Klassifikation keramischer Massen

Klassifikation keramischer Massen

Die nachstehende Übersicht enthält eine orientierende Klassifikation keramischer Massen in die Klassen 1 bis 3, verschieden Unterklassen, Gruppen, Untergruppen, ggf. weiterführende Aufteilungen und Spezifikationen.

Inhaltsverzeichnis

Keramische Massen (Klassifikation 1. September 2011)

Einteilung in Klassen

Diese Übersicht erhebt die keinerlei Anspruch auf Vollzähligkeit.

Klasse 1, keramisches Irdengut

Bestandteile: Ton bzw. Kaolin und gegebenenfalls Quarz und/oder Feldspat, Kalk. Poröse, nicht durchscheinende, kristallisierte Scherben.

1.1 Baukeramik

Nicht feuerfeste Ziegelsteine, Formsteine (1.200–1.350 °C), Klinker, Drainagerohre (1.000–1.150 °C), Dachziegel

1.2 Feuerfeste Keramik

Schamottesteine für Herde, Öfen (1.300 °C). Sillimanit, Magnesit, u.a. zur Auskleidung von Industrieöfen in der Eisen- und Zementindustrie (1.500 °C)

1.3 Sonstiges Irdengut
1.3.1 Steingut in UK Jasper ware: Reinweißer bis elfenbeinfarbener, poröser Scherben mit durchsichtiger Glasur. Rohbrand 1.150–1.250 °C; Glasurbrand > 960 °C, aber unterhalb der Rohbrandtemperatur; meist durchscheinend oder farblos.
1.3.1.1 Kalk- oder Weichsteingut: Ton, Kaolin, Quarz, Kalk. Brenntemperatur 1.120–1.150 °C. Besonders für Unterglasurmalerei geeignet.
1.3.1.2 Feldspat- oder Hartsteingut: Ton, Kaolin, Quarz, Feldspat. Brenntemperatur 1.220–1.250 °C Frostsichere Wandplatten, Sanitärartikel, Geschirr.
1.3.1.3 Mischsteingut: Ton, Kaolin, Quarz, Kalk, Feldspat. Wandplatten, Geschirr
1.3.2 Tonware: Vorwiegend flussmittelreiche Tone, bis 40 % Kalk und andere Beimischungen. Weißer, ocker bis rotbrauner poröser Scherben mit mattem, feinkörnigem Bruch. Brenntemperatur 1.000–1.200 °C. Von Hand (Töpferscheibe, Gießverfahren) oder mittels Presse geformte Tonwaren. Geschirr, Gerätschaften für Haus und Garten, Zierkeramik, Raku-Keramik, Tin-glazed pottery.
1.3.2.1 Unglasierte Tonware: Gelb bis rot gebrannte wetterfeste Keramik. Terrakotta (Zugabe von Schamotte- oder Ziegelmehl); Figuren, Gebrauchs- und Ziergegenstände, Blumentöpfe.
1.3.2.2 Glasierte Tonware: Gelegentlich werden keramische Produkte dieser Untergruppe auch als "Halbporzellan" bezeichnet.
1.3.2.2.1 Majolika: Ursprünglich - farbiger poröser Scherben mit undurchsichtiger farbiger Glasur
1.3.2.2.2 Fayence: Ursprünglich - weißer, gelbgrauer oder hell-rot-brauner, poröser Scherben, weiße deckende Glasur
1.3.2.2.3 Frittenporzellan (auch Frittenware oder Fritware): Ausgangsprodukt ist die Fritte (aus Quarzsand, Salpeter, Kochsalz, Soda, Alaun und Calciumsulfat in Form von Alabaster oder Gips), die mit kreide- oder gipshaltigem Mergel vermischt und gebrannt wird.
Anmerkung: Eine zuverlässige Differenzierung zwischen Majolika und Fayence ist kaum möglich, weil diese Bezeichnungen in der Literatur wechselweise benutzt werden.

Klasse 2, keramisches Sinterzeug

Bestandteile: Ton bzw. Kaolin und gegebenenfalls Quarz und/oder Feldspat, Kalk. Nichtkristallisierte dichte Massen, nicht oder nur an den Kanten durchscheinend, hohe Festigkeit

2.1 Steinzeug

Merkmale: Scherben dicht, nicht durchscheinend, auch farbig, meist aber hell.

