 1936.
  • Die deutsche evangelische Weltmission in Wort und Bild. In Verbindung mit den evangelischen Missionsgesellschaften. Verlagsbuchhandlung Ludwig Liebel, Nürnberg, 1939
  • Deutsche ev. Missionsfelder, 1940.

Herausgeber

  • Das Buch der deutschen Weltmission, Leopold Klotz Verlag, Gotha, 1935.
  • Die evangelischen Missionen, 1894 ff.
  • Jahrbuch der Missionskonferenzen, 1911–1927.

Mitherausgeber

  • Allgemeine Missions-Zeitschrift, 1911–1923.
  • Neue Allgemeine Missionszeitschrift (NAMZ), 1924–1939.
  • Allgemeine Missions-Studien, 1924–1940.

Quellen

  • Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band VIII, Verlag Traugott Bautz, 1994.

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