Landgraben (Karlsruhe)

Landgraben (Karlsruhe)

Der Landgraben war ein Graben in Karlsruhe, der später zum einem Abwasserkanal umgebaut wurde. Bei seiner Fertigstellung besaß Karlsruhe nach Paris den zweitgrößten Sammelkanal in Europa.

Inhaltsverzeichnis

Offener Landgraben

Verlauf des Landgrabens

1588 veranlasste Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach zeitgleich mit der Errichtung des Schlosses Gottesaue den Bau des Landgrabens. Dieser sollte vom neuen Schloss bis zur Alb in Mühlburg führen und der Entwässerung der zwischen dem Schloss und Durlach verlaufenden Kinzig-Murg-Rinne dienen. Hochwasser in diesem Bereich konnte so zudem schneller zum Rhein abgeleitet werden.[1]

Sein Verlauf beeinflusste die Entwicklung der 1715 nördlich des Landgrabens gegründeten Stadt Karlsruhe, da der Landgraben die Symmetrie der Straßenverläufe der expandierenden Stadt verhinderte. Dreieckige Plätze wie der Lidellplatz und der Ludwigsplatz lassen sich auf den Graben zurückführen, der eine Seite dieser Plätze bildete.[2]

1768 wurde der Landgraben durch den „Stein(schiff)kanal“ bis zur Pfinz verlängert, um auch deren Hochwasser aufnehmen zu können. Gleichzeitig wurde er als Transportweg für Baustoffe ins wachsende Karlsruhe verwendet. Ab 1794 durften die Bürger der Stadt Abwasser aus Küche und Bad in den Landgraben leiten, nicht jedoch Fäkalien.[1]

Im selben Jahr erhielt ein Müller in Mühlburg vom Markgrafen die Genehmigung, am Landgraben eine Wassermühle zu errichten. Dafür musste der Graben gut einen Meter angestaut werden. Das Stauen des ohnehin wegen geringen Gefälles langsam fließenden Grabens führte zu seiner Verschlammung und einer starken Geruchsentwicklung besonders im Sommer. Bei Hochwasser hingegen überschwemmte der Landgraben die umgebenden Freiflächen bis in die Gebäude hinein.

Daher wurde 1815 damit begonnen, den Landgraben zu überbauen. Die Kosten dafür mussten die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke zahlen. Sie erhielten dafür das Eigentumsrecht an den neuen Flächen.[3] Nur die Überbauung entlang von Straßen wurde von der Stadt finanziert.[2] Der Bau des Gewölbes über dem Graben begann am Lidellplatz, die letzten Abschnitte im Westen der Stadt wurden erst 1905 fertiggestellt. In dieser Zeit wurden auch vermehrt kleine, „Dohlen“ genannte Kanäle gebaut, die Straßenwasser in den Landgraben ableiteten. Aus dem offenen Entwässerungsgraben war ein unterirdischer Abwassersammler geworden.

Landgrabenkorrektion

Der Stadtrat erteilte Stadtbaumeister Hermann Schück 1877 den Auftrag, eine Kanalisation für Karlsruhe zu entwickeln. Als Hauptsammelkanal sollte nach Schücks Entwürfen der Landgraben dienen, der dafür vertieft und ausgebaut werden musste. Eine Vertiefung war schon früher vorgesehen gewesen, was jedoch zum einen am Widerstand der Anlieger gescheitert war, die Gebäudeschäden durch die Arbeiten befürchtet hatten, zum anderen an mangelnden finanziellen Mitteln.[1] Um den Stau durch die Mühle aufheben zu können, wurden dem Müller nun die Wasserrechte für 70.000 Mark abgekauft.[2] 1883 wurde mit dem Bau begonnen, der auch das Dohlen-System beendete. Die Landgrabenkorrektion stellt somit den Beginn der modernen Kanalisation in Karlsruhe dar.

Zwei Jahre später wurden die Arbeiten abgeschlossen. Der Landgraben besaß nun einen Querschnitt von 17 m², nur die Kanalisation in Paris hatte einen größeren Sammelkanal in Europa. Großherzog Friedrich I. weihte das Bauwerk mit einer Kahnfahrt ein.[1]

Ab 1893 wurde auch die Fäkalienabschwemmung zugelassen, da mit der Einführung von Wasserklosetts der Grubenbetrieb für Fäkalien ein Ende fand. Da die Alb nicht noch stärker verschmutzt werden sollte, wurde der Bau einer Kläranlage beschlossen. Am Lameyplatz in Mühlburg zweigt seither ein Kanal Richtung Norden zum Klärwerk ab, das 1913 in Betrieb ging. Das ursprüngliche Endstück des Landgrabens bis zur Alb besteht heute noch als Überlauf bei starker Wasserführung.

Heutzutage haben tiefer liegende Kanäle die Hauptaufgaben des Landgrabens übernommen. Er fungiert als Auffangbecken bei Starkregen, wenn die jetzigen Hauptkanäle überlastet sind. Das Sandsteingewölbe des Landgrabens steht unter Denkmalschutz.[4]

Einzelnachweise

  1. a b c d Tiefbauamt der Stadt Karlsruhe
  2. a b c Karlsruher Geschichtsstunde auf ka-news.de
  3. Stadt Karlsruhe: Tag des offenen Denkmals 2004
  4. Stadtzeitung Karlsruhe

Weblinks


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