2.1.1 Grobsteinzeug (nicht weißbrennend): Brenntemperatur 1.100–1.400 °C. Häufig Lehm- oder Anflugglasur. Klinker, Fliesen, Tröge, Kanalisationsrohre, Gefäße für die chemische Industrie, Coade-Stein.
2.1.2 Feinsteinzeug (weiß- oder hellbrennend, ähnlich dem Porzellan): Ton, Quarz, Feldspat. Brenntemperatur 1.250–1.300 °C (gemeinsamer Roh- und Glasurbrand). Herstellung von Geschirr, Sanitärartikel, chemische Geräte, Mosaiken, Ziergefäße. Übergangsform zum Porzellan: Seladon, Vitreous China.
2.2 Porzellan

Bestandteile: Kaolin, Quarzsand, Feldspat, Spurenelemente und ggf. Beimischungen

2.2.1 Hartporzellan: 50%(47-66)/25%/25%, dichter transparenter Scherben, Schrühbrand ca. 900 °C - 1000 °C, Glasurbrand 1400 °C bis zu 1460 °C, Gebrauchs- und Ziergeschirr
- Beispiel: Imari-Porzellan
2.2.2 Weichporzellan: 30%(25-40)/45%/30%, bei niedrigere Temperatur für den Glasurbrand Temperatur (bis maximal 1350 °C), bevorzugt für Zierplastiken
2.2.2.1 Bone Chine auch Knochnporzellan (mit bis zu 50% Anteil verglühter Knochenasche) bzw. Fine Bone China als Weiterentwicklung
2.2.2.2 Biskuitporzellan: Oberfläche unglasiert, seidig matt glänzend

Eine Besonderheit des Knochenporzellans ist auch die Brennfolge. So liegt die Temperatur beim ersten Brand ohne Glasur (Schrühbrand) mit 1280 °C höher als bei dem dem Auftrag der Glasur folgenden Glattbrand mit 1080 °C.

Ceracron soll angeblich auch zur Unterklasse Porzellan gehören, ist aber wegen Geheimhaltung der Rezeptur nicht klassifizierbar.

Klasse 3, keramische Sondermassen

Zu Klasse 3 zählen u.a.: Raku, Paperclay, Dentalkeramik oder Zahnkeramik, hochgesinterte Oxidkeramiken als Schneidstoff für Schneid- und Schleifkörper (Aluminium-, Zirconium-, Magnesium-, Beryllium-, Thoriumoxid; frei von Siliciumdioxid). Im weiteren Sinne gehören dazu auch die Ferrite und Titanate.

3.1 Hochtemperatur-Sondermassen (auch Mischkeramik)

Hochfeuerfeste Oxidkeramik mit geringen Beigaben verschiedener Metalle. Zähigkeit der Metalle ist hier mit der Korrosionsbeständigkeit und Feuerfestigkeit der Keramik vereint. Verwendung als Turbinenschaufeln oder als Schneidwerkzeuge.

3.2 Elektrotechnische Sondermassen

Elektroporzellan für Isolatoren, Titanoxid-Keramik für Kondensatoren, Piezokeramik für elektroakustische Wandler, Werkstoffe für Magnete, Halbleiterwiderstände.

Weitere Einteilung

  • Grobkeramik: Unterklassen 1.1 und 1.2 sowie Gruppe 2.1.1
  • Feinkeramik: Alle anderen Unterklassen und Gruppen sowie die gesamte Klasse 3
Charakteristika: Ausgewählte Rohstoffe, besonders sorgfältige Aufbereitung der Rezepturen, aufwändigere Formgebung, z.T. per Hand.
  • Technische Keramik: Die Klasse 3 zählt sowohl zu den Feinkeramiken als auch zu den technischen Keramiken.

Belege

Literatur

  • Kleine Enzyklopädie Technik. Bibliographisches Institut, Leipzig 1972.
  • Werkstoffe und Werkstoffprüfung – Grundlagen. In: Lueger Lexikon der Technik. (vier Bände), Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbek 2003, ISBN 3-499-19008-7.
  • P. Rada: Die Technik der Keramik. Dausien 1989, ISBN 3-7684-1868-5.
  • Sven Frotscher: dtv-Atlas Keramik und Porzellan. München 2003, ISBN 3-423-03258-8.
  • Verband der Keramischen Industrie e.V. (Hrsg.): Brevier Technische Keramik. 4. Auflage. Fahner Verlag, Lauf a.d. Pegnitz 2003, ISBN 3-924158-77-0.

Weiterführende Informationen

Siehe auch

Einzelnachweise


